Diplomarbeit Christoph Schinke
Diplomarbeit
Grundlegende Technologieschritte zur Entwicklung eines thermischen Thema:
Massenflusssensors bei Common-Rail-Einspritzsystemen
Bearbeiter: Christoph Schinke
Einreichung: 31.03.2000
Fachhochschule München:
Fachbereich 06: Physikalische Technik
Schwerpunkt:
DaimlerChrysler AG:
Forschung und Technologie
Ottobrunn, Abteilung FT2/M
Geheimhaltung:
Diese Arbeit unterliegt für zwei Jahre ab Einreichungsdatum der Geheimhaltungspflicht
und ist für diese Zeit zur Weitergabe an externe Stellen gesperrt.
2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abbildungsverzeichnis 5
1 Einleitung 7
1.1 Anforderungen an zukünftige Einspritzsysteme 7
1.2 Common-Rail-Einspritzsystem 8
1.3 Motivation 9
2 Grundlagen der Flusssensorik 10
2.1 Physikalischer Hintergrund 10
2.2 Sensorprinzip und Sensorschaltung 11
3 Sensorlayout und Anforderungsspektrum 13
3.1 Aufbau des Sensorelementes 13
3.2 Layout der Heizwiderstände 13
3.3 Anforderungsspektrum 14
4 Technologie und Prozessschritte 15
4.1 Substratmaterial 15
4.2 Oberflächenvergütung des Substrates 17
4.2.1 Läppen der Rückseite 17
4.2.2 Polieren der Vorderseite 20
4.3 Temperaturbehandlung des Substratmaterials 24
4.3.1 Auswirkungen auf die Materialkombination Keramik - Glas 24
4.3.2 Ergebnis 26
4.4 Strukturierung des Sinterglases 27
4.4.1 Auswahl des Ätzverfahrens 27
4.4.2 Ionenstrahlätzen 28
4.4.3 Ätzmaske aus Aluminium mittels Lift-Off 31
4.5 Realisierung der Heizwiderstände 33
4.5.1 Materialauswahl und Schichtabscheidung 33
4.5.2 Eigenschaften der Aufdampfschicht und Modifikation durch Tempern 34
3
Inhaltsverzeichnis
35
4.5.3 Strukturierung der Widerstände
36
4.5.3.1 Ätzen in HCl H 2 O 2
36
4.5.3.2 Ätzen in Salpetersäure
37
4.5.3.3 Ätzen in Königswasser
38
4.5.3.4 Besonderheiten im Prozessablauf
39
4.6 Passivierung der Heizwiderstände
39
4.6.1 Materialauswahl und Schichtabscheidung
40
4.6.1.1 Passivierung aus Diamant
41
4.6.1.2 Passivierung aus Siliziumkarbid
42
4.6.2 Strukturierung der Passivierung
44
4.7 Zusammenfassung des Prozessablaufes als Flow-Chart
46
5 Charakterisierung der Sensorelemente
46
5.1 Elektrische Charakterisierung der Molybdän-Dünnschicht
51
5.2 Chemische Analyse der Molybdän-Dünnschicht
52
5.3 Charakterisierung der Heizwiderstände mit der Thermokamera
53
5.3.1 Messaufbau
54
5.3.2 Ergebnisse
57
6 Zusammenfassung und Ausblick
59
7 Literaturverzeichnis
62
Anhang A: Layout der Heizwiderstände
4
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Seite
Bild 1 1: Common-Rail-Einspritzsystem 8
Bild 1 2: Beabsichtigte Integration des Flusssensors in die Einspritzdüse 9
Bild 2 1: Wheatstone-Brückenschaltung mit einem variablen Element 11
Bild 2 2: Funktionsprinzip eines thermischen Massenflusssensors mit zwei Heizwiderständen 12
Bild 3 1: Aufbau des Sensorelementes im Querschnitt 13
Bild 3 2: Kritische Bruchzähigkeit von Silizium und Al 2 O 3 -Keramik 14
Bild 4 1: Schematischer Aufbau der Multilayer-Keramik mit Leiterbahndurchführungen 16
Bild 4 2a: Interface Keramik Sinterglas 16
Bild 4 2b: Oberfläche der Keramik 16
Bild 4 3: Leiterbahndurchführung auf der Substrat-Rückseite nach dem Sintern 18
Bild 4 4a: Läppmaschine 18
Bild 4 4b: Auf Stempel aufgeklebte Probe nach der Ring-Methode 18
Bild 4 5: Einflussparameter beim Planläppen 19
Bild 4 6: Geläppte Oberfläche 20
Bild 4 7: Zusammenstellung verschiedener Prozessparameter beim Polieren 21
Bild 4 8a: Leiterbahndurchführung vor dem Polieren 22
Bild 4 8b: Leiterbahndurchführung nach dem Polieren 22
Bild 4 9: Topografie einer polierten Durchführung 23
Bild 4 10: Probenrand nach einer Temperaturbehandlung 25
