I Einleitung S. 1
II Hauptteil S. 2
III Schlussbetrachtung S. 14
Quellen- und Literaturverzeichnis S. 16
I Einleitung
Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 7. bzw. 9. Mai 1945 stand die deutsche Bevölkerung vor einem Trümmerhaufen. Die Städte waren zerstört, die Industrie war zusammengebrochen, die politische Ideologie war besiegt worden und über die Zukunft bestimmten die Sieger. Aus dieser für viele ausweglosen Situation und aus dem Trümmerfeld heraus ist es gelungen eine gefestigte Demokratie und eine leistungsfähige Wirtschaft aufzubauen, womit es möglich war den Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben und Deutschland wieder in die Weltge meinschaft zurückzuführen.
Die vorliegend Arbeit hat zum Schwerpunkt die „Wirtschaftspolitik in Deutschland nach 1945 bis 1949“. Die Wiedererrichtung der Wirtschaft war in dieser Zeit ein zentrales Anliegen der alliierten Westmächte, vor allem der amerikanischen Besatzungsmacht. Sie wäre ihnen aber ohne die Unterstützung deutscher Politiker und Wissenschaftler nicht möglich gewesen, die ihr Können und ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellten, um Deutschland eine demokratische und unabhängige Zukunft zu ermöglichen. Ich möchte mich in dieser Arbeit im wesentlichen auf Ludwig Erhard beschränken, der eine herausragende Rolle in diesem Prozess spielte. Viele Menschen in Deutschland verbinden mit dem Namen Ludwig Erhard die „Soziale Marktwirtschaft“ und das „Wirtschaftswunder“. Ich möchte aufzeigen, welche Rolle Ludwig Erhard in den Gründerjahren der Bundesrepublik Deutschland spielte, und warum sein Wirken eine so große Bedeutung für diese Zeit hatte. Um ein abgerundetes Bild zu erreichen, kommt man nicht umhin die Gründzüge der Wirtschaftspolitik der CDU/CSU von 1945 bis 1949 zu betrachten und den Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ näher zu erläutern.
Die Darstellung b ezieht sich auf das Gebiet der amerikanischen und britischen Zone, welches der Ausgangspunkt der Entwicklungen war. Die französische Zone wird in der Darstellung nicht berücksichtigt. Die sowjetische Besatzungszone wird ebenfalls nicht betrachtet, weil sie unter einem anderen, ideologisch diametral entgegengesetzten Einfluss stand.
Die Konzentration auf eine Person verdeckt die Tatsache, dass die Entwicklungen in der Wirtschaft ab 1945 wesentlich komplexer waren, als dass sie von einer einzelnen Person hätten erfolgreich durchge führt werden können. Ferner steht Ludwig Erhard in der Forschung immer im Schatten Konrad Adenauers und trat erst in den letzten Jahren aus diesem heraus, so dass es nicht sehr viele fundierte wissenschaftliche Untersuchungen über ihn und seinen Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft gibt. Aber das Buch von Gerold Ambrosius „Die Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft in Westdeutschland 1945-1949“ ist eine
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grundlegende und gute Aufarbeitung der Ent wicklungen. Ambrosius Darstellung ist die einzig mir bekannte, die sich nur auf die wirtschaftlichen Entwicklungen in der Bizone von 1945 bis 1949 bezieht. Ein weiteres Werk ist die Biographie „Ludwig Erhard - Der Nationalökonom als Politiker“ von Volkhard Laitenberger. Ihm ist es ge lungen in prägnanter Form das Schaffen, die Leistung und die Persönlichkeit Erhards darzustellen. Im Verlauf dieser Arbeit sollen folgende Leitfragen beantwortet werden: Wer war Ludwig Erhard? Was sind die Kernpunkte der sozialen Marktwirtschaft? Welche Rolle spielt die CDU/CSU? Wie ha ben diese drei Komponenten zueinander gefunden? Ist der Einfluss Erhards wirklich so groß gewesen, wie er immer dargestellt wurde und ist er der einzige Vater des westdeutschen Wohlstands in der Nachkriegszeit ?
