Inhaltsverzeichnis:
Einleitung und Biographisches 1
Cherubini und das Streichquartett 7
Das Streichquartett Nr. 1 in Es-Dur 10
1. Satz: Einleitung - Adagio 12
1. Satz: Allegro agitato 13
2. Satz: Larghetto sans lenteur 16
3. Satz: Scherzo - Allegretto moderato 17
4. Satz: Finale - Allegro affettuoso 20
Literaturnachweis und Anlagen 23
Jugendbildnis Cherubinis
Einleitung und Biographisches
Portrait Cherubinis von 1842 Choron, Paris 1810) selbst unrichtig angab. Dort
ist als Geburtstag der 8. September verzeichnet. Castil-Blaze, der Verfasser eines Dictionnaire de la Conversation, erklärt diesen Fehler damit, dass der Geburtstag der 8. September und der Tauftag schließlich der 14. September 1760 gewesen sei. Dieser Irrtum verwirrte die Musikwissenschaft der folgenden Generationen, so dass in der Literatur verschiedene Daten des Geburtstages, sogar verschiedene Geburtsjahre zu finden sind 2 . Bellasis weist darauf hin, dass der Geburts- und Tauftag eindeutig seien, da beide durch offizielle Zeugnisse (Tauf- und Geburtsurkunde) der Stadt Florenz belegt sind.
Hohenemser weist am Anfang seines Buches über Cherubini darauf hin, dass „vielleicht kein anderer Meister seinem Biographen die Arbeit in gewissen Beziehungen so leicht gemacht habe wie Cherubini, dank seiner überaus großen Ordnungsliebe und Genauigkeit, die bei einem genialen Künstler anzutreffen uns besonders wohltut, die aber freilich andererseits auch an Pedanterie grenzten“ 3 .
1 E. Bellasis, Luigi Cherubini. Leben und Werk in Zeugnissen seiner Zeitgenossen, übers etzt von J. Rheinberger, Hrsg. H .-J. Irmen, (=Studien zur Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts, Bd. 30). Regensburg 1972, S. 3.
2 Ebenda S. 4.
3 R. Hohenemser, Luigi Cherubini - Sein Leben und seine Werke, Leipzig 1913, S. 1.
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In seiner Lebenszeit konnte Cherubini zwei Epochen der Musikgeschichte, die Klassik und die frühe Romantik, miterleben. Zahlreiche große Komponisten wie Johannes Brahms, Carl-Maria von Weber, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Richard Wagner äußerten sich voll Lobes über Cherubini. Auch einer seiner Widersacher, Hector Berlioz, vermochte ihm sein Können nicht abzusprechen 4 .
In der heutigen Zeit spielt Cherubini neben den Großmeistern Haydn, Mozart und Beethoven eher eine untergeordnete Rolle. Saak geht sogar soweit zu behaupte n, dass Cherubini „weitgehend in Vergessenheit geraten ist“ 5 . Daran konnten laut Saak weder die „Wiederbelebungsversuche einzelner Dirigenten, Kantoren und Institutionen wie Rundfunk, Schallplattenindustrie und Opernhäuser, noch die Veröffentlichungen einiger Musikwissenschaftler“ etwas ändern 6 . Unter den letzteren hebt Saak hauptsächlich die Biographien von Richard Hohenemser und Ludwig Scheemann 7 hervor und weist darauf hin, dass sich diese „vortrefflich ergänzen“ 8 . Laut Saak gehe Hohenemser mehr auf die Entstehungsgeschichte und genaue Beschreibung der Werke ein, während Scheemann sich eher der Biographie Cherubinis widmet.
An dieser Stelle sei die frühe Cherubini-Biographie von Edward Bellasis 9 erwähnt, die interessante Zeugnisse von Cherubinis Zeitgenossen beinhaltet und in einer deutschen Übersetzung Josef Rheinbergers (1839-1901) vorliegt. Dieses Werk ist deswegen interessant, weil es zum größten Teil eine Sammlung zeitgenössischer Dokumente bietet, und der „Verfasser sich möglichst jedes Kommentars enthält“ 10 .
