Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis II
1 Einleitung 1
2 Was sind Genossenschaften 4
2.1 Wesen der Genossenschaften 4
2.2 Abgrenzung der Genossenschaften von erwerbswirtschaftlichen Unterneh-
mensformen und von anderen Institutionen mit kooperativen Gedankengut 5
2.3 Rechtlicher Rahmen von Genossenschaften 7
3 Anfänge der Genossenschaftsbewegung in Deutschland 9
3.1 Ausgangslage - Warum kam es zum Genossenschaftsgedanken? 9
3.2 Die Reaktion von Friedrich Wilhelm Raiffeisen auf die beschriebene Aus-
gangslage im 19. Jahrhundert 11
3.3 Die Reaktion von Hermann Schulze-Delitzsch (und Eduard Pfeiffer) auf die
beschriebene Ausgangslage im 19. Jahrhundert 13
4 Wie entwickelte sich das deutsche Genossenschaftswesen (in seinen Grundzügen) bis
heute - am Beispiel der deutschen Konsumgenossenschaften? 16
5 Die heutige Situation der Genossenschaften 21
5.1 Was ist von der solidarischen Genossenschaftsidee übrig geblieben? 21
5.2 Was sind die heutigen Probleme der Genossenschaften? 22
6 Perspektiven der Genossenschaften 25
7 Zusammenfassung 26
8 Ergänzungen oder durch Fragen aufgeworfene Aspekte in der Diskussion 28
Literaturverzeichnis 30
Anhang 32
Abkürzungsverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis
e.G. eingetragene Genossenschaft
GEG Großeinkaufs-Gesellschaft deutscher Consumvereine
ZdK Zentralverband deutscher Konsumvereine
Literaturverzeichnis 1
1 Einleitung
Die Anfänge der modernen Genossenschaften liegen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der große Unterschied zwischen diesen modernen Genossenschaften und bisherigen kooperativen Vereinigungen, welche vor allem auf ständischer, nachbarschaftlicher oder sippenmäßiger Verbundenheit beruhten, zeigt sich in der primär wirtschaftlichen Ausrichtung der modernen Genossenschaften. Die bisherigen kooperativen Zusammenschlüsse wie z.B. die Zünfte waren dagegen vor allem Wirtschafts- und Lebensgemeinschaften. 1
Das besondere an Genossenschaften ist zudem, dass sie einen 3. Sektor/eine 3. Ordnung als Weg zwischen Plan- und Marktwirtschaft - also der Gegensatz zwischen privater und kollektiver Verfügbarkeit - darstellen. In der heutigen Zeit werden Genossenschaften allerdings eher als Teil des marktwirtschaftlichen System betrachtet, wobei dennoch der kollektive Charakter der Genossenschaften sie mehr als öffentliche Unternehmen denn als privatwirtschaftlich-einzelwirtschaftliche Unternehmen innerhalb des Marktwettbewerbs erscheinen lässt. 2
Trotz dieser Sonderstellung innerhalb des ökonomischen Systems unterliegt das Genossenschaftswesen im westlichen Europa einer tiefen Identitätskrise. Im öffentlichen Bewusstsein haben die Genossenschaften nur einen geringen Stellenwert. Ähnliches gilt für die osteuropäischen Länder, in denen die Genossenschaften vielfach als Altlasten angesehen werden, die als ehemaliges Werkzeug der Planwirtschaft und z.T. als Zufluchtsstätte für Angehörige der ehemals Herrschenden gelten. 3
Gleichzeitig haben die Genossenschaften eine quantitativ nicht zu vernachlässigende Bedeutung im Wirtschaftsleben. In der Bundesrepublik Deutschland gab es zum Jahrtausendwechsel 9484 Genossenschaften mit 19,9 Millionen Mitgliedern, die 467.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigten und einen Gesamtumsatz von 243 Milliarden DM erreichten. Damit waren die Genossenschaften in Deutschland die mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation und ein wichtiger Stabilitätsfaktor für den Arbeitsmarkt. Zudem bilden die Genossenschaftsbanken (Volks- und Raiffeisenbanken) die
1 Vgl. Todev, Tode; Paulesich, Reinhard; Brazda, Johann: Genossenschaften im Umbruch. Chancen und Risiken der Genossenschaften in West- und Osteuropa. Forschungsberichte des Instituts für Betriebs-
wirtschaftslehre der Universität Wien. Wien 1992, S. 1.
2 Vgl. Todev/Paulesich/Brazda, a.a.O., S. 9. Kluthe, Klaus: Genossenschaften und Staat in Deutschland. Systematische und historische Analysen deutscher Genossenschaftspolitik bezogen auf den Zeitraum
1914 bis zur Gegenwart. Berlin 1985, S. 43 ff.
