Gliederung
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1. Einleitung 3
2. Das Frauenbild der Männer im Mittelalter 4
2.1. Die minderwertige Frau 4
2.2. Die gottergebene Frau 5
2.3. Die höfische Frau 6
3. Willehalms Frauenbild 7
3.1. Die Beziehung zu seiner Frau Gyburc 7
3.2. Die Beziehung zu seiner Schwester 9
3.3. Die Beziehung zu seiner Mutter Irmenschart 11
3.4. Die Beziehung zu seiner Nichte Alyze 12
4. Schlussbetrachtung 13
5. Bibliographie 14
5.1. Literaturquellen 14
5.2. Internetquellen 15
1. Einleitung
Die Gewalt des Mannes endet an der Schwelle des Raumes, in dem die Frauen ihre Kinder empfingen und gebaren, die Kranken pflegten und die Toten wuschen 1 . In diesem privaten Bereich, der auch als Rückzug in die Sexualität diente, schien die Frau die Macht zu haben. Doch für die mittelalterlichen Frauen zeigte das Leben außerhalb dieses Raumes andere Facetten.
Aufgabe dieser Arbeit soll es sein das Frauenbild Willehalms in Wolfram von Eschenbachs Roman zu untersuchen. Hierzu werde ich in Kapitel zwei zunächst darauf eingehen, wie die Frau im Mittelalter gesehen wurde und welche Rollen ihr zukamen. Dabei werde ich mich hauptsächlich auf die Zeit des hohen Mittelalters (von 1050 bis 1250) beschränken, da in dieser Epoche Wolfram von Eschenbach gelebt (um 1200) und den Willehalm verfasst hat 2 . Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Beziehungen Willehalms zu seiner Ehefrau Gyburc, seiner Schwester die Königin, seiner Mutter Irmenschart und seiner Nichte Alyze. Jede dieser weiblichen Figuren nimmt im Roman einen anderen Stellenwert ein und besitzt individuelle Eigenschaften. Dementsprechend zeigt Willehalm auch unterschiedliche Reaktionen. Neben einem kurzen Charakterabriss der vier Frauen möchte ich hauptsächlich das Verhalten Willehalms ihnen gegenüber näher beleuchten. Abschließend werde ich in Kapitel vier die Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal kurz zusammenfassen.
Die Materiallage zu diesem Thema gestaltet sich nicht sehr umfangreich. Während Gyburc in der Forschung bereits in zahlreichen Publikationen behandelt wurde 3 , geht die Sekundärliteratur nur sehr oberflächlich 4 oder gar nicht auf die anderen weiblichen Figuren ein.
1 Przybilski, Martin: Sippe und geslehte. Verwandtschaft als Deutungsmuster im „Willehalm“ Wolframs von Eschenbach, Reichert Verlag, Wiesbaden, 2000, S. 212.
2 Vgl.: Lutz, Bernd (Hrsg.): Metzler Autorenlexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1994, S. 868f.
3 Vgl.: Grenzler, Thomas: Erotisierte Politik - Politisierte Erotik? Die politisch-ständische Begründung der Ehe-Minne in Wolframs „Willehalm“, im „Nibelungenlied“ und in der „Kudrun“. Kümmerle Verlag, Göppingen, 1992, S. 55 - 63; Przybilski, Martin: Sippe und geslehte. Verwandtschaft als Deutungsmuster im „Willehalm“ Wolframs von Eschenbach, Reichert Verlag, Wiesbaden, 2000, S. 193 - 214; u.a.
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2. Das Frauenbild der Männer im Mittelalter
2.1. Die „minderwertige“ Frau
Dass die Frau im Mittelalter als minderwertig angesehen wurde, hat seinen Ursprung hauptsächlich in der christlichen Lehre aber auch in Aussagen von diversen Philosophen. Während sie für Aristoteles als Irrtum der Natur 5 galt, war die Frau für Thomas von Aquin nicht mehr als ein verfehlter oder unvollkommener Mann 6 . Theologisch wurde der niedere Status der Frauen mit ihrer biblischen Entstehungsgeschichte begründet. Sie wurde lediglich aus einer überflüssigen Rippe Adams erschaffen und wies demzufolge weniger Herz und Versta nd auf. Außerdem hatte Eva erstmals Lust in die Sexualität gebracht und war damit für den Sündenfall verantwortlich. Als Beweis hierfür sahen die mittelalterlichen Kirchenväter die Jungfräulichkeit aller Frauen an. Denn dies war eine Möglichkeit doch noch ein gottergebenes Leben zu führen. Indem die Frau ihr Leben lang die Jungfräulichkeit behält, sagt sie sich von dem Verhalten Evas los und hat ihre Chance auf Läuterung genutzt. Folglich galt Ehebruch als als Verrat am Mann und konnte sogar mit dem Tod bestraft werden 7 .
