Kurzzusammenfassung
Autoren: Sandra Schumann, Anja Zschau, Mathias Steinert
Diese Hauptseminararbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Application Service Providing
(ASP) nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken“.
In Kapitel 2 wird die Geschichte des ASP behandelt. Es wird erläutert, wie sich der Markt
und die Marktprognosen entwickelt haben.
Im dritten Kapitel wird auf diese Entwicklung aufgebaut und der ASP-Ansatz näher abge-
grenzt. Dabei wird besonderes auf die technischen, organisatorischen und die rechtlichen
Aspekte eingegangen. Der Vergleich mit anderen Ansätzen, wie dem Outsourcing, wird
diskutiert.
Das vierte Kapitel geht speziell auf die zukünftige Entwicklung von ASP ein und identifi-
ziert Störfaktoren, die aus den Kapiteln zwei und drei abgeleitet werden.
Abschließend werden ausführlich Lösungswege zu den aufgetretenen Problemstellungen
aufgezeigt. Verschiedene Szenarien zur Umsatzentwicklung, die Beschreibung von Be-sonderheiten beim Produktlebenszyklus und bewertete aktuelle Einflüsse, bilden den Ab-
schluss dieser Arbeit.
Literatur:
• Grohmann, W. (Hrsg.): ASP - Application Service Providing, Dt. Wirtschaftsdienst,
Köln, 2002
• IM Die Fachzeitschrift für Information Management & Consulting 15 (2000) Sonder-
ausgabe, Saarbrücken, 2000
• Marktstudie Application Service Providing: Dienstleistung auf den Punkt gebracht;
In: http://www.asp-konsortium.de/de/download/132.pdf
Schlüsselwörter:
Application Service Provider, Outsourcing, Service Level Agreement, Software-Lizenz,
Monitoring, ASP-Hype, E-Business, E-Commerce
Gliederung:
1. Einleitung
2. Entwicklung von ASP
3. ASP - Was ist das?
4. ASP in der Zukunft
5. Fazit & Ausblick Leipzig, 30.10.2002
I
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
Gliederung
Gliederung I
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
1 Einleitung 1
2 Entwicklung von ASP 2
2.1 Der ASP-Hype. 2
2.2 Die Ernüchterung. 11
2.3 Success-Stories 17
3 ASP - was ist das? 20
3.1 Klärung des Begriffes und Einordnung ins IT-Umfeld 20
3.1.1 Begriffsbestimmung 20
3.1.2 ASP versus Outsourcing. 22
3.2 Technische Aspekte. 23
3.2.1 Technische Infrastruktur eines ASProviders 23
3.2.2 Technische Komponenten einer ASP-Infrastruktur 26
3.3 Organisatorische Aspekte 28
3.3.1 Organisatorische Voraussetzungen und Grundlagen. 28
3.3.2 Aufgaben des ASProviders. 29
3.3.3 Das ASP-Preismodell 30
3.3.4 Anforderungen an einen ASProvider 32
3.4 Rechtliche Aspekte 33
3.4.1 Vertragstypologische Einordnung 33
3.4.2 Service Level Agreements. 34
3.4.3 Haftung und Gewährleistung. 35
3.4.4 Lizenz- und urheberrechtliche Aspekte. 36
3.4.5 Datenschutz und Datensicherung 36
3.5 Vor- und Nachteile des ASP-Modells 37
3.5.1 Vor- und Nachteile gegenüber traditionellem Software-Bezug 37
3.5.2 Vor- und Nachteile aus Anwender- und Anbietersicht 39
II
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
4 ASP in der Zukunft. 40
4.1 Allgemeine Anforderungen und Hemmfaktoren. 40
4.2 Entwicklung des ASP-Marktes. 46
4.2.1 Szenario 1 - Boom 48
4.2.2 Szenario 2 - Wachstum. 49
4.2.3 Szenario 3 - Stagnation. 50
4.2.4 Szenario 4 - Untergang 51
5 Fazit Ausblick. 53
Literaturverzeichnis VII
Anlage XI
III
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Phasen der IT-Entwicklung seit 1970
Abbildung 2: Das ASP-Modell im Überblick
Abbildung 3: Beispiel einer ASP-Lösung
Abbildung 4: Die technologische ASP-Wertschöpfungskette.
