Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 3
1. Neo- Paganismus und Neuheidentum- Was ist das?
1.1 Die Suche nach neuer Religiosität 3
1.2 Das Neuheidentum: Hinwendung zur „alten Kultur“ 4
2. Die Entwicklung historisch-okkulten Denkens
2.1 Die Romantik 6
2.2 Die Jahrhundertwende: Völkisch-okkultes
Denken formiert sich in Gruppierungen 7
2.3 Antidemokratische Gedanken während einer Zeit
der Demokratie: Die Entwicklung völkischen Denkens
in der Weimarer Republik 8
2.4 Völkisches Denken im Nationalsozialismus 9
2.5 Neuheidnisches Denken nach 1945
2.5.1 Altes Denken in neuem Mantel
Neustrukturierung neuheidnischer Gruppen 9
2.5.2 Die neue Rechte 10
2.5.3 Hochkonjunktur des Neuheidentums 11
3. Neo- Paganismus und völkisches Denken heute
3.1 Das Welt- und Menschenbild der Neuheiden 11
3.2 Esoterik als Instrument rassistischen Denken und Tuns 12
3.2.1 Die Weltverschwörungstheorien
des Jan van Helsing 13
4. Schlussteil: Neuheidnische Gruppen-
Eine ernst zu nehmende Gefahr von rechts? 15
Literaturverzeichnis
2
Einleitung: Neuheidentum und Braune Esoterik Einführung in die Thematik
Ein relativ kleines, aber nicht unwesentliches Element im rechtsextremistischen Spektrum stellen die sogenannten Neuheidnischen Gruppen dar. Ihr primäres Kennzeichen ist der Umstand, dass die teils radikal-rassistischen Auffassungen, die große Kompatibilitäten zur NS-Ideologie aufweisen, mit alteuropäischer Spiritualität verbunden werden.
Stellen derartige Gruppen eine ernst zu nehmende Gefahr dar oder kann man sie als relativ unbedeutende rechtsextremistisch orientierte Gruppen bezeichnen, die keinen großen Einfluss auf unsere Bevölkerung haben?
In der folgenden Arbeit werde ich zunächst die Inhalte völkisch- okkulten Denkens, auf das sich die neonazistischen neuheidnischen Gruppen beziehen, und dessen historische Entwicklung bis zur heutigen Zeit, darlegen. Darauf aufbauend werde ich auf die heutige Situation der offen nazistisch eingestellten Neogermanen samt ihrer Welt- und Menschenbilder eingehen, um dann abschließend über die Gefahren der Anziehungskraft solch eingestellter Gruppen und die Probleme der Resozialisierung ehemaliger Anhänger zu reflektieren:
Besonders als zukünftige Lehrkraft sollte man die Sozialisationsfaktoren politisch extremistischer Gruppierungen analysieren können, um dahingehend an einer möglichen Prävention mitarbeiten zu können.
1.Neo-Paganismus und Neuheidentum - Was ist das?
1.1 Die Suche nach neuer Religiosität
Die Kirchen Deutschlands klagen über einen immer stärker wachsenden Interessenschwund innerhalb der Bevölkerung. Wie wir alle bemerken, findet eine zunehmende Säkularisierung innerhalb unseres Landes statt. Jedoch ist im Gegensatz dazu der Drang nach alternativen Religionen und Weltanschauungen gestiegen. Einen enormen Zulauf konnte in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren vor allem der Bereich der Esoterik vorweisen, der Menschen durch vielfältige Aspekte in den Bann zieht. Zu nennen sei hier das magische Naturbewusstsein, ein Hinwenden zur „göttlichen Natur“, das sich für einen großen Teil der Bevölkerung im
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Zusammenhang mit der ökologischen Krise zum Lebensinhalt entwickelt hat. Im Zeitalter des Leistungsprinzips und des alltäglichen Stresses bietet die Esoterik Riten und Praktiken uralter Religionen an, die innere Blockaden lösen und zur Selbstheilung beitragen sollen. Das Ziel der esoterischen Welle definiert Andreas Speit wie folgt: „Mit einem neuen Denken, das auch ganzheitliches, holistisches oder organisches Bewusstsein genannt wird, soll der kollektive Sprung in ein >>neues<<, >>goldene(s) Zeitalter<< gelingen“ 1 .
