Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung. 3
1. Novellenbegriff Storms 6
2. Storms Einstellung zum Christentum und zu der Kirche im Kontext der
Novelle „Der Schimmelreiter 8
3. Biographischer Hintergrund zum Schreiben der Novelle „Der
Schimmelreiter 11
4. Der Arbeitsprozess an der Novelle 14
4.1 Theodors Storms Briefwechsel. 15
4.2 Quellen zum Stoff der Novelle „Der Schimmelreiter 24
4.3 Sagen aus Schleswig-Holstein. 25
4.4 Die Deichsage. 27
4.5 Die historischen Persönlichkeiten in der Novelle. 29
4.6 Historische Ereignisse 33
4.7 Historische Orte 36
5. Die Arbeit am Novellenschluss 39
5.1 Der ursprüngliche Schluss 40
5.2 Der heutige Novellenschluss 42
6. Die Rezeption der Novelle 44
7. Zusammenfassung 47
8. Literaturverzeichnis 49
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0. E Einleitung 0
„Er ist ein Meister, er bleibt.” (Thomas Mann)
Theodor Storm - ein berühmter deutscher Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, dessen Arbeiten heute noch aktuell sind.
Seine Werke sind nicht nur in Deutschland bekannt, die sind auch in viele Sprachen übersetzt. Er schrieb nicht nur Gedichte, sondern auch Novellen. Seine letzte Novelle ist „Der Schimmelreiter” ( 1888 ), die zu seinen besten Novellen gehört und auch als Meisternovelle genannt wird. In der Novelle ist die Rede von Hauke, dem Sohn eines armen Marschbauern. Von früh an interessiert er sich für Literatur, Mathematik und den Deichbau.
Später verliebt sich Hauke in Elke, die Tochter des Deichgrafen. Als der Deichgraf stirbt, heiraten sich Elke und Hauke. Als er seinen Traum fast verwirklicht hatte, kam ein Unglück. Es kam zur Katastrophe, die Haukes Schicksal als eines Schimmelreiters für immer besiegelte. Als Storm diese Novelle zu schreiben anfing, war er im hohen Alter und von tödlicher Krankheit betroffen. Er las viele historische Texte, besuchte Deiche. Schon in der Kindheit hat er die Sage vom Schimmelreiter kennengelernt und um sich rumgetragen, bis er den passenden Moment gefunden hat, um diesen Stoff aufs Papier zu bringen. Das Ziel dieser Arbeit ist, die Entstehungsgeschichte der Novelle „Der Schimmelreiter” von Theodor Storm zu verfolgen. Die Literaturforscher sind nicht einer Meinung, wie eigentlich die Novelle entstanden ist. Immer wieder tauchen neue Dokumente auf, die Theorien der Wissenschaftler bestreiten.
Um das Ziel zu erreichen, werden in der Arbeit konkrete Aufgaben gestellt. Die wichtigste Aufgabe von allen war die wichtigen Stoffquellen, die Storm für sein Werk selbst benutzt hat, zu untersuchen.
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Am Anfang der Arbeit wird der Novellenbegriff Storms dargelegt. Es wird erklärt, was für ihn selbst der Begriff „Novelle” bedeutet. Das Schreiben von Novellen war für ihn keine selbstverständliche Sache. Für Storm war es mehr eine Kunst, sowie für einen Maler ein Bild zu malen.
Weiter, in dem nächsten Kapitel wird Storms Einstellung zum Christentum und zu der Kirche im Zusammenhang mit der Novelle dargeboten. Hier werden mehr die Gedanken des Wissenschaftlers Jackson vorgestellt. Es wird nicht nur das Verhältnis Theodor Storm zur Religion betrachtet, sondern auch die Rolle des Christentums in seinem Werk. Das dritte Kapitel dieser Arbeit widerspiegelt den biographischen Hintergrund zum Schreiben der Novelle. Man kann hier erfahren, wie die Idee der Novelle entstanden ist, wie er die Materialien zusammengestellt hat, trotz seiner Krankheit. Die letzten Jahre litt Storm an Magenkrebs. Es verlangte viel Kraft und Energie von dem Verfasser, um seine letzte Arbeit zu beenden.
