Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 3
Abk ürzungsverzeichnis 4
1 Plakate geben Zeugnis vergangener Kommunikation. 5
2 Ein wenig einseitig - Abgrenzung von anderen Einblattdrucken. 6
3 Auswirkungen des politischen Wandels auf das Plakat. 7
3.1 Ursachen der Revolution 7
3.2 Auswirkungen - die Aufhebung der Zensur stärkt die Bedeutung des Plakats
8
3.3 der Wegfall der Zensur gibt Plakatdruckern keine Narrenfreiheit. 9
4 Einflüsse von wirtschaftlichen Entwicklungen. 10
4.1 Der industrielle Aufschwung bewirkt eine Verbesserung der Auftragslage. 10
4.2 Weitere Einflüsse auf die Auftragslage der Plakatdrucker 11
5 Produktion und Vertrieb im Mediensystem 11
5.1 Bei der Herstellung zählt die Zeit und die Ästhetik bleibt auf der Strecke. 11
5.2 Die Verbreitung hängt von technischen Neuerungen ab 13
5.3 Die Drucker waren Personen des öffentlichen Lebens 13
5.4 Plakatdruckereien konnten auch anders. 14
5.5 Die Drucker entziehen sich staatlichen Einflüssen 15
6 Wer etwas öffentlich zu sagen hatte, bediente sich der Plakate 16
6.1 Mitteilungsbedürftige Berliner - Kommunikatoren, Inhalte, Adressaten. 16
6.1.1 Wer wollte und wer konnte etwas sagen ? - die Kommunikatoren. 16
6.1.2 Der Berliner macht sich Luft - die Inhalte der Plakate 16
6.1.3 Adressierung und Erregung von Aufmerksamkeit für die Inhalte 17
6.2 Öffentlichkeitsbegriff und öffentliche Meinung in Berlin. 18
6.2.1 Die Berliner Öffentlichkeit. 18
6.2.2 Das Berliner Informationsbedürfnis. 19
6.2.3 Die Berliner Meinungsbildung 20
7 Selektionsmechanismen, Bildung und andere Hürden der Rezeption. 20
7.1 Bildung als Voraussetzung der Rezeption. 20
7.2 Anreize für den Berliner sich den Plakatinhalten zuzuwenden. 21
8 Das Plakat - ein wahres Massenmedium seiner Zeit. 22
Quellen 23
Darstellungen und Untersuchungen. 24
Anhang 26
- 3 -
1 Plakate geben Zeugnis vergangener Kommunikation
Das Plakat und insbesondere das politische Plakat sind Quellen für Historiker, welche dazu beitragen, die Zeitgeschichte zu verstehen, denn sie geben Zeugnis vergangener Kommunikation. 1 Das Plakat trägt zur Dokumentation kommunikationshistorischer gesellschaftlicher Begebenheite n bei, also solchen Vorgängen im Jahre 1848, welche die öffentliche Meinung in Berlin mitbildeten und zeigt die Themen und Agitatoren dieser Prozesse. „Der Stil einer Zeit und ihrer Gesellschaft bestimmt somit auch den Stil ihrer Plakate.“ 2
Der Forschungsstand zu Plakaten aus dieser Zeit ist bezüglich künstlerischer Fragestellungen, insbesondere zur französischen Plakatkunst hoch. Abhandlungen über politische Plakate beziehen sich zumeist auf spätere Abschnitte der Geschichte und stellen häufig ebenfalls die grafische Gestaltung der Plakate in den Vordergrund. Untersuchungen der Presse in Berlin um 1848 beziehen sich meist auf periodische Druckerzeugnisse, stellen aber unzureichend dar welche Rolle das Plakat bei der Meinungsbildung spielte.
Diese Arbeit beginnt mit einer Definition von Plakaten. Hiermit soll diese Arbeit erst einmal einen Beitrag zur Unterscheidung von Plakaten und anderen Einblattdrucken liefern.
