1. Einleitung
In dem Hauptseminar „Sport und Bewegung“ haben wir uns mit der „Bewegten Schule“ auseinander gesetzt. Es wurden Arbeitsgruppen gebildet und die jeweiligen Arbeitsgruppen haben sich mit selbstentwickelten Fragestellungen beschäftigt.
Unsere Gruppe hat sich mit dem Thema „Bewegung in der Pause“ auseinander gesetzt. Für dieses Thema haben wir uns entschieden, weil wir der Meinung sind, dass die Pausen einen sehr wichtigen Teil im Leben eines Schülers einnehmen und dass es wichtig ist, dass den Kindern gerade hier genügend Möglichkeiten zur Bewegung geboten werden sollte. Da viele Schulhöfe kahl, asphaltgrau, langweilig und sehr übersichtlich sind, überdenken immer mehr Eltern und Lehrer die Gestaltung des Schulhofes. Dieses war auch in der Liobaschule der Fall, in der wir unsere Beobachtungen gemacht haben.
Wir sind an zwei Schultagen in die Schule gegangen und haben die Schüler unter verschiedenen Fragestellungen in der Pause beobachtet. Diese Beobachtungen und Interpretationen der Beobachtungen sollen Thema dieser Hausarbeit sein.
Dafür stellen wir erst den aktuellen Forschungsstand in der Literatur zur „Bewegten Pause“ dar und widmen uns hinterher dem Thema „Beobachtung“ im Allgemeinen, um danach unser genaues Vorgehen während der Beobachtung zu beschreiben. Nach diesen Grundlagen kommen wir zu den Beobachtungen selbst. Diese werden wir darstellen und danach die sich daraus ergebenden Thesen aufstellen. Jede dieser Thesen wird danach interpretiert. Nach diesen Interpretationen folgt nach jeder Fragestellung ein kurzes Fazit.
Eine abschließende Auswertung wird die Hausarbeit beenden.
2. Darstellung des Forschungsstandes
In der Vergangenheit wurde dem Pausenhof und speziell der Pause ein geringer Wert innerhalb des Lernraumes Schule zugemessen. Die Pause war nur ein Übergang von der einen Unterrichtsstunde in die nächste. Doch dieser Wert sollte sich in den darauf folgenden Jahren grundlegend ändern.
„Auf unserem Schulhof bewegt sich was“ (siehe Kreuzschule Mussum in Sportpädagogik 6 (1995), S. 28-30), fasst das Kollegium der Kreuzschule Mussum in Bocholt den Umbau und die Umgesta ltung ihres Schulgeländes zusammen. Der Ausgangspunkt ihrer Bemühungen, den Schulhof neu zu gestalten war die große asphaltierte Fläche ohne Spielgeräte und Raum für vielfältige Bewegungserfahrungen. Dieser Bericht einer spezifischen Schulhofumgestaltung s oll auf der einen Seite deren Wertentwicklung im Bezug zum Pausenhof aufzeigen und ein Beispiel setzen, wie Schule, Schüler und Eltern gemeinsam an der Schulentwicklung zusammen arbeiten können.
Ein weiterer Erfahrungs- und Entwicklungsbericht beschreibt die Ingenieurin Dr.-Ing. Susanne Edinger-Aschenbach in ihrem Bericht: Der Schulhof ein Spielraum für Kinder (siehe Susanne Edinger-Aschenbacher in Motorik 1 (1994), S. 13-19). Das Erarbeiten unterschiedlichster Funktionen des Schulhofes wie z.B. eine didaktische Funktion, Spielen, Naturerfahrungen oder der Schulhof als „angenehmer Aufenthaltsort“ sollen innerhalb einer planvollen Umgestaltung erfüllt werden. Anstelle einer kahlen, grauen Schulhoffläche wünschen sich Schüler eine farbige und naturnahe Schulhof- Landschaft, die zu vielfältigen Formen von Spiel und Bewegung einlädt. Sie gibt praktische, genau geplante Beispiele und Möglichkeiten einer Hofumgestaltung.
