Hier eine Auflistung seiner kommerziell veröffentlichen Filmwerke, die Cronenberg vor Existenz gedreht hat: 1974 - Parasiten-Mörder 1977 - Rabid - der brüllende Tod 1979 - Die Brut 1980 - scanners 1982 - Videodrome 1983 - Dead Zone 1986 - Die Fliege 1988 - Die Unzertrennlichen 1991 - Naked Lunch 1993 - M. Butterfly 1996 - Crash 1999 - eXistenZ
David Cronenberg schrieb schon wie für den Film „Videodrome“ das Drehbuch, somit sind Geschichte wie auch der Film vollständiges Geistesprodukt David Cronenbergs. Das Buch zum Film entstand jedoch mit Hilfe von Christopher Priest der auch unter dem Pseudonym John Luther Novak bekannt ist. Bei der späteren Behandlung der einzelnen Passagen im fünften Teil meiner Abhandlung werde ich mich auch auf das Buch zum Film beziehen. Die Idee für dieses Projekt entstand in Cronenberg durch ein Interview mit dem sich ständig auf der Flucht befindenden Schriftsteller Salman Rushdie. Salman Rushdie wird von der islamischen ,Fatwa’ gejagt, weil er mit dem Medium des Buches eine eigene geistige Welt geschaffen hat, die den Fundamentalisten als gefährlich erscheint: das Hauptmotiv von Existenz
2. Kurze Inhaltsangabe
Der Film beginnt in einer kleinen Dorfkirche irgendwo in einem sehr ländlichen Gebiet Amerikas. Die Firma „Antenna Research“ stellt dort ihr neues virtuelles Spiel „eXistenZ“ vor. Hierfür werden zweiundzwanzig Probanden einschließlich der Spielentwicklerin Allegra Geller(gespielt von Jennifer Jason Leigh) miteinander
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vernetzt. Dies geschieht mit Hilfe von organischen nierenähnlichaussehenden Spielkonsolen, sogenannten „Gamepods“. Diese „Gamepods“ werden alle an das „Gamepod“ Allegra Gellers angeschlossen, in welchem sich der Prototyp des Spiels „eXistenZ“ befindet. Doch die Probanden gelangen erst gar nicht in die virtuelle Welt von „eXistenZ“, denn es wird während des Testversuches auf Allegra Geller geschossen. Der Attentäter will verhindern, dass das Spiel in die Öffentlichkeit gelangt. Die angeschossene Spielentwicklerin wird von Ted Pikul, einem Sicherheitsangestellten(gespielt von Jude Law), vor weiteren in Anschlägen in Sicherheit gebracht. Nach einigen weiteren Ereignissen auf ihrer Flucht gelangen die Beiden in ein Hotelzimmer, wo sie zum erstenmal die virtuelle Welt von „eXistenZ“ betreten. In dem „Spiel“ „eXistenZ“ lernen sie die sogenannten „Micropods“ kennen, die von einem sogenannten Unternehmen „CorticalSystematics“ hergestellt werden, kennen, mit deren Hilfe sich die Spielcharaktere, die sie in „Existenz“ spielen sollen, sich in ihr Bewusstsein herunterladen lassen. Es findet sozusagen ein Spiel im Spiel statt. Nachdem die Beiden das Spiel „eXistenZ“ endgültig beendet haben, wendet sich Ted Pikul gegen Allegra Geller, für die er bis dahin alles getan hat was sie wollte. Ted Pikul gehört eigentlich zu den „Anti-„eXistenZialisten““, wie auch schon der Attentäter am Anfang des Spiels. Er versucht sie zu erschießen doch kommt ihm Allegra Geller zuvor und tötet ihn. Sie ruft daraufhin: „Habe ich das Spiel gewonnen, habe ich gewonnen“ und auf einmal findet man sich wieder an den Anfang des Films erinnert, denn es werden nun dreizehn Menschen in einer Kirche gezeigt, die jetzt jedoch mit Hilfe von richtigen metallischen Drähten vernetzt sind und nicht mit Hilfe von organischen nabelschnurähnlichen Schnüren. Es wurde die ganze Zeit das Spiel „TranszendenZ“ von der Firma „PilgrImage“ gespielt, welches von dem Spielentwickler Jewgenij Nourish geschaffen wurde. „eXistenZ“ war nur ein Spiel im Spiel. Allegra Geller und Ted Pikul stellen sich nun in der „Wirklichkeit“ wiederum als Gegner virtueller Spiele heraus, und töten Jewgenij Nourish mit der Begründung, dass dieser erheblichen Schaden an der menschlichen Gesellschaft angerichtet habe, aufgrund nachhaltiger Verformung der Realität. Zusammengefasst hat der Film „eXistenZ“ vier Wirklichkeitsebenen: • Transzendenz • Existenz