Bild 4 11: Aufgeplatzte Luftblase an der Glasoberfläche 25
Bild 4 12: Abnahme der Dichte von Keramik in Abhängigkeit der Ätzzeit 27
Bild 4 13a: Ionenstrahlätzreaktor der Firma TePla 28
Bild 4 13b: Prinzipieller Aufbau des Ionenstrahlätzreaktors 28
Bild 4 14: Ätzrate von Sinterglas beim Ionenstrahlätzen 29
Bild 4 15: Qualitativer Verlauf der Ätzrate in Abhängigkeit des Auftreffwinkels der Ionen 30
Bild 4 16: Winkelabhängigkeit der Ätzrate von Sinterglas und Aluminium 30
Bild 4 17a: Relative Zunahme der Rauhigkeit abhängig vom Winkel 31
Bild 4 17b: Relative Zunahme der Rauhigkeit abhängig von der Ätzzeit
31
Bild 4 18a: Schematische Darstellung des Lift-Off-Prozesses 32
Bild 4 18b: Aluminium-Ätzmaske realisiert mit Lift-Off-Technik 32
Bild 4 19a: Aufdampfanlage der Fa Balzers zur Molybdän-Schichtabscheidung 34
Bild 4 19b: Innenansicht der Aufdampfanlage 34
Bild 4 20: Ätzrate von Molybdän in Königswasser bei Raumtemperatur in Abhängigkeit der Verdünnung 37
Bild 4 21a: Ein mit Königswasser strukturierter Dünnfilmwiderstand aus Molybdän 38
Bild 4 21b: Ein mit Königswasser strukturierter Dünnfilmwiderstand aus Molybdän 38
Bild 4 22: Überblick über gängige Passivierungsschichten nach thermischen Eigenschaften geordnet 40
5
Abbildungsverzeichnis
Bild 4 23: Diamantschicht auf Keramik Sinterglas abgeschieden 41
Bild 4 24a: Unerwünscht hoher Wärmefluss über die Passivierung 42
Bild 4 24b: Minimaler Wärmefluss durch Strukturierung der Passivierung 42
Bild 4 25a: Plasmareaktor zum Ätzen von SiC 43
Bild 4 25b: Schematischer Aufbau des Plasmareaktors 43
Bild 5 1: Widerstand einer Molybdän-Teststruktur bei RT in Abhängigkeit von deren L B-Verhältnis 46
Bild 5 2: Aufgedampfte Molybdän-Dünnschicht mit typisch nadelförmigem Kristallitgefüge 47
Bild 5 3: Zunahme des spezifischen Widerstandes von Molybdän nach Temperung gemessen bei RT 48
Bild 5 4a: Aufbau des Hochtemperaturmessplatzes 49
Bild 5 4b: Blockschaltbild des Hochtemperaturmessplatzes 49
Bild 5 5: Temperaturabhängigkeit einer 35 nm bzw 110 nm dicken Molybdän-Dünnschicht 50
Bild 5 6a: Unbehandelte Molybdänschicht ( as deposited ) 52
Bild 5 6b: Molybdänschicht getempert bei 600 C 30 min 52
Bild 5 7: Gebondete Heizwiderstände aus Molybdän mit Bondpads 53
Bild 5 8: Messaufbau für die Aufnahme von Thermobildern 53
Bild 5 9: Thermobild eines u-förmigen Heizwiderstandes bei kleiner Heizleistung 54
Bild 5 10: Thermobild eines u-förmigen Heizwiderstandes bei hoher Heizleistung 55
Bild 5 11: Temperaturprofil längs eines Heizwiderstandes 55
Bild 5 12: Abhängigkeit der Sensortemperatur von der elektrischen Heizleistung 56
Bild A 1 62
Bild A 2 62
Bild A 3 63
6
Kapitel 1 Einleitung
1 Einleitung
1.1 Anforderungen an zukünftige Einspritzsysteme
Aufgrund immer höherer Anforderungen seitens des Gesetzgebers, aber auch des Autofahrers, im Hinblick auf ökologische (niedrige Abgaswerte) und ökonomische (geringer Sprit- verbrauch) Aspekte sowie Fahrkomfort (Geräuschreduzierung), wurde nach einer Einspritz- technik im Kfz-Bereich gesucht, die alle drei Punkte bestmöglich erfüllt. So will im Zuge der Reduzierung der Emissionen die Europäische Kommission die Abgasgrenzwerte für Pkws und Nutzfahrzeuge deutlich senken: Laut Norm Euro III (die im Jahr 2000 eingeführt werden soll) darf z.B. der Ausstoß von Partikeln bei Diesel-Pkws nur noch 0,05 g/km betragen [1], da hier die erheblichen Umweltwirkungen der Verbrennungsprodukte nicht zu übersehen sind [2]. Ebenso ist eine drastische Reduzierung des NO x - und des HC-Ausstoßes geplant [1]. Im Jahr 2005 soll diese Norm dann von der Euro IV abgelöst werden, in der ungefähr eine noch- malige Halbierung dieser Grenzwerte vorgesehen ist [1].
