Gliederung
1. Einleitung 3
2. Verbände im Pluralismus 5
2.1 Verbände und ihre Rolle im pluralistischen System der BRD. 5
2.2 Der Versuch der Regulierung. 6
2.3 Kriterien an die innerverbandliche Demokratie 6
3. Die innerorganisatorische Demokratie in Verbänden der BRD. 8
3.1 Die Struktur von Verbänden 8
3.1.1 Die Determinante Größe 8
3.1.2 Die Determinanten Mitglieder und Führung. 9
3.1.3 Der formale Aufbau und die Kompetenzzuweisung 10
3.2 Die Diskussion über die Notwendigkeit von innerverbandlicher Demokratie 12
3.3 Der Einfluss der Binnendemokratie auf die Funktionen von Verbänden 15
4. Fazit. 17
5. Literaturliste 18
2
1. Einleitung
Innerhalb des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschlands nehmen Verbände eine entscheidende Position ein. Als intermediäre Einrichtungen haben sie erheblichen Anteil an der politischen Willensbildung und dienen den in ihnen organisierten Personen dazu, ihre Interessen gegenüber den staatlichen Institutionen artikulieren zu können. Sie stellen demnach eine Art Vermittler zwischen Bürger und Staat dar. 1 Interessenorganisationen haben damit enormen Einfluss auf den politischen Entscheidungsprozess. Da ihr Agieren grundsätzlich keine externe Legitimation erfährt, wie dies bei Parteien (Wahlen) geschieht, ist es von zentraler Bedeutung zu betrachten, woher die Entscheidungsträger innerhalb von Organisationen ihre Handlungsberechtigung erhalten. Vielmehr noch ist hier interessant zu untersuchen, auf welche Art und Weise die vom Verband vertretenen Interessen von dessen Mitgliedern eine demokratische Legitimation erhalten. Hierzu ist es notwendig den innerorganisatorischen Willensbildungsprozess darzulegen und zu analysieren, inwiefern man von innerverbandlicher Demokratie überhaupt sprechen kann.
Relativ schnell ist festzustellen, dass erhebliche Defizite in der demokratischen Struktur des Verbandssystems erkennbar sind. Bei dem bereits erwähnten Beitrag der den Verbänden im Politikprozess in der BRD zugesprochen wird, kann dies zu enormen Problemen für das System führen.
Jenes ist auch die Grundlage für die Frage nach der Gefahr, die der Mangel an innerverbandlicher Demokratie für die pluralistische Interessenvertretung darstellt. 2 Allgemein kann man davon sprechen, dass es ganz im Sinne des Pluralismus ist eine hohe Anzahl von Interessen in staatliche Entscheidungen mit einzubeziehen. 3 Allerdings bleibt zu klären, ob die positiven Aspekte dieser Einbindung bei der Betrachtung der innerorganisatorischen Demokratie noch haltbar sind.
Zunächst versuche ich, die Verbände im Pluralismus zu verorten, um dann dazu überzugehen, kurz den Versuch der gesetzlichen Regulation von innerorganisatorischen Strukturen darzustellen. Weiterhin werde ich auf Kriterien eingehen, welche die Binnendemokratie ausmachen, um dann anhand des Aufbaus von Beispielverbänden den Zustand dieser in der
1 Glaeßner, Gert-Joachim: Demokratie und Politik in Deutschland, Opladen 1999, S.368.
2 Massing, Peter: Interessengruppen, in: Nohlen, Dieter (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik, München 2001,
S.211.
3 Oberreuter, Heinrich: Pluralismus und Antipluralismus, in: Oberreuter, Heinrich (Hrsg.): Pluralismus, Opladen
1980, S. 28.
3
Bundesrepublik zu untersuchen. Daraus resultiert dann die Überlegung über den Nutzen von Demokratisierungsprozessen in komplexen Organisationen. Schließlich wird noch einmal auf die Rolle der Interessengruppen im Pluralismus eingegangen, indem die Beeinflussung ihrer Funktionen durch das Prinzip der konsequenten innerverbandlichen Demokratie betrachtet wird.
Die Aussagen dieser Hausarbeit beziehen sich nur auf Verbände des Wirtschafts- und Arbeitsbereiches, obwohl sie in Teilen auch in anderen Typen auffindbar sind. Diese Herangehensweise erlaubt jedoch zumindest ein Maß an Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit.
Der Hausarbeit liegt eine Sekundärliteraturanalyse zugrunde.