Das vierte Kapitel dieser Arbeit ist das wichtigste, denn in dem die Entstehungsgeschichte der Novelle vorgelegt wird. Hier wird der Briefwechsel zwischen ihm und seinen Freunden und der Familie widerspiegelt. Weiter werden noch die Quellen zum Stoff der Novelle „Der Schimmelreiter”, Sagen aus Schleswig - Holstein, die Deichsage, die historischen Persönlichkeiten in der Novelle, historische Ereignisse und historische Orte betrachtet.
Das fünfte Kapitel gibt die Auskunft über den Novellenschluss. Es bestehen zwei Varianten, die sehr verschieden sind. Die Aufgabe der Untersuchung dieses Kapitels ist die beiden Novellen zu vergleichen und die Theorie auszuarbeiten, warum der Autor das Ende später anders konzipiert hat. Im sechsten Kapitel des Werkes wird die Rezeption der Wissenschaftler wiedergegeben. Sie heißen Laage, Bötger, Huyssen.
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Forscher sind der Meinung, dass ein Mensch ohne Gesellschaft nicht exsistieren kann. Wenn man ein Außenseiter ist, geht man früher oder später verloren.
In der Zusammenfassung werden die behandelten Fragen dieser Arbeit aufgezählt und die Ergebnisse der Untersuchung vorgelegt.
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1. N Novellenbegriff S Storms 1
Storms Novellentheorie lässt sich nicht verallgemeinern; sie ist in enger Verbindung mit der dichterischen Praxis und als Ausdruck eines individuellen künstlerischen Temperaments und eines ganz persönlichen Lebensgefühls entstanden. (Goldammer 1990, 175) „Der Ausdruck Novelle bezeichnet für Storm zuallererst eine hohe literarische Qualität. Zu heftigstem Zorn konnte er gereizt werden, mitunter auch zu peinlich unsachlicher Polemik, wenn er irgendwo Anzeichen für eine Geringschätzung dieser Gattung wahrzunehmen meinte.” (Goldammer 1990, 176)
Für Storm war das Schreiben von Novellen keine formale schriftstellerische Übung, sondern die anspruchsvollste Tätigkeit des gestaltenden Künstlers. Die Novelle „Der Schimmelreiter” schrieb Storm 1881, wie sie sich in neuerer Zeit, besonders in den letzten Jahrzehnten ausgebildet hat und jetzt in einzelnen Dichtungen in mehr oder minder vollendeter Durchführung vorliegt, eignet sich zur Aufnahme auch des bedeutendsten Inhalts, und es wird nur auf den Dichter ankommen, der auch in dieser Form das Höchste der Poesie geleistet hat.
