Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 3
Einleitung 3
1. Didaktik der Stilleübungen. 4
1. 1. Josef Pieper: „Muße und Kult“ 4
1. 2. Otto Friedrich Bollnow: „Vom Geist des Übens“ 5
1. 3. Maria Montessori: „Die Polarisation der Aufmerksamkeit 6
1. 4. Religionsdidaktik der Stilleübungen. 7
2. Methodik des Meditierens mit Kindern 8
3. Praxisbeispiel „Baum“ 10
3. 1. Vorüberlegungen. 10
3. 2. Präsentation vom 8. 1. 2004 11
Literaturverzeichnis 12
Einleitung
Schon der Begriff „Stille“ (S.) ist vielschichtig: „ Nur in der Stille spricht Gott sein ewiges
Wort in der Seele “ meinte Meister Eckehart. 1 Nach Bussmann hingegen sei S. „kein
bevorzugter Ort der Gotteserfahrung“ 2 Ein anderer Widerspruch: Viele glauben, dass gerade
in der lauten Welt von heute die Stille (S.) ein „knappes Gut“ geworden sei, das leicht als
„Gegengewicht zur Beschleunigung“ vermarktet werde. 3 Doch der bewusste Einsatz von S. u.
„Schweigen“ hat in der Erziehung eine lange Tradition. Oblinger stellte 40 Konzeptionen dar,
die sich seit der Zeit der Naturvölker entwickelt hatten (Altertum, Orden, Pfadfinder etc) 4
Darum lohnt es sich, den größeren pädagogischen Kontext ein wenig auszuleuchten.
Im 1. Teil, einer „Didaktik der Stilleübungen“, versuchen wir 3 Positionen darzustellen, die
als Dreieck aufeinander bezogen sind: Piepers Werk „Muße und Kult“ erinnerte an ein altes
1 Zitat von: HALBFAS, Hubertus, Das dritte Auge (Auge), Patmos, Düsseldorf, 1982, 175.
2 BUSSMANN, Gabriele, Stille, in: METTE ua (Hg), LexRP, Neukirchener, Neukirchen-Vlyn, 2002, 2061 ff:
So sei Elisas Begegnung mit Gott am Horeb (1. Kö 19, 11 ff) primär im „Ort seiner Selbsterfahrung“ geschehen.
Denn : „Gott als Gott zu erkennen bleibt gänzlich unmöglich“ Dagegen betonte Eckehart die „vollkommene
Entsprechung von Theologie und Anthropologie“ (HALBFAS, Auge, 156 ff)
3 BUSSMANN, Stille, 2060: 1996 klagten über 60 der Deutschen über Lärmbelastung (1967: 30 ) Vgl
MASCHWITZ , Gerda und Rüdiger, Stille -Übungen mit Kindern. Ein Praxisbuch (Stille-Übungen), Kösel,
M ünchen, 1993, 20-41 (Bedeutungsverlust der Familie, Verlängerung der Schulzeit, Spielfelder unter Kontrolle
der Erwachsenen, Kommerzialisierung u Mediatisierung statt Erfahrungsräume, Verschwinden der Kindheit?)
FAUST -SIEHL, Gabriele/ u.a., Mit Kindern Stille entdecken 3 (Stille), Diesterweg, Frankfurt/ Main, 1992, 12-21:
3-fache Individualisierung in der postindustriellen Gesellschaft: 1. Freisetzung aus überkommenen Sozial-
bindungen - „Verhandlungsfamilie auf Zeit“ 2. innerer Stabilitätsverlust v. Werten uä 3. sozial standardisierte
Reintegration durch Markt, Geld, Mobilität und Bildung. Der homogene Nahraum verschwinde zugunsten eines
„verinselten Lebensraumes“ Kinder würden vermehrt die erwachsene Zeitorganisation übernehmen.
4 FAUST-SIEHL, Gabriele, Stille und Stilleübungen - Pädagogische Grundlagen einer Methode des
Religionsunterrichts (Stilleübungen), in: ADAM/ LACHMANN (Hg), Methodisches Kompendium für den
Religionsunterricht 4 , Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen, 2002, 367.