2. Verbände im Pluralismus
2.1 Verbände und ihre Rolle im pluralistischen System der BRD
Als Verbände bezeichnet man fest bestehende Organisationen, welche die interessengeleiteten Anliegen ihrer Mitglieder gegenüber der Öffentlichkeit und im speziellen gegenüber der Politik vertreten. Sie bieten demnach den in ihnen Organisierten die Möglichkeit zur politischen Partizipation. Des Weiteren haben sie die Aufgabe, ihren Einfluss gegenüber Interessengruppen mit abweichenden oder entgegen gesetzten Vorstellungen geltend zu machen. 4 Die als legitim betrachtete Einbringung einer Vielzahl von verschiedenen, aus frei gebildeten Gruppen hervorkommenden Interessen in die politische Willensbildung und damit auch in den staatlichen Entscheidungsprozess wird als grundlegendes Merkmal einer pluralistischen Demokratie verstanden. 5
Legt man die Vorstellung zugrunde, dass Pluralismus gekennzeichnet ist durch die Konkurrenz verschiedenster Zusammenschlüsse und der durch sie vertretenen Interessen, 6 so ist festzustellen, dass die Verbände eine entscheidende Rolle für das Funktionieren dieses Prinzips einnehmen. Fernerhin wird dies noch unterstützt durch die im Pluralismus vorherrschende Idee vom Zustande kommen des Gemeinwohls. Was als ein solches zu betrachten ist, kann nicht festgelegt werden, sondern sich nur durch die konfliktreiche
4 Glaeßner, Gert-Joachim: a.a.O., S. 368.
5 Rudzio, Wolfgang: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland, 4. Aufl., Opladen 1996, S.65.
6 Oberreuter, Heinrich: a.a.O., S. 28.
4
Auseinandersetzung von Interessengruppen herauskristallisieren. 7 Allerdings muss man hier auch erwähnen, dass die spezifischen Verbandsinteressen häufig mit dem Charakter des Gemeinwohls belegt sind, um deren Wichtigkeit darzustellen. 8 Gerade bei diesem Anspruch stellt sich die Frage nach der Legitimation der vertretenen Interessen. Dies führt zu einem weiteren wichtigen Aspekt im Pluralismus, in dem die demokratische Willensbildung von zentraler Bedeutung ist. 9 Die einzelnen durch die Verbände artikulierten Interessen müssen also auch eine demokratische Legitimation erhalten haben, um den hohen Stellenwert, der ihnen im System der Bundesrepublik Deutschland zukommt, rechtfertigen zu können. Ob und inwieweit diese Vorraussetzung sich in den Interessengruppen wieder findet, wird noch zu klären sein.
2.2 Der Versuch der Regulierung
Verbände grenzen sich gegenüber Parteien dahingehend ab, dass sie weder theoretisch noch programmatisch auf die Übernahme beziehungsweise die Beteiligung an der Regierungsverantwortung abzielen. 10 Eine Verpflichtung zu innerorganisatorischer Demokratie, wie dies bei den Parteien über das Grundgesetz (Art.21) geschieht, besteht für die Verbände nicht. 11
Dieser Mangel wurde Mitte der 70er Jahre durch die Politik aufgegriffen, und vor allem Liberale und Konservative verlangten nach gesetzlichen Regelungen für Verbandsfragen. 12 Es entstand die Idee eines Verbändegesetzes, welches sich am Parteiengesetz orientieren sollte 13 und auf eine Ausweitung des Grundgesetzartikels 9 abzielte, um innerverbandliche Demokratie zur gesetzlichen Pflicht zu erheben. 14
Sowohl die Gewerkschaften, als auch die Unternehmerverbände lehnten jedwede staatliche Regulierung der innerorganisatorischen Strukturen ab. 15 Keine der von den Parteien präsentierten Vorlagen konnte sich durchsetzen, so dass der Versuch, die Angelegenheiten der Verbände in stärker kontrollierbare Formen zu bringen, schließlich scheiterte.
7 Rudzio, Wolfgang: Das politische System, S.66.
8 Alemann, Ulrich von: Organisierte Interessen in der Bundesrepublik, Opladen 1987, S.185.
9 Schwan, Alexander: Die dreifache Herausforderung des Pluralismus durch den Marxismus, in: Oberreuter,
Heinrich (Hrsg.): Pluralismus, Opladen 1980, S.128.
10 Glaeßner, Gert-Joachim: a.a.O., S.368.
11 Alemann, Ulrich von: Organisierte Interessen, S.166.
12 Heinze, Rolf G.: Verbandskontrolle oder Gewerkschaftsgesetz: die Kritik von SPD und DGB an
neokorporativer Einbindung der Verbände, in: Alemann, Ulrich von/Heinze, Rolf G.: Verbände und Staat. Vom
Pluralismus zum Korporatismus. Analysen, Positionen, Dokumente, Opladen 1979, S.154.
13 Ebd.
14 Alemann, Ulrich von: Organisierte Interessen, S.184.
15 Ebd., S.185.
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Arbeit zitieren:
Claudia Felber, 2004, Die innerorganisatorische Demokratie in Verbänden der BRD, München, GRIN Verlag GmbH
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