Karikaturen und politische Lieder in der Revolution 1848/49
von: Jürgen Bader
Inhaltsverzeichnis
1. Das politische Lied in allgemeiner Betrachtung Seite 3
2. Die Karikatur in allgemeiner Betrachtung Seite 4
3. Lied und Karikatur im Revolutionsverlauf Seite 5
3.1. Das politische Lied in der Revolution 1848/49 Seite 5
3.1.1. Untersuchung an 3 verschiedenen Liedern Seite 6
3.2. Die Karikatur in der Revolution 1848/49 Seite 8
3.2.1. Untersuchung an 5 verschiedenen Karikaturen Seite 9
4. Die Bedeutung von Lied und Karikatur für die Revolution 1848/49 Seite 14
5. Literaturverzeichnis Seite 16
1. Das politische Lied in allgemeiner Betrachtung
Politische Lieder existieren schon so lange, wie es die Politik selbst gibt. Doch so heikel und problematisch die Beschäftigung mit Politik seit jeher empfunden wird, so heikel und problematisch gestaltet sich auch der Umgang mit den politischen Liedern. Deshalb wurde auch erst recht spät begonnen, nämlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sich ernsthaft mit politischer Dichtung auseinander zusetzen1. Den im Unterschied zu Akten oder Artikeln, beinhaltet ein Lied eben auch Gefühle des Menschen, dient der Animation Anderer und setzt sich zumeist über jegliche Verstandsgrenzen hinweg. So wurden politische Lieder schon immer entweder für einen bestimmten Zweck gebraucht oder eben für einen Zweck missbraucht. Entweder als Auflehnung gegen bestehende politische Systeme, wie in der Revolution 1848/49, oder als Mittel der Legalisierung und Stabilisierung des schon bestehenden Systems, wie in der Zeit des Nationalsozialismus oder zum Teil auch durch den Sozialismus im ehemaligen Ostblock. So führt Wimmer in seiner Untersuchung über das historisch-politische Lied zunächst ein Zitat aus Goethes Faust an, dass das Verhältnis zum politischen Lied wiederspiegelt: „Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisches Lied, Ein leidig Lied“. 2 Doch in gleichem Maas, wie der Umgang problematisch ist, ist er doch auch zugleich sehr aufschlussreich über einen bestimmten Zeitabschnitt. Im Lied spiegeln sich eben nicht nur die reinen Fakten über eine Epoche oder ein Ereignis wieder, sondern wie schon erwähnt, die Gefühle der Menschen. Hier können wir erahnen, wie es den Menschen in jener Situation ergangen ist, was sie gefühlt haben und wie die Situation von ihnen wahrgenommen wurde. Handelt es sich um ein Lied der politischen Führung, kann man sehen, mit welchen Mitteln, zum Teil erfolgreich, man denke nur an das Lied der HJ von Baldur von Schirach „Unsre Fahne flattert uns voran“, versucht wurde, der Bevölkerung propagandistisch, Ziele und Aktionen der Herrschenden nahe zu bringen. Dadurch, dass politische Lieder zumeist einen sehr einfachen Aufbau haben, erreicht ihre Botschaft fast alle Bevölkerungsschichten. Durch die oftmals überspitzte Darstellungsweise wird die Botschaft auch für den einfachen, wenig gebildeten Menschen verständlich, d.h. das politische Lied kann entweder von einer breiten Masse als gemeinsames Kampfmittel eingesetzt werden oder eben auch von einem herrschenden System für die gesamte Bevölkerung missbraucht werden. Politische Lieder werden seit jeher ganz bewusst als Propagandamittel eingesetzt und solange es die Politik gibt, solange wird es auch das politische Lied geben. Jedoch hat das politische Lied in der Bundesrepublik Deutschland derzeit eher eine Randrolle inne, bedingt zum einen durch die vorherrschende Politikverdrossenheit3, zum anderen durch die Distanz, die zum politischen Lied seit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland besteht. Diese wurde durch den Missbrauch der sozialistischen Führung der DDR, sogar noch verlängert. Einzig während der Zeit der Studentenunruhen Ende der 60er Jahre erlebte das politische Lied eine große Renaissance.4
2. Die Karikatur in allgemeiner Betrachtung
Die Karikatur, abgeleitet vom lateinischen „caricare“ überladen übertreiben, stellt ein wichtiges Mittel, im Umgang mit Ereignissen, gleich ob politischer oder anderer Natur, dar. Dabei wird ein Ereignis im Form eines Bildes karikiert. Damit aber aus der Zeichnung eine Karikatur wird, muss sie mehrere Merkmale erfüllen. Es muss auf jeden Fall ein Realitätsbezug zum gezeichneten vorhanden sein. Erst durch den Realitätsbezug wird die Zeichnung verständlich. Der Betrachter erkennt, welche Aussage der Karikaturist mit seiner Zeichnung machen möchte. Als weiteres wichtiges Definitionsmerkmal gilt die Übertreibung bzw. Verfremdung, die den Betrachter oftmals zum Lachen bringt. John Gilbert Bohun Lynch formulierte dies 1927 folgendermaßen: „Die Karikatur ist ein Porträt oder eine künstlerische Darstellung, in der die charakteristischen Züge des Originals übertrieben sind, woraus ein Lacheffekt entsteht.5 Dabei darf der Lacheffekt aber nicht zu den wesentlichen Definitionsmerkmalen gezählt werden, denn wer über was lacht, hängt ganz von der Person des Betrachters ab. Dagegen, wie schon aus dem lateinischen abgeleitet, gehört der Übertreibungs- bzw. manchmal der Verzerrungseffekt, eindeutig zum Merkmal einer Karikatur. Auch in den nachfolgenden Beispielen wird dies, zum Bespiel durch dem im Spiritusglas sitzenden Reichsverweser Erzherzog Johann oder den drei Professoren, deutlich. Das Reale wird bewusst an einigen Punkten so abgeändert und an anderen weggekürzt, dass das entstehende Bild eine eindeutige Aussage abgibt und zwar die Aussage, die der Zeichner geben möchte.
[...]
1 Vgl. Wimmer, Fridolin, 1994: Das historisch-politische Lied im Geschichtsunterricht. Exemplifiziert am Einsatz von Liedern des Nationalsozialismus und ergänzt durch eine empirische Untersuchung über die Wirkung dieser Lieder. Frankfurt am Main: Peter Lang, S.14.
2 Vgl. von Goethe, Johann Wolfgang: Faust. Der Tragödie erster Teil. Vers 2092f.
3 Wimmer: S.20.
4 Ebenda: S.18f.
5 Vgl. Bohun Lynch, John Gilbert, 1927: A history of caricature. Boston
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Jürgen Bader, 2001, Karikaturen und politische Lieder in der Revolution 1848/49, Munich, GRIN Publishing GmbH
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