3 Vgl. Todev/Paulesich/Brazda, a.a.O., im Vorwort ohne Seitenzahl.
Einleitung 2
dritte Säule der Kreditwirtscha ft, von denen der deutsche Fiskus sogar viermal mehr Steuern vereinnahmt als von den vier deutschen Großbanken zusammen. 4
Auch weltweit ist die Genossenschaftsidee ein Exportschlager. In rund 100 Ländern sind ca. 500 Millionen Menschen in etwa 900.000 Genossenschaften engagiert. 5
Die Anfänge und die Entwicklung des Genossenschaftswesens ist in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich verlaufen. Aufgrund des Umfangs dieser Arbeit und die Beschränkung auf Deutschland kann auf diese unterschiedlichen Ent wicklungen nicht eingegangen werden. 6 Bezugnehmend auf Deutschland lassen sich aber 5-Phasen der genossenschaftlichen Entwicklung unterscheiden: 7
1. Phase: Beginn in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts; geprägt durch die Genossenschaftspioniere: Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Hermann Schulze-Delitzsch und Eduard Pfeiffer.
2. Phase: Ab Mitte/Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts; Aufschwung der Konsum- und Baugenossenschaften durch die Übernahme des Genossenschaftsgedankens durch die Arbeiterbewegung.
3. Phase: Zu Beginn der Weimarer Republik; nochmaliger Aufschwung der Konsum- und Baugenossenschaften.
4. Phase: Im Gefolge der Not nach dem Kriegsende 1945 wird die Neu- und Wiedergründung in der sowjetisch besetzten Zone von oben forciert und in den westlichen Gebieten eher gehemmt; hier kommt es nur im Baugenossenschaftsbereich zu wirklichen Neugründungen (Selbsthilfe vor allem von Vertreibenden, z.B. Neue Heimat).
5. Phase: Seit Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts; Alternativbewegungen und ihre Ansätze zu einer Selbsthilfeökonomie.
Da es sich bei dieser Arbeit um die Verschriftung eines eher deskriptiven Referats über die Anfänge und die Entwicklung von Genossenschaften in Deutschland handelt, stehen analytische Aspekte eher im Hintergrund dieser Arbeit. Aus diesem Grund fehlt dieser Arbeit auch eine übergeordnete Fragestellung. Einzelne, sich ergebene Fragen, werden in den jeweiligen Abschnitten dieser Arbeit aufgeworfen und behandelt.
4 Vgl. Todev/Paulesich/Brazda, Genossenschaften, 1992, im Vorwort ohne Seitenzahl. Pleister, Christopher: Einführung: Genossenschaft - Erprobtes Kooperationsmodell von heute für morgen. In: Pleister, Christopher (Hrsg.): Genossenschaften zwischen Idee und Markt. Ein Unternehmenskonzept für die
Zukunft? Frankfurt/Main 2001. S. 11-25, S. 14.
5 Vgl. Pleister, a.a.O., S. 14.
6 Für eine e inführende Darstellung des Genossenschaftswesens in West- und Osteuropa siehe: T odev/Paulesich/Brazda, Genossenschaften, 1992.
7 Vgl. für die nachfolgenden Punkte: Mersmann, Arno; Novy, Klaus: Gewerkschaften. Genossenschaften. Gemeinwirtschaft. Hat eine Ökonomie der Solidarität eine Chance? Köln 1991, S. 34 ff.
Einleitung 3
Die Arbeit orientiert sich an der Gliederung und dem Inhalt des Referates, wurde jedoch an einigen Stellen - z.T. aufgrund von Verständnisfragen während des Referats - inhaltlich erweitert.
Im ersten Abschnitt dieser Arbeit wird allgemein darauf eingegangen, was Genossenschaften sind (Punkt 2.1), wie sie von erwerbwirtschaftlichen Unternehmensformen und anderen Organisationen mit kooperativen Gedankengut abzugrenzen sind (Punkt 2.2) und innerhalb welcher gesetzlicher Bestimmungen sie sich bewegen (Punkt 2.3). Diese Punkte sollen das Wesen der Genossenschaften als eine besondere gesellschaftlichökonomische Institution he rausarbeiten.
Der zweite Abschnitt stellt die Anfänge der Genossenschaftsbewegung in Deutschland dar. Es wird verdeutlicht, welche gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen der Ausgangspunkt (Punkt 3.1) waren, die letztlich Friedrich Wilhelm Raiffeisen (Punkt 3.2), Hermann Schulze-Delitzsch und Eduard Pfeiffer (Punkt 3.3) zur Gründung einer alternativen, auf solidarischer Selbsthilfe beruhenden, Organisation bewegten.