Dementsprechend wurden den Frauen zahlreiche negative Eigenschaften zugeschrieben. Sie galten als zänkisch und herrisch. Männer werden durch Frauen stets in Versuchung geführt. Außerdem wurde ihnen nicht erlaubt öffentlich Ämter zu begleiten, da sie zur eigenen Meinungsfindung unfähig seien und stets erzogen werden mussten, entweder durch den Vater oder später durch den Ehemann. Die wenigen gebildeten Frauen, die es zu damaliger Zeit gab, wurden als heimtückisch angesehen. Diese Sichtweise
4 Stevens, Sylvia: Family in Wolfram von Eschenbach’s Willehalm: miner mage triwe ist mir wol kount, Lang Verlag, New York, 1997, S. 73 - 75.
5 Bock, Gisela: Frauen in der europäischen Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, München, 2000, S. 14.
6 ebd., S. 14.
7 Vgl.: Hahne, Marlies: Normen und Formen des christlichen Frauenlebens In: Beer, Maria / Gisela Bücher / Marlis Hahne / Gudula Kähler / Irene Meurer / Irene Mosen: Frauen im Mittelalter, http://w3.uni-wuppertal.de/www/FB3/paedagogik/sagebiel/frauen_im_ma.pdf, 07.08.2003, S. 9ff.
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fand ihren Höhepunkt in den Hexenverfolgungen des späten Mittelalters 8 . Somit beschränkten sich die Aufgaben der Frau zumeist auf Häuslichkeit, eheliche Treue und Bewahrung der Keuschheit der eigenen Tochter 9 . Neben dem Geschlechterverhältnis war der erhebliche Altersunterschied ein wesentlicher Grund, weshalb sich die Frauen gegen ihre Ehemänner nicht durchsetzen konnten. Ländliche Mädchen wurden im Durchschnitt mit siebzehn Jahren, adlige Mädchen bereits mit dreizehn Jahren an viel ältere Männern verheiratet 10 .
2.2. Die „gottergebene“ Frau
Somit blieb der Frau im Mittelalter neben der Möglichkeit sich dem Mann unterzuordnen nur das Leben in einem Kloster. Dies wurde von den Kirchenvätern als Frömmigkeit gewertet, denn die Frau hatte somit nicht den Weg Evas, sondern den Weg Marias gewählt 11 . Für viele Frauen war es jedoch nur die Flucht vor einem erbärmlichen Dasein und die Suche nach Selbständigkeit außerhalb der Ehe 12 und weniger die religiöse Motivation. Denn schließlich hatten die Nonnen die Möglichkeit auf Bildung. Es wurde Latein gelehrt, Arznei hergestellt oder auch kreative Handarbeiten angefertigt 13 . Dennoch kann man Nonnen nicht als die emanzipierten Frauen des Mittelalters 14 bezeichnen. Denn zum einen waren ihnen auch im Kloster zahlreiche Einschränkungen auferlegt, wie z.B. das Verbot Messen zu hören oder Predigten zu halten 15 . Und zum anderen herrschte zu Beginn des hohen Mittelalters ein Mangel an Frauenklöstern vor. Da diese in erster Linie dem Adel vorbehalten waren, wandten sich die Frauen
8 ohne Verfasser: Frauen im Mittelalter, http://www.frauenjournal.de/artikel1.htm, 07.08.2003. 9 Vgl.: Bock, Gisela: Frauen in der europäischen Geschichte. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Verlag C.H. Beck, München, 2000, S. 32.
10 Vgl.: ebd., S. 31.
11 Vgl.: Kähler, Gudula: Frauen in Kloster und Stift In: Beer, Maria / Gisela Bücher / Marlis Hahne / Gudula Kähler / Irene Meurer / Irene Mosen: Frauen im Mittelalter, http://w3.uni- wuppertal.de/www/FB3/paedagogik/sagebiel/frauen_im_ma.pdf, 07.08.2003, S. 31. 12 Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter, 4., überarbeitete und erweiterte Auflage, Verlag C.H. Beck, München, 1991, S. 114.
13 Vgl.: ebd., S. 114.
14 Kähler, Gudula: Frauen in Kloster und Stift In: Beer, Maria / Gisela Bücher / Marlis Hahne / Gudula Kähler / Irene Meurer / Irene Mosen: Frauen im Mittelalter, http://w3.uni- wuppertal.de/www/FB3/paedagogik/sagebiel/frauen_im_ma.pdf, 07.08.2003, S. 44. 15 Vgl.: ebd., S. 34.
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Arbeit zitieren:
Michael Münch, 2003, Das Frauenbild Willehalms, München, GRIN Verlag GmbH
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