Mario Fromm _______________________________________________________
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsnr. Abbildungsbezeichnung Anlage
Abbildung 1: Struktur der deutschen Franchise-Wirtschaft nach der Höhe 1
Abbildung 2: Struktur der deutschen Franchise-Wirtschaft nach der Höhe 1
Abbildung 3: Struktur der deutschen Franchise-Wirtschaft nach der Höhe 2
Abbildung 4: Struktur der deutschen Franchise-Wirtschaft nach der Höhe 2
Abbildung 5: Struktur der deutschen Franchise-Wirtschaft nach Umsatz-3
Abbildung 6: Verteilung der Systemanbieter in Deutschland nach 3
Mario Fromm _________________________________________________________
1 Einführung in das Problemgebiet
Vor dem Hintergrund eines immer härter und dynamischer werdenden Wettbewerbs sind Unternehmen vielfach gezwungen, ihren Marktanteil durch Expansion zu erhöhen, um nicht vom Markt verdrängt bzw. übernommen zu werden. Für dieses Wachstum sind erhebliche finanzielle Mittel notwendig, die oftmals nicht aus dem operativen Geschäft heraus aufgebracht werden können. Selbst wenn über eine Fremdfinanzierung dieses Kapital zur Verfügung gestellt werden kann, so entstehen hierdurch doch erhebliche Kosten, die eine geplante Expansion einschränken oder ggf. sogar unmöglich machen könnten. Auch spielt der Zeit-faktor eine entscheidende Rolle: ein Unternehmen, dem die Notwendigkeit der eigenen Expansion zwar bewusst ist, diese jedoch „auf die lange Bank schiebt“, läuft Gefahr, gegenüber wachsenden Mitbewerbern Marktanteile zu verlieren.
In den folgenden Ausführungen sollen die Möglichkeiten und Grenzen einer Expansion durch den Aufbau eines Franchisesystems aufgezeigt werden. Hierzu werden zunächst die theoretischen Hintergründe des Franchisings, in erster Linie aus der Sicht des Franchisegebers, dargelegt und Entscheidungskriterien für die Durchführung von Franchising erarbeitet. Der Praxisbezug wird anschließend dadurch hergestellt, dass für ein Unternehmen des Einzelhandels ( Filialbetrieb ) eine Prüfung erfolgt, ob im konkreten Fall eine Expansion über den Aufbau eines Franchisesystems als kaufmännisch sinnvoll angesehen werden kann.
Die Sichtweise des Franchisenehmers sowie Details der Vertragsgestaltung von Franchiseverträgen können hierbei nur ansatzweise betrachtet werden.
Seite 4 von 33
Mario Fromm _________________________________________________________
2 Erläuterungen zu Begriffen aus dem Franchise-Bereich
Ursprünglich bezeichnete der erstmals in Frankreich geprägte Begriff „Franchise“ die Vergabe von Privilegien an Dritte, die gegen Entgelt eine im staatlichen Interesse liegende Produktion oder den Handel mit gewissen Erzeugnissen betrieben. Aber auch in Großbritannien wurde der Begriff „Franchise“ verwandt: hier bezeichnete er das Vorrecht, das die britische Krone Vertrauensleuten zur Steuereinnahme einräumte. Schließlich lag die Bedeutung des „Franchising“ in den USA im vorherigen Jahrhundert in der Vergabe von Rechten zur Erschließung des Kontinents, z.B. als Konzessionen für Eisenbahnlinien ( vgl. DEUTSCHER FRANCHISE-VERBAND E.V. 2003, 3 ).