Abbildung 5: Organisatorische u. betriebswirtschaftliche Aufgaben eines ASProviders
Abbildung 6: Kostenmodell bei einer Microsoft Exchange 2000 ASP-Lösung
Abbildung 7: Umsetzung der Lizenzmodelle auf das ASP-Preismodell.
Abbildung 8: Die drei Stufen zur ASP-Rechnung
Abbildung 9: Vorteile von ASP aus Anwender- und Anbietersicht.
Abbildung 10: Nachteile von ASP aus Anwender- und Anbietersicht
Abbildung 11: Der Produkt-Lebenszyklus
Abbildung 12: Szenarien für ASP
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Prognosen verschiedener Marktforscher .............................................................. 6 Tabelle 2: Unterschiede zw. ASP und Outsourcing ............................................................ 23 Tabelle 3: Vor- und Nachteile von ASP.............................................................................. 38
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken Abkürzungsverzeichnis
AGB Allgemeine Geschäftsbedingungen AGBG Gesetz zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ASP Application Service Providing ASProvider Application Service Provider BDSG Bundesdatenschutzgesetz BGB Bürgerliches Gesetzbuch BSP Business Service Providing CPU Central Processing Unit CRM Customer Relationship Management DMS Dokumentenmanagement-Server DMZ demilitarised zone E-Business Electronic Business E-Commerce Electronic Commerce EDV Elektronische Datenverarbeitung E-Learning Electronic Learning E-Mail Electronic Mail ERP Enterprise Resource Planning ISP Internet Service Provider IT Informationstechnologie JSP Java Server Pages KMU Kleine und mittelständische Unternehmen M-Commerce Mobile Commerce MB Megabyte PC Personal Computer ROI Return on Investment SCM Supply Chain Management SLA Service Level Agreement UMTS Universal Mobile Telecommunication System UrhG Urhebergesetz VPN Virtual Private Network WASP Wireless ASP
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
1 Einleitung
Nach der Ära der Terminals und Mainframes, bei der die Daten zentral gespeichert und alle Applikationen zentral ausgeführt wurden, leitete die Client/Server-Architektur ein neues Zeitalter ein. Der individuelle Arbeitsplatz wurde intelligenter und leistungsfähiger, und der Siegeszug der Personal Computer (PC) in die EDV begann. Die Leistungsfähigkeit der Arbeitsplatzrechner ist heute kein großes Thema mehr. Die Frage ist vielmehr, wie die verteilten Daten einerseits gesichert und andererseits allgemein verfügbar gemacht werden können.
Mit der wachsenden Bedeutung des E-Commerce für die IT-Unternehmen steigen auch die Anforderungen an die zugrundeliegenden technischen Systeme. Aufgrund der kurzen Entwicklungszyklen von bis zu einem Jahr sind die Unternehmen gezwungen, regelmäßig in neue Lizenzen und Updates sowie in den ständigen Ausbau der Hardware zu investieren. Die Pflege der Systeme ist ebenfalls mit einem hohen Investitionsaufwand verbunden und wird durch den derzeitigen Mangel an Fachleuten zusätzlich erschwert. Laut verschiedenen Untersuchungen entstehen je nach Unternehmensgröße und Branche pro Arbeitsplatz jährliche Kosten in Höhe von 5.000 bis 9.000 Euro. Beachtlich sind auch die Verwaltungs- und Personalkosten, die bis um das Vierfache höher liegen können als die Anschaffungskosten für die Hard- und Software selbst. In der Folge entsteht eine unumgängliche Kostenspirale. Genau an dieser Stelle greift der Ansatz des Application Service Providing (ASP), der die
Vorteile einer zentralen Verwaltung und individueller Rechenleistung vereinen soll. 1 Das Technologie-Management für E-Business-Lösungen gehört im allgemeinen meist nicht zu den Kernkompetenzen der Unternehmen. Daher ist die Nachfrage nach Dienstleistern, die eine passende Infrastruktur anbieten, sehr groß. Eine Vielzahl von Studien sagt diesen Dienstleistern, den sog. Application Service Providern (ASProvider), eine erfolgreiche Zukunft voraus.
Die ASProvider übernehmen für ihre Kunden genau die Dienstleistungen, die diese erst selbst aufbauen müssten: Auswahl und Beschaffung geeigneter Applikationen, Wartung und Support sowie das Hosting auf geeigneter Hardware.