Nach der Definition und Abgrenzung des Mediums und seiner Darstellung im wirtschaftlichen, politischen und unternehmerischen Umfeld soll anhand des Öffentlichkeitsbegriffs, der Rezeption und der Verbreitung ein Verständnis für das Plakat geschaffen werden, welches wichtig ist zur Zurechtrückung unseres heutigen Verständnisses von historischen Plakaten.
Die massenmediale Wirkung des Plakats soll in Abhängigkeit zu den Bedingungen der damaligen Zeit aufgezeigt und es soll verdeutlicht werden, welche Vor- und Nachteile dem Plakat auferlegt waren.
1 vgl. Manfred Hagen, Das politische Plakat als zeitgeschichtliche Quelle in: Geschichte und Gesellschaft, o.Verlag, o.O., 3/78, S. 414.
2 s. Hellmut Rademacher, Das deutsche Plakat, VEB Verlag der Kunst, Dresden, 1965, S. 9.
- 5 -
Durch das Thema dieser Arbeit hoffe ich, eine Beitrag zur Geschichte der öffentlichen Kommunikation leisten zu können. Sie soll zeigen, welche Geschichte die Plakate über ihren Stellenwert in vergangener Zeit erzählen können.
2 Ein wenig einseitig - Abgrenzung von anderen Einblattdrucken
Übergänge zwischen Plakat und Flugblatt bzw. Flugschrift (Pamphlet) sind fließend 3 . Auch Bezeichnungen wie Anschlag, Anschlagzettel, aufgehängtes Flugblatt, Bekanntmachung, Maueranschlag verwirren mehr als sie helfen zu systematisieren.
Um im Nachhinein bei der Arbeit an Quellen bestimmen zu können, ob das vorliegende Einzelblatt ein Plakat ist, werden Unterscheidungsmerkmale nötig. Solche sind der Umfang und die Handlichkeit 4 und die einseitige Bedruckung. Eventuelle Aufhängespuren oder umseitige Notizen sind eine Seltenheit, weil angekleisterte Plakate hätten feinsäuberlich gelöst werden müssen. 5
Plakate sind nicht-periodisch. Sie wenden sich mit dem Ziel der Agitation (d.h. der Beeinflussung des Handelns) und/oder der Propaganda (d.h. der Beeinflussung der Überzeugung) an die gesamte Öffentlichkeit. Plakate als Träger von Wirtschaftswerbung haben in dieser Zeit die Beeinflussung des Verbrauchers zum Ziel, zum Zwecke der Bedarfsweckung und Absatzsteigerung. Plakate, welcher der politischen Propaganda dienen haben allgemeine soziale, humanitäre, kulturelle oder religiöse Ziele. 6
Es bestand die Möglichkeit der indirekten Rückmeldung an den Kommunikator 7 und zwar durch die Reaktion in Form einer Gegenveröffentlichung.
3 s. ?, Achten und Siegfried Krupke, An Alle! Lesen! Weitergeben - Flugblätter der Arbeiterbewegung von 1848 bis 1933, Büchergilde Gutenberg, Bonn 1982, S. 5.
4 Merkmale, wie bspw. die Größe des Einzelblatts (einzelne Plakate waren bis zu 80x51cm groß), können Hinweise hierauf geben.
5 Viele Bücher mit Abrucken von angeblichen Plakaten (Sekundärquellen) oder angeblichen Flugblättern lassen
solche Angaben vermissen, welche zeigen, ob diese angeschlagen waren oder in die Hand verteilt wurden. so
bspw. in: Udo Achten und Siegfried Krupke, An Alle! Lesen! Weitergeben (1965) S. 16 u. 17.
6 vgl. Michael North (Hrsg.) / Clemens Wischermann, Kommunikationsrevolution - Die neuen Medien des 16. und
19. Jahrhunderts, Böhlau Verlag, Köln, 1995, S. 192.
7 so auch: Michael North (Hrsg.) / Olaf Mörke, Kommunikationsrevolution (1995) S. 17.
