Diese Arbeit steht unter dem Oberthema „Christliche Kirchen in Deutschland nach 1933“ und wird sich mit einem Teilaspekt dieser umfangreichen Thematik beschäftigen. Gegenstand der Untersuchung wird eine evangelische politische Kirchengruppe mit der Bezeichnung „Deutsche Christen“ sein. Diese soll auf ihre Stellung zum Nationalsozialismus hin untersucht werden. Dabei soll festgestellt werden, ob die „Deutschen Christen“ ein reines Machtinstrument für die NSDAP darstellten und von dieser nur zur Einflußnahme in Bezug auf den Kirchenkampf mißbraucht wurden, oder ob die „Deutschen Christen“ als eigenständige Bewegung unabhängig von der NSDAP ihre kirchenpolitischen Ziele äußerten und verfolgten.
Zuerst soll ein kurzer Einblick auf die Entstehungsgeschichte der „Deutschen Christen“ schon einen ersten Eindruck darüber vermitteln, inwieweit diese Bewegung von den Nationalsozialisten schon in der Entstehungsphase beeinträchtigt und ideologisch geprägt wurde. Dabei soll eine Trennung der beiden Bewegungen vorgenommen werden, die sich beide als „Deutsche Christen“ bezeichnen, um spätere Unklarheiten bezüglich der gemeinten Gruppe im Vorfeld auszuschließen. Sodann soll eine Übersicht über den Aufbau und die Intentionen der „Deutsche Christen“ die grundlegenden, die Parteiziele betreffenden, Informationen über die Partei liefern und ihre Anlehnung sowie Zusammenarbeit mit der NSDAP verdeutlichen. Der nächste Untersuchungspunkt wird sich mit der Zusammenarbeit der „Deutschen Christen“ mit der NSDAP beschäftigen und die Abhängigkeit der Kirchenpartei von den Nationalsozialisten zu verdeutlichen versuchen.
Der letzte Untersuchungspunkt soll klären wie es zum Bruch zwischen der NSDAP und den „Deutschen Christen“ kam und die Abhängigkeit der Kirchenpartei zu der Staatspartei verdeutlichen. Die Untersuchungen werden sich, soweit wie möglich und dieses nötig ist, an einer chronologischen Abfolge der für die Entwicklungsgeschichte der „Deutschen Christen“ entscheidenden Ereignisse orientieren. Dieses ermöglicht ein besseres Verstehen der wechselnden Beziehung zwischen den oben genannten Parteien.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Entstehung der GDC mit einem Exkurs über die KDC
II.1 Die Kirchenbewegung Deutscher Christen
II.2 Die Glaubensbewegung Deutscher Christen
III. Richtlinien, Programmatik und Aufbau der GDC
III.1 Aufbau der Organisation
III.2 Richtlinien und Programmatik der GDC
IV. Die GDC im Einklang mit der NSDAP
IV.1 Die erste Reichstagung der DC
IV.2 Ludwig Müller als Hitlers Schirmherr über die GDC
IV.3 Die Wahl des Reichsbischofs
IV.4 Der Staatseingriff
IV.5 Die Kirchenwahlen
V. Der Bruch mit der NSDAP
V.1 Die Beginnende Distanzierung der NSDAP
V.2 Die Sportpalastkundgebung
V.3 Die Sportpalastkrise
VI. Schluß
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der evangelischen Kirchengruppe „Deutsche Christen“ (GDC) im Kontext der nationalsozialistischen Kirchenpolitik ab 1933, mit dem primären Ziel zu klären, ob die GDC lediglich als Machtinstrument der NSDAP fungierte oder als eigenständige kirchenpolitische Bewegung agierte.
- Die Entstehungsgeschichte und ideologische Prägung der Deutschen Christen.
- Die organisatorische Abhängigkeit und instrumentelle Zusammenarbeit mit der NSDAP.
- Die politischen Mechanismen der Gleichschaltung der evangelischen Kirche.
- Die Gründe für die wachsende Distanzierung der NSDAP von den Deutschen Christen.
- Der Einfluss der Sportpalastkundgebung auf den Zerfall der Bewegung.
