Friedrich II., sein „Kreuzzug“ und Jerusalem Verfasser: Jan Hendrik Schmidt
Gliederung
Einleitung 2
1. Biographie und Charakteristik Kaiser Friedrichs II. 2
2. Die Vorbereitungen zum Kreuzzug
2.1 Das Kreuzzugsversprechen Friedrichs II. 3
2.2 Die Heirat mit Isabella II. 5
2.3 Der misslungene Kreuzzugsaufbruch 6
2.4 Die Exkommunikation Friedrichs II. durch Papst Gregor IX. 7
3. Der „Kreuzzug“ Friedrichs II.
3.1 Die Situation im Vorfeld des Kreuzzugs 8
3.2 Die Fahrt bis nach Jerusalem und der Vertrag von Jaffa 9
3.3 In Jerusalem 14
4. Friedrichs Rückkehr nach Italien
4.1 Die Abreise aus dem Heiligen Land 16
4.2 Der Sieg über die Widersacher in Italien 17
4.3 Der „Friede“ mit dem Papst 18
Schlussbetrachtung 19
Rezension zu Hans Eberhard Mayers Betrachtung der „Selbstkrönung
Friedrichs II.“ innerhalb seiner Abhandlung „Das Pontifikale von Tyrus
und die Krönung der lateinischen Könige von Jerusalem“ 20
Anh änge
Quelle 1: Das Kreuzzugsversprechen Friedrichs II. 21
Quelle 2: Der Vertrag von Jaffa mit den Noten des Patriarchen Gerold
von Jerusalem 22
Quellen - und Literaturverzeichnis 23
Seite 1
Friedrich II., sein „Kreuzzug“ und Jerusalem Verfasser: Jan Hendrik Schmidt
Einleitung
Die Kreuzzüge - eine der interessantesten und bedeutendsten Phasen der Geschichte. Bedeutend, da sich die religiösen Gegensätze im Heiligen Land und der Heiligen Stadt Jerusalem bis in die heutige Zeit politisch, wie auch gesellschaftlich-kulturell auswirken, wie der Konflikt zwischen Israel und Palästina nur allzu deutlich zeigt. Interessant, weil sie mit einer Fülle schillernder Persönlichkeiten, einer Vielzahl neuer kultureller Einflüsse für die damalige Zeit und - leger ausgedrückt - jeder Menge Action aufwarten kann. Der neueste Roman Umberto Ecos „Baudolino“ und dessen Verkaufszahlen beweisen, dass das Thema Kreuzzüge nicht nur für Historiker, sondern auch für Freunde der Belletristik interessant, ja sogar unterhaltsam sein kann. Während Eco der Kreuzzug Friedrich Barbarossas als Grundlage für seinen Roman diente, soll nun der „Kreuzzug“ Friedrich II. Gegenstand dieser Arbeit sein, ein Kreuzzug, der deutliche Unterschiede zum doch eher blutigen Unterfangen der vorangegangenen Kreuzzüge aufweist und vielleicht gerade deshalb umso bemerkenswerter ist. Den Verlauf von Friedrichs Kreuzzug nachzuzeichnen und die Besonderheiten herauszuarbeiten ist das Ziel dieser Arbeit.
1. Biographie und Charakteristik Friedrich II.
Ohne Zweifel gehört auch Friedrich II. zu den oben angesprochenen schillernden Persönlichkeiten der Zeit der Kreuzzüge. Der englische Historiker Mathaeus Parisiensis gab Friedrich II. in seinem Werk „Chronica Maiora“ im Jahre 1240, also noch zu Friedrichs Lebzeiten, den Namen Stupor Mundi et Immutator Mirabilis 1 . Doch wie kam es zu einer solchen Verherrlichung Friedrichs II. durch seine Zeitgenossen? Zumindest der erste Teil dieses Namens lässt sich größtenteils durch Friedrichs Lebensart erklären. Am 26. Dezember 1194 in Iesi bei Ancona geboren, wuchs Friedrich im Königreich Sizilien auf, stark beeinflusst von sarazenischen und arabischen Gebräuchen. Er wurde von arabischen Lehrern in der Philosophie und den Naturwissenschaften geschult, sprach sechs Sprachen, darunter auch arabisch und beschäftigte sich ausführlich mit dem Islam und dessen Gebräuchen. Er entwickelte eine ehrliche Sympathie für den Islam 2 und baute in Lucera eine ganze muslimische Stadt, mit Moschee und Religionsschulen auf. Sein ganzes Auftreten und Benehmen ähnelte mehr und mehr einem König eines sarazenischen Landes: Er umgab sich mit Eunuchen, hatte einen Harem mit vielen Sarazeninnen und schmückte sich mit orientalischem Gepränge.