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• Micropodwirkichkeit • Realität(Spielfilmwirklichkeit)
3. Beschreibung der Biotechnik
Der Film „eXistenZ“ verzichtet, bis auf das Ende, vollständig auf das Zeigen geschweige denn das Benutzen von technischen Geräten im klassischen Sinne. Es gibt keine Monitore, Computer, Uhren oder irgendwelche anderen blinkenden Lichter. Selbst ein Handy wird als etwas Organisches dargestellt. Cronenberg veranlasst den Zuschauer, durch das konsequente Zeigen von Organischem in all seinen Formen, sich mit der eignen Betrachtungsweise zu seinem eigenem Körper auseinander zusetzen, den eigenen Körper mit all seinen Knochen, Knorpeln, Blut, Haut, Körperöffnungen etc. All das was der Mensch in seinem Körper trägt, wird durch das Kameraauge ins Zentrum der Betrachtung gerückt. Wird die virtuelle Welt in anderen Romanen und Filmen geradezu als Flucht vor dem Körper verstanden, vor dem begrenzten Menschendasein, wird hier das Körperliche, das Organische zelebriert. In diesen anderen Filmen wird eher eine dualistische Betrachtungsweise vertreten, in denen der Geist sich durch die virtuelle Welt vom Körperlichen, Materiellen befreit. In „eXistenZ“ vertritt Cronenberg die These, dass das Organische das Menschsein geradezu ausmacht, ja das die Technik geradezu nur ein verlängerter Arm der menschlichen Natur sei:
„ die Technik interessiere ihn auch als Auswuchs der menschlichen Natur, das Werkzeug sei nur ein verlängerter Arm. Das Technische erscheint daher in Existenz in der Form des Organischen, selbst die Waffen sind aus Knochen gemacht und feuern Zähne ab.“(3)(siehe auch (1) und (2))
Die menschliche Existenz wird also durch das Organische bestimmt, es gibt also keinen unabhängigen menschlichen Geist, der seinen Körper quasi nur bewohnt. Cronenberg vertritt aber auch nun keine absolut materialistische Weltansicht, im Sinne des Universums als ein großes Uhrwerk. An einer Stelle des Films, die an einer Tankstelle spielt, macht er sich sogar über solch eine Auffassung lustig, indem er den Tankwart im ironischen Tonfall sagen lässt:
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„Du, der Spieler dieses Spiels, du bist Gott(...) Sehr vergeistigt. Auch witzig. Gott, der Künstler, Gott der Mechaniker...“ (Novak, S.66)
Inwieweit sich nun die menschliche Existenz auch durch andere Merkmale, als die der organischen Beschaffenheit und die damit verbundenen Bedürfnisse, kennzeichnet, ist in dem Film Existenz von untergeordneter Bedeutung. Es steht jedoch für Cronenberg fest, dass der Körper als Bezugspunkt für die Orientierung in der Wirklichkeit dient, und das macht die Welt von „eXistenZ“ für Ted Pikul so gefährlich, denn sie „fühlt“ sich real an.
Wichtigste Vorrausetzung für das Spiel „eXistenZ“, das ja eigentlich nur ein Spiel in dem Spiel „TranszendenZ“ ist, sind die „Gamepods“. Diese Spielkonsolen, welche ein nierenähnliches Aussehen haben, bestehen aus gezüchtetem Nervengewebe, sogenanntem „Metaflesh“ und sind vollkommen organisch. Es bewegt sich und gibt schmatzende Geräusche von sich, wenn es aktiviert wird. Die „Gamepods“
vermitteln dem Zuschauer den Eindruck als wären sie kleine Tiere denn sie können unter anderem krank werden und Allergra spricht an einer Stelle des Films, dass sich ihr „Gamepod“ nicht wohl fühlt. Das „Gamepod“ erhält über sogenannte „Umby Cords“ seine Energie aus dem menschlichen Körper, man könnte sie also im gewissen Sinne auch als Parasiten beschreiben. Diese „UmbyCords“ sind nabelschnurähnliche Schnüre, die die „Gamepods“ und „Bioports“ miteinander verbinden. „Bioports“ sind kleine aus organischem Material bestehende „Steckdosen“ die sich im unteren Bereich des Rückrads des Spielers befinden, hier werden die „Umby Cords“ hineingesteckt.