Diese Auflagen können in Summe mit anderen Einspritzsystemen (Pumpe-Düse, magnetven- tilgesteuerte Verteilerpumpe) nur schwer oder überhaupt nicht erfüllt werden. Als Alternative zu den eben genannten Systemen bietet sich die Direkteinspritzung des Kraftstoffes in den Brennraum an.Um jedoch das gesamte Potenzial dieses Konzeptes ausschöpfen und einen optimalen Verbrennungsablauf realisieren zu können, ist eine über den gesamten Drehzahlbe- reich sehr genau dosierte Piloteinspritzung erforderlich. Man versteht darunter die Einsprit- zung einer sehr kleinen Kraftstoffmenge in den Brennraum vor der Haupteinspritzung [3]. Die Piloteinspritzung ist hauptsächlich für die Senkung der NO x - u. HC-Emission verantwortlich. Es wird dadurch aber nicht nur der Schadstoffausstoß minimiert, sondern auch die Ge- räuschemission während des Verbrennungsablaufes und dadurch die mechanische Belastung der Motorbauteile [3], was besonders bei Dieselmotoren aufgrund des höheren Verbren- nungsdruckes von Vorteil ist.
Allgemein gesprochen kann durch eine geeignete Gestaltung des Einspritzverlaufes, d.h. kon- kret durch die zeitliche Trennung von Pilot- und Haupteinspritzung, die Einhaltung der ge- setzlich geforderten Grenzwerte realisiert werden, wie ein Vergleich mit Messergebnissen zeigt [4]. Da hier das meiste Entwicklungspotenzial vorhanden ist, basieren die neuen Motor- generationen fast nur noch auf der Direkteinspritztechnologie. So liegt im Jahr 2000 der An- teil der direkt einspritzenden Dieselmotoren gemessen an der gesamten Dieselmotorenproduk- tion in Westeuropa bei schätzungsweise 85% [5]. Es gibt verschiedene Lösungsansätze und
7
Kapitel 1 Einleitung
Verfahren der Direkteinspritzung (z.B. das System „Pumpe-Düse“ oder „Common-Rail“), von denen einige schon in Serie überführt worden sind. Da meine Arbeit auf die Weiterent- wicklung des bestehenden Common-Rail-Systems ausgelegt ist, soll nachfolgend kurz darauf eingegangen werden.
1.2 Common-Rail-Einspritzsystem
Aufgrund einer von der Daimler-Benz AG im Jahre 1993 durchgeführten Studie, in der ver- schiedene Diesel-Direkteinspritzsysteme verglichen wurden, erkannte man die enormen Vor- teile des Common-Rail-Systems (CR-Systems) hinsichtlich Geräuschoptimierung und Schad- stoffreduzierung. In einem Verbundprojekt u.a. mit der Robert Bosch GmbH wurde dieses System zur Serienreife entwickelt und in die Serienproduktion überführt [6]. Bild 1.1 verdeut- licht schematisch den grundsätzlichen Aufbau dieses Systems.
Bild 1.1: Common-Rail-Einspritzsystem, nach [3], S. 165
Über eine Hochdruckpumpe wird der angesaugte und gefilterte Kraftstoff in die Verteilerleis- te, die so genannte Common Rail, befördert und „gespeichert“. Typische Systemdrücke in der Rail betragen 1350 bar [3]. Das „Herzstück“ des CR-Systems bilden die magnetventilgesteu- erten Injektoren, über deren jeweilige Einspritzdüse, welche in Bild 1.2 dargestellt ist, der Kraftstoff in den Brennraum gelangt.
