Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 4
1.1. ZUM THEMA 4
1.2. ÜBERBLICK ÜBER DIE VO RLIEGENDE ARBEIT 4
2. ZEITLICHE EINORDNUNG UND HINTERGRUND DER „INDIREKTEN
INTERVENTION“ IN GUATEMALA IM JAHRE 1954 5
3. WURZELN DER GEGENWÄRTIGEN GESELLSCHAFTSSTRUKTUREN -
DIKTATORISCHE REGIME UND DEREN POLITISCHE MAßNAHMEN SEIT
DER UNABHÄNGIGKEIT 6
3.1. DIE LANDREFORM 7
3.2. DIE LOHNARBEIT 8
4. DER 10JÄHRIGE FRIEDEN IN GUATEMALA 9
4.1. DIE REFORMPOLITIK 9
4.2. AUSWIRKUNGEN DER REFORMPOLITIK AUF DIE US-AMERIKANISCHEN
BEZIEHUNGEN 11
5. DIE INTERVENTION 1954 15
5.1. DIE GESCHEHNISSE. 15
6. DIE ZEIT DANACH 20
6.1. DIE DEMONTAGE DER REVOLUTION: ROLLE DER USA. 20
6.2. ENTWICKLUNGEN OHNE (RE)FORM 22
6.3. DER PROZESS DES FRIEDENS IN GUATEMALA - EIN LANGER WEG. 25
6.3.1. Die Guerillabewegungen 25
6.2.2. Phasen des Friedens 26
6.2.3. Die Rolle der USA im Friedensprozess 28
7. GRAPHISCHE DARSTELLUNG DER BEZIEHUNGEN GUATEMALAS
UND USA ZUR ZEIT DES KALTEN KRIEGES 29
8. PARALLELEN/UNTERSCHIEDE ZUM IRAKKRIEG 30
9. SCHLUSSWORT. 31
BIBLIOGROPHIE
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Teil 1: Verfasst von Romana Leichtfried
1. Einleitung
1.1. Zum Thema
Im Rahmen des Seminars „USA und Lateinamerika“ galt es, sich dem Thema „Beziehungen - alte und neue Abhängigkeitsformen“ von verschiedenen Seiten her anzunähern. Durch Impulsreferate, die die Beziehungen verschiedener lateinamerikanischer Länder zu den USA zum Inhalt hatten, sollten Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezüglich vorhandener Beziehungsmuster herausgearbeitet werden. Wir entschieden uns für Guatemala, zum einen, da eine von uns bereits über Vorwissen zum Themenbereich verfügte, zum anderen, da es konkrete Phantasien gab, dass dieses Thema besonders interessant sein könnte, vor allem im Vergleich zu den aktuellen Geschehnissen um den Irakkrieg.
1.2. Überblick über die vorliegende Arbeit
Ziel unserer Arbeit war es vor allem die Beziehungen zwischen Guatemala und den USA anhand der verwendeten Literatur darzustellen.
Dabei kamen wir schon in der Diskussion im Vorfeld zu dem Schluss, dass dabei eine Darstellung des geschichtlichen Abrisses Guatemalas unumgänglich ist. Wichtig erscheint uns dabei vor allem Phasen in denen gravierende Probleme Guatemalas Grund gelegt und bis heute nicht gelöst werden konnten, anhand markanter geschichtlicher Eckdaten kurz und griffig darzustellen.
Näher eingehen werden wir vor allem auf die Dekade des „10 jährigen Frühlings“, der insgesamt als die einzige Phase konstruktiver Reformenversuche in der Geschichte Guatemalas gesehen werden kann. Diese Dekade wurde aprubt mit der Intervention um 1954 beendet. Ganz konkret möchten wir die Geschehnisse um die so genannte „indirekte Intervention“ von Seiten der USA, die die Beziehungen zwischen den beiden Ländern einschneidend prägen sollte, darstellen.
Um in weiterer Folge Auswirkungen der US-Intervention auf Guatemala ausmachen zu können, bedarf es aus unserer Sicht auch einer Analyse der Gegenwart sowie einer Analyse der Zeit nach der Intervention, die geprägt ist durch den Beginn des 35 jährigen Bürgerkrieges sowie die Entwicklung des Friedensprozesses mit seinen verschiedenen Phasen.
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Abschließend werden wir versuchen Parallelen beziehungsweise Unterschiede bezüglich der Handlungsweisen von Seiten der USA zum Irakkrieg herauszuarbeiten.
