Inhalt
1. Identität 3
1.1 Zum Begriff der Identität 3
1.2 Symbolischer Interaktionismus 3
1.3 Ausbildung der sprachlichen Identität 5
2. Sprachnormen 8
2.1 Soziale Kontrolle 8
2.2 Selektion 8
2.3 Sprachhandlungsnormen 10
2.4 Subkulturen 13
3. Idiolekt 14
3.1 Sprachliche und parasprachliche Sprechermerkmale 14
3.2 Register 15
Bibliographie 17
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1. Identität
1.1 Zum Begriff der Identität
Die Vokabel Identität ist im 18. Jahrhundert aus dem spätlateinischen identitas entlehnt worden, dass ‚Einheit des Wesens‘ bedeutet; identisch steht für ’völlig gleich‘ bzw. ’übereinstimmend‘ (vgl. Veith 2002, S. 31). In der Soziologie ist unbestritten, dass verschiedene Parameter für die Identitätsbildung entscheidend sind. Bedeutend ist die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht oder Gruppe. Die Identifikation mit einer bestimmten sozialen Schicht oder Gruppe, wie etwa Arbeiter, Ehegatte, Mutter, bzw. mit Menschen die einen bestimmten Status (z.B. Alter, Geschlecht, Reichtum, Armut) inne haben, aber auch die Identifikation mit einer bestimmten Kultur, Nation oder Ethnie bilden die so genannte soziale Identität. Auch subjektive Gegebenheiten, persönliche Vorlieben und Interessen spielen eine Ro lle. Ein wichtiger Teil der menschlichen Identität ist die sprachliche. Diese entsteht durch die Identifikation mit einer Sprache und deren Varietäten (z.B. Dialekte) und deren Sprechern. Den Erstspracherwerb bezeichnet man als primäre, den Erwerb der Zweitsprache als sekundäre sprachliche Sozialisation. Die Identitätsbildung (sowohl sozial als auch lingual) kommt erst nach dem jungen Erwachsenenalter zu einem vorläufigen Abschluss (vgl. Veith 2002, S. 31 f.).
1.2 Symbolischer Interaktionismus
Der Umwelt kommt bei der Identitätsbildung eine entscheidende Bedeutung zu. Gemäß George Herbert Mead lebt der Mensch nicht nur in einer natürlichen, sondern auch in einer symbolisch vermittelten Umwelt, d.h. der Mensch erwirbt im Rahmen seiner Identitätsbildung Symbole, die in der Gesellschaft verwirklicht sind (auch Sprache ist ein solches Symbol). Die Grundlage der Identitätsbildung ist für Mead also eindeutig gesellschaftlicher Natur; sie erfolgt im Rahmen des sog. symbolischen Interaktionismus. Mead erläutert diesen wie folgt:
„Es kann keine scharfe Trennungslinie zwischen unserer eigenen Identität und der Identität
anderer Menschen gezogen werden, da unsere eigene Identität nur soweit existiert und als
solche in unsere Erfahrung eintritt, wie die Identitäten anderer Menschen existieren und als
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solche ebenfalls in unsere Erfahrung eintreten. Der Einzelne hat seine Identität nur in Bezug zu den Identitäten anderer Mitglieder seiner gesellschaftlichen Gruppe. Die Struktur seiner Identität drückt die allgemeinen Verhaltensmuster seiner gesellschaftlichen Gruppe aus, genauso wie sie die Struktur der Identität jedes anderen Mitglieds dieser gesellschaftlichen Gruppe ausdrückt“ (Mead 1973, S. 206).
Eine vollkommen ‚eigenständige‘ Identität kann es nach Mead nicht geben, da sie immer im Kontext der Gesellschaft betrachtet werden muss, in der man lebt - die eigene Identität ist immer auf die Identitäten anderer bezogen und das Handeln des Individuums ist eine ständige Auseinandersetzung mit anderen Individuen und Gruppen seines sozialen Umfelds.
Das Erlernen von Symbolen bzw. von Symbolsystemen wie Sprache führt zur Erlernung der Fähigkeit sich in die Rollen anderer hinein zu versetzen, Erwartungen und mögliche Reaktionen anderer innerlich vorwegzunehmen, zu interpretieren und das eigene Handeln darnach auszurichten. Nach einer erfolgreichen Sozialisation sollte ein Mensch gelernt haben, sich aus der Perspektive anderer zu sehen und die seitens der sozialen Umwelt an ihn gerichteten Rollenerwartungen zu erfüllen. Eine soziale Rolle kann definiert werden als „die Summe der an den Inhaber einer sozialen Position gerichteten (Verhaltens-)Erwartungen“ (Veith 2002, S. 33). Durch das Prinzip der symbolischen Rollenübernahme erwirbt ein Mensch die Fähigkeit, nach Regeln zu handeln, d.h. auch sozial zu handeln.