2.1 Definition von „Franchising“
Die heutige offizielle, für Deutschland gültige Definition des Begriffs „Franchising" wurde vom Deutschen Franchise-Verband e.V. erstellt. Demnach werden alle Vertriebsformen als Franchisesystem betrachtet, die der nachfolgenden Definition entsprechen: „Franchising ist ein vertikal-kooperativ organisiertes Absatzsystem rechtlich selbstständiger Unternehmer auf der Basis eines vertraglichen Dauerschuldverhältnisses. Dieses System tritt auf dem Markt einheitlich auf und wird geprägt durch das arbeitsteilige Leistungsprogramm der Systempartner sowie durch ein Weisungs- und Kontrollsystem zur Sicherstellung eines systemkonformen Verhaltens. Das Leistungsprogramm des Franchise-Gebers besteht aus einem Beschaffungs-, Absatz- und Organisationskonzept, dem Nutzungsrecht an Schutzrechten, der Ausbildung des Franchise-Nehmers und der Verpflichtung des Franchise-Gebers, den Franchise-Nehmer laufend und aktiv zu unterstützen und das Konzept ständig weiterzuentwickeln. Der Franchise-Nehmer ist im eigenen Namen und auf eigene Rechnung tätig; er hat das Recht und die Pflicht, das Franchise - Paket gegen Entgelt zu nutzen. Als Leistungsbeitrag liefert er Arbeit, Kapital und Information.“ ( DEUTSCHER FRANCHISE-VERBAND 2003, 3 ) . E.V. . Seite 5 von 33
Mario Fromm _________________________________________________________
Entscheidungen pro oder contra Franchising beziehen sich aus der Sicht des potentiellen Franchisegebers auf die Distributionspolitik des Unternehmens. Allgemein wird hierbei eine Differenzierung in direkte und indirekte Distributionsformen vorgenommen: während beim direkten Vertrieb der Hersteller selbst seine Produkte vertreibt, erfolgt der indirekte Vertrieb über wirtschaftlich unabhängige Organisationen. Im Zusammenhang mit der o. g. Definition wird deutlich, dass das Franchising hierbei nicht eindeutig zugeordnet werden kann, sondern vielmehr eine Mischform aus direkter und indirekter Distribution darstellt ( vgl. GODEFROID 2000, Marketing SB 2-03, 27 ).
2.2 Formen des Franchisings
Die unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Märkte haben dazu geführt, dass sich differenzierte Ausprägungen des Franchisings entwickelt haben. Für die weitere Betrachtung sind hierbei lediglich die folgenden Unterscheidungen von Bedeutung.
2.2.1 Einzel- versus Masterfranchise
Während unter „Einzelfranchise“ die Vergabe lediglich einer Franchise an nur einen Franchisenehmer verstanden wird, soll die Gewährung einer Masterfranchise dazu führen, dass der Franchisenehmer über die Errichtung mehrerer Betriebe des Systems oder die Gewinnung weiterer Partner für eine Multiplikation der Geschäftsidee sorgt. Beide Formen haben gegensätzliche Strategien zur Grundlage. Durch die Vergabe von Einzelfranchisen verhindert der Franchisegeber einen zu großen Einfluss von einzelnen Franchisenehmern auf das Gesamtsystem und erreicht eine größtmögliche zentrale Kontrolle. Die Vergabe von Masterfranchisen hingegen beinhaltet die Möglichkeit, schneller einen hohen Marktanteil zu erreichen.
Seite 6 von 33
Mario Fromm _________________________________________________________
2.2.2 Subordinations- versus Partnerschafts-Franchising
Der Hintergrund des Subordinations-Franchisings ist die Unterordnung des Franchisenehmers, der durch strenge Interessenwahrung gegenüber dem Franchisegeber letztendlich selbst seinen Nutzen erlangt. Das Partnerschafts-Franchising hingegen beinhaltet ein hohes Maß an Mitbestimmung durch den Franchisenehmer sowie eine enge Kooperation zwischen den Partnern. Diese werden als gleichrangig betrachtet, was sich auch institutionell durch die Errichtung von Franchisenehmer-Beiräten äußern kann ( vgl. WILHELM 2002, 58 ff. ).
2.3 Elemente des Franchisesystems
Als Bestandteile von Franchisesystemen können identifiziert werden: Zentrale ( Franchisegeber ) Vertriebsstellen ( Franchisenehmer ) Netzwerk
Die Zentrale wird oftmals als Profit-Center betrieben und nimmt Dienstleistungsaufgaben wie Entwicklung und Optimierung des Franchisesystems, Know-how-Transfer, Beschaffung und Partner-Management sowie, auf den Handel bezogen, eine ausgeprägte Einkaufs- oder Großhandelsfunktion war.