„Die heutige Novelle ist die Schwester des Dramas und die strengste Form der Prosadichtung. Gleich dem Drama behandelt sie die tiefsten Probleme des Menschenlebens; sie duldet nicht nur, sie stellt auch die höchsten Forderungen der Kunst vor. Nicht wenige der Stormischen Novellen sind Rahmenerzählungen. Boccaccio (-im „Decamerone”), Goethe (in den „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten”) und Wieland (-im „Hexameron von Rosenhain”) hatten diese Form dazu benutzt, eine Gruppe von Menschen zusammenzuführen, die einander „Novellen”, dass heißt Neuigkeiten, kurze merkwürdige Geschichten erzählten. Später diente dann manchmal, zum Beispiel bei Keller, die Rahmenhandlung dazu mehrere thematisch verwandte Erzählungen zu einem Zyklus zu verbinden, so dass als Ersatz für epische Totalität, die in der kleinen Form nicht möglich ist, wenigstens eine gewisse Vielfalt innerhalb des locker zusammengefügten Ganzen erreicht werden konnte. In beiden Fällen hat der Rahmen eine
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Zyklenbildende Funktion. Bei Storm dagegen erfüllt er einen ganz anderen Zweck. Indem der Dichter zwischen sich und den Lesern einen fiktiven Erzähler treten lässt (oder eine fiktive Chronik aufschlägt), begibt er sich seiner erzählerischen Allwissenheit und beschränkt den Umfang des Erzählbaren auf ein durch die Person des Erzählers (oder Chronisten) bestimmtes Maß.” (Goldammer 1990, 176)
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Kontext d der N K
Es gibt viele Studien und Forscher, die sich mit Storms religiösen Anschauungen befassen und deren Auswirkungen in seinen Werken realisieren. Ich werde in meiner Arbeit hauptsächlich Leistungen eines Forschers heraussondern - David A. Jacksons Vortrag „Storms Stellung zum Christentum und zur christlichen Kirche.” Nach einem Brief an Emil Kuh konnen wir lesen, dass Storm sehr frei erzogen war. Die Eltern haben sehr wenig oder fast nie über Religion gesprochen, Storm konnte selbst wählen, zur Kirche zu gehen, oder nicht zu gehen. „Erzogen wurde wenig an mir; aber die Luft des Hauses war gesund; von Religion oder Christentum habe ich nie reden hören; ein einzelnes Mal gingen meine Mutter oder Großmutter wohl zur Kirche, oft war es nicht; mein Vater ging gar nicht, auch von mir wurde es nicht verlangt. So stehe ich dem sehr unbefangen gegenüber; ich habe durchaus keinen Glauben aus der Kindheit hier, weiß also auch in dieser Beziehung nichts von Entwicklungskämpfen; ich staune nur mitunter, wie man Wert darauf legen kann, ob jemand über Urgrund oder Endzweck der Dinge dies oder jenes glaubt oder nicht glaubt.” (Coghlan, Laage 1989, 42) Diese Theodors Storms Äußerung widerspiegelt „antichristliche Gesinnung” der 1870er Jahre.” (Coghlan, Laage 1989, 43) In der Novelle „Der Schimmelreiter” werden Themen und Motive, der früheren Werken zu einer Struktur zusammengefügt. David Jackson schreibt: „Gerade diese Zugehörigkeit des Werkes zu einer langen Tradition gilt es zu erkennen; denn seit der angeblich „werkimmanenten” Deutung des Storm-Außenseiters wird oft behauptet, dass sich die rational aufgeklärte Seite von Storms Wesen im Standpunkt des Schulmeisters kundgibt, während eine andere dem Volks - Aberglauben, ja allem Paranormalen aufgeschlossene Seite eine alternative Fassung der Geschichte gebiert.” (Coghlan, Laage 1989, 93)
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Storm führt Hauke Haien am Ende der Novelle in den Tod „von Strafe, Buße und erhoffter göttlicher Gnade.” (Coghlan, Laage 1989, 94)
Storm hat Hauke Haien als Menschen dargestellt, der trotz aller Hinderdnisse und des gesellschaftlichen Verachtens an sich selbst und seiner Arbeit glaubt, und darüber kämpft. In den Szenen am Deich zwischen Hauke Haien und seiner Tochter zeigt Storm das letztes Mal: „die primitiven Denkprozesse der Menschen in ihrer Kindheit, außer dem leiblichen Vater, der leiblichen Mutter und den Mitmenschen kein Wesen gibt, das die Menschen liebt, schützt und lenkt.” (Coghlan, Laage 1989, 94) „Still, Kind, du bist bei deinem Vater; Wasser tut dir nichts!” (Storm 1981, 405), und noch eine Szene aus dem „Schimmelreiter”: „Nein, Wienke; dafür paßt dein Vater auf, er ist der Deichgraf.” (Storm 1981, 406) In dieser Szene zeigt Storm sehr deutlich das Verhältnis zwischen dem Mann und der Frau und die Liebe in diesem Fall zwischen Hauke Haien und Elke und dem Kind Wienke. Elke gibt Stärke und unterstützt Hauke Haien, ohne seine Frau wäre er kein Deichgraf und die Deichen wären nie gebaut. Literaturwissenschaftler Jackson schreibt: „Zum Wiederholtem Mal zeigt Storm, wie Leiden, Einsamkeit, Alter und Tod durch reines Menschentum, durch Liebe, Pflege und Trost und praktische Maßnamen zu heilen oder zu lindern sind. Humanistische Menschenliebe steht hier im Vordergrund.” (Coghlan, Laage 1989, 95)
Der eigentliche Höhepunkt der Novelle, wie Coghlan denkt, ist die Szene zwischen Hauke und Elke, in welcher sie über ihr schwachsinniges Kind reden, und nicht der dramatische Untergang des Hauke Haiens, wie viele denken.