Bei schnell laufenden Dieselmotoren ist es notwendig, kleinste Pilotmengen von ca. 1,5 mm 3 /Hub stabil über den gesamten Drehzahlbereich einspritzen zu können [6]. Im Gegensatz dazu ist beim „Pumpe-Düse-System“ eine stabile Piloteinspritzung nur bis zu einer Drehzahl
8
Kapitel 1 Einleitung
von maximal 3000/min möglich [6]. Der Vorteil, Pilot- und Haupteinspritzung frei wählen zu können, ist der Hauptgrund für die Bevorzugung des CR-Systems. Die Steuerung des gesam- ten Einspritzverlaufes während eines Arbeitsspieles stellt jedoch ein noch zu optimierendes Problem dar.
1.3 Motivation
Ein Lösungsansatz besteht darin, eine zuverlässige Methode zu entwickeln, mit der die Ein- spritzmengen genau bestimmt werden können. Das Ziel der derzeitigen Forschungsarbeit auf diesem Gebiet bei der DaimlerChrysler AG ist die Entwicklung eines Systems zur integrierten Durchflussmessung. Das Kernstück dieses Systems bildet, wie in Bild 1.2 dargestellt ist, ein Flusssensor, der im Bereich der Düsenspitze in die Einspritzdüse integriert werden soll.
Sensorhalterung
Bild 1.2: Beabsichtigte Integration des Flusssensors in die Einspritzdüse
Eine Produktrecherche zeigte, daß es keine kommerziellen Sensoren zur Durchflussmessung gibt, die dieses Problem lösen könnten bzw. die den Anforderungen hinsichtlich Bauteilgröße und Umgebungsbedingungen entsprechen [7]. Deshalb war es notwendig, einen geeigneten Massenflusssensor im Haus zu entwickeln.
Gegenstand dieser Diplomarbeit ist die technologische Entwicklung eines Herstellungspro- zesses zur mikromechanischen Fertigung des Sensors und die Charakterisierung erster Proto- typen. Die Arbeit wurde im Rahmen des internen Projektes NET („Neue Einspritztechnolo- gien“) bei DaimlerChrysler Forschung und Technologie, Abteilung FT2/M, Labor 15, Bereich „Robuste Mikrosysteme“ in Ottobrunn angefertigt.
9
Kapitel 2 Grundlagen der Flusssensorik
2 Grundlagen der Flusssensorik
Es gibt eine Menge verschiedener Methoden zur Massenflussbestimmung. Einer durchgeführ-
ten Bewertung der gängigen Verfahren zufolge eignet sich die thermische Massenflussmes-
sung am besten für den gewünschten Einsatzbereich des Sensors, da hier kleinste Mengen
sehr genau und mit einer hohen Tastrate gemessen werden können. Zudem ist eine robuste
Miniaturisierung des Sensors sehr gut möglich [7]. Im Folgenden sollen die Grundlagen und
die Wirkungsweise dieser auch als „Hitzfilmanemometrie“ bezeichneten Methode erläutert
werden.
2.1 Physikalischer Hintergrund
Das zugrunde liegende physikalische Prinzip der direkten Massenflussmessung ist der Wär-
meübergang eines geheizten Körpers in das vorbeiströmende Fluid. Durch diese Wärmeauf-
∆ . Der Wärmetransfer in
nahme erfährt das strömende Medium eine Temperaturerhöhung T
das Fluid wird durch die Navier-Stokes-Gleichungen beschrieben [8]. Es existieren für be-
stimmte Geometrien empirisch gefundene analytische Lösungen. Aufgrund der komplexen
Wechselwirkungen zwischen Hitzfilm und Strömungsmedium gibt es bis heute keine ge-
schlossene Theorie über den Zusammenhang zwischen elektrischen und stömungsmechani-
schen Größen. Die in der Hitzfilmanemometrie gängige Beschreibung des Zusammenhangs
zwischen abgegebener Wärmemenge Q und Massenstrom M nach King lautet [9]:
A und B sind empirische Konstanten, die von verschiedenen strömungsmechanischen Grö-
ßen abhängig sind und jeweils für die verwendete Geometrie experimentell zu bestimmen
sind [8], [9]. Der Faktor n liegt erfahrungsgemäß zwischen 0,2 und 0,6 [9].