- 6 -
Eine Gruppe von Plakaten waren Werbeplakate. Deren alte Auftraggeber waren Vergnügungsstätten, Lokale, Menagerien 8 , Kaufhäuser, Geschäfte, Theater, Restaurants, Tanzlokale, Weinstuben und Veranstalter aller Art. 9
Für Berlin kann behauptet werden, dass Werbung als Kommunikation in einem zunehmend a nonymen Marktgeschehen Einfluss auf Plakate und Wirtschaftlichkeit hatte 10 . Seit 1850 beansprucht Werbung in Preussen einen zunehmend größeren Raum, weil dies die Öffentlichkeit und das Marktgeschehen erforderlich machen. Produktinnovationen lösten einander schnell ab und mussten über die Werbung in möglichst kurzer Zeit einem breiten Publikum bekannt gemacht werden 11 Bei Werbeplakaten glaubte man in den Jahrzehnten nach 1815 ohne künstlerische Gestaltungen in der Werbung auskommen zu können. 12
Werbeplakate spielen in dieser Arbeit dennoch nur eine untergeordnete Rolle, weil hierzu keine Quellen gefunden wurden. Die Arbeit bezieht sich im folgenden auf politische Plakate im weiteren Sinne. Neue Wege der Kommunikation und Information 13 wurden durch die politischen Geschehnisse der Bewegungen von 1848 nötig und in den Jahren zuvor nötig.
3 Auswirkungen des politischen Wandels auf das Plakat
3.1 Ursachen der Revolution
1848 vereinigte sich das Bürgertum mit dem Adel und dem alten Staatsgefüge gegen die Arbeiterbewegung. 14 Der blutsaugende Adel, welcher auf Kosten des Volkes lebt war zum Feindbild desselbigen geworden: „Ein Fürst ist ein Individuum, dessen ganzes Verdienst es ist, aus einem kaiserlichen, königlichen oder herzoglichen Leibe gekrochen zu sein, das gewöhnlich schon in den Windeln General und, wie man sagt,
8 s. Hellmut Rademacher, Das deutsche Plakat (1965) S. 9ff.
9 s. Reinhard Wahren, Lieber Litfaß! Eine Begegnung mit dem Berliner Reklamekönig, hendrik Bäßler verlag, Berlin, 1998, S. 26.
10 s. Michael North (Hrsg.) / Clemens Wischermann, Kommunikationsrevolution (1995) S. 192.
11 vgl. Michael North (Hrsg.) / Clemens Wischermann, (1995) S. 193.
12 s. Hellmut Rademacher, Das deutsche Plakat (1965) S. 9ff.
13 vgl. Michael North (Hrsg.) / Clemens Wischermann, Kommunikationsrevolution (1995) S. 193.
14 s. Udo Achten und Siegfried Krupke, An Alle! Lesen! Weitergeben (1982) S. 9.
- 7 -
schon mit 18 Jahren so klug ist, wie die geliebten Unterthanen mit 40. Ein Fürst ist ferner dasjenige Individuum, welches auf Kosten von Millionen prachtvoll wohnt[...] “ 15
Die Not des Volkes, welche i n den Jahren zuvor durch die Kartoffelkrankheit ihren Höhepunkt erreicht hatte, trug dazu bei, dass umgekehrt das Verhältnis zwischen Arbeitern und dem Adel seinen Tiefpunkt erreichte. 16
3.2 Auswirkungen - die Aufhebung der Zensur stärkt die Bedeutung des Plakats
Begünstigt wird das Plakat dadurch, dass in Zeiten in denen periodische Medien sanktioniert werden eine Flucht der Meinungsäußerung in andere Medien stattfindet, wie z.B. in Bücher 17 aber auch für tagesaktuelle Themen in Plakate und Flugblätter. 18 Beschlagnahmungen von Plakatauflagen sind in solchen Fällen nicht so kostspielig wie die Entziehung ganzer Zeitungsauflagen.
