4 Motivationsaspekte
4.1 Begriffsabgrenzung von Motiv und Motivation Nachfolgend wird der Autor die Begriffe Motiv und Motivation eingrenzen, um anschließend einen Überblick über die unterschiedlichen Beweggründe menschlichen Handelns zu geben: M o t i v : Als Motiv bezeichnet man den angeborenen oder erworbenen „Beweggrund, den Antrieb und die Ursache für menschliches Verhalten, es ist richtunggebender, leitender und antreibender seelische Hinter-und Bestimmungsgrund menschlichen Handelns“ (Dorsch 1976, S.378). Je stärker ein Motiv empfunden wird, je eher richtet sich die Intervention danach aus. Schwächere Motive sind eher zu verdrängen, können länger auf Befriedigung warten (vgl. Dorsch 1976, S.379). Heckhausen schreibt dem Begriff Motiv im menschlichen Handeln folgende Aufgabe zu: „Um die Konsistenz des individuellen Verhaltens zu erklären, die einerseits im Sinne einer Übereinstimmung über verschiedene Situationen und über aufeinander folgende Zeitpunkte in der Wiederkehr dieser Situation und andererseits im Sinne stabiler Unterschiede des Verhaltens in denselben Situationen zwischen verschiedenen Personen bestimmt wird, werden Personen unterschiedlicher Ausprägung einer Reihe von Motiven zugeschrieben“ (Heckhausen 1989, S.9).
M o t i v a t i o n : Der Begriff Motivation leitet sich vom lateinischen ‚motivus’ ab und bedeutet ursprünglich Bewegung auslösend. In der Psychologie versteht man darunter die „Summe der Beweggründe, die jemandes Entscheidungen, Handlungen beeinflussen“ (Baer 2001, S.653). Hierbei wird unterschieden in extrinsische Motivation, das heißt von außen her, also nicht aus eigenem Anlass erfolgend, sondern auf Grund äußerer Antriebe und intrinsische Motivation, das heißt von innen her, somit aus „eigenem Antrieb durch Interesse an der Sache erfolgend, durch in der Sache liegende Anreize bedingt“ (Baer 2001, S.298). 4.2 Motiv und Motivation
Der Begriff Motiv wurde vom Autor bereits mehrmals genannt. Motive sind Sammelbegriffe für viele umgangssprachliche Bezeichnungen, wie Bedürfnis, Bewegung, Trieb, Drang, Streben, Wollen, Sucht, Affekt und vieles mehr. Jeder Mensch entwickelt durch seine Umwelt Grundmuster oder Einstellungen. Diese bezeichnet man als Motive oder als habituelle Motivation. Bestimmte Motive von Menschen werden sowohl in der Psychologie als auch im täglichen Leben in der Regel als wesentliche Vorraussetzungen für jegliche Art von Motivation angesehen. Als Motiv bezeichnet man angeborene oder erworbene Einstellungen, die beim einzelnen in unterschiedlich starker Ausprägung vorkommen und nach Heckhausen als überdauernde Dispositionen (Anordnung, Gliederung, Verfügung) aufgefasst werden. Mit ihrer Berücksichtigung als alleinige Einflussgröße für Motivationszustände weist man die Ursache des Handelns und des Handlungsergebnisses nur dem Handelnden zu. (vgl. Heckhausen 1989, S.9f.)
Motive bewirken jedoch die Entstehung von Motivationszuständen nicht alleine. Hier leitet der Verfasser zur Auffassung von Edelmann über, der davon ausgeht, dass sich die Motivation erst dann entwickeln kann,
wenn die persönlichen Motive einer Person auf die entsprechenden Motivationspotentiale der Situation treffen. Also anders ausgedrückt gehen Motive in den Zustand der Motivation, wenn Situationsfaktoren sie dazu anregen. Das Motivationsgeschehen ist also abhängig von einem Motiv und einem Aufforderungscharakter der Situation. Man könnte dies auch mit zwei Polen vergleichen, der interne Pol, der als Personenfaktor zu bezeichnen ist (das Motiv) und der externe Pol, der als Situationsfaktor bezeichnet werden kann. (vgl. Edelmann 1996, S.83) Hierzu gibt der Verfasser ein Beispiel: Eine Person ist daran interessiert, an einem Volkslauf teilzunehmen. Beim Durchblättern einer Zeitschrift fällt der Person eine Anzeige auf, die auf das Stattfinden eines Volkslaufes hinweist. Durch diese Anzeige, sprich Aufforderungscharakter und das Interesse an der sportlichen Aktivität, also Motiv, wird diese Person dahingehend motiviert, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Der Motivationsvorgang wurde in Gang gesetzt. Heckhausen verweist zudem noch auf folgende Gesichtspunkte:
• Personen unterscheiden sich in der Art und Ausprägung von Motiven.
• Das Verhalten einer Person wird zum jeweiligen Zeitpunkt von dem im Augenblick stärksten Motiv bestimmt.