10
Kapitel 2 Grundlagen der Flusssensorik
2.2 Sensorprinzip und Sensorschaltung
Das Prinzip des thermischen Massenflusssensors basiert auf dem Thermowiderstandseffekt,
d.h. der Temperaturabhängigkeit eines elektrischen Widerstandes. Diese Abhängigkeit wird
bei Metallen näherungsweise für bestimmte Temperaturbereiche beschrieben durch [10]:
∆
Der Temperaturkoeffizient α ist für Metalle positiv, d.h. der Widerstand R steigt um R bei einer Temperaturerhöhung T
menden Medium gebracht, so verringert sich aufgrund der kühlenden Wirkung des Fluids
seine Betriebstemperatur. Eine negative Widerstandsänderung ist die Folge, welche über eine
Wheatstone’sche Brückenschaltung, wie in Bild 2.1 gezeigt, ausgelesen werden kann.
Bild 2.1: Wheatstone-Brückenschaltung mit einem variablen Element, nach [9], S. 93
Über die Schalterstellung A wird die Brücke vor jeder Messung statisch abgeglichen. Die
Messung an sich erfolgt über die Schalterstellung B. Diese Meßanordnung wird aufgrund der
geforderten hohen Auslesegeschwindigkeit im „Konstanttemperatur-Modus“ betrieben, d.h.
R bei Flussänderung bewirkt eine Verstimmung der Wärmeverlust am Sensorwiderstand H
der Brückenschaltung, welche die Stellgröße für den nachgeschalteten Differenzverstärker ist.
Durch Erhöhung der elektrischen Heizleistung, d.h. durch Erhöhung des Brückenspeisestro-
I , wird H R wieder auf seinen ursprünglichen Wert gebracht und somit die Brücken- mes B
spannung wieder abgeglichen. Durch Messung der nachgeführten Leistung kann direkt auf
den Massenfluss geschlossen werden. Es gilt [9]:
11
Kapitel 2 Grundlagen der Flusssensorik
Dabei werden parasitäre Effekte, wie z.B. Wärmeverluste in das Substrat nicht mit berück-
sichtigt. Zur Bestimmung der Flussrichtung werden zwei Widerstände, wie in Bild 2.2 darge-
stellt ist, in Kontakt mit dem Fluid gebracht, wobei beide jeweils einzeln in einer separaten
Wheatstone-Brücke ausgelesen werden.
Bild 2.2: Funktionsprinzip eines thermischen Massenflusssensors mit zwei Heizwiderständen
Der in Bezug auf die Flussrichtung zweite Widerstand („downstream“) erfährt aufgrund der
Temperaturerhöhung des Fluids eine schwächere Kühlung als der erste („upstream“). Damit
ist für diesen zweiten Heizwiderstand die nachgeregelte elektrische Leistung geringer als
beim ersten. Diese Differenz kann über einen Komparator ausgelesen werden. Das Vorzei-
chen ist dann ein Hinweis auf die Flussrichtung.
12
Kapitel 3 Sensorlayout und Anforderungsspektrum
3 Sensorlayout und Anforderungsspektrum
3.1 Aufbau des Sensorelementes
Der schematische Aufbau wird in Bild 3.1 durch einen Schnitt durch das Sensorelement ver- deutlicht.
Bild 3.1: Aufbau des Sensorelementes im Querschnitt
Der scheibenförmige Sensorchip besteht aus einem Keramiksubstrat mit druckstabilen Leiter- bahndurchführungen, einer Sinterglasoverlayer, Heizwiderständen aus Molybdän, sowie einer Passivierungsschicht aus Siliziumkarbid. Die elektrische Kontaktierung erfolgt über die Sub- strat-Rückseite via Ultraschall-Draht-Bonds. Um den Einfluß der mechanischen Kräfte zu minimieren, die aufgrund der zu erwartenden hohen Geschwindigkeiten des Fluids in der Dü- se auf den Sensor wirken, sind die Heizwiderstände in die Sinterglasschicht eingebettet. Zur Auswahl der einzelnen Materialien sei auf das Kapitel 4 verwiesen. Der Durchmesser des Sensorelementes beträgt ca. zwei Millimeter.
3.2 Layout der Heizwiderstände
Mit Hilfe von Simulationsrechnungen wurden Geschwindigkeitsprofile des Fluids in der Düse erstellt und die davon abhängigen Temperaturprofile der Heizwiderstände errechnet. Die Er- gebnisse bestimmten im Wesentlichen die Layouterstellung der Widerstände. Es wurden ver- schiedene mäanderförmige Geometrien entworfen, die hauptsächlich in Länge und Breite va- riieren. Laut analytischen Abschätzungen sollten die besten Ergebnisse (das heißt ein mög-
13
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Christoph Schinke, 2000, Grundlegende Technologieschritte zur Entwicklung eines thermischen Massenflusssensors bei Common-Rail-Einspritzssystemen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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