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umfassendes Konzept von „Bildung“ (1. 1.). Bollnow ergänzte, indem er die Brücke „Vom Geist des Übens“ zu rezeptiven (Fest-) Erfahrungen schlug (1. 2.). Montessori wiederum führte schon zuvor die beide didaktische Grunderfahrungen „Stille“ und „Üben“ in ihrem Konzept zusammen (1. 3.). Ihre Vorbildwirkung auf religionspädagogische Ansätze von Hubertus Halbfas, Gabriele Faust-Siehl ua war groß ( 1. 4.).
Wie kann S. als „spiritueller Erfahrungsraum in der Schule“ eingeübt werden? Dieser Frage widmet sich der 2. Teil, eine kleine „Methodik des Meditierens mit Kindern“. Dann folgt als 3. Teil unser Praxisbeispiel „Baum“, das wir in der LV präsentierten.
1. Didaktik der Stilleübungen
1. 1. Josef Pieper: „Muße und Kult“
Das Wort „Schule“ bedeutet ursprünglich „Muße“ (griech. „schole“/ lat. „schola“). Dahinter stand die Einsicht der Antike und des Mittelalters, dass neben der Kraft diskursiven Denkens („ratio“) der passiv rezeptive, übermenschliche, „`einfache Schaublick`“ („intellectus“, „simplex intuitus“) als Erkenntnisweg treten müsse. Für Thomas v. Aquin entsprang noch die „Rastlosigkeit des Arbeitens um der Arbeit willen … gerade aus der Trägheit“. 5 Die Neuzeit vergaß diesen Weg; der Mensch wurde sich selbst entfremdet zu einem „Funktionär“ in der „totalen Arbeitswelt“. Was bedeutet „Muße“ (M.)? Nach Pieper ist M. „nicht die Haltung dessen, der eingreift, sondern dessen, der loslässt, der sich loslässt und überlässt - fast wie ein Schlafender“ - als eine „Haltung feiernder Betrachtung“, eine „Heiterkeit des Nichtbegreifenkönnens, von der Anerkennung des Geheimnischarakters der Welt, von der Starkherzigkeit des blinden Vertrauens, das den Dingen ihren Lauf zu lassen vermag.“ Diese M. hänge sowohl mit dem Schweigen, als auch mit dem Feiern von Festen zusammen,
damit nicht „Muße müßig“ und „Arbeit unmenschlich“ werden würden. 6 Sie sei „überhaupt
5 PIEPER, Josef, Muße und Kult 9 (Muße), Pieper, München, 1995, 25, 47 ff: Die Alten würden die „ratio“ mit der Zeit, „den intellectus mit dem Immer-Nun der Ewigkeit“ vergleichen (56). Er zit. Heraklit („`Hinhorchen auf das Wesen der Dinge`“ ), Aristoteles („`Wir sind unmüßig, um Muße zu haben.`“) und Thomas v. Aquin („`Das Wesen der Tugend ist mehr im Guten als im Schweren`“ ) (15-31). Dagegen sah Kant die Philosophie als „`herkulische Arbeit`“ unter dem Motto „Die Mühe ist das Gute“ (32). Thomas galt die „acedia“ als Verstoß gegen das 3. Gebot (49). Der Mensch versage sich dem Anspruch, der mit seiner eigenen Würde gegeben sei; er wolle nicht der sein, als den Gott ihn will. Pieper zit a. Kierkegaards „`Verzweiflung der Schwachheit`“ (48).