Kunden von ASProvidern sind (kleine und mittelständische) Unternehmen und größere
organisatorische Einheiten, aber auch Konsumenten kommen in Frage. 2
1 Vgl. Matalla, T.: Optimale Internet-Infrastruktur für erfolgreiches Application Service Providing;
In: IM Die Fachzeitschrift für Information Management & Consulting 15 (2000) Sonderausgabe, S. 60
2 Vgl. Kraemer, W.; Sprenger, P.: Content und Learning Service Providing - ASP aus inhaltlicher Sicht;
In: IM Die Fachzeitschrift für Information Management & Consulting 15 (2000) Sonderausgabe, S. 36
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
2 Entwicklung von ASP
In der Informations- und Kommunikationsbranche werden neue Trends und Technologien normalerweise in den USA geboren und gelangen erst nach einer Zeitverzögerung von mehreren Jahren nach Europa. Dabei sind die Technologien meist schon so ausgereift und in den USA weit verbreitet im Einsatz, dass sie in Europa nicht für einen „Hype“ oder „Boom“ sorgen können. Die Technologien werden einfach an die europäischen Gegebenheiten angepasst und finden dann den Weg in die deutschen Märkte. Diese Entwicklung konnte z.B. bei der Einführung des Personal Computers oder der Einführung von Netzwerktechnologien beobachtet werden. Bei der Entwicklung des ASP-Marktes gingen die deutschen Anbieter jedoch einen Schritt voraus und versuchten einen Alleingang parallel
zur Entwicklung in den Vereinigten Staaten. 3
2.1 Der ASP-Hype
In zahlreichen Technologieabschätzungen und Prognosemodellen wurden in den USA seit 1998 ein dynamisches Marktwachstum und eine erfolgreiche Durchdringung des Marktes durch ASP-Angebote vorhergesagt. Die Experten waren sich einig, dass dieses Konzept
das Potenzial dazu hat, die gesamte Softwarebranche zu verändern. Wie später 4 noch näher erläutert wird, steckt hinter ASP ein völlig neues Softwarevertriebskonzept, bei dem die vom Unternehmen benötigte Software nicht mehr gekauft, sondern bei einem externen Dienstleister gemietet wird. Viele Experten sagten deshalb sogar ein Aussterben des traditionellen Softwareverkaufs voraus.
Bereits im Jahr 1999, als der ASP-Hype in Amerika noch nicht einmal seinen Höhepunkt erreicht hatte, überlegten führende deutsche IT-Unternehmen, wie man ein ASP-Modell für
den deutschen Markt entwickeln könnte. 5
Im Mai 1999 schlossen sich 25 in diesem Geschäftssegment tätige Unternehmen zum ASP Industry Consortium zusammen. Ein Jahr später zeigte die Mitgliederliste des ASP-
Konsortiums fast 300 Eintragungen. 6
Die Prognosen von Marktforschungsunternehmen im Jahr 1999 sorgten für eine Verklärung des ASP zur Zukunftstechnologie mit gigantischen Wachstumsraten. Deutschland sollte nach den USA der größte Wachstumsmarkt für ASP werden.
3 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP - Application Service Providing: Software auf Mietbasis: Kosten sparen.
Vorteile nutzen., Dt. Wirtschaftsdienst, Köln, 2002, S. 24
4 Vgl. Kapitel 3.3
5 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 25
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
In den meisten Fällen basierten diese Voraussagen jedoch auf einer angebotslastigen und
technologieorientierten Betrachtungsweise. 7
Die Prognosen führten dazu, dass Ende 1999 bzw. Anfang des Jahres 2000 zahlreiche Unternehmen auf den deutschen ASP-Markt drängten. Dies waren einerseits junge, neu gegründete Unternehmen, die sich mit Risikokapital finanzierten, aber auch Ausgründungen
aus bestehenden Unternehmen. 8 Viele IT-Unternehmen wollten am Erfolg des Marktes teilhaben und ASP in ihr Produkt- und Service-Portfolio aufnehmen. 9 Trotz dieses Ansturms auf den Markt hielten sich die meisten großen Unternehmen, die sog. „global players“ vorerst zurück.