Die Vertriebsstellen der Franchisenehmer sind in ihrer Marktleistung und Organisation einheitlich ausgerichtet. Ihre Aktivitäten bestimmen maßgeblich den Erfolg des Systems.
Das Netzwerk besitzt eine horizontale Komponente ( Standorte der Franchisenehmer ) und eine vertikale ( funktionale Beziehung der Franchisenehmer zum Franchisegeber ). Für den Systemerfolg bedeutsame Funktionen sind der Kontakt zwischen den Partnern untereinander und mit der Zentrale, die Teilnahme an Schulungen, der Erfahrungsaustausch sowie das Nutzen von Dienstleistungen. Für den Handel kann hierdurch auch eine Optimierung der Lagerbestände und der Lieferbereitschaft erreicht werden ( vgl. BOEHM 2001, 213 f. ). Seite 7 von 33
Mario Fromm _________________________________________________________
2.4 Vergleich mit anderen Vertriebsformen
Eine Abgrenzung des Begriffs „Franchising“ gegenüber ähnlichen Vertriebssystemen kann wie folgt vorgenommen werden:
• gegenüber Vertragshändlersystemen sind Franchisesysteme durch ein strafferes Management-, Organisations- sowie Marketing- und Werbekonzept gekennzeichnet. Einerseits sind hierbei Weisungs-und Kontrollrechte des Franchisegebers vorgesehen, andererseits hat dieser die Pflicht, den Franchisenehmer zu unterstützen und zu betreuen.
• gegenüber Handelsvertreter- und Kommissionsagentensystemen werden in Franchisesystemen selbständige Kaufleute eingesetzt, die nicht nur vermitteln und Geschäfte im Namen eines Dritten abwickeln sondern für eigene Rechnung und auf eigenes Risiko handeln.
• gegenüber Lizenz- und Know-how-Abkommen beinhalten Franchisesysteme ein einheitliches Marketingkonzept, dass das Überwachungs- und Weisungsrecht des Franchisegebers vorsieht und Vertriebspflichten auferlegt.
• gegenüber Filialsystemen sind Franchisesysteme durch die rechtliche Selbständigkeit der Franchisenehmer gekennzeichnet, während angestellte Filialleiter Teil der firmeneigenen Absatzorganisation sind und somit als Arbeitnehmer einer stärkeren Weisungsgebundenheit unterliegen. In ihrer Außenwirkung sind beide Systeme kaum zu unterscheiden. Sie sind in der Praxis auch nebeneinander in einem Gesamtsystem vertreten ( z. B. Firma Palmers ).
• gegenüber Genossenschaften und Handelsketten sind Franchisesysteme vertikal und nicht horizontal organisiert. Beiden mangelt es gegenüber dem Franchising an der Möglichkeit, Weisungs- und Kontrollrechte auszuüben ( vgl. LIESEGANG 2003, 3 ). In der Literatur werden oftmals die Unterschiede und Gemeinsamkeiten insbesondere von Franchisesystemen und Handelsketten / Verbundgruppen dezidiert herausgearbeitet. Als Trend kann festgestellt werden, dass trotz der häufigen Vorbehalte gegenüber Franchisesystemen
Seite 8 von 33
Mario Fromm _________________________________________________________
seitens Mitgliedern von Verbundgruppen ( „eingeschränkte Selbständigkeit in einem starren Franchisesystem“ ) die Grenzen weiter inein-ander fließen. Dies gilt in besonderem Maße dann, wenn in Verbundgruppen z. B. Marktauftrittskonzepte durch besondere Verträge vereinbart werden ( vgl. VELTMANN, 2002, 635 ).
3 Das Zusammenwirken von Franchisegeber und -nehmer
Um seine eigentlichen Ziele auf dem Absatzmarkt zu erreichen, begibt sich der Franchisegeber zunächst auf den „Markt für Geschäftskonzepte“. Der strategische Engpass liegt hierbei in dem Bedarf von Absatzmittlern an vielen Orten mit engen Kundenkontakten und hohem Engagement für die Produkte. Im Gegenzug bietet er dem Franchisenehmer eine „schlüsselfertige Existenz“ mit dem Versprechen von Sicherheit und Gewinn ( vgl. BOEHM 2001, 214 ).