2. Zeitliche Einordnung und Hintergrund der „indirekten
Intervention“ in Guatemala im Jahre 1954
Die Beziehungen zwischen Lateinamerika und den Vereinigten Staaten sind durch eine Reihe von Filtern geregelt. Dazu zählen die Monroe-Doktrin, der Roosevelt-Zusatz, der Washington Consensus sowie in jüngster Zeit auch die Droge. Für die Phase des Kalten Krieges, in die auch die Intervention in Guatemala einzuordnen ist, spielen vor allem die Monroe-Doktrin sowie der Roosevelt-Zusatz eine maßgebliche Rolle. Denn diese beiden Filter sind Grundlage bzw. Legitimation für die Interventionen der USA in die internen Angelegenheiten Lateinamerikas. Die Monroe-Doktrin wurde schon im Jahre 1823 ausgesprochen, beginnt aber erst mit der zunehmend Asymmetrie zuwischen Lateinamerika und den Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle zu spielen.
Wenn es um Beziehungen zwischen Lateinamerika und den Vereinigten Staaten geht, werden verschiedene Phasen sowie Erscheinungsformen sichtbar. Denn die USA kennen nicht nur „direkte Interventionen“, so wie sie vor allem zwischen 1910 und 1930 praktiziert wurden, sondern auch „indirekte Interventionen“ wie sie auch in auch Guatemala praktiziert wurden. Vor allem die Interventionen zwischen 1910 und 1930 standen unter dem Motto der „Big stick Politik“ und können in die Phase der „direkten Interventionen“ eingeordnet werden. (vgl. DREKONJA: 15.5.2003) Vor allem während der Regierungszeit Theodore Roosevelts (1901-1909) und seines Nachfolgers William Howard Taft (1909-1913) waren diese durch besondere Brutalität gekennzeichnet. Diese Form der „Big Stick Politik“ stieß in manchen Kreisen Nordamerikas auf Bedenken und löste auch in Lateinamerika heftige Reaktionen aus. Deshalb versuchte man bereits am Ende der Amtszeit von Taft, diese Politik ganz allmählich zu korrigieren. (vgl. BEYHAUT 1965: 181) Völlig abgelöst wurde diese Epoche allerdings erst durch die „ Politik der guten Nachbarschaft“ Franklin D. Roosevelts (1933-45). In dieser Phase nahmen zwar die „direkten Interventionen“ ab, aber gleichzeitig konnten die großen Handelsgesellschaften entscheidenden Einfluss auf die nordamerikanische Außenpolitik gewinnen. (vgl. BEYHAUT 1965: 175) Interessant erscheint auch, dass die Mehrzahl der „direkten Interventionen“ vor allem den karibischen Raum - auch der Hinterhof oder Unterlaib der USA genannt - betraf.
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Grund dafür ist sicherlich die geopolitische bzw. strategische Bedeutung, die diese Region für die USA damals hatte. Ziel dieser Interventionen war es immer das von den US-Amerikanern so bezeichnete „cronic wrong doing“ der Lateinamerikaner zu beseitigen. (vgl. DREKONJA:15.5.03)
Zwischen 1898 und 1920 intervenie rten die USA in den Staaten Zentralamerikas und der Karibik laut Sabine Kurtenbach immerhin 20ig Mal. Dabei setzten sie Regierungen nach Belieben ab oder ein, und schützen so ihre eigenen wirtschaftlichen aber auch hegemonialen Interessen. (vgl. KURTENBACH 1998: 38).
Eine neue Phase markieren die Jahre 1950 bis ca. Mitte der 80iger Jahre. Dieser Zeitraum kann als die Phase des „Antikommunismus“ gesehen werden. Hier wurden im Rahmen eines gemeinsamen Verteidigungspaktes Versuche in Richtung neuer Kooperationen zwischen Lateinamerika und den USA gemacht. Der Verteidigungspakt - auch TIAR genannt, verpflichtet die Länder bei Angriff des Feindes zur Verteidigung. Der TIAR ist ein strategischer Vertrag, der 1947 zur "Abwehr des Kommunismus" ins Leben gerufen wurde und vorsieht, dass alle Mitglieder der OAS (Organisation amerikanischer Staaten) im Falle einer Aggression dem bedrohten amerikanischen Land beistehen müssen.