Viele ASProvider der ersten Stunde waren Visionäre mit hehren Zielen. In ihren fundierten Technologiekenntnissen sahen sie einen Vorsprung, der dafür sorgen sollte, dass die Kunden von allein auf sie zukommen würden. Sie waren davon überzeugt, dass allein die Macht der Idee für genügend Nachfrage sorgen würde. Man setzte darauf, dass die Kunden von schön gestalteten Internetseiten angelockt werden und vernachlässigte dabei wesentliche Punkte wie Kundenberatung, Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Einzig die zur Ver-
fügung stehenden Technologien bestimmten, welche Produkte auf den Markt kamen. 10 1999 lagen die weltweiten Umsätze bei 10 Millionen Euro. Ab dem Jahr 2005 wurden
Umsatzsteigerungen von 130 % vorausgesagt. 11
Erste Studien über den deutschen Markt
Doch schon kurze Zeit später mussten die ASProvider feststellen, dass sich der Hype um die Idee des ASP nicht ohne weiteres auf das Marktwachstum auswirken würde. Eine gemeinsame Studie von Forrester und Zona Research, die Anfang des Jahres 2000 veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass ASP in Deutschland nur geringen Zuspruch findet. Laut dieser Studie nutzten nur etwa 5 % der deutschen Unternehmen das Angebot von ASP. Die Nutzung bei den amerikanischen Unternehmen wurde im Vergleich dazu mit 78 % angegeben. Man sah den Markt in Deutschland zwei Jahre hinter dem Markt in den USA, was unverständlich ist wenn man bedenkt, dass der deutsche ASP-Markt fast parallel zum amerikanischen Markt entstand.
6 http://www.wirtschaftsinformatik.de/wi_artikel.php?sid=453
7 Vgl. http://www.asp-konsortium.de/de/download/132.pdf; Gespeichert am: 13.08.02
als: marktstudie-asp.pdf
8 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 25
9 Vgl. http://www.berlecon.de/studien/asp2001; gelesen am: 13.08.02
10 Vgl. http://www.asptoyou.de/about.html; gelesen am: 13.08.02
11 Vgl. http://pbfb5www.uni-paderborn.de/www/WI/WI2/wi2_lit.nsf/0/4fa012c7246737e74125698100467
20a/$FILE/Seminararbeit_ASP1.PDF; Gespeichert am: 13.08.02 als: Seminararbeit-ASP1.pdf
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
Gründe dafür sahen einige Experten im sog. „kulturellen Unterschied“, den Traver Gruen-Kennedy, Vorsitzender des internationalen ASP-Industrie-Konsortiums, wie folgt beschrieb: „Zwar behaupten amerikanische Firmen seit Anfang 1999, sie würden ASP-Dienste anbieten. Als wir dann nachgefragt haben, hieß es immer: "Wenn Sie etwas kaufen wollen, bauen wir es Ihnen." Drüben redet man erst und realisiert es dann, hier wird in der
Regel zuerst entwickelt und danach vermarktet.“ 12
Trotz der geringen Nachfrage sahen viele der deutschen Befragten die Vorteile von ASP
gegenüber dem Softwarelizenzkauf. 13 Die meisten erhofften sich Zeit- und Kostenersparnisse. Die Studie von Forrester und Zona Research bescheinigte dem ASP zukünftig ein
enormes Marktpotenzial. 14
Der größte Nachteil der ASP-Idee war der geringe Bekanntheitsgrad. Der Großteil der potenziellen ASP-Nutzer konnte sich unter dem Begriff ASP nichts vorstellen. Das ist nicht ungewöhnlich bei einer erst kürzlich entstandenen Idee. Im Falle des ASP lag es aber eher an den ASProvidern. Diese hielten es nicht für nötig, das ASP-Modell ausreichend zu erläutern und Beispiele zu nennen, obwohl es ASProvider im traditionellen Sinn eigentlich schon seit mehreren Jahrzehnten gibt.
Ein Beispiel dafür ist die Genossenschaft DATEV. Die DATEV ist eine Selbsthilfeorganisation zur Buchführung per EDV und zählt ca. 40.000 Mitglieder (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte). Seit 1976 hat die DATEV ein eigenes Netz für Daten und seit kurzem ebenfalls für Sprache. Bis 1984 erfassten die Mitglieder steuerberatender Berufe die Daten ihrer Mandanten und ließen diese von der DATEV verwalten. Heute werden über dieses Netz indirekt überwiegend mittelständische Betriebe betreut. Auch die Mitglieder selbst können ihren Mandanten gegenüber als ASProvider auftreten. Sogar Ärzte übertragen ihre Abrechnungen mit Privatpatienten seit Jahrzehnten auf regionale Abrechnungs-Rechenzentren, welche ebenfalls die Daten aus Urbelegen für sie erfas-sen. 15
Solche Erfolgsgeschichten können, öffentlich bekannt gemacht, helfen schneller Vertrauen und Verständnis beim potenziellen Kunden aufzubauen und einige Kritikpunkte, wie die Datensicherheit, abzuschwächen.