3.1 Partnerschaft als Erfolgsgrundlage
Funktionierende Franchisesysteme basieren darauf, dass alle Beteiligten wirtschaftliche Vorteile aus ihrer Teilnahme ziehen. Hierzu ist es notwendig, dass die Grundidee des Franchising -„Partnership for profit“sowohl vom Franchisegeber als auch von den Franchisenehmern tatsächlich praktiziert wird. Bezogen auf den Franchisegeber und dessen Verhältnis zum Franchisenehmer spielt in diesem Zusammenhang der Führungsstil eine entscheidende Rolle: Der partnerschaftlich interaktive und kooperative Führungsstil wird diesbezüglich als der einzig zielführende angesehen ( vgl. FRAUENHUBER 2002, 407 ). In Unternehmen, die parallel zum Franchising auch ein Filialsystem betreiben, besteht bei gemeinsamer Betreuung von Franchisenehmern und Filialleitern die Gefahr der Gleichbehandlung: Das Durchsetzen von Anweisungen stellt gegenüber dem Franchisenehmer einen Eingriff in dessen Selbständigkeit dar und führt im Extremfall zur Bestandsgefährdung des Franchisevertrages. Um eine Scheinselbständigkeit des Seite 9 von 33
Arbeit zitieren:
Mario Fromm, 2004, Möglichkeiten und Grenzen des Franchising als Wegbereiter einer Expansion, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Aufbau und Konzeptionierung eines Franchise-Systems als Franchisegeber
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Diplomarbeit, 68 Seiten
Existenzgründung durch Franchising
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Hausarbeit, 35 Seiten
Grundzüge des Franchising und Umsetzungsbeispiele
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Studienarbeit, 53 Seiten
Besondere Rechtsprobleme beim Aufbau eines Dienstleistungsfranchisesys...
Diplomarbeit, 91 Seiten
Die Vor- und Nachteile des Franchising
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Seminararbeit, 23 Seiten
Franchising als Internationalisierungsstrategie
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 39 Seiten
Evaluation als Baustein der Qualitätssicherung
Funktionen, Grundformen und Ve...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Studienarbeit, 21 Seiten
Elterliche Sorge nach Trennung und Scheidung der Eltern
Seminararbeit, 15 Seiten
Ausprägungsformen nationaler Franchise-Systeme
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Referat (Ausarbeitung), 29 Seiten
Die pädagogische Bewegung am B...
Seminararbeit, 22 Seiten
Franchising - eine Erfolgsstory? - Chancen und Risiken für Existenzgrü...
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Diplomarbeit, 62 Seiten
Der Begriff des Verbrauchers im nationalen und europäischen Recht
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Seminararbeit, 38 Seiten
Gesetze und Praxis eines umstr...
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung bei Kindern
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Zwischenprüfungsarbeit, 25 Seiten
Mario Fromm hat den Text Möglichkeiten und Grenzen des Franchising als Wegbereiter einer Expansion veröffentlicht
Mario Fromm hat einen neuen Text hochgeladen
Von sozialer Ausgrenzung zu selbstbestimmter Teilhabe - Möglichkeiten ...
Winfried Baudisch, Ingrid Albrecht, Jens Stiller
Denkmäler im Braunkohleabbaugebiet Leipzig Süd - Möglichkeiten und Gre...
Dargestellt an ausgewählten Be...
Ina Gutzeit
Möglichkeiten und Grenzen kollektiver Erinnerung: Ambivalenz und Bedeu...
Arnoldshainer Texte
Hermann Düringer, Sabine Mannitz, Karl Starzacher
Möglichkeiten und Grenzen der IFRS-Anwendung im Mittelstand
Eine kritische Analyse
Christian Dominik Rath
Möglichkeiten und Grenzen konzerneigener Verleihunternehmen und Person...
Marjolein Turkenburg
0 Kommentare