• Das Motiv ist so lange wirksam, bis der Zielzustand erreicht ist (vgl. Edelmann 1996, S.116).
Nachfolgend wird der Autor auf die intrinsische Motivation Sporttreibender eingehen, anschließend auf Motivation, die als extrinsisch bezeichnet wird. 4.3 Intrinsische und extrinsische Motivation Sporttreiben kann, intrinsisch gesehen, um seiner selbst Willen betrieben werden, aber auch extrinsisch, weil durch das Sporttreiben Ziele angestrebt werden, die außerhalb der sportlichen Handlung
liegen. Diese Begrifflichkeiten stehen nicht im Widerspruch zu den unter 4.2 erläuterten Begriffen Motiv und Motivation; sie stellen nur eine andere Betrachtungsebene dar. Die intrinsische Motivation zielt auf die optimale Entwicklung und Herausforderung von Motiven ab, während die extrinsische Motivation mit den situativen Einflüssen zur Motivationsförderung verglichen werden kann. (vgl. Gabler 2002, S.161) Die intrinsische Motivation ist durch weitgehende Unabhängigkeit von außen gekennzeichnet. In Anlehnung an Gabler wird davon ausgegangen, dass intrinsisch motiviertes Handeln dann vorliegt, wenn die Handlung und das Handlungsziel des Sportlers thematisch übereinstimmen. Als Beispiel nennt Gabler Fairness im Sport. Fairness ist intrinsisch motiviert, falls es durch den Sportler um seiner selbst willen durchgeführt wird. Extrinsisch motivierte Fairness hingegen wird vom Sportler eingesetzt, um z.B. einen Fairnesspreis zu gewinnen. Hierbei stimmen Handlungsziel und Handlungszweck thematisch nicht überein. Das faire Handeln wird also dazu eingesetzt, um soziale Anerkennung durch die Preisverleihung zu erlangen (vgl. Gabler 2002, S.161f.). 4.4 Motive beim Sport
In Kapitel 2 hat der Verfasser bereits erwähnt, dass die Sportwissenschaften unter anderem Motive und Motivation von Sportlern untersuchen. Denn Sporttreibende verfolgen bewusst oder unbewusst mit der Ausübung von Sport bestimmte Motive. Motive sind „Bereitschaften sich in Situations- überdauernder, zeitlich- überdauernder und persönlichkeitsspezifischer Weise“ (Gabler 2002, S.23) auf eine bestimmte Art zu verhalten. Der Autor merkt an, dass der Begriff der Motivation sich vor allem dadurch unterscheidet, dass diese die Leistung und das Handeln kurzfristig und auf die Situation bezogen beeinflusst. Man kann zusammenfassend sagen, dass Motive langfristig das ‚Was’, die Motivation kurzfristig das ‚Wie’ der sportlichen Aktivität bestimmen. Motive sind also der ausschlaggebende Faktor dafür,
sportliche Aktivität aufzunehmen und über einen längeren Zeitraum durchzuführen. Um das ‚Warum’ und ‚Wozu’ des Sporttreibens zu erklären, nennt Gabler sechs Aussagen, die versuchen, die Motivation des einzelnen darzustellen:
• „Freude an bestimmten sportspezifischen Bewegungsformen, an besonderen ästhetischen und kienästhetischen Erfahrungsmöglichkeiten,
• Lust an der Bewegung schlechthin, am spannenden Geschehen, am Spiel,
• Suche nach Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis, nach körperlicher Herausforderung und Selbstüberwindung, nach Risiko und Abenteuer,
• Streben nach Leistung zur Selbstbestätigung, aber auch zur sozialen Anerkennung,
• Möglichkeit zur Präsentation der eigenen Person und zum Erreichen von Prestige und Macht oder am
• Streben nach Gesundheit, Fitness und körperlicher Tüchtigkeit, nach Zerstreuung, Abwechslung und Naturerlebnis, nach Kontakt, Anschluss, Geselligkeit und Kameradschaft, aber auch nach materiellen Gewinnen und sozialem Aufstieg“ (Gabler 2002, S.12 f.).
Wie aus den genannten Aussagen von Gabler zu sehen ist, unterscheiden sich die verschiedenen Aspekte, in Bezug auf die Motivation, Sport zu betreiben. Demzufolge lassen sich die Motive in sechs Gruppen einteilen. Dies sind: Das Bewegungsmotiv, das ästhetische Motiv, das Spielmotiv, das Gesundheitsmotiv, das Leistungsmotiv und das Sozialmotiv, wobei der Verfasser den anschließend aufgeführten Motiven durch die Rangfolge der Auf- zählung keine Wertung beimisst.
Arbeit zitieren:
Daniel Seibel, 2004, Sport im Alter - eine empirische Studie - Teilbereich Motivationsaspekte, München, GRIN Verlag GmbH
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