Im März des Jahres 2000 formierte sich das deutsche ASP-Konsortium. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten zahlreiche angesehene Firmen, wie z.B. Compaq, die Deutsche
12 http://www.computerwoche.de/index.cfm? pageid=254&artid=14335&type=detail; gelesen am: 13.08.02
13 Vgl. Kapitel 3.5
14 Vgl. http://www.ecin.de/news/2000/01/27/00982; gelesen am: 13.08.02
15 Vgl. http://www.urz.uni-heidelberg.de/Dokumentation/Benutzernachrichten/ BN004/#1024680;
gelesen am: 13.08.02
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
Telekom, Hewlett-Packard, SAP und Sun. Das Ziel des Konsortiums sollte es sein, das ASP-Modell in Deutschland und Europa zu etablieren und zu fördern. Dies wollten die Firmen durch den Erfahrungsaustausch über neue technische Entwicklungen und Anwendungsbereiche sowie durch die Schaffung gemeinsamer technischer Standards erreichen. Über das Internet sollte allen Anwendern und Marktteilnehmern ein unabhängiges Infor-
mationsangebot und Meinungsforum geboten werden. 16
Im Zuge der Überlegungen über Markttreiber und Markthemmnisse sah die Beratungs-
gesellschaft Giga Information Group in einem Report 17 die Verfügbarkeitsgarantien als entscheidenden Wettbewerbsfaktor im ASP-Markt. Die Verfügbarkeit musste ihrer Ansicht nach über 99 % betragen, um das Vertrauen der Kunden zu erhalten und übermäßige Kosten durch Ausfälle zu vermeiden. Bis zum Frühjahr 2000 gab es laut Giga nur einen einzigen ASP in Europa, der mit einer 100 %-igen Verfügbarkeit warb. Außerdem sah man einen Markt für komplexe Systeme, wie ERP- oder CRM-Systeme, im kommen. Auch die Giga Information Group prognostizierte ein boomendes Wachstum. Bis zum Jahr 2002 sollte der weltweite ASP-Markt ein Volumen von rund 4,5 Milliarden Euro aufweisen,
davon sollten eine Milliarde Euro auf Europa entfallen. 18
Weitere Zahlen von Dataquest prognostizierten, dass der weltweite Umsatz im Jahr 2000 rund 3,2 Milliarden Euro betragen und bis zum Jahr 2003 auf 22,7 Milliarden Euro anwachsen würde. Für Deutschland wurden dabei Umsätze in Höhe von 300 Millionen Euro für das Jahr 2000 und 2,4 Milliarden Euro für das Jahr 2003 erwartet. Man sah Deutsch-land als größten Absatzmarkt nach den USA, da der Mittelstand in Deutschland einen großen Teil der Unternehmenslandschaft bildet und bis zu 70 % des Marktvolumens auf klei-
ne und mittelständige Unternehmen (KMUs) zurückzuführen seien. 19 Wieder andere Zahlen veröffentlichte die Gartner Group. Sie vermeldete für das Jahr 1999 einen Umsatz von 1 Milliarde Dollar und ging für das Jahr 2000 von einem Umsatz von ca. 3,6 Milliarden Dollar aus. Im Jahr 2004 sollten weltweit 25,3 Milliarden Dollar in ASP investiert werden. Neben diesen Prognosen wies die Gartner Group aber auch auf den größten Nachteil für die Anbieter hin, die hohen Startinvestitionen. Man ging davon aus, dass bis zum Ende des Jahres 2000 60 % der derzeitig am Markt vorhandenen Anbieter
scheitern und im Jahre 2004 nur noch 4 % der heutigen Unternehmen existieren würden. 20 Für das Jahr 2000 wurde die Zahl der ASProvider auf über 1000 geschätzt. 21
16 Vgl. http://news.zdnet.de/story/0,,t101-s2051235,00.html; gelesen am: 13.08.02
17 „Calculating the Cost of One-Hour Outage of a Selling Web Site”
18 Vgl. http://www.golem.de/ 0004/7451.html; gelesen am: 13.08.02
19 Vgl. http://www.ecin.de/technik/asp; gelesen am: 13.08.02
20 Vgl. http://www.ecin.de/news/2000/08/10/00959; gelesen am 13.08.02
21 Vgl. http://www.urz.uni-heidelberg.de/Dokumentation/Benutzernachrichten/BN004/#1024680;
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
Die relativ großen Unterschiede zwischen den Vorhersagen zeigen, dass die Markt-forschungsunternehmen von unterschiedlichen Rahmenbedingungen ausgingen und noch kein Markt als einheitliche Berechnungsgrundlage vorhanden war. Dennoch sagten selbst die niedrigsten Erwartungen einen Absatzboom voraus:
Tabelle 1: Prognosen verschiedener Marktforscher