Diese zwei beispielhaften Berichte zeigen, wie sich der Wert des Schulhofes Von der Betrachtung Pause als Übergangszeit zum Erholungs-, Lebens- und Lernort. verändert hat.. „Pausenhöfe sind Orte, wo die Sinne geweckt werden können, wo Bewegung wieder entdeckt wird, wo das Bedürfnis nach
Erholung individuell gestillt werden kann, wo soziale Kontakte ebenso möglich sind wie das Für -Sich-Bleiben und wo es attraktive Gelegenheiten zum Bewegen und Spielen gibt“ (siehe Claudia Kugelmann in Sportpädagogik 2 (2001), S. 26-28). Eine weitere Betrachtung ist der Pausenhof als Ort der
Koedukation, wo Mädchen und Jungen miteinander spielen und lernen.
Eine Studie der Bayreuther Gruppe unter der Leitung von Dr. phil. Peter Kuhn sollte ermitteln, welche Wünsche Kinder zu Bewegung, Spiel und Sport in der Schule hegen und welche Vorstellungen sie von einer „bewegten Schule“ haben (siehe Peter Kuhn in Sportpädagogik 2 (2001), S. 42-45). In dieser Studie sollten die Kinder durch thematische Zeichnungen und fokussierte, episodische Interviews am Bild ihre Sicht vom Klassenzimmerunterricht, Pausenhof und Sportunterricht darstellen. Für die meisten Kinder war der Pausenhof ein Ort für Sportspiele, daneben Ort zum Klettern und gemeinsamen Spielen. Insgesamt nannten sie 81 verschiedene Aktivitäten. Diese ließen sich zuordnen in Ballaktivitäten und Spielplatzaktivitäten. Hinzu kommen Hüpfspiele und Inline-Skating. Ginge es nach den Wünschen der Jungen, so müsste man auf dem Pausenhof vor allem Fußball, Tischtennis und Basketball spielen und klettern können. Die Mädchen liegen beim Tischtennis und beim Klettern gleich auf, die anderen Spielplatzaktivitäten sowie besonders gemeinschaftliches Spielen mit Bällen, Hüpfspiele, aber auch Federball sind für sie wichtiger als für die Jungen. Inline-Skating hat für Mädchen und Jungen einen gleich hohen Wert. Die zusammenfassenden Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Kinder regelmäßig Pausen benötigen, um „besser lernen zu können“ und sich den Pausenhof mit vielfältigen Bewegungsgelegenheiten wünschen. Die Pausen sollen außerdem länger sein, „damit man in Ruhe essen und trinken, verschiedene Sachen machen und sich richtig austoben und erholen kann“.
Die Literatur, die sich auf den Umbau und die Entwicklung von Schulhöfen bezieht ist umfangreich, während es wenig spezifische Literatur zu dem Thema „Bewegte Pause“ gibt. Während diese Berichte auf die Umgestaltung des Raumes Schulhof und auf die Wünsche der Kinder gerichtet waren, hat schon 1983 eine Konzeptentwicklung im Bezug zur Pause stattgefunden, die
in dem Bericht „Offene Pause“ (siehe Jochen Dietrich in Sportpädagogik 2 (1983), S. 45-49) beschrieben werden. „Offene Pause meint nicht nur die organisatorische Maßnahme des Offenlassens von Klassenraum - und Flurtüren während der Schulpause, sondern Offene Pause meint vielmehr den Prozess der Entwicklung eigenständigen Gestaltens von Zeit und Raum (während der Schulpause) durch die Schüler/innen“.
3. Eigene Forschung der Bewegten Pause
3.1 Beschreibung des Vorgehens
Bevor wir das Pausenverhalten der Schülerinnen und Schüler an der Lioba Schule beobachteten, stellten wir uns vier Aufgaben unter denen die Beobachtung laufen sollte. Wir wollten herausfinden, ob es bestimmte Merkmale im Geschlechterverhalten, in der Raumnutzung des Schulhofes, in der Gerätenutzung und im Verhalten, das die Kinder in der Pausenhalle zeigen, gibt. Damit jeder dieser vier Bereiche optimal untersucht werden konnte, teilten wir die Aufgaben unter uns auf. Bei einem zweiten Beobachtungszeitpunkt, wechselten wir die Aufgaben, damit eventuell andere Sichtweisen herausgestellt werden konnten.
Innerhalb der vier Beobachtungsaufgaben, stellten wir uns bestimmte Fragen, die zu verschiedenen Thesen führen sollten. Diese Thesen haben wir dann interpretiert.