4 S. Saak, Studien zur Instrumentalmusik von Luigi Cherubini. Diss., Göttingen 1979, S. 1. Siehe auch Bellasis S. 162f.
5 Ebenda S. 1.
6 Ebenda S. 1.
7 L. Scheemann, Cherubini. Berlin - Stuttgart 1925.
8 S. Saak, S. 1.
9 E. Bellasis , Luigi Cherubini. S. V.
10 Ebenda S. 3.
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Weiter weist Saak darauf hin, dass Orlando A. Mansfield 11 1929 „versuchte, das Interesse der Fachwelt auf die Streichquartette Cherubinis zu lenken, indem er durch mehr oder weniger ausführliche Analysen einzelner Sätze auf deren satztechnische und ästhetische Qualität hinwies“ 12 .
Cherubinis Vater, Bartholomeo Cherubini, war als maestro al clavicembalo am Pergola-Theater in Florenz angestellt, seine Mutter war Verdiana Cherubini. Beide Elternteile stammten aus Florenz und musste n sich das bescheidene Haus in der Via Fiesolana 22, das seit 1860 eine Inschrift trägt, mit ihren zwölf Kindern, vo n denen Cherubini das zehnte war, teilen. Überdies wissen wir wenig über seine Eltern und über die Verhältnisse, in denen er aufwuchs.
Im Buch B ellasis’ 13 ist folgender autobiographischer Bericht Cherubinis abgedruckt: „Mit sechs Jahren begann ich, Musik zu üben und mit neun Jahren die Komposition. In der ersten unterwies mich mein Vater, Barthelemi Cherubini, Professor der Musik; in der zweiten waren Barthelemi Felici und Alexandre Felici meine beiden ersten Lehrer. Nach ihrem Tode hatte ich Pierre Pizzari und Joseph Castrucci als Lehrmeister. Ungefähr im Jahre 1777 oder 1778 erhielt ich vom Großherzog Leopold ein Stipendium, um meine Studien fortzusetzen und mich unter dem berühmten Joseph Sarti zu vervollkommnen, bei dem ich drei oder vier Jahre arbeitete. Es waren die Ratschläge und Unterweisungen dieses großen Meisters, die mich im Kontrapunkt und in der dramatischen Musik geformt haben… 14 .
Im Alter von 13 Jahren beschäftigte Cherubini sich vor allem mit der Kirchenmusik und begann dann das oben erwähnte Studium bei dem bedeutenden italienischen Komponisten Giuseppe Sarti (1729-1802) aus Faënza , das ihm durch das Stipendium des Großherzogs der Toskana (des
11 O. A. Mansfield, Cherubini’s String-Quartetts. In: The Musical Quarterly XV, 1929, S. 590-605.
12 S. Saak, S. 2.
13 Siehe Fußnote 1 .
14 E. Bellasis: Luigi Cherubini. S. 5.
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späteren Kaisers Leopold II.) ermöglicht wurde. Sarti war wiederum ein Schüler des bekannte n Padre Martini.
Bellasis überliefert, dass es Sartis Lehrart war, Werke alter Komponisten abschreiben zu lassen. 15 So wurden nach Cherubinis Tod unzählige dieser Abschriften aufgefunden.
Schon im Alter von 15 Jahren schrieb Cherubini seine erste Oper, und bereits in den 1780er Jahren hatte er die ersten kleineren Opernerfolge in verschiedenen italienischen Städten erringen können.