1 Vgl.: Payne, Robert: Die Kreuzzüge. Zürich 1986, S. 327.
2 Vgl.: Ebd., S. 343.
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All das brachte ihm hier und da den Ruf ein, er wäre mehr Muslim als Christ, was aber sicherlich nicht zutreffend war, da Friedrich trotz seines Interesses für östliche Gebräuche und seiner Sympathie für den Islam nach den Richtlinien des Christentums, nicht unbedingt nach denen der Kirche und des Papstes, lebte und seiner Religion treu war und blieb.
Gar nicht zu seinem Auftreten wollte sein äußeres Erscheinungsbild passen: Friedrich war klein, kurzsichtig, bartlos, neigte zur Fettleibigkeit und hatte rotblondes Haar. 3 Payne schreibt: „Natürliche Anmut ging ihm ab, außer wenn er auf seinem Pferd daherritt.“ 4
Friedrichs Charakter war geprägt durch seinen Hang zur Selbstdarstellung, seinen Egoismus und seine Launen, die nicht selten seine Entscheidungen beeinflussten und seinem Regierungsstil zum Teil chaotische Züge verliehen 5 . Er war kühl, grausam und unablässig darauf bedacht, seine Interessen durchzusetzen. So verfolgte er unerbittlich alle, die er als seine Feinde und Widersacher betrachtete. Schon früh, nämlich bei seiner Königskrönung am 25. Juli 1215 in Aachen, gab Friedrich II. sein erstes Kreuzzugsversprechen ab, dass aber erst später politisch relevant werden sollte. Erst als er im Jahre 1220 durch Papst Honorius III. zum Kaiser gekrönt wurde, begann die Vorbereitungsphase für seinen Kreuzzug.
2. Die Vorbereitungen zum Kreuzzug
2.1 Das Kreuzzugsversprechen Friedrichs II.
Die Kaiserkrönung Friedrichs durch Papst Honorius war weniger ein Zeichen der Hochschätzung des Papstes für Friedrich, als vielmehr ein Entgegenkommen der Kirche, um Friedrich die Kreuzfahrt schmackhaft zu machen. Wie schon gesagt wurde Friedrichs Kreuzzugsversprechen von 1215 erst jetzt durch die Lage, in der sich die kirchlichen Kreuzfahrer im Osten befanden, relevant. Deren Kreuzzug war zunächst positiv verlaufen und im Frühjahr 1219 bot der ägyptische Sultan al-Kamil vor dem bevorstehenden Angriff auf Damiette und dem geplanten Vorrücken auf Kairo den Kreuzfahrern die Rückgabe des gesamten Königreichs Jerusalem an, wenn sich diese im Gegenzug aus Ägypten zurückziehen würden. Jedoch lehnte der päpstliche Legat Kardinal Pelagius, getrieben von der Hoffnung auf noch weiterreichende Erfolge, das
3 Vgl.: Ebd., S. 327 und Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge. Band 3: Das Königreich Akkon und die späteren Kreuzzüge. München 1960, S. 180.
4 Ebd., S. 327.
5 Vgl.: Ebd., S. 327f.
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Angebot jedoch ab und begann den Feldzug gegen Damiette, das im November 1219 erobert wurde. Um nun aber dem Gegenschlag des ägyptischen Heeres standhalten zu können und die Eroberung weiter vorantreiben zu können brauchte Pelagius Unterstützung.
Um diese Unterstützung gewährleisten zu können, war es des Papstes größtes Anliegen, den frisch gekrönten Kaiser zum schnellen Aufbruch zu bewegen. Friedrich II. verpflichtete sich dann auch bei seiner Krönung, im August 1221 ins Heilige Land aufzubrechen und die im April und Juni vorausgeschickten Truppen verkündeten die Nachricht der bevorstehenden Ankunft des Kaisers. Doch Pelagius unternahm gegen den Rat seiner militärischen Berater den Versuch Kairo ohne die Hilfe des Kaisers anzugreifen. Er wurde vernichtend geschlagen und zur Aufgabe des gerade gewonnenen Damiettes gezwungen.
Obwohl diese Niederlage eindeutig auf die militärische Fehlentscheidung des päpstlichen Legaten zurückzuführen war, wurde sie von der Kurie doch Friedrich II. angelastet. 6
Es folgte eine große Kreuzzugsmüdigkeit der abendländischen Ritterschaft und erst 1224 wurden die Vorbereitungen für einen neuen Kreuzzug wieder aufgenommen. Umso nachdrücklicher verlangte die Kurie nun von Friedrich die Erfüllung seines Versprechens. Der Kaiser seinerseits war gewillt dem Drängen Folge zu leisten und intensivierte seine Vorbereitungen. Dennoch musste der Aufbruch auf Grund der schwachen Resonanz der europäischen Ritterschaft immer wieder aufgeschoben werden. In Anbetracht der Umstände wurde dies zunächst auch von Honorius III. großzügig gebilligt.