Zum Geschlechterverhalten:
Unter diesem Gesichtspunkt ist wichtig zu erkennen, ob es bestimmte Spiele gibt, die nur Jungen oder nur Mädchen spielen. Außerdem ist interessant, ob sich die Geschlechter teilen oder ob es auch gemischte Gruppen gibt. Hierbei ist ebenso wichtig, was die Kinder jeweils spielen, bzw. wie sie sich bewegen.
Zur Raumnutzung: In der Raumnutzung ist wichtig zu wissen, wer sich von den Kindern wo aufhält und welche Bereiche des Schulhofes besonders oder gar nicht in Anspruch genommen werden und was an diesen Orten getan wird.
Zur Gerätenutzung:
Wie werden die zur Verfügung stehenden Geräte in das Verhalten der Kinder einbezogen? Welche Geräte werden von wem besonders oder gar nicht benutzt und wie werden sie genutzt? Diese Fragen sind wichtig, um die Gerätenutzung der Kinder in ihrem Pausenverhalten zu beobachten.
Zur Beobachtung des Verhaltens in der Pausenhalle: Bei dieser Beobachtungsaufgabe ist zu beobachten, wie die Schülerinnen und Schüler ihre Pause in der Halle gestalten. Wie bewegen sie sich drinnen, wie spielen sie bzw. was steht ihnen als Spielmöglichkeiten zur Verfügung und was wird davon in Anspruch genommen? Außerdem ist zu beobachten, ob die Kinder eher allein oder in Gruppen ihre Pause verbringen.
3.2 Beschreibung der Schule und der Beteiligten
Die Liobaschule
An der Liobaschule unterrichten zurzeit 29 Lehrerinnen und L ehrer. Es werden ca. 310 Kinder unterrichtet, die in jeweils vier parallelen Schulklassen pro Jahrgang eingegliedert sind.
An der Schule arbeiten sehr viele engagierte Lehrer, so dass eine große pädagogische Vielfalt geboten wird. So gibt es Regelpädagogik aber auch Montessori-Pädagogik, Freiarbeit, Tagespläne und Wochenpläne,
verschiedene Arbeitsgemeinschaften und Projektarbeitsgemeinschaften und das Konzept der „Bewegten Schule“.
Auf das Konzept der „Bewegten Schule“ soll hier besonders eingegangen werden, da dies für unsere Beobachtungen von großer Relevanz ist. Seit März 1996 läuft an der Schule gemeinsam mit Dozenten, Mitarbeitern und Studenten das Projekt „Bewegungsfreundliche Schule – Gesunde
Schule. Hiermit soll die zunehmende Bewegungsarmut der Kinder abgebaut werden.
Immerhin konnten die Lehrer in ihrem Unterricht einige Ursachen für diese Bewegungsarmut feststellen. Hierzu gehört, dass Kinder ihre Umwelt oftmals nicht mehr direkt erleben, ihre Bewegungsumgebung zunehmend in geschlossenen Räumen zu finden ist, dass Kinder sich verstärkt elektronischen Medien zuwenden und dass die Spielumgebung sich entscheidend geändert hat.
Deshalb wurden mehrere Maxime aufgestellt, die in diesem Projekt umgesetzt werden sollten.
So sollen die Schüler angeregt werden:
- mit allen Sinnen zu lernen.
- Bewegungsmöglichkeiten im Klassenraum zu nutzen.
- Bewegungsvielfalt des menschlichen Körpers kennen zu lernen.
- dies mit maximaler Rücksicht auf andere Kinder zu tun.
- zu lernen, dass Bewegung nicht gleichbedeutend mit Lärm ist.
Hierfür sollen Räume, Gebäude und Umfeld umgestaltet werden. Der Unterricht soll durch Inszenierung von bewegtem Unterricht verändert werden. Außerdem sollen psycho-soziale Fähigkeiten durch erfahrungs- und wahrnehmungsbezogenen Unterricht gestärkt werden.
Im Laufe des Projektes wurden sieben Teilgebiete erarbeitet:
1. Das mobile Klassenzimmer – bewegtes Lernen 2. Körper- und Haltungsthemen 3. Bewegter Fachunterricht – bewegtes Lernen 4. Erfahrungs- und wahrnehmungsorientierte Bewegungserziehung statt
Sportunterricht 5. Einrichtung einer Bewegungswerkstatt
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David Brinkhus, 2003, Bewegte Pause (Sport), Munich, GRIN Publishing GmbH
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