Im Jahre 1786 ging Cherubini für zwei Jahre als Dirigent in die englische Hauptstadt London, und im Jahre 1788 siedelte er nach Paris über, um sich hier als Opernkomponist zu etablieren. Dort schrieb er 1788 seine erste Oper „Démophoon“ nach einem Libretto von Jean-François Marmontel. Zu seinen herausragenden Opernkompositionen gehören die „Médée“ aus dem Jahre 1797 und “Les deux journées“ aus dem Jahre 1800. Mit diesem Operntyp wurde Cherubini den Idealen seiner Zeit und dem Anliegen der Französischen Revolution gerecht, und er bereitete damit außerdem die Grand Opera vor, den Typ der „Schreckens-“ und „Rettungsoper“, die vom Kampf der Unterdrückten gegen die Tyrannei der Herrschenden und schließlich vom Sieg des Guten handelt.
Im Jahre 1803 zog Cherubini von Frankreich nach Wien, da ihm Napoleon, der ihn wenig schätzte, die große Oper nicht mehr zur Verfügung stellte. Bellasis berichtet von einem Zusammentreffen Cherubinis mit Napoleon. Beide trafen sich im Theater in der gleichen Loge, und Napoleon soll gesagt haben: „Mein lieber Cherubini, Sie sind sicherlich ein ausgezeichneter Musiker, aber Ihre Musik ist so lärmend und kompliziert, dass ich nichts damit machen kann“; worauf Cherubini erwidert haben soll: „Mein lieber General, Sie sind sicherlich ein ausgezeichneter Soldat, aber was die Musik betrifft, bitte ich mich zu
15 E. Bellasis: Luigi Cherubini. S. 8.
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entschuldigen, wenn ich es nicht für nötig erachte, meine Kompositionen ihrem Verständnis anzupassen“ 16 . Dies soll, so Bellasis, der Beginn ihrer „Entfremdung“ gewesen sein.
In Wien wurde Cherubini jedenfalls enthusiastisch empfangen, u. a. von Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven. Letzterer schreibt in einem bei Bellasis abgedruckten Brief, der Cherubini höchstwahrscheinlich nie erreichte, dass er dessen Werke „über alle anderen theatralischen schätze“ 17 .
Für die Stadt Wien komponierte er 1806 die Oper „Faniska“. Im Jahre 1813 wurden dann erstmals an der Pariser Oper Werke von Cherubini gespielt, und im Jahre 1821 wurde er sogar zum Direktor des Pariser Konservatoriums ernannt.
Gegen Lebensende verblasste sein Stern am Opernhimmel, nachdem jüngere Komponisten wie Gaspare Spontini (1774-1851) oder Giacomo Meyerbeer (1791-1864) erfolgreichere Werke präsentieren konnten. Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde Cherubini depressiv und wandte sich seinem Hobby, der Botanik, verstärkt zu. In dieser Zeit widmete er sich noch einmal besonders der Kirchenmusik, und er komponierte zwischen 1811 und 1825 sechs große Messen sowie das Requiem in c-Moll. Erst mit 74 Jahren wandte sich Cherubini schließlich ausführlich der Kammermusik zu. Es entstanden zwischen 1834 und 1837 vier Streichquartette und ein Streichquintett sowie das Requiem in d-Moll, das er für seine eigene Trauerfeier schrieb. Seine letzte Oper, „Ali-Baba“, wurde im Jahre 1833 aufgeführt.
An Orchesterwerken schrieb Cherubini eine heute verschollene Chaconne (London 1785), eine Konzertouvertüre sowie eine Sinfonie in D-Dur. Diese Sinfonie wurde dann vierzehn Jahre später, im März 1829, nachträglich zum Streichquartett Nr. 2 in C-Dur umgearbeitet, nachdem der Geiger Pierre Baillot
16 E. Bellasis: Luigi Cherubini. S. 57.
17 Ebenda. S 155.
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Kapellmeister, Dipl.-Konzertsolist, Dipl.-A-Kirchenmusiker Thomas Frank, 2003, Das Streichquartett Nr. 1 in Es-Dur von L. Cherubini, München, GRIN Verlag GmbH
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