Wie sich das deutsche Genossenschaftswesen in seinen Grundzügen von den Anfängen bis zur heutigen Zeit entwickelte, ist Gegenstand des dritten Abschnitts dieser Arbeit (Punkt 4). Die Entwicklung wird am Beispiel der deutschen Konsumgenossenschaften exe mplarisch verdeutlicht, da die Konsumgenossenschaften in Deutschland zum einen eine stärkere Dynamik und in der Zeit bis 1933 auch eine größere Bedeutung für die deutsche Genossenschaftsbewegung hatten. Die Baugenossenschaften - wie die Kreditgenossenschaften auch - erlangen erst nach 1945 eine größere Bedeutung innerhalb der Genossenschaftsbewegung. Zum anderen lassen sich die Anfänge, das Verhältnis zw ischen verschiedenen politischen Strömungen und deren Konsequenzen für die konsumgenossenschaftliche Bewegung als Ganzes - und somit deren Entwicklung bis hin zu den heutigen Problemen der Genossenschaftsbewegung besser - darstellen als an allen anderen genossenschaftlichen Bereichen.
Der vierte Abschnitt beschäftigt sich mit der heutigen Situation der Genossenschaften. Was ist von der solidarischen Genossenschaftsidee übriggeblieben (Punkt 5.1)? Sind die Genossenschaften ihren Wurzeln treugeblieben oder eher nicht? Und mit welchen Problemen haben die Genossenschaften im heutigen sozialen und ökonomischen Wandel zu kämpfen (Punkt 5.2).
Welche Perspektiven sich den Genossenschaften und der genossenschaftlichen Idee in diesem sozialen und ökonomischen Wandel für die Zukunft bieten, wird im fünften und letzten Abschnitt (Punkt 6) dieser Arbeit angeschnitten.
Am Schluss dieser Arbeit wird kurz auf zentrale Fragen und Ergänzungen eingegangen, welche sich in der Diskussion über dieses Referat ergaben. Diese Punkte sind nicht vollständig, stellen aber die wesentlichen Diskussionsschwerpunkte und Ergänzungen dar, und sollen den abwesenden Kommilitoninnen und Kommilitonen einen ungefähren Eindruck davon geben, was außerhalb dieses Referats an zusätzlichen Informationen gegeben wurde bzw. welche Fragen sich stellten.
Was sind Genossenschaften 4
Bei der verwendeten Literatur für das Referat und diese Ausarbeitung wurde daraufgeachtet ein möglichst umfassendes Bild über die Genossenschaften und ihre Entwicklung zu erhalten. Aus diesem Grund wurde die Literaturbasis so breit 8 und aktuell wie möglich angelegt. Einige Bücher - wie z.B. der Forschungsbericht des Instituts für B etriebswirtschaftslehre der Universität Wien 9 , der die Basis für den ersten Abschnitt bildet - wurden in ihrer Gewichtung für einzelne Abschnitte aufgrund ihres - im Vergleich mit anderer Literatur - guten und ausgewogenen Überblicks bevorzugt.
Des weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass einfachheitshalber in der Regel der männliche Sprachgebrauch verwendet wird. Etwaige weibliche Leser werden hiermit um Nachsicht gebeten.
2 Was sind Genossenschaften
2.1 Wesen der Genossenschaften
Aufgrund unterschiedlicher politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen in den einzelnen Ländern Westeuropas bieten die Genossenschaften in Westeuropa kein einheitliches Bild. Es existiert vielmehr - je nach Land - eine Vielfalt von rechtlichen und gesellschaftlichen Merkmalen. Dennoch lassen sich für den Genossenschaftssektor bestimmte Grundprinzipien feststellen, die sowohl länderübergreifend, wie von den ersten Anfängen bis heute ihre Gültigkeit besitzen: 10
1. Genossenschaften haben in erster Linie die Aufgabe und das Ziel, ihre Mitglieder durch die Befriedigung ihrer wirtschaftlichen Bedürfnisse zu fördern. (Fö rderungsprinzip)
2. Die Mitglieder erlangen durch den Zusammenschluss zu Genossenschaften ökonomische Vorteile, die sie aufgrund ihrer Größe, Struktur, Abhängigkeitsgrad, Marktverbindung, Ertrags- und Einkommenslage und ähnliches sonst nicht erreichen würden.
3. Die Mitglieder gehören der Genossenschaft in einer zweifachen Eigenschaft an. Sie sind zum einen Nutznießer der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Genossenschaften. Und zum anderen sind sie Anteilseigner und, an der Willensbildung beteiligter, Träger der Genossenschaft. Bei dieser zweifachen Eigenschaft
8 Es wurden sowohl wirtschaftswissenschaftliche wie, der genossenschaftlichen Bewegung nahestehende, Texte herangezogen.
9 Todev/Paulesich/Brazda, Genossenschaften, 1992.
10 Vgl. hierzu und die nachfolgenden Punkte Todev/Paulesich/Brazda, a.a.O., S. 1 f.; Pleister, Einführung, 2001, S. 11 f.
Arbeit zitieren:
Sven Kusserow, 2003, Genossenschaften in Deutschland - Anfänge, Entwicklung, Perspektiven, München, GRIN Verlag GmbH
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