In der Spielfilmwirklichkeit, die allen anderen Wirklichkeitsebenen übergeordnet ist, setzen sich die Spieler aber Kopfbedeckungen auf, die aus Metall und Plastik bestehen. Diese Kopfbedeckungen, welche wohl direkt das Gehirn stimulieren, werden noch durch handschuhähnliche Geräte ergänzt. Diese Kopfbedeckungen sind alle vernetzt und nun befinden sich die Spieler in „Transzendenz“. In Transzendenz sind Ted Pikul und Allegra Geller über ein „Gamepod“ miteinander vernetzt und spielen „eXistenZ“. Das Spiel „eXistenZ“ entsteht dadurch dass das „Gamepod“ sich der unbewussten wie auch die bewussten Wünsche, Gedanken und Erinnerungen der jeweiligen Spieler bedienen kann, um hieraus eine neue Welt zu
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schaffen, die in ihrer Existenz jedoch von Eigenheiten der jeweiligen Spieler abhängig ist. Dieses Prinzip lässt sich auch auf „TranszendenZ“ übertragen.
4. Beschreibung der Spielcharaktere
Die einzelnen Charaktere in diesem Film zu beschreiben, ist kaum möglich, denn die Figuren haben im eigentlichen Sinne keine feste Persönlichkeit. Je, nachdem auf welcher Wirklichkeitsebene man sich gerade befindet, können sich die Figuren so verändern, dass mit einer Figur gleich mehrere Charaktere dargestellt werden. Allegra Geller wird am Anfang des Films als eine schüchterne und sehr berühmte Spielentwicklerin vorgestellt, vergleichbar mit einem angebeteten Oberhaupt einer Sekte. Sie wird als Göttin betrachtet vor der sogar einige auf die Knie fallen. Allegra ist sich dieser Tatsache bewusst, doch sind ihr viele Menschen auf einmal unangenehm und sie würde am liebsten alleine bleiben, um das Spiel „eXistenZ“ zu entwickeln und zu spielen. Sie stellt auf Druck ihrer Firma „Antenna Research“ ihr neu entwickeltes Spielsystem vor. Sie wird als sehr gut aussehend und intelligent beschrieben was bei Ted Pikul nicht ohne Wirkung bleibt. Ist sie bei der Präsentation noch ein wenig schüchtern, ändert sich dies auf der Flucht und sie weiß genau was sie will und wie sie dieses erreicht. Sie bringt auf energische Art und Weise oder aber auch unter der Verwendung ihrer Reize Ted Pikul dazu genau das zu tun, was sie will. Sie wirkt jedoch immer angespannt und gereizt, dies ändert sich, als sie zum erstenmal die Welt von „eXistenZ“ betreten. Sie entspannt sich und beginnt sogar eine Affäre mit Ted Pikul. Sie wirkt in dieser Welt ganz gelöst und kann Ted Pikul Einzelheit zu der Funktionsweise des Spiels erklären wie z.B. sein, ihm selbst merkwürdigvorkommendes Verhalten erklären. Sie betrachtet die reale Welt als langweilig und öde vor der man fliehen müsste, die wahre Erfüllung erfahre man nur in der Spielwelt von „eXistenZ“. Das Einzige was ihr von Bedeutung ist, sogar mehr als ihr eigenes Leben, ist das Spiel „eXistenZ“, welches es zu retten und zu schützen gilt. Sie spricht sogar bei ihrem „Gamepod“ von ihrem „Baby“. Erscheint sie die meiste Zeit als reife und abgeklärte Frau, die kein Mitleid kennt, ist man sehr überrascht, wenn sie auf einmal wie kleines Kind ruft: „Habe ich gewonnen, habe ich das Spiel gewonnen“. (Novak, S.207) In der „echten“ Spielfilmwirklichkeit erscheint sie dann wieder ruhig und abgeklärt, als sie mit tiefer Befriedigung den echten Spielentwickler Nourish erschießt. Eine Besonderheit an der Figur Allegra Geller ist
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Arbeit zitieren:
Kristian Wulkau, 2004, Eine Abhandlung über den Film 'existenz', München, GRIN Verlag GmbH
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