Gliederung
Zu Platons Menschenbild - Eine Untersuchung des platonischen
Verständnisses der individuellen Gerechtigkeit im Verhältnis zum idealen Staat
der Politeia
Einleitung 4
1. Die Konzeption der Gerechtigkeit. 4
Hauptteil. 5
2. Die ideale Polis. 5
3. Die einzelnen Stände 6
3.1 Der Erwerbsstand 7
3.2 Der Stand der Wächter 7
4. Frauen und Kinder. 9
5. Das Verhältnis der individuellen Interessen zum Gemeinwohl 10
5.1 Die Realisierung des idealen Staates. 10
5.2 Die wirtschaftliche Gerechtigkeit. 11
5.3 Die emotionale Gerechtigkeit Platons. 12
Schluss 15
6. Warum Platon? 15
Literaturverzeichnis 17
Einleitung
1. Die Konzeption der Gerechtigkeit
Am Anfang steht immer das Warum. Warum leben Menschen zusammen? Warum entstehen Gemeinschaften? Warum braucht man eigentlich einen Staat? Diese Standardfragen der (politischen) Philosophie entwickeln sich immer wieder aus einer generellen Ansicht von Staatskonzeptionen heraus: Das Individuum besteht vor dem Staat und steht stets in dessen Mittelpunkt. Mit Blick auf das Wohlbefinden des Einzelnen steht und fällt die Frage, wie sich die Legitimation eines Staates, einer Regierung oder eines Herrschaftsanspruch begründen lässt. Anders aber bei Platon. Sein Modell des idealen Staates, das er in den zehn Büchern der Politeia entwirft, scheint sich weit weg zu bewegen von einer egozentrischen Sicht der politischen Verhältnisse oder vielleicht sogar der Gesellschaft an sich. Für Platon steht allein der formale Begriff der Gerechtigkeit im Vordergrund. „ (…) he is trying to show that it is always better to have a just soul than an unjust soul. “ (Brown 2004, 275), bringt Brown den Inhalt der Politeia auf den Punkt. Das Ergebnis seiner Bemühungen um die Suche nach der Idee der Gerechtigkeit formuliert Platon wie folgt: „In Wahrheit aber war die Gerechtigkeit, wie sich zeigte, zwar etwas dieser Art, aber nicht an den äußeren Handlungen in Bezug auf das, was dem Menschen gehört, sondern an der wahrhaft inneren Tätigkeit in Absicht auf sich selbst und das Seinige, indem einer nämlich jegliches in ihm nicht Fremdes verrichten lässt, noch die verschiedenen Kräfte seiner Seele sich gegenseitig in ihre Geschäfte einmischen, sondern jeglichem sein wahrhaft Angehöriges beilegt und sich selbst beherrscht und ordnet und Freund seiner selbst ist und die drei in Zusammenstimmung bringt (…).“ (Politeia 443c-d) „Denn die höchste Ungerechtigkeit ist, dass man gerecht scheine, ohne es zu sein. Dem vollkommen Ungerechten müssen wir also auch die vollkommenste Ungerechtigkeit zugestehen und ihm nichts davon abziehen, sondern ihm zugeben, dass er sich nach den ungerechtesten Taten den größten Ruf der Gerechtigkeit erworben habe, (…).“ (Politeia 361a) Mit dieser Erklärung scheint die Arbeit getan, Platon ist mit seinem gefundenen Staat durchaus zufrieden. Für ihn ist sein idealer Staat auch ein gerechter Staat. Doch ist diese Form der Gerechtigkeit nicht bloß eine
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philosophische Utopie? Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, wie sich diese „platonische Staatsgerechtigkeit“ auf die materielle Gerechtigkeit innerhalb des Idealstaats auswirkt. Zu klären ist, ob wir unserer „modernen“ Ansicht von Gerechtigkeit nach in Platons Staat leben möchten. Ist Platons Gerechtigkeit denn wirklich gerecht?
Bei der Fülle von erschienenen Platon-Rezensionen stellt die Sichtung des gesamten Materials eine schon beinahe erdrückende Aufgabe dar. Die meisten anerkannten Standardwerke, ebenso der Großteil an Aufsätzen, richten ihr Hauptaugenmerk auf die zentralen Gleichnisse der Politeia (Sonnen-, Linien-, Höhlengleichnis) oder die Logik der Argumentation Platons, wenn er seine im Staat gefundene Gerechtigkeit auf den Menschen als einzelnen überträgt. Dagegen möchte die vorliegende Arbeit diese großen Zusammenhänge aussparen und lieber einen Blick auf den Menschen im platonischen Staat werfen. Unter (2.) wird zunächst eine Übersicht über den idealen Staat gegeben, der als Grundlage für einen tieferen Einstieg dienen soll. Von hier aus wird unter (3.) das Konzept der drei Stände vorgestellt, auf ihre Entstehung, Erziehung, Lebensführung und Aufgaben aufmerksam gemacht. Auch ihr Umfeld soll hier näher beleuchtet werden - in welcher Gesellschaft leben sie und wie verfahren sie mit Frauen, Kindern (4.