6 PIEPER, Muße, 52 ff, 65 ff, 82: Denn „nur der Schweigende hört; und wer nicht schweigt, hört nicht“ (52). „Sie ist wie die Stille im Gespräch der Liebenden, das aus der Übereinstimmu ng sich nährt“ UND: „Ein Fest feiern heißt: die Bejahung des Sinngrundes der Welt und die Übereinstimmung mit ihm, ja die Einbeschlossenheit in ihm, auf unalltägliche Weise darleben und vollziehen.“ (55) Der „Kern von Muße sei:
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nicht realisierbar, sobald man sie als ein Mittel versteht, und sei es als ein … zur `Rettung der abendländischen Kultur`“. Denn die Bildung des auf das Ganze des Seins angelegten Wesens gehe „auf das Ganze; gebildet ist, wer weiß, wie es sich mit der Welt im Ganzen verhält.“ 7
1. 2. Otto Friedrich Bollnow: „Vom Geist des Übens“
Vom Sprachgebrauch her drücke „Üben“ (Ü.) das Bemühung um den Erwerb einer Fähigkeit oder einer Tugend aus. Doch Ü. inkludiere auch das feierliches Vollziehen von Riten, die weder Zweckhandlungen noch Spontanausdrücke seien: „Jedes echte Üben ist irgendwie noch
ein kultisches Tun … durch einen Geist der Bedachtsamkeit, … der Feierlichkeit“. 8 (Reform-) Pädagogisch sei das Ü. lange als notwendiges Übel vernachlässigt worden, da die Langeweile „`die ärgste Sünde des Unterrichts`“ dargestellt hätte. Um die „bittere Pille“ zu versüßen, verkleidete sich das Ü. als wiederholbares Spiel etc. Dieser oft unbeabsichtigte Einübungseffekt von Tätigkeiten stelle jedoch nur eine Art des Ü. dar. Die 2. Art, „die Übung im eigentlichen Sinn“, verhelfe zum Erwerb von „sinnlosen Elementarleistungen“, die „aus dem größeren Sinnzusammenhang herausgerissen“ und unter den unerbittlichen Vollkommenheitserfordernis stehen würden. „Askese“ heiße wörtlich Ü. 9 Doch es bleibt ein Paradoxon: „Jedes Können-Wollen“ sei einerseits „ein Immer-besser-können-Wollen“; andererseits bleibe absolutes Können tot. 10 Ein weiterer Widerspruch erschließt die Bedeutung des Ü: „`Offenbar ist die Konzentration nicht nur Voraussetzung einer sinnvollen Übungspraxis. Vielmehr ist sie auch eine Funktion der Übung`“, denn sie ziele zuerst „absichtslos“ auf die „innere Verfassung des Übenden“ (japan. Bogenschießen). 11 Im vollendeten Üben liege eine „Gelöstheit“ des „gesammelten Tuns“ als Grund- und
Feiern“ (77). Baudelaires Ve rzweiflung würde ja darin bestehen, dass die Arbeit weniger langweilig als das Vergnügen sei (83). Die Rückbesinnung auf klassische „Bildungsattrappen“ reiche nicht aus, um den Totalitätsanspruch der Arbeitswelt einzudämmen (84 f). Vgl HALBFAS, Auge, 175 (Stille-Langweile).
7 PIEPER, Muße, 88, 57, 40 f: Er zit. Henry Newman („Idea of an University“), der nach dem Ort u Recht der (akademischen) Bildung im Unterschied zu der „Berufsausbildung“ fragte (42 f).
8 BOLLNOW, Otto Friedrich, Vom Geist des Übens. Eine Rückbesinnung auf elementare didaktische Erfahrungen (Üben) 3 , Rothenhäusler, Stäfa, 1991, 24; 118 (13. These).
„Der Mensch bleibt nur da ganz Mensch, wo er übt“ (11). Mit diesem „Üben“ sei nicht ein mechanischer, äußerlicher Drill gemeint, der ab dem 18. Jahrhundert in Orten wie Schule, Fabrik, Kaserne und Gefängnis zur Menschenbeherrschung eingesetzt und der von Foucault scharf kritisiert wurde (119 f).
9 BOLLNOW, Üben, 14 ff, 38 - 41 (zit Herbart): Doch Wiederholungen „schleiften“ Fehler fester ein (40).
10 BOLLNOW, Üben, 32 f (zit Josef König: das spezifische Können der Philosophie - „Der Mensch ist das, was er vermag“), 44 f (Rilke sah seine Dichtung als Handwerk) und 33 ff (zit Wofgang Krougs Primat des Nichtkönnens: „Dieses als Sorge anwesende Nichtkönnen ist sowohl Mäßigung als auch Würze des Könnens.“).
11 BOLLNOW, Üben, 56 f (zit Fritz Loser): „`Üben fördert die Konzentration`“. Die Kunst des Bogenschießens (59-69) führt zur Ichlosigkeit (70 f): Bin „`ich es der das Ziel trifft oder trifft das Zie l mich?`“ „Es schießt“ (61).
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Arbeit zitieren:
Mag. Tomasz Jaeschke, Mag. Richard Unterlerchner, 2004, Stilleübungen und Meditieren mit Kindern, München, GRIN Verlag GmbH
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