Auszug aus dem Buch
IV.2. Ludwig Müller als Hitlers Schirmherr über die GDC
Auch die Kirchenbehörden hegten schon länger den Wunsch nach einer Kirchenreform und einer strafferen Zusammenfassung der Landeskirchen. Die künftige Reichskirche sollte jedoch politisch und rechtlich vom Staat unabhängig sein. Die dem zuwider laufenden radikalen Forderungen der DC beschleunigten demnach zweifellos die bereits angestrebten Reformversuche. Unter dem Präsidenten des Deutschen Evangelischen Kirchenausschußes D. Kapler sammelten sich die Reformer. Sein erklärtes Ziel war es, durch Aufnahme der Reform allen radikalen Kräften den Boden zu entziehen und die Selbständigkeit der Kirche gegenüber dem Staat zu sichern.Dieses prophylaktische Verhalten der Kirchenbehörden wurde von den DC scharf kritisiert und behindert. Hitler schätze das scheinbare Entgegenkommen der Kirche jedoch und wollte es nicht durch radikale Kreise der DC gestört wissen. Dies führte zur Ernennung des Wehrkreispfarrers Ludwig Müller am 25.4.1933 zu Hitlers „Bevollmächtigten für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche“, mit dem besonderen Auftrag , „alle Arbeiten zur Schaffung einer evangelischen deutschen Reichskirche zu fördern“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der „Deutschen Christen“ ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach deren Unabhängigkeit von der NSDAP.
II. Die Entstehung der GDC mit einem Exkurs über die KDC: Das Kapitel beleuchtet die Wurzeln der Bewegung in Thüringen und die anschließende Gründung der Glaubensbewegung Deutscher Christen im Kontext der NSDAP-Politik.
III. Richtlinien, Programmatik und Aufbau der GDC: Hier werden die formale Struktur und die völkisch geprägten Programmpunkte der Deutschen Christen analysiert.
IV. Die GDC im Einklang mit der NSDAP: Dieses Kapitel behandelt die Phase der engen Zusammenarbeit, die politische Einflussnahme der NSDAP und die Machtübernahme der DC in kirchlichen Ämtern.
V. Der Bruch mit der NSDAP: Die Darstellung widmet sich der einsetzenden Distanzierung der Partei, der Sportpalastkundgebung und der darauffolgenden inneren Krise der Deutschen Christen.
VI. Schluß: Das Fazit fasst die Symbiose zwischen Partei und Kirchengruppe zusammen und erläutert den Zerfall der GDC durch den Wandel der NS-Religionspolitik.
Schlüsselwörter
Deutsche Christen, GDC, NSDAP, Kirchenkampf, Nationalsozialismus, Gleichschaltung, Reichskirche, Ludwig Müller, Arierparagraph, Kirchenwahlen, Sportpalastkundgebung, politische Theologie, evangelische Kirche, Reichsbischof, Machtinstrument.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Rolle der „Deutschen Christen“ nach 1933 und ihr Verhältnis zur NSDAP.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Entstehung der Bewegung, ihre programmatischen Ziele sowie die Dynamik der Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Staat.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll festgestellt werden, ob die Deutschen Christen eine eigenständige kirchenpolitische Bewegung waren oder nur ein Instrument zur Machtausübung durch die NSDAP.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Untersuchung folgt einer chronologischen Abfolge der für die Entwicklung entscheidenden Ereignisse, um die wechselseitige Beziehung zwischen Partei und Kirchengruppe zu verstehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genese der Organisation, die Phasen der ideologischen Übereinstimmung mit dem Nationalsozialismus sowie die späteren Konflikte und das Scheitern der GDC.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Gleichschaltung, die Kirchenwahlen von 1933, der Arierparagraph und der Begriff des „positiven Christentums“.
Warum spielt die Rolle von Ludwig Müller eine so zentrale Rolle?
Müller fungierte als Bindeglied zwischen Hitler und der GDC; seine Ernennung zum Schirmherren sollte die kirchenpolitischen Ziele des Staates sichern und radikale Strömungen innerhalb der GDC steuern.
Welche Bedeutung hatte die Sportpalastkundgebung für das Scheitern der GDC?
Die Kundgebung löste durch ihre Radikalität massiven Protest innerhalb des deutschen Protestantismus aus, was die NSDAP dazu zwang, sich von der GDC zu distanzieren, um außenpolitische Unruhe zu vermeiden.
- Quote paper
- Andre Zysk (Author), 1999, Die Position der christlichen Kirche im Nationalsozialismus. Ein Machtinstrument der NSDAP?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25046