2 Sportwissenschaftliche Aspekte
2.1 Begriffsabgrenzung von Sportwissenschaft Der Gegenstand der Sportwissenschaft ist nach Tiedemann der Sport und die Bewegungskultur (vgl. Tiedemann 2002, o. S.). Eine umfangreichere Definition gibt das Sportwissenschaftliche Lexikon: „Unter Sportwissenschaft ist die Gesamtheit jener Erkenntnisse, Erörterungen und Methoden zu verstehen, die - wissenschaftlichen Grundregeln folgend - Probleme und Erscheinungsformen von Sport zum Gegenstand haben“ (Röthig 1992, S.474). Eberspächer bezeichnet die Sportwissenschaften als einen außerordentlich komplexen und facettenreichen Gegenstand, da sich die Wissenschaft nicht nur mit dem Handlungsfeld Sport beschäftigt, sondern auch verschiedene Teildisziplinen zur Erkenntnisgewinnung beteiligt sind, wie z.B. die Sportpädagogik, die Sportgeschichte, die Sportpsychologie, die Sportsoziologie, die Sportmedizin und andere (vgl. Eberspächer 1993, S.356). Nachfolgend wird der Autor näher auf die Sportsoziologie, die Sportpädagogik und die Sportpsychologie eingehen, die als Teildisziplin der Sportwissenschaften gelten.
D i e S p o r t s o z i o l o g i e : Die Soziologie hat als Wissenschaft soziale Systeme zum Gegenstand. Die Sportsoziologie, die als Teilgebiet der
umweltbezogenen Kontext analysiert (vgl. Eberspächer 1993, S.356f.). „Die Sportpsychologie versucht menschliches Verhalten und Erleben von Personen im Praxisfeld Sport möglichst angemessen zu erfassen, d.h., es nach Konstanz und Veränderlichkeit zu beschreiben und wenn möglich zu messen, die Bedingungen von Konstanz und Veränderlichkeit festzustellen und den künftigen Verlauf, soweit es geht, vorherzusagen“ (Röthig 1992, S.440). Es geht also vor allem um die Frage, warum jemand im sportlichen Umfeld etwas tut oder auf eine bestimmte Art und Weise handelt. Wie in jeder psychologischen Disziplin wird starkes Augenmerk auf die Folgen des Handelns gelegt. 2.2 Sportwissenschaftliche Aufgabengebiete
Der Autor ist unter 2.1 darauf eingegangen, dass es sich bei den Sportwissenschaften um eine integrative Wissenschaft handelt, die sich aus den Erkenntnissen und Methoden der Mutterwissenschaften bedient. Somit ist der Forschungsbereich der Sportwissenschaften, welche die zwischenmenschlichen Beziehungen als
Erkenntnisgegenstand haben, in erster Linie die Sportsoziologie, die Sportpädagogik und die Sportpsychologie (vgl. Bässler 1987, S.20). Das Aufgabengebiet der genannten sozialwissenschaftlichen
Teilgebiete der Sportwissenschaften lässt sich somit folgendermaßen charakterisieren: Die Sportsoziologie, die Sportpädagogik und die Sportpsychologie analysieren das menschliche Handeln, Einstellungen und Interessen bezüglich spezifischer Fragestellungen im
Zusammenhang mit dem Sport. In der Sportsoziologie legt Bässler dabei das Analysefeld schwerpunktmäßig in die Gesellschaft, in der Sportpädagogik in die Erziehung und Bildung unter dem Einfluss personaler und gesellschaftlicher Aspekte und in der Sportpsychologie in das Individuum (vgl. Bässler 1987, S.20). Der Verfasser verweist auf Dose, der hierzu eine einfache Erklärung abgibt: „Da die Gesamtwirkung der Leibesübungen von einer großen Anzahl von
Umständen abhängig ist, so von dem Entwicklungsalter und dem Geschlecht des Übenden, seinen Anlagen und von seiner Umwelt im sozialen, völkischen, kulturellen und historischen, aber auch in landschaftlichen und klimatischen Sinne, so muss eine Untersuchung und Würdigung auch von all diesen Seiten erfolgen; das zentrale Arbeitsgebiet, das sich damit befasst, ist die Theorie der Leibesübungen“ (Dose 1987, S.281). Der Autor merkt an, dass Dose mit dem Begriff ‚Theorie der Leibesübungen’ die heutige Sportwissenschaft darstellt und führt im Folgenden einige empirische und sozialwissenschaftliche Untersuchungen aus dem Bereich des Sports auf, um ein Bild über Problembereiche aufzuzeigen, aus denen sich Forschungsfragen ergeben haben:
• Emotionales Erleben im Freizeitsport.
• Werteinstellung zu Sport.
• Sportliche Interessen bei Schülern und Jugendlichen.
• Befindlichkeits- Veränderung im Sport.
• Freizeitgestaltung im eigenethnischen Milieu. (vgl. Bässler 1987, S.93ff.)