Ein Studie von Ovum unterstrich noch einmal die führende Rolle des deutschen Marktes im europaweiten Vergleich. Fast 70 % der deutschen Unternehmen sollten gewillt sein, ASP-Lösungen innerhalb der nächsten 18 Monate einzusetzen. Als Begründung nannten die Marktforscher bei Ovum, wie auch die Forscher von Dataquest, den stark vertretenen Mittelstand auf Anwenderseite, aber auch die Vielfalt an vertikalen Lösungen (Branchenlösungen). Durch diese Boomprognosen gab es trotz der aktuell
geringen Nachfrage weiterhin ein hohe Umsatzerwartung. 22
Ein weiterer Grund für diese gute Stimmung waren auch die Technologiebörsen, vor allem der Neue Markt. Viele ASProvider konnten von dieser Entwicklung profitieren, da sie als Startup-Unternehmen am Neuen Markt geführt wurden.
Die Technologiebörsen schossen in der ersten Hälfte des Jahres 2000 in ungeahnte Höhen und einer weiteren Expansion schien nichts im Wege zu stehen. Dass für ein erfolgreiches ASP-Geschäft umfangreiche Vorinvestitionen zu leisten sind, schien vor dem Hintergrund einer solchen Börsensituation keine Schwierigkeiten zu bereiten. So gab die Firma Einstei- gelesenam: 13.08.02
22 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 27
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
net an, eine dreistellige Millionensumme für den Auf- und Ausbau zweier Rechenzentren in Kempten und Hamburg investiert zu haben.
Die Anbieter waren weiterhin davon überzeugt, dass die Anwender, im Gegensatz zu In-ternet-Diensten, bereit seien würden für ASP-Dienste zu zahlen. 23
Einfluss auf andere IT-Branchen
Neben den Unternehmen, die direkt in den ASP-Markt investierten, wurden auch andere Segmente des Informations- und Kommunikationsmarktes beeinflusst.
Der ASP-Markt benötigt viele Zulieferer von Technologien 24 , die für den Betrieb von ASP-Lösungen notwendig sind. So hofften die Software-, Hardware- und Kommunikationsbranchen vom Absatz-Boom profitieren zu können.
In der Softwarebranche kam die Frage auf, wer denn in Zukunft noch Abnehmer von Software sein würde. Wenn ASP sich gemäß den Prognosen entwickeln würde, wäre es mittelfristig der einzige Weg der Softwarenutzung. Dies würde einen völlig neuen Vertriebsweg eröffnen und der direkte Kontakt der Software-Anbieter zum Kunden wäre nicht mehr notwendig. Eine weitere Frage war die nach der „ASP-readyness“, der Eignung von Software für den ASP-Betrieb. Die Softwarehersteller überlegten, wie ein Softwareprodukt geschaffen sein müsste, damit es von einer Vielzahl von Nutzern und über große Entfernungen hinweg genutzt werden könne. Des Weiteren machten sie sich Gedanken über die Lizenzpolitik, denn es gab noch keine Verträge, die das Vermieten von Nutzungsrechten
an Dritte berücksichtigten. 25
Die Hardwarebranche rechnete mit enormen Umsätzen durch ASP, denn immerhin sind Investitionen in den Aufbau eines Rechenzentrums ein großer Teil der Startinvestitionen der ASProvider. Die Hardware-Anbieter mussten jedoch schnell feststellen, dass auch die Nachfrage-Seite Kenntnisse im Bereich der IT-Infrastrukturen besaß. Die ASProvider entpuppten sich als gut informierte Kunden, die nicht so einfach durch technische Leistungswerte der Hardware zu beeindrucken waren. Außerdem konnten die ASProvider die immensen Hardwarekosten nicht alleine tragen und forderten von den Hardwarelieferanten Finanzierungsmodelle, die bspw. Ratenzahlungen in Abhängigkeit vom Wachstum des ASP-Geschäfts vorschlagen. Somit mussten die Zukunftsprognosen der Hardware-Anbieter von hohen Umsätzen durch ASP schnell revidiert werden. Doch vor allem in der
23 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 28
24 Vgl. Kapitel 3.2
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
Entwicklung neuer Endgeräte beschäftigte die Idee des ASP die Branche weiter. Im Zuge der ASP-Entwicklung würde es Sinn machen, teuere und wartungsintensive Arbeitsplatzrechner durch günstigere und pflegeleichtere Internet-Terminals oder Netzwerkcomputer zu ersetzen. Weiterhin setzte man stark auf die Entwicklung mobiler Endgeräte. Das neue Modewort der mobilen Revolution hieß Wireless ASP (WASP).