II Hauptteil
1. Die wirtschaftliche und soziale Situation in Deutschland nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Deutschland
Am 8. Mai 1945, dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkrieges, lag Deutschland in Schutt und Asche. Die Zerstörung betraf alle Bereiche des öffentlichen Lebens und hatte vielerlei Ursachen. Teilweise erklärten sie sich durch die Bombenangriffe der Alliierten, hinzu kamen die Zerstörungen durch die Bodenkämpfe und die Selbstzerstörungsmaßnahmen von deutscher Seite. 1 Besonders betroffen waren große Städte, ihre Zentren und Wohnviertel, am häufigsten Berlin mit 29 Großangriffen. Aber auch Angriffe auf Städte wie Dresden, Dessau, Potsdam u.a. zeigten, dass kurze, aber schwere Bombardements ausreichten, um große Verwüstungen anzurichten. 2
Die Bombenangriffe der Alliierten verwüsteten die Kriegsindustrie nicht in dem gewünschten Maße. Die Zivilbevölkerung und Verkehrswege wurden sieben mal öfter von Angriffen heimgesucht als die Industrieanlagen. 3 Zum Zusammenbruch der Industrie, Ende 1944/ Anfang 1945, kam es nicht durch die Bombardements, sondern durch die Zerstörungen der Transport- und Verkehrssysteme, über die deutsche Industrie mit Energie und Rohstoffen versorgt wurde. Nach dem Krieg waren von den 13 000 km Straßennetz der britischen Zone noch 1 000 km befahrbar, bis auf eine waren alle Rheinbrücken vernichtet, Wasserwege und die Häfen waren durch Wracks und Trümmerteile blockiert und das Netz der Reichsbahn war weitestgehend zerstört, über das vor dem Krieg zwei Drittel aller Gütertransporte abgewickelt
1 Vgl. Winfried Halder, Deutsche Teilung - Vorgeschichte und Anfangsjahre der doppelten Staatsgründung, aus
Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert, Hrsg. Frank-Lothar Kroll und Ernst Piper, 1. Auflage, Zürich 2002,
S. 97.
2 Ebenda. S. 97.
3 Vgl. Werner Abelshauser, Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland 1945-1980,1. Auflage,
Frankfurt am Main 1983, S.21.
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wurden. 4 Diese Zerstörungen waren ein Hindernis für den Wiederaufbau der Wirtschaft und der Grund für den Zusammenbruch der Wirtschaft.
Ein großes Problem stellte die Versorgung dar, was die deutsche Bevölkerung erst nach Kriegsende zu spüren bekam. Die Ursachen für den Zusammenbruch lagen vor allem in der Abtrennung der Ostgebiete, wie dem Sudetenland, der Verschiebung der Ostgrenze an die Oder-Neiße-Linie und der Abtretung Ostpreußens an die Sowjetunion. Nach Beendigung des Krieges wurden diese Gebiete unter Kontrolle der russischen Besatzungsmacht gestellt. Damit gingen 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche verloren, 5 mit der eine ausreichende Versorgung vor und während des Krieges möglich war. Es mussten jetzt mit verkleinerter Anbaufläche annähernd die gleiche Bevölkerungszahl versorgt werden, hinzu kamen Ernteeinbusen durch Kriegseinwirkungen, so dass nur noch 50 bis 60 Prozent der Normalernte eingebracht wurde. 6 Dadurch kam es zu einer Unterversorgung. Die Alliierten aller Zonen behielten die Lebens mittelrationierung bei, wie sie auch schon im Dritten Reich bestanden hatte. Hinzu kam eine Kalorienbegrenzung. Hier lag die amerikanische Zone mit 1330 Kalorien pro Tag und Person an der Spitze und die französische mit 900 Kalorien pro Tag und Person am unteren Ende. 7 Der Durchschnittsbedarf eines nicht schwer arbeitenden Menschen lag bei 2000 Kalorien pro Tag. Wenn man bedenkt, dass viele Frauen und Männer damals schwerste körperliche Arbeit verrichtet haben, ist zu erkennen, wie negativ sich die Ernährungslage darstellte. Genauso schlecht sah es mit Wohnraum aus. Viele Wohnungen waren Ruinen und nicht mehr bewohnbar. Schwer getroffen hatte es die Städte des Ruhr- und Rhein-Main- Gebiets, die norddeutschen Küstenstädte und die industriellen Zentren Mitteldeutschlands. 8 Die Wohnungsfrage stellte über Jahre hinweg ein ungelöstes Problem dar und konnte erst in den fünfziger Jahren annähernd gelöst werden. 9 Das Wohnungsproblem wurde noch verschärft durch Millionen von Flüchtlingen aus den Ostgebie ten, die überwiegend in die sowjetische, amerikanische und britische Zone gelangten. Die franzö sische Besatzungszone weigerte sich in den ersten Monaten nach dem Krieg Flüchtlinge aufzunehmen. Anfangs schickten die Behörden die ankommenden Menschen aufs Land, wo es noch unzerstörten Wohnraum gab, aber man kam nicht umhin, Auffanglager zu schaffen. Diese Lager blieben bis in die
4 Vgl. Christoph Klettmann, Die doppelte Staatsgründung - Deutsche Geschichte 1945-1955, Bonn 1991, 5.
Auflage, S.45.
5 Vgl. Christoph Klettmann, a.a.O., S.48.
6 Ebenda. S. 48
7 Vgl. Winfried Halder, Deutsche Teilung, S. 111.
8 Vgl. Christoph Klettmann, a.a.O., S. 52
9 Anm: Bis 1956 erreichte man eine Steigerung des Wohnraums um 35 % gegenüber 1950 (ohne
Westberlin); Vgl. Klettmann, Die doppelte Staatsgründung S. 494
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Nadine Mahnecke, 2004, Einführung der Sozialen Marktwirtschaft und der Einfluss Ludwig Erhards, München, GRIN Verlag GmbH
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