Zusammenfassend stellt der Autor fest, dass das Aufgabengebiet der Sportwissenschaften darin besteht, „auf der Basis von Theorie- und Themenfeldern einen Beitrag dazu zu leisten, den Sport in all seinen Ausprägungsformen zu analysieren und weiterzuentwickeln. Hierbei kommt es der Sportwissenschaft darauf an, nicht nur die Fragen nach dem Sinn des Sports zu klären; auch der direkte (z.B. bezüglich Gesunderhaltung und Rehabilitation) und der indirekte (z.B. Sozialisation oder Menschenbildung) Beitrag des Sports zur Verbesserung der Lebensqualität wird thematisiert“ (Dose 1987, S.283).
2.3 Dauerlauf als Breitensport
Laufen ist die natürlichste Bewegungsform des Menschen. „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft!“ (Steffny/Pramann 1998, S.8). So einfach und doch prägnant antwortete der Olympiasieger Emil Zatopek einst auf die Frage nach dem Geheimnis seines Erfolgs. Der Mensch ist ein Lauftier, so drückt es Steffny aus. Wir sind von Natur aus zum Laufen geboren. Unser Körper ist in seinen ganzen Proportionen darauf hin ausgerichtet. „Die evolutionsbiologische Verankerung des Laufens im menschlichen Organismus ist auch daran ersichtlich, dass ein leidlich trainierter Läufer stundenlang laufen kann, ohne Schaden zu nehmen und sogar nach einer bestimmten Laufzeit so etwas wie eine zusätzliche Schubkraft verspürt. Der menschliche Organismus lässt Dauerläufe über mehrere hundert Kilometer zu, ein Indiz für den früheren Überlebenswert dieser Fähigkeit und für eine Kraftreserve, die nur zum Laufen zur Verfügung steht. Der Mensch ist nun mal zum Laufen geboren“ (Stach 1995, S.96). Schulke sieht in der Laufbewegung „eines der bemerkenswertesten kulturellen Phänomene der Gegenwart. Für viele Menschen ist das Dauerlaufen konstitutives Element der Lebensweise geworden, durch das sie ihre persönliche Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit
ausgestalten“ (Schulke 1988, S.10). Dauerlauf stellt sich somit nicht als rein ausdauersportliche Betätigung dar, sondern als eine Tätigkeit, die strukturierend und verändernd auf das Leben vieler Menschen einwirkt. Hierbei erwähnt der Autor jedoch, dass diese Einwirkung sowohl positiver als auch negativer Natur sein kann. Lutz zählt in Anlehnung an Rümmele und Schulke die „vielfältigsten physischen, psychischen und sozialen Wirkungen und Erlebnisdimensionen“ (Lutz 1988, S.81) eines regelmäßig durchgeführten Lauftrainings auf, die der Autor vorab stichwortartig nennt, da der Verfasser unter Punkt 2.5 die Auswirkungen der sportlichen Betätigung auf den Körper und die Seele näher beschreibt:
• Verbesserung von Gesundheit, Fitness und Leistungsfähigkeit; Änderung der Ernährungsgewohnheiten; Abbau von Übergewicht.
• Erhöhtes Selbstbewusstsein; größeres Wohlbefinden; stärkere Ausgeglichenheit.
• Verbesserung des Bezugs zur Natur; laufende Aneignung eines neuen Lebensraums.
• Neue Körpererfahrung; sich wandelndes Körperbewusstsein; Erfahrung eigener Tüchtigkeit und Grenzen.
• Neues Zeit- und Entfernungserleben in Abhängigkeit von Körper und Umwelt.
• Weitung und Veränderung des Bekannten- und Freundeskreises; Laufen wird zum Medium und Inhalt sozialer Kommunikation. (vgl. Lutz 1988, S81f.)
Der Verfasser zitiert hierzu Schulke, der deutlich macht, dass die Auswirkungen des Dauerlaufens nicht in allen Fällen positiv ist: „Wie die meisten kulturellen Innovationen steckt auch die Laufbewegung voller Widersprüche. Einerseits begeistert sie viele Menschen, macht sie offensichtlich zufriedener, vitaler und gesünder, erweckt in ihnen neue Fähigkeiten, beeinflusst ihre Lebenseinstellung und verändert Alltagsgewohnheiten. Unübersehbar aber ist andererseits auch, dass sie unkritische Apologeten hervorbringt, zu gesundheitsgefährdenden läuferischen Exzessen veranlasst, sich im marktstrategischen Kalkül Profitheischender Sportausrüstungsunternehmen befindet, […] und unzählige Anfänger frustriert am Straßenrand sitzen lässt oder in die generalstabsmäßige Organisation institutioneller Laufveranstaltungen sowie der dahinter stehenden Werbe- und Wirtschaftsinteressen gerät“ (Schulke 1988, S.10f.).
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Daniel Seibel, 2004, Sport im Alter - eine empirische Studie - Teilbereich Sportwissenschaftliche Aspekte, München, GRIN Verlag GmbH
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