Im Juli 1225 trafen sich Kaiser Friedrich II. und Papst Honorius III. zu einem Gespräch in San Germano. Friedrich verpflichtete sich eidesstattlich, am 15. April 1227 ins Heilige Land aufzubrechen. Die genauen Verpflichtungen beider Seiten wurden im Vertrag von San Germano festgehalten. 7
Der Kaiser verpflichtete sich, tausend Ritter für zwei Jahre auszurüsten und für zweitausend Ritter die Überfahrt zu bezahlen (Artikel 1 und 3) und darüber hinaus hundert Kriegsschiffe und fünfzig Galeeren in Dienst zu halten (Art. 4). Als Pfand sollte Friedrich 100 000 Goldunzen hinterlegen, die ihm beim endgültigen Aufbruch zur freien Verwendung im Dienst für das Heilige Land zurückgegeben werden sollten
6 Vgl.: Van Eickels, Brüsch: Kaiser Friedrich II. Düsseldorf, Zürich 2000, S. 145.
7 Vgl.: Lautemann, Wolfgang und Schlenke, Manfred (Hrsg.): Geschichte in Quellen. Band 2: Mittelalter. München 1970, Quelle 442, S. 517ff. (Im Anhang abgedruckt auf Seite 21)
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(Art. 5 und 6). Artikel 7 des Vertrages regelte die Haftung des sizilischen Königreiches im Falle des Vertragsbruchs oder des Ablebens des Kaisers, wodurch selbst Friedrichs Thronerbe noch zum Kreuzzug verpflichtet gewesen wäre. Endgültig gebunden wurde der Kaiser durch seine schriftlich und freiwillig gegebene Zustimmung, ihn bei Vertragsbruch mit dem Kirchenbann zu belegen (Art. 8 und 9). Der Vertrag von San Germano bedeutete für den Kaiser einerseits eine große Verpflichtung, der er in relativ kurzer Zeit nachkommen musste, wollte er der harten Strafe der Kirche entgehen. Andererseits bedeutete der Vertrag aber auch, dass die Vorbereitung und Durchführung des Kreuzzugs allein der Leitung des Kaisers anvertraut wurde. Für den Fall, dass Friedrich durch höhere Gewalt, wie z.B. Krankheit, den Kreuzzug nicht hätte antreten können, sah der Vertrag keine ausdrückliche Regelung vor. Es scheint also, dass der Kaiser selbst der festen Überzeugung war, seine Verpflichtungen fristgerecht erfüllen zu können und dies auch wirklich wollte. Um dem Kaiser die Aufgabe noch schmackhafter zu machen, wurde zusätzlich zum Vertrag von San Germano die von Papst Honorius schon länger geförderte Heirat mit Isabella II., der rechtmäßigen Thronerbin von Jerusalem, arrangiert.
2.2 Die Heirat mit Isabella II.
Das Versprechen Isabella zu heiraten hatte Friedrich bereits 1223 nach der Niederlage bei Damiette gegeben, sozusagen als Zeichen seines guten Willens, die ihm angehängte Schlappe wieder gut zu machen. Die Einlösung wurde aber immer wieder verzögert, so dass erst jetzt, im Monat des Treffens in San Germano, die Ehe per Ferntrauung geschlossen wurde. Friedrich bestand seinerseits darauf, dass nun die Kirche die ihm, als Ausgleich der nicht zu erwartenden Mitgift seiner zukünftigen Frau, zugesicherte Unterstützung gewährte. Dieser Forderung kam die Kirche nach, indem sie die abendländische Christenheit für drei Jahre mit einer Kreuzzugssteuer belastete, von der ein Teil dem Kaiser direkt zufließen sollte. 8
Am 9. November 1225 vollzog Friedrich die Eheschließung mit der vierzehnjährigen Thronerbin des Königreiches Jerusalem noch einmal persönlich in der Kathedrale von Brindisi, wodurch er zum rechtmäßigen König von Jerusalem wurde. Diesen Titel beanspruchte Friedrich auch sofort, sehr zum Ärger Johanns von Brienne, Isabellas Vater und bis dahin stellvertretender Regent des Königreiches. Johann berief sich bei seinen Protesten auf ein ihm von Hermann von Salza gegebenes Versprechen,
8 Vgl.: Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 2: Der Kaiser 1220-1250. (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, hrsg. von Peter Herde). Darmstadt 2000, S. 93.
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Jan Hendrik Schmidt, 2002, Friedrich II., sein Kreuzzug und Jerusalem, München, GRIN Verlag GmbH
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