Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung - Definition des Bibliodramas Seite 1-2
II. Die verschiedenen Ansätze und Methoden des Bibliodramas Seite 2
II.1. Mimetisches Bibliodrama Seite 2-3
II.2. Bibliodrama als Seelsorge Seite 3-4
II.3. Bibliodrama als Hagiodrama Seite 4-5
II.4. Textzentriertes Bibliodrama Seite 5
II.5. Psychodramatisches Bibliodrama Seite 6-7
III. Widerstand und Sicherheit im Gruppenprozeß des Bibliodramas Seite 7
III.1. Widerstand im Bibliodrama Seite 7-8
III.2. Sicherheit im Gruppenprozeß Seite 9
IV. Hermeneutik und Theologie im Bibliodrama Seite 9-11
V. Literatur Seite 12
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Das Bibliodrama als Methode der Bibelauslegung
I. Definition des Bibliodramas
Dem etymologischen Ansatz nach handelt es sich bei einem Bibliodrama um eine biblische Textvorlage, welche in dramatischer Weise, also durch nachahmen einer Handlung, vornehmlich in Personenrede, dargestellt wird. 1 Dabei eignen sich grundsätzlich alle biblischen Stoffe für die Darstellung in einem Bibliodrama, ohne daß sie vom literatur- und theaterwissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen den formalen Kriterien eines Dramas entsprechen müssen.
Das Bibliodrama kann somit als ein offener Interaktionsprozeß zwischen einem biblischen Text und einer Gruppe beschrieben werden. Dabei wird versucht Bibelauslegung und Selbsterfahrung zu integrieren. Das Ziel des Bibliodramas ist es, den Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, durch die Identifikation mit biblischen Gestalten und Situationen ein lebendiges Bibelverständnis zu erhalten und neue religiöse Erfahrungen zu machen. 2 Eine einheitliche Methode des Bibliodramas gibt es nicht. Die inhaltliche Gestaltung des Bibliodramas hängt von der Ausbildung und Zielsetzung der Leitungspersonen ab. Dadurch werden auch die Anwendungsbereiche und das Procedere des Interaktionsprozesses bedingt. Bibliodramen sind von Bibelspielen- und Inszenierungen zu unterscheiden, da in Bibelspielen eine möglichst getreue Nachahmung des Textgeschehens, eventuell sogar mit einer erzählenden Instanz angestrebt wird. Die Protagonisten eines Bibelspieles bedienen sich mehrfach eingeübter schauspielerischer Mittel und Methoden und werden durch Regieanweisungen in ihrem Handlungsrahmen eingeschränkt und gelenkt. 3 Nicht so jedoch im Bibliodrama. Dort wird auf Regieanweisungen verzichtet und im Modus der Selbstdarstellung nutzen die Protagonisten den biblischen Text als Grundlage für eigenes, improvisiertes Spiel, das über den Wortlaut und Inhalt des Grundtextes
1 Pfister, Manfred: Das Drama: Theorie und Analyse. München 1994 8 . 18-19.
2 Martin, Gerhard Marcel: Das Bibliodrama und sein Text, in: Evangelische Theologie 45 Jahrgang, Heft 6. 1985. 515-526.
3 Beispiele dafür wären, das weihnachtliche Krippenspiel oder eine Passionsaufführung.
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hinausgeht. Textkritisch ausgedrückt wird im Bibelspiel die Erzählzeit des Textes fast eins zu eins in die Spielzeit umgesetzt, oder es werden einzelne Szenen gerafft dargestellt. Nicht so im Bibliodrama, dort werden einzelne Sätze, Worte oder sogar Gesten gedehnt und ausführlich vergegenwärtigt. Der vielleicht wichtigste Unterschied zum Bibelspiel ist jedoch, daß es im Bibliodrama keine Trennung von Akteuren und Zuschauern gibt. Diese Spielform wird zugunsten einer Form gemeinsam getragener Interaktion der Gruppenmitglieder modifiziert. Das Verständnis eines Bibliodramas beinhaltet schon im Ansatz, daß nicht ein bloßes Hinnehmen einer vorgefertigten Materie, sondern die eigene gestaltende Arbeit zum zentralen Thema wird. 4
II. Die verschiedenen Ansätze und Methoden des Bibliodramas Wie bereits erwähnt, gibt es keine einheitliche Methode des Bibliodramas, denn dank seines offenen Ansatzes, ist es möglich, das Prinzip des Bibliodramas in verschiedenen Anwendungsbereichen und unter differierenden Zielsetzungen zu nutzen. Der Nachteil dabei ist eine übergroße Methodenvielfalt, die sogar innerhalb der verschiedenen Ansätze differieren kann. Das Folgende soll eine grobe Übersicht über die Anwendungsbereiche und verschieden Methoden des Bibliodramas liefern, wobei aus evidenten Gründen nicht der Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden kann.