Plakate entzogen sich bis zur Einführung des neuen Pressgesetz 1848 eher der Zensur als Zeitungen. Auch Bücher waren eine Alternative 19 , jedoch waren diese völlig ungeeignet zur Darstellung tagesaktueller Inhalte. Wenn Artikel von Zeitungen zensiert wurden, bedeutete dies die Beschlagnahmung einer ganzen Nummer, wodurch die finanziellen Einbußen relativ hoch waren. Die Druckereien verlagerten die Zensur von draußen nach drinnen, sprich sie verhinderten solche Beschlagnahmungen, indem sie sich bereits bei Herstellung an die Zensurauflagen anpassten. 20
Entgegen der freien Meinungsäußerung, welche durch Plakate erreicht werden konnte, gaben die Zeitungen in dieser Zeit kein genaues Bild der Stimmungen in Berlin. Dies sind Faktoren, welche das Plakat in seiner Funktion als Massenmedium begünstigen.
15 „Republikanis cher Katechismus für das deutsche Volk“ (1848), aus Udo Achten und Siegfried Krupke, An Alle! Lesen! Weitergeben (1982) S. 11-12
16 vgl. s. Jürgen Kuczynski: Die wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen der Revolution von 1848/49, Die Freie Gewerkschaft Verlagsgesellschaft mbH, Berlin, 1948, S. 22-23.
17 s. L. Buhl, Der Beruf der Preussischen Presse, Verlag Klemann, Berlin, 1842, S. 22 u. 29 (aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Abteilung Historische Drucke)
18 s. Friedrich von Oetker, Presszustände in Kurhessen in: Ansichten und Ratschläge, Verlag Wilhelm Rüchler [Küchler], Frankfurt a. M./Kassel 1960.
19 „Werden ihr die Zeitungen genommen, so flüchtet sie sich in die Bücher über 20 Bogen[...] “ in: L. Buhl, Der Beruf der Preussischen Presse (1842) S. 29
20 vgl. Sigrid Weigel, Flugschriftenliteratur 1848 in Berlin. Geschichte und Öffentlichkeit einer volkstümlichen Gattung, Stuttgart 1979, S. 10
- 8 -
Arbeit zitieren:
Christian Rell, 2002, Das Plakat als Massenmedium im Berlin des Jahres 1848, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Die Bedeutung des Investiturstreits
Konflikt um die rechte Ordnung...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 12 Seiten
Estado da India - Portugals Kolonialpolitik in Ostindien um 1500
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 30 Seiten
Elemente der Konstruktion des Nationsbegriffes in Johann Gottfried Her...
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Beschimpfungen - am Beispiel des Französischen und Spanischen
Romanistik - Vergleichende Romanistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Karikaturen und politische Lieder in der Revolution 1848/49
Hausarbeit, 17 Seiten
Politische Karikaturen. Rolle und Bedeutung der politischen Karikatur ...
Hausarbeit, 21 Seiten
Der Canossagang von 1077 - eine Niederlage für Heinrich IV.? -
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 20 Seiten
Der mittelalterliche Investiturstreit und König Heinrichs Gang nach Ca...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 25 Seiten
Papst Gregor VII. und seine Rolle im “Investiturstreit”
Quod illi liceat imperatores d...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Die Position Gregors VII. im Investiturstreit mit Heinrich IV.
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Christian Rell's Text Das Plakat als Massenmedium im Berlin des Jahres 1848 ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Christian Rell hat den Text Das Plakat als Massenmedium im Berlin des Jahres 1848 veröffentlicht
Christian Rell hat einen neuen Text hochgeladen
Macht und Anteil an der Weltherrschaft
Berlin und der deutsche Koloni...
Ulrich van der Heyden, Joachim Zeller
Ein Wegweiser durch die Stadt
Michael Bienert, Elke Linda Buchholz
Wege in die Moderne. Reiseliteratur von Schriftstellerinnen und Schrif...
Jahrbuch Forum Vormärz Forschu...
Christina Ujma
Architekturbilder125 Jahre Architekturmuseum der Technischen Universit...
Hans-Dieter Nägelke
"Smiling Berlin - Eine Liebeserklärung in Bildern"
Eine Perspektive von Lasse Wal...
Lasse Walter
0 Kommentare