Die Telekommunikations-Anbieter gehören zu den wichtigsten Partnern der ASProvider, denn sie liefern den Internetzugang, der ASP überhaupt ermöglicht. Des Weiteren bieten sie viele zusätzliche Leistungen wie das Hosting von Applikationen in den eigenen Re-chenzentren oder die Abrechnung der genutzten Applikationen und Dienste, dem Billing 26 . Neben der Partnerschaft mit Providern versuchten auch viele Tele-kommunikations-Anbieter eigene ASP-Modelle am Markt zu platzieren. Sie sahen ASP als Ausweg, um die gerade ersteigerten UMTS-Lizenzen refinanzieren zu können. Überlegungen zum Thema ASP stellte man auch auf dem IT-Service-Markt an. Man stand vor der Wahl, entweder selbst ASProvider zu werden oder eine Dienstleistungspartnerschaft mit ASProvidern einzugehen. Für die erste Alternative fehlte es den IT-Dienstleistern an Kompetenzen zum Aufbau und Betrieb einer ASP-Lösung. Für die zweite Alternative war der Markt viel zu klein, so dass man keine ernstzunehmenden Beratungsumsätze erwarten konnte. Deshalb konzentrierten sich die Berater weiter auf ihr Kernge-schäft, ohne jedoch den ASP-Markt aus den Augen zu verlieren. 27
25 Vgl. Kapitel 3.4
26 Vgl. Kapitel 3.3
27 Vgl. Grohmann, W. (Hrsg.): ASP, a.a.O., S. 29 ff.
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken Unterstützung des ASP-Marktes
Bis zum Juni des Jahres 2000 wuchs die Mitgliederzahl des deutschen ASP-Konsortiums von den 28 Gründungsmitgliedern auf über 50 Mitglieder an, wobei der Anteil von jungen innovativen Unternehmen stetig stieg. Um essenzielle, den Erfolg von ASP beeinflussende Fragen zu klären, bildete man verschiedene Arbeitskreise. Diese Arbeitskreise beschäftig-ten sich mit der Sicherheit, den Service Level Agreements (SLAs) 28 , der Qualität der Angebote, dem Billing und Accounting, der Software-Entwicklung, dem Auf- und Ausbau
des Verbandes sowie den Analysen über die Zukunft von ASP. 29
Zur Mitte des Jahres 2000 veröffentlichte Meta Group eine Studie, die vier grundlegende Anwendungsmodelle für den ASP-Markt herausstellte:
• Messaging ASP (eMail, Unified Messaging, Office Suites)
• Business Process ASP (Gehalts- / Reisekostenabrechnung, Mitarbeiter Self Service,
etc.)