Damit setzt auch die Zeit der „indirekten Interventionen“ an, die sich nahe zu mit der Phase d es Kalten Krieges deckt. Es wird nun nicht mehr versucht das „cronic wrongdoing“ von Seiten Lateinamerika auf direktem Wege zu unterbinden, sondern die USA beginnen ganz subtil mittels CIA Oppositionsvertreter finanziell zu unterstützen. Auch in Guatemala kam diese Vorgehensweise zur Anwendung. Somit kann der Fall Guatemala auch als Ur-Modell der indirekten Intervention im Kalten Krieg gesehen werden. (vgl. DREKONJA: 15.5.2003)
3. Wurzeln der gegenwärtigen Gesellschaftsstrukturen - Diktatorische
Regime und deren politische Maßnahmen seit der Unabhängigkeit
Seit seiner Selbständigkeit (1939) wurde Guatemala größtenteils von Diktatoren regiert, die ihre Macht auf die Unterstützung der Militärs gründeten. Bis ins Jahr 1871 herrschten dabei konservative Diktaturen vor. Abgelöst wurde diese Epoche ausgehend von der sogenannten „liberalen Revolution“ 1871, die eine Periode caudillistischer, liberaler Diktaturen einläutete. Die dabei verfolge Politik zielte auf Modernisierung und Anschluss an den kapitalistischen Weltmarkt ab. (vgl. EBERL 1999: 84)
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3.1. Die Landreform
Die Eingangs beschriebene liberale Epoche der Diktaturen wurde einschneidend geprägt durch Justo Rufino Barrios und seinen unmittelbaren Nachfolgern, wie beispielsweise dem unberechenbaren Manuel Estrada Cabrera, der Guatemala bis zu seinem Sturz im Jahre 1920 zweiundzwanzig Jahre lang regierte. (vgl. GUZMÁN-BÖCKLER 1995: 35) In diesem Zeitraum - insbesondere mit der Machtübernahme Justo Rufino Barrioswurden die Grundlagen für die zum großen Teil heute noch existierende Landverteilung geschaffen.
Als erste wichtige Umsetzung der politischen Vorhaben Barrios ist die Enteignung der katholischen Kirche zu sehen. Neben Landbesitz wurden auch Kunstwerke, Silber, Gold und Mobiliar beschlagnahmt; und dienten als Grundstock des Kapitals der guatemaltekischen Nationalbank. Weiters wurden Klöster und Konvente zu Hospitälern und Regierungsgebäuden sowie zu Militärakademien und Gefängnissen umgewandelt. Bei der Enteignung des indianischen Gemeinschaftslandes ging Barrios allerdings vorsichtiger vor. Um den Widerstand der indianischen Bevölkerung möglichst gering zu halten, wurden Dörfer, die das für den Kaffeeanbau interessante Land in den fruchtbaren Zonen des Landes besaßen, durch neue Landzuweisungen im Hochla nd abgefunden. Allzu aggressive Maßnahmen von Seiten der Regierung waren allerdings auch nicht notwendig, da ein Großteil der indianischen Bevölkerung ohnehin im Hochland Guatemalas lebte, welches für Kaffeeanbau ohnedies ungeeignet war. Darüber hinaus förderte die Regierung die bereits bekannte Form der zeitlich begrenzten Verpachtung von Gemeinschaftsland an Einzelpersonen zum Anbau von Exportprodukten. 1877 wurden all diese Länderein per Dekret zu staatlichen Besitz erklärt. Dieser konnte von Pächtern gekauft und so in einen privaten Eigentumstitel umgewandelt werden. Weiters beanspruchte die Regierung all die Ländereien, die sich nicht zum Kaffeeanbau eigneten, als Brachland für sich. Auch dieses Land wurde in Parzellen aufgeteilt und verkauft. Die neuen Besitzer mussten Steuern zahlen. Diese verminderten sich nur beim Anbau von Kaffee oder anderen Exportartikeln. Mit all diesen Maßnahmen begünstigte die Regierung einen umfassenden Prozess der Landverteilung, bei dem jene profitierten, die in den Exportsektor investierten, wozu vor allem reiche Ladinos und ausländische Investoren in der Lage waren. Ausgehend von diesen Maßnahmen wurde eine Spaltung Guatemalas in zwei Lager eingeleitet bzw. beschleunigt. Im Zuge der politischen Veränderung dieser Epoche wurden die Grundlagen für die heute noch weitgehend existierende Landverteilung geschaffen.