II.1. Mimetisches Bibliodrama
Der „Mimetische-“ Ansatz, zu dessen Vertretern Samuel Laeuchli zu zählen ist, meint von der Etymologie her ein „Nachahmen“ und steht damit in der philosophisch - dramentheorethischen Tradition von Platon, Aristoteles und Brecht. Bedeutsam sind für ihn dabei die Wechselbezüge zwischen dramatischen Akteuren und Publikum, der innere wie äußere Dialog und die dramatische Stilisierung. Von der Methode her stellen bei Laeuchli die Zuschauer den Spielenden im Verlauf Fragen, oder diskutieren miteinander. So wird z.B. Isaak gefragt, warum er sich nicht
4 Berg, Horst Klaus: Grundriß der Bibeldidaktik, Konzepte - Modelle - Methoden. München 1993. 185-186.
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gegen die Opferung durch seinen Vater gewehrt hat, oder Abraham wird gefragt, wie er sich auf eine solche Tat einlassen konnte. Das Geschehen spitzt sich auf einen „mimetischen Schock“ zu, der die Geschichte in einem ganz neuen Licht erscheinen läßt. Neben der karthatischen Kraft des mimetischen Prozesses soll sich auch das Bewußtsein und die Einstellung der Protagonisten und Zuschauer ändern, es soll sich „Verwandeln“. 5
II.2. Bibliodrama als Seelsorge
Herman Andriessen und Nicolaas Derksen gehen in ihrem Ansatz von dem seelsorgerischen Aspekt des Bibliodramas aus. Um diesen Aspekt im Gegensatz zum mimetischen oder anderen besonders herauszuarbeiten, wird von ihnen folgendes methodisches Vorgehen bei der Bibliodramenarbeit vorgeschlagen: Als Basis sehen sie die Arbeit mit dem biblischen Text und die Inszenierung der biblischen Geschichte; dabei teilt die Leitungsinstanz den biblischen Rollenträgern Plätze zu. Die Teilnehmer gehen umher und wählen für sich eine Rolle. Sodann erfolgt ein Fragegespräch zwischen den Leitern und Teilnehmern. Dieses Gespräch dreht sich um die gewählte Rolle und das Erleben in der Rolle. Dabei erfüllt es zwei wichtige Funktionen: Zum einen bereitet es die Protagonisten auf ihre Rolle vor und intensiviert den damit verbundenen Erlebnischarakter, zum zweiten gewährt es der Leitung eine Einsicht über Gründe und Absicht der Rollenwahl der Teilnehmer. Nach der Inszenierung findet ein weiteres Fragegespräch mit eindeutig seelsorgerischer Ausrichtung statt; es ist sehr intensiv und nimmt viel Zeit in Anspruch.
Andriessen und Derksen sehen das Bibliodrama dabei als eine Form praktischer Exegese an, die im Unterschied zur textorientierten Exegese sich aber mit der Geschichte selbst, so wie sie jetzt im Menschen lebt, beschäftigt. Dabei werde versucht, sowohl die Heilsgeschichte im Spieler und in der Gruppe, als auch den Spieler und die Gruppe in der Heilsgeschichte zu integrieren. So sei das Bibliodrama ein Instrument
5 Laeuchli, Samuel: Abraham und Isaak - Einführung in eine mimetische Bewältigung, in: Kiehn, Antje u.a. (Hrsg.): Bibliodrama. Stuttgart 1987. 16-44.
Arbeit zitieren:
Andre Zysk, 1999, Exegetische Methoden - Das Bibliodrama als Methode der Bibelauslegung, München, GRIN Verlag GmbH
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