lem aber, wurde die Forderung nach einer überregionalen Sprache und Schrift nun von einer breiten Masse unterstützt. Des weiteren benötigten die Kanzleien des neu geeinten Deutschen Reiches eine Sprache die in allen deutschen Landen verstanden wurde. Schließlich sollten die Verordnungen Kaiser Maximilians I. möglichst Viele erreichen. So entstand durch die Sprachmischungen und mit der Kanzleisprache als Basis eine erste überregionale deutsche Sprache, die neuhochdeutsche Sprache. Die Erfindung des Buchdrucks etwa 1445, trug wesentlich zur Ausbreitung und Erlernung der neuhochdeutschen Sprache bei. Denn die Buchdrucker wollten ihre Bücher natürlich überregional verkaufen und unterstützten daher die Verbreitung der neuhochdeutschen Sprache als Grundlage für eine überregionale Schrift. Auch Martin Luther half, die neuhochdeutsche Sprache zu etablieren, da er sie für seine Bibelübersetzung nutzte. Er bemühte sich um möglichst volksnahen Ausdruck und trug dazu bei, dass die neuhochdeutsche Sprache bekannt wurde und als Vorbild für gutes Deutsch galt. Diese beiden historischen Begebenheiten, sowohl der Buchdruck als auch Martin Luthers Übersetzungen, waren entscheidend dafür, dass die neuhochdeutsche Sprache keine Kanzleisprache blieb, sondern vom Volk gekannt und benutzt wurde - wenn auch noch nicht von Jedermann.
Die Existenz einer überregionalen Sprache hatte zur Folge, dass immer mehr Geschäftsbriefe, amtliche Schreiben und Urkunden in dieser abgefasst wurden. Der Buchdruck wiederum sorgte, wie beschrieben, für eine rasche Verbreitung. Dies zog mit sich, dass immer mehr Menschen anfingen zu schreiben, also nicht mehr nur der Adel und Klerus, sondern auch normale Bürger. Doch welche Auswirkung hatte diese sprachgeschichtliche Entwicklung auf die Entwicklung der Rechtschreibung? Nun, es kam zu einer Art „Verrohung“ der Schrift dadurch, dass nicht länger nur Leute schrieben, die es auch wirklich erlernt hatten. Und mit dieser „Verrohung“, welche im Folgenden noch gena uer beschrieben wird, wurden die Grundsteine für die heutige, doch recht komplizierte Rechtschreibung gelegt.
Auf Grund der Tatsache, dass es noch immer keine Rechtschreibregeln gab, sondern lediglich der Grundsatz galt „schreibe wie du sprichst“, entstanden zu dieser Zeit viele neue Wortbildungen. Denn die Schrift hatte nicht mehr nur kommunikativen Charakter,
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sondern galt auch als Indiz für die Kreativität des Schreibers. So erschienen für ein „o“ die Grapheme „ô, o, ö, oe“ oder für ein lang gesprochenes „i“ die Grapheme „i, ii, ij, y, y“. Das heißt, jeder konnte seine eigene Orthographie entwickeln und schreiben, wie er es für richtig erachtete. Auch Martin Luther schrieb in seinem 1522 veröffentlichten „Bettbuchlin“ auf einer Seite ein Wort in vier Varianten: „zweifel“, „zweiffel“, „zweyffel“ und „zweivel“.
Im 17. Jahrhundert gipfelte diese Entwicklung darin, dass sich jeder, der etwas auf sich hielt, mit Sprache und Schrift beschäftigte. Besonders beliebt waren vor allem Konsonatenhäufungen.
Bsp: - man schrieb also nicht „scharf“, sondern „scharff“ oder gar „scharrff“.
- „fünfzig“ wurde zu „fünnftzig“ oder „funffczig“
- „und“ war viel zu herkömmlich, man schrieb „unnt“ oder „unndt“, wenn man beeindrucken wollte.
Als Begründung für die Schreibweisen wurde oftmals die Ästhetik genannt. Worte wie „mon“ oder „hon“ erhielten ein „Blickfang- h“ um sie nicht zu „mager“ erscheinen zu lassen. Aus dem selben Grund entstand damals auch die dt-Schreibung, für die es keinerlei historische Begründung gibt, sie entstand allein aus ästhetischen Gründen. Bsp: man fand es schlichtweg schöner, anstelle von „walt“ oder „stat“, „waldt“ oder „stadt“ zu schreiben.
Ein weiterer Grund für die Ausbreitung der Konsonantenhäufung war aber auch, dass die Buchdrucker nach Lettern bezahlt wurden und das Interesse natürlich dementsprechend groß war, möglichst viele Buchstaben in einem Wort unterzubringen. Derartige Entwicklungen zu unterbinden, war also nicht im Sinne der Buchdrucker, sie wurden im Gegenteil noch von ihnen gefördert. Da die Autoren relativ wenig Einfluß auf die Rechtschreibung in ihren Werken hatten, konnten Setzer und Drucker ihre ganz eigenen Vorstellungen der Schrift entwickeln und verwirklichen.
Heute mag man über solche Spielereien schmunzeln, doch gerade sie waren es, die zur großen Uneinheitlichkeit in der heutigen Rechtschreibung geführt haben. Eine Schrift
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ist relativ starr, sie hat nicht die Flüchtigkeit der gesprochenen Sprache. Das einmal schriftlich Fixierte bleibt oft über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg fest und macht den Wandel der gesprochenen Sprache nicht oder nur teilweise mit. Bsp: Die Wörter „lieb“ und „sieden“ wurden ursprünglich mehrsilbig ausgesprochen (li-eb, si-eden). Im Laufe der Zeit entwickelte sich nun aus dem „i-e“ ein einsilbiges „i“. Das „e“ wurde jedoch beibehalten, obwohl es seine eigentliche Funktion verloren hatte und fungierte nun als „Dehnungs-e“.
Andererseits erhielten aber Wörter ein „Dehnungs-e“, bei denen keinerlei historische Begründung vorlag, wie das Wort „Sieb“, welches man ursprünglich „sip“ schrieb.
Auch in den Wörtern „stahl“ und „gemahl“, wurde das „h“ gesprochen (sta-hel, gema-hel) und später als es seine lautliche Funktion verloren hatte, beibehalten. Im Bereich der Dehnung, also bei der Kennzeichnung langer Vokale, herrschten überhaupt recht große Inkonsequenz und Willkür. Mal wurde die Dehnung eines Vokals gar nicht angezeigt, dann wieder durch ein „h“ und ein anderes Mal durch Verdopplung des Vokals.
Bsp: - „schwer“, „ sehr“ oder „ Teer“
Man sieht also, dass sich die Schrift aufgrund der bereits beschriebenen Modeerscheinungen und den oben genannten Beispielen immer mehr vom eigentlichen Ideal der Lauttreue entfernte. Diese Entwicklung blieb natürlich nicht unbeobachtet und brachte die ersten Reformer hervor.
- Nikolas Wyle stellte 1478 erste Regeln für Orthographie und Interpunktion auf.
- Valentin Ickelsamer setzte sich 1527 für eine lauttreue Schreibung ein, ebenso wie Fabian Frangk in seiner Veröffentlichung „Orthographia“
- Johann Kolroß hingegen forderte, etwa zur gleichen Zeit, die ursprüngliche
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Arbeit zitieren:
Lucia Esther Momo Rita Müller, 2003, Die geschichtliche Entwicklung der deutschen Rechtschreibung - bis zur ersten orthographischen Konferenz, München, GRIN Verlag GmbH
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