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(vgl. KURTENBACH 1998: 28, 29) Auch das Friedensabkommen von 1996 hat daran kaum etwas verbessert. Denn den 3% Supereichen gehören noch immer 80% des Landes und die Mehrheit der indianischen Bevölkerung ist nach wie vor von allen wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen. (vgl. DUENBOSTEL 2003: 1)
3.2. Die Lohnarbeit
Mit der staatlichen Politik und dem Kaffeeboom sollten sich auch die Arbeitsformen eines Großteils der indianischen Bevölkerung verändern.
Da der Anbau von Kaffee wesentlich arbeitsintensiver ist als Subsistenzwirtschaft sowie die meisten anderen Exportprodukte, stieg der Bedarf an Arbeitskräften. Solange jedoch die Subsistenzwirtschaft funktionierte, war die Bereitschaft der indianische Bevölkerung auf Kaffeefincas zu arbeiten eher gering. Mit der neuen Landverteilung zugunsten der Kaffeepflanzer setzte jedoch ein Kreislauf ein, der sich sehr negativ auf die indianischen Dorfgemeinschaften auswirkten sollte. Durch die Entschädigung mit Land, das ebenso im Hochland Guatemalas lag, büßten die „campesions“ ihren althergebrachten Schutz vor Missernten ein. Wurden früher die Felder in den fruchtbaren, wärmeren Zonen ein zweites Mal bestellt, waren die Bauern im Falle von Missernten gezwungen sich Geld aufzunehmen, und die dadurch entstandenen Verpflichtungen auf Kaffeeplantagen abzuarbeiten. In den Jahren 1870 bis 1880 entstand so ein subtiles System der Schuldknechtschaft, das die indianische Bevölkerung in die Kaffeeproduktion zwang. Wegen des steigenden Arbeitskräftebedarfs, der auf diesem Wege allein nicht mehr gedeckt werden konnte, führte die Regierung koloniale Formen des Arbeitszwangs wieder ein. Das 1876 erlassene Gesetz, erlaubt regionalen Behörden 50 bis 100 Männer eines Dorfes zur Arbeit auf den Kaffeeplantagen zu verpflichten. Darüber hinaus erhöhte diese sogenannte „Straßensteuer“ den Zwang zur Lohnarbeit für die gesamte Bevölkerung, da viele diese nur über Verschuldung bezahlen konnten. 1880 arbeiteten ungefähr hunderttausend Hochlandbewohner regelmäßig als Saisonarbeiter auf den Kaffeeplantagen. Nicht nur Männer wurden so indirekt zur Lohnarbeit gezwungen sondern auch Frauen und Kinder.
Die Rekrutierungspolitik zur Zwangsarbeit der indianischen Bevölkerung veränderte sich im Laufe der Zeit allerdings. General Ubico gab dieser nicht nur modernere sondern auch subtilere Formen, indem er das sogenannte „Vagabundengesetz“ einführte. Danach musste jeder der weniger als 2,6 Hektar Land besaß auf den
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Kaffeeplantagen arbeiten. (vgl. KURTENBACH 1998: 31ff) So zog Ubico den Zaun um die indianische Bevölkerung immer enger. Durch Gesetze, die die Bewegungsfreiheit der indianischen Bevölkerung immer mehr einengte und damit die Menschen zu ungekannten Arbeitsverpflichtungen zwang, vermöchte er einerseits den Arbeitskräftemangel auszugleichen und gleichzeitig eventuell aufkeimende Aufstände im Keim zu ersticken. (vgl. GUZMÁN-BÖCKLER 1995: 37) Um die Durchsetzung dieser Politik zu gewährleisten wurde die Modernisierung und Professionalisierung des Militärs vorangetrieben. Die Streitkräfte sollten neben der Sicherung der territorialen Integrität des Landes besonders die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung gewährleisten. Zentrales Element dabei ist die Unterdrückung v on Aufstands- und Oppositionsbewegungen. (vlg. KURTENBACH 1998: 35)
Ubico erreichte mit seiner Politik zwar eine Schwächung der Widerstandskräfte des indianischen kleinbäuerlichen Sektors, doch die Zunahme der Unzufriedenheit der städtischen Mittelschicht konnte er damit nicht verhindern. Schließlich dehnte sich diese wachsende Unzufriedenheit auch im universitären, militärischen, bürokratischen, intellektuellen und wirtschaftlichen Leben aus. Ausgehend von den vier Freiheiten, die die USA gemeinsam mit den Briten im Zug des Eintrittes der USA in den Zweiten Weltkrieg kundgaben, konnte die städtische Mittelklasse einen angemessenen Zeitpunkt finden um die Ablehnung der Diktatur Ubicos zu demonstrieren. Gleichzeitig formierte sich eine städtisch gelenkte Bewegung, an der die breite Bevölkerung teilnahm und den Diktator zum Rückzug zwang. Im Zuge eines zivilen sowie teilweise bewaffneten Aufstandes konnte Ubico entmachtet und er sowie seine Generäle außer Landes verwiesen werden. (vgl. BÖCKLER 1995: 37, 38)
4. Der 10jährige Frieden in Guatemala
4.1. Die Reformpolitik
Zwischen 1944 und 1954 erlebte Guatemala den bisher bedeutendsten Umgestaltungsversuch seiner ungleichen gesellschaftlichen Verhältnisse. Die bei den ersten freien Wahlen demokratisch gewählte Regierung von Juan José Arévalo und seinem Nachfolger Jacobo Arbenz, wollten die Bananenrepublik zu einem modernen Staatswesen umgestalten. Diese Phase ging auch als „Dekade des Frühlings“ in die Geschichte Guatemalas ein und wurde im Jahre 1954 gewaltsam beendet.