• ERP / CRM ASP (weitestgehend standardisierte ERP / CRM-Anwendungen)
• E-Commerce ASP (Web Site Hosting, Shop-Systeme, Content Management, etc.) 30
Eine Studie, die das ASP Industry Consortium von Zona durchführen ließ, ergab, dass der Großteil der ASP-Nutzer positive Erfahrungen gemacht hatte. So waren 90 % der 131 befragten Unternehmen mit den SLAs einverstanden und besonders die Antwortzeiten des Kundendienstes der ASProvider stellte die Anwender zufrieden. In der Datensicherheit sah
man allerdings das größte Problem von ASP. 31
Diese guten Noten für das ASP-Modell erzielten jedoch keine Wirkung, solange nicht genug Unternehmen für das ASP-Modell interessiert werden konnten. Um dies zu erleichtern wurde vom ASP Industry Consortium ein Leitfaden erstellt, der die Informationsdefizite bei den Anwendern ausräumen und dem ASP somit neue Kundenkreise erschließen sollte. Der Leitfaden richtete sich vor allem an KMUs, die dort Mindestinformationen in den
SLAs nachlesen konnten. 32
Im Verlauf des Jahres wagten sich auch einige etablierte IT-Unternehmen, wenn auch meist nur in unterstützender Form, auf den Markt. So gründeten Microsoft und Siemens ein ASP Technologie-Forum. ASProvider sollten dort die Möglichkeit erhalten, ihre ge-
28 Vgl.Kapitel 3.4
29 Vgl. http://www.groupware-online.de/texte/583.asp; gelesen am: 13.08.02
30 Vgl. http://www.groupware-online.de/texte/583.asp; gelesen am: 13.08.02
31 Vgl. http://www.ecin.de/news/2000/09/01/00358; gelesen am: 13.08.02
32 Vgl. http://www.ecin.de/news/2000/10/05/00643; gelesen am 02.09.2002
ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken
planten Modelllösungen zu entwickeln und zu testen. Außerdem konnten Sicherheits- und
Verfügbarkeitsaspekte mit den Kunden diskutiert werden. 33
IBM und Intel starteten eine ASP-Kooperation, die unabhängige Software-Verkäufer beim
Vertrieb ihrer Produkte im ASP-Modus unterstützen sollte. 34
Lotus und Sun erweiterten ihre Produktpalette und entwickelten Lotus Quickplace, Lotus Domino, Everyplace Quick Start und ein ASP Solution Pack für ASP-Kunden. Das Soluti-
on Pack umfasste Lotus Domino, Lotus Sametime und IBM WebSphere. 35
Die Prognosen werden vorsichtiger
Im vierten Quartal des Jahres 2000 wurde eine neue Marktuntersuchung des Beratungshauses Mummert + Partner veröffentlicht. Man sagte zwar immer noch Umsätze von 1,5 Milliarden Dollar für das Jahr 2004 voraus, aber die Einschätzung der aktuellen Situation wurde kritisch angegangen. Im Gegensatz zum amerikanischen Markt, der stabil wäre und sich in verschiedene Teilmärkte aufgeteilt habe, sah man bei den deutschen Unternehmen eine deutliche Zurückhaltung. Der europäische Markt schien noch nicht reif für den ASP-Boom. KMUs, die in den USA 70 % des Umsatzes ausmachten, warteten ab und setzen weiterhin auf die bereits installierten Softwarelösungen. Dies ließ sich darauf zurückführen, dass die Abhängigkeit vom Dienstleister die Kosten- und Einführungs-vorteile aufwog. Man mied das Risiko, auf eigene EDV-Kompetenz zu verzichten, solange die Stabilität der Provider nicht gewährleistet werden konnte. Mummert + Partner sah eine Attraktivität des Modells für den gehobenen Mittelstand. Dennoch warteten die meisten Marktteilnehmer ab, da die Provider es noch nicht schafften, das tiefgreifende Prozess-Know-how der Branchen mit den technischen Fertigkeiten zu verbinden. Mummert + Partner erwarteten den ASP-Boom nun erst am Ende des Jahres 2001 und rechneten damit, dass große Internet-Provider Gesamtlösungen anbieten und kleinere Unternehmen die Nischen bedie-
nen würden. 36
Weniger kritisch sah die Unternehmensberatung Frost & Sullivan die Entwicklung. Hier ging man davon aus, dass der ASP-Markt vom Boom des Internet profitieren würde. Man bestätigte die relativ geringe Nachfrage, fand aber heraus, dass allmählich immer mehr mittelständische Unternehmen dazu übergingen, Hosting und Management wichtiger Anwendungen an einen ASP zu vergeben. Angesichts des großen Einsparpotenzials und des
33 Vgl. http://news.zdnet.de/story/0,,t105-s2051845,00.html; gelesen am: 13.08.02
34 Vgl. http://news.zdnet.de/story/0,,t101-s2053966,00.html; gelesen am: 13.08.02
35 Vgl. http://www.groupware-online.de/texte/872.asp; gelesen am: 13.08.02
36 Vgl. http://www.mummert.de/deutsch/press/a_press_info/001010.html; gelesen am: 13.08.02
Arbeit zitieren:
Dipl.-Winf. Anja Zschau, Sandra Schumann, Mathias Steinert, 2002, ASP nach dem Hype - Entwicklung, Chancen, Risiken, München, GRIN Verlag GmbH
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