1.2 Das Neuheidentum: Hinwendung zur „alten Kultur“
Eine Strömung dieses neuen okkulten Denkens ist der Neo-Paganismus, der als Rückgriff auf vorchristlich- naturreligiöse Religionen übersetzt werden kann. Stand Anfang der siebziger Jahre noch primär „die Beschäftigung mit nordamerikanischindianischer Naturreligion im Vordergrund“ 2 , so tauchten bald erste Ansätze auf, die sich mit der Naturreligion des alten Europas beschäftigten. Diese Entwicklung wird in der wissenschaftlicher Literatur häufig als „neuheidnische Renaissance“ bezeichnet, so dass ich im Folgenden die Vertreter dieser Denkrichtung in dieser Hausarbeit weiterhin als Neuheiden bezeichnen werde. Obwohl man in diesem Zusammenhang erwähnen muss, dass Sympathisanten dieser Glaubensrichtung jenen Begriff zumeist ablehnen, da er häufig mit Gottlosigkeit oder Atheismus gleichgesetzt wird. (Diese Assoziation zeigt sich auch zu Beginn meines gehaltenen Referats innerhalb der Studentenschaft). Neuheiden bezeichnen sich allerdings als zutiefst gläubig.
Innerhalb des Neuheidentums gibt es unterschiedliche Gruppierungen, die allerhand inhaltlicher Gemeinsamkeiten aufweisen, sich teilweise aber auch gezielt voneinander abgrenzen wollen. Zu nennen sind hier die feministischen Hexenströmungen (Wicca-Gruppen), die Druiden oder Schamanen, Neokelten und die Neogermanen. Alle diese Strömungen weisen sowohl nationalistisch-völkisches Teilgruppierungen auf, als auch antifaschistisch oder gänzlich unpolitisch orientierte.
Folgende Merkmale teilen allerdings alle Neuheiden:
- Sie glauben daran, dass das Neuheidentum durch die gezielte Hinwendung zu alten Naturreligionen der Selbstverwirklichung diene
1 Matthias Pöhlmann, http:// www.naturreligion.de/texte/naturundneu.htm vom 21.11.2003, Evangelische
Zentrale für Weltanschauungsfragen, Berlin, http://www.ezw-berlin.de
2 Matthias Pöhlmann, a.a.O.
4
- In allen Gruppierungen i st man gegen das Christentum eingestellt. Man möchte erreichen, „die ursprüngliche, vom Christentum gewaltsam unterdrückte Religion zu erwecken“ 3
- Man bekennt sich zu einem Polytheismus und verehrt die alten heidnischen Göttinnen und Göttern. Deutlich wird die Ablehnung eines christlichen Gottesbildes im folgenden Zitat: „Wer sich mit heidnischen Göttern beschäftigt, muß sich von Vorstellungen über Göttlichkeit, wie sie das Christentum lehrt, gründlich befreien. Ein Gott im Heidentum ist kein abstraktes, jenseitiges, ewiges, allmächtiges Wesen, das über der Welt schwebt und sie von außen regiert, kein "reiner Geist" und keine moralische Instanz, die ausschließlich das sogenannte Gute verkörpert, (...), sondern das Göttliche in der Natur, nicht "ganz anders", sondern eins mit der Welt. 4 “
- Uralte nordische Riten werden von Neuheiden zelebriert. Dies erfolgt zumeist an für die Protagonisten bedeutsamen Orten. Ein Beispiel ist das Fest der Sommersonnenwende am 21.Juni an den Externsteinen im Teutoburger Wald. “In der Schlacht am Teutoburger Wald im Jahre 9 drängten die Germanen die Römer von der Elbe an den Rhein zurück.“ 5 (Kratz) Kratz erläutert des Weiteren, dass es bis heute allerdings nicht bewiesen sei, dass es sich bei dem Gebirgszug, „dessen Teil die Externsteine sind“, wirklich um den Ort handelt, an dem sich jene Schlacht zugetragen habe. Er verschafft uns in seinem Buch Die Götter des New Age einen intensiven Überblick über die Magie und Anziehungskraft dieser „germanischen Kultstätte“ 6 .