Mead unterscheidet drei Phasen der Identitätsbildung. Zunächst erfolgt die symbolische Übernahme von Rollen aus dem nächsten sozialen Umfeld - dies ist in der Regel die Familie. In einer Familie sind normalerweise die Rollen von Vater, Mutter und Kind vorgegeben. Indem das Kind Handlungen und Äußerungen anderer imitiert, indem es im Spiel die Rollen von Mitgliedern seiner Umgebung übernimmt, verinne rlicht es auch deren Einstellungen und Perspektiven. Durch Verallgemeinerungen dieser Erfahrungen baut es sich einen ‚generalisierten Anderen‘ auf, so dass sein Handeln nun die Perspektive der Umwelt einbezieht (vgl. Ramge, 1976 S.10 f.). Es folgt die Verinnerlichung gesellschaftlicher Haltungen bzw. sozialer Normen und schließlich eine dritte Phase, die durch die Dialektik von sozialen Normen und spontanen Aktionen gekennzeichnet ist. Im Rahmen der sozialen Identitätsbildung werden also „individuelle Spontaneität und gesellschaftliche Verhaltenserwartungen ausbalanciert“ (Veith 2002, S. 34). Die gesellschaftliche Seite des Individuums nennt Mead das „Me“, die Seite der individuellen Spontaneität das „I“.
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1.3 Ausbildung der sprachlichen Identität
Wenn die Identität im Allgemeinen gesellschaftlicher Natur ist, so ist es auch die sprachliche. Wenn der Einzelne eine soziale Identität nur in Bezug zu den Identitäten anderer Mitglieder der Gesellschaft haben kann, ist auch die in Sprache sich ausdrückende Identität relativ zu sehen zu der Sprache anderer Sprachträger. Festhalten kann man deshalb: „Sprachliche Identität ist die Verortung der eigenen Sprache in einem komplexen sozialen - und darauf fußend - lingualen Koordinatensystem“ (Veith 2002, S. 32). Wie die persönliche- ist auch die Ausbildung der sprachlichen Identität zu verstehen als ein Prozess, in dem individuelle Sprachgestaltung und Sprachnormen (als gesellschaftliche Verhaltenserwartungen) ausbala nciert werden. Gemäß der Theorie des symbolischen Interaktionismus sind auch die sprachlichen Beziehungen als symbolische Übernahmen von sozialen Rollen zu betrachten, ve r-bunden mit einem Sich-Hinein-Versetzen in die Perspektive des anderen. Im Ra hmen einer Studie zum Spracherwerb hat Ramge (1976, S.105 ff.) diesen Umstand anhand eines Kindes im Alter von 2;2 - 3;2 Jahren untersucht; als Indikator dienten ihm dessen sprachliche Selbstkorrekturen. Ramge kommt zu dem Schluss, dass man aus den Selbstkorrekturen eines Kindes eine „Selbstlernfähigkeit“ eines Kindes ableiten könne, die sozial vermittelt ist. Indem die Eltern das Kind korrigieren, vermitteln sie dem Kind einen Mechanismus, mithilfe dessen es seine eigenen Äußerungen und Sprechansätze revidieren kann. Für den Erwerb der Fähigkeit der symbolischen Rollenübernahme haben die Selbstkorrekturen eine wichtige Funktion, gerade auch was den Interaktionsprozess betrifft. Innerhalb dessen stellen sie eine unverzichtbare Strategie dar, wenn es darum geht, die Hörererwartung des Gesprächspartners zu antizipieren und die Gültigkeit der eigenen intendierten Äußerung zu überprüfen. Die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, die für die soziale Identität von Bedeutung ist, hat Bernstein im Hinblick auf Sprache untersucht. Dass die soziale Differenzierung b zw. die soziale Schichtung zu unterschiedlichen, für die Herausbildung der sprachlichen Identität relevanten sprachlichen Codes führt, ist ein Grundgedanke von Bernstein. Das Wort Code hat im Englischen ursprünglich die Bedeutung ‚Signalsystem’ oder ‚Chiffrierbuch‘ (vgl. Veith 2002, S.102).
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Quote paper:
Martin Abrahams, 2002, Aspekte sprachlicher Identität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Der Text von der Stellungnahme
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