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Die politische Zielsetzung der Regierungen Juan José Arévalo (1945-51) und Jacobo Arbenz (1951-54) erschienen vor dem Hintergrund der guatemaltekischen Vergangenheit zwar aufständisch, im Vergleich zu den Entwicklungen in Europa und den USA können diese aber eher als reformorientiert und gemäßigte eingestuft werden. Leider überschattete in den 50iger Jahren der Ost-West-Konflikt Zentralamerika und zunehmend wurden interne Konflikte im Zusammenhang mit den
Auseinandersetzungen der Supermächte gesehen.
Zentrale politische Ziele dieser Dekade waren vor allem die Sicherung von politischen Grundrechten, Einführung bzw. Verbesserung von Arbeitsgesetzten zum Schutz der Beschäftigten, Verbesserung des Bildungssystems und eine Agrarreform. Symbol für den Bruch mit der Vergangenheit stellte eine neue Verfassung dar. Darüber hinaus sollte das Wahlrecht auf alle Männer und Frauen ausdehnet werden, die lesen und schreiben konnten. Zentrales Element der neuen Politik war auch die de facto Abschaffung des Vagabundengesetzes. Damit gab es nun keinerlei Bestimmungen für die in der Verfassung verankerte „soziale Verpflichtung“ zur Arbeit. Diese Maßnahme rief die stärkste Kritik hervor. 1946 verabschiedete die Regierung das erste Sozialversicherungsgesetz des Landes, das Leistungen vorerst nur bei Arbeitsunfällen vorsah, später aber auf alle Unfälle sowie den Mutterschutz ausgedehnt wurde. 1947 wurde der Arbeitskodex verabschiedet. Dieser etablierte eine 6-Tage-Woche mit 8-Stunden- Tage und festgesetzte Minimallöhnen. Arbeitern wurde damit auch das Recht auf Streik und gewerkschaftliche Organisation sowie kollektive Lohnverhandlungen zugestanden. Die demokratischen Reformen zielten auch - wenn auch nur theoretischauf Veränderungen in den ländlichen Gebieten Guatemalas ab, da diese die Wiederherstellung der kommunalen Selbstbestimmung beinhaltete. In Realiter änderte diese Liberalisierung für die indigene Bevölkerung allerdings nur wenig. Denn Ladinos dominierten nach wie vor die politischen Parteien und bestimmten das Procedere der politischen Entscheidungen. Weiters zerstörte die Demokratisierung traditionelle Formen indianischen Selbstverwaltung. Nichts desto trotz zielten all diese Reformen darauf ab die Interessen der Bevölkerung umfassend zu stärken. (vgl. KURTENBACH 1998: 73-77). Weiteres Indiz dafür war der Erlass der Agrarreform, die 1952 in Guatemala verkündet wurde. Darin sollte dem Großgrundbesitz ein Ende gemacht und der breiten bäuerlichen Bevölkerung Land zur Verfügung gestellt werden. Dieses Gesetz war Basis dafür, dass erstmals in der guatemaltekischen Geschichte der indianischen Bevölkerung offiziell die Möglichkeit gegeben wurde, formell
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Arbeit zitieren:
Romana Leichtfried, Julia Hülshorst, 2003, Guatemala - Land der verbrannten Erde. Eine Analyse der Beziehungen zwischen Guatemala und den Vereinigte Staaten am Beispiel der Intervention im Jahre 1954, München, GRIN Verlag GmbH
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