- Neuheiden sind grundsätzlich ökologisch orientiert und geben dem Christentum, „das sich die Natur angeblich zum Untertan gemacht hat“, die Schuld für die existenzielle Umweltkrise. Die Natur ist für sie das Göttliche und Heilige. Die rechtsextreme Artgemeinschaft äußert sich diesbezüglich in ihrem für alle Mitglieder geltenden Artbekenntnis wie folgt: „Wir bekennen uns zu einem Leben im Einklang mit den Naturgesetzen, sei es, daß wir sie aus einer Instinktsicherheit heraus unbewußt befolgen, sei es, daß wir sie bewußt erkennen und dann nach ihnen handeln. Wir lernen die Lehren des Lebens. Auch wenn im Einzelfall das naturgesetzliche Handeln zu Härten führen mag: wir richten unser
3 Matthias Pöhlmann, a.a.O.
4 http://www.nd-b.com/oikrach/gott17.php
5 Peter Kratz, Die Götter des New Age- Im Schnittpunkt von >>Neuem Denken<<, Faschismus und Romantik,
2. Auflage, Berlin 1994, S.12
6 Peter Kratz, a.a.O. S.11
5
Leben nach der natürlichen Lebensordnung aus. Die Gesetze des Lebens sind uns heilig. 7
- Neuheiden respektieren die Frau und propagieren die „durch die Frau verkörperten Eigenschaften und Werte 8 “. Diese Gedanken gehen soweit, die Frau sei für die Reproduktion der arischen Rasse zuständig. Die neonazistisch orientierten Gruppierungen stellen eher die Aus nahme im neuheidnischen Spektrum dar und werden von anders gesinnten Neuheiden zumeist abgelehnt. Der bekennend antifaschistische Rabenclan legt in seiner Präambel grundsätzlich fest: „ (...) Wir respektieren das persönliche Recht des Einzelnen auf freie Religionsausübung, die verschiedenen Strömungen innerhalb des Heidentums sind gleichberechtigt. (...) Wir lehnen Gruppierungen und Einzelpersonen ab, welche die Freiheit und Würde des Menschen missachten. 9 “
Daher sollte es vermieden werden, Neuheiden als schier fremdenfeindlich und antidemokratisch zu bezeichnen. Die meisten Neuheiden sind eher unpolitisch orientiert; andere haben eine absolut antifaschistische Grundhaltung. Im Zusammenhang mit der Thematik des Tutoriums wird es in dieser Arbeit aber um die neonazistische Interpretation dieses Phänomens gehen.
2. Die historische Entwicklung völkisch- okkulten Denkens
Schon lange vor dem NS-Regime und vor Erscheinen von Mein Kampf waren Termini wie Rasse, Arier oder Deutschtum in der deutschen Gesellschaft gebräuchlich. Völkisches Denken in Kombination mit okkulten oder esoterischen Elemente geht bis in das 19.Jahrhundert zurück.
2.1 Die Romantik
Im Zuge eines allgemein aufkommenden Nationalgefühls sowie einem bewussten Hang zu einem mystischen Naturerleben, w urde der Weg zu einem braunen Okkultismus geebnet. Wegweisend dafür war die von Helena P. Blavatsky (1831-
7 http://www.asatru.de/lp_bekenntnis.htm,vom 20.01.2004
8 Dr.Matthias Pöhlmann, a.a.O.
9 http://www.rabenclan.de/praeambel.htm vom 15.01.2004
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Arbeit zitieren:
Berit Schmaul, 2004, Neuheidnische Gruppen und Esoterik - Okkultes Denken bei Rechtsextremen, München, GRIN Verlag GmbH
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