„Er hatte auch die andere Hand seines Weibes gefasst und zog sie sanft zu sich heran: „Laß dich nicht irren, dein Kind, wie du es tust, zu lieben; sei sicher, das versteht es!” Da warf sich Elke an ihres Mannes Brust und weinte sich satt und war mit ihrem Leid nicht mehr allein.” (Storm 1981, 407)
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In diesem Fall konnte man das Kind als Gottesstrafe betrachten, weil es schwachsinnig zur Welt kam, aber es gelingt den Eltern, das Kind so zu akzeptieren und lieben, wie es zur Welt kam. Diese starke Liebe zwischen Hauke Haien und Elke geben Kraft und Stärke, das Kind nicht als Gottesstrafe zu sehen und keine Schuld in sich selbst zu suchen. Von vielen Kritikern wird behauptet, dass Hauke Haien selbst schuldig war, weil er den Kontakt zu den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft verliert und das Unheil auf sich selbst und auf die Gemeinschaft holt. Die meisten Menschen der Gemeinde werden in der Novelle als „selbstsüchtige, bornierte Gestalten” beschrieben. Gerade in dem Moment, wenn sich Hauke durch die Krankheit geschwächt fühlt, begeht er seine Schuld: er sündigt gegen sein Verantwortungsgefühl sich selbst, seinem Amt und der Gemeinshaft gegenüber. Die nicht gemachten Reparaturen, aber nicht die Strafe Gottes führen zum Deichbruch, und in diesem Fall könnte Hauke Haiens Tod nicht mehr als eine Gottesstrafe gesehen werden. Hauke stürzt in den Fluten nur dann, wenn er sich vergewissern hat, dass das Dorf sicher ist. Er kann kein Leben ohne seine Frau Elke und seine Tochter Wienke vorstellen. „Die starren Augen des Reiters, der so einsam auf dem Deiche hielt, sahen weiter nichts. „Das Ende!” sprach er leise vor sich hin; dann ritt er an den Abgrund, wo unter ihm die Wässer, unheimlich rauschend, sein Heimatdorf zu überfluten begannen; noch immer sah er das Licht von seinem Hause schimmern; es war ihm wie entseelt. „Vorwärts!” rief er noch einmal, wie er so oft zum festen Ritt gerufen hatte: „Herr Gott, nimm mich; verschon die andern!” (Storm 1981, 428) „Nicht Haukes Selbstaufopferung und grauenvoller Tod, sondern sein tatkräftiges Leben bringt die Menschen weiter. Einen anderen Erlöser gibt es nicht”, so schreibt Jackson in seinem Vortrag über Theodor Storm. (Coghlan, Laage 1989, 96)
Im Aberglauben der Bevölkerung lebt der Deichgraf als Spukgestalt weiter, die bei drohender Sturmflut immer auf einem Schimmel reitend erscheint.
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Arbeit zitieren:
Evita Diedrika, 2004, Person und Werk: zu entstehungsgeschichtlichen Tatsachen der Novelle von Theodor Storm 'Der Schimmelreiter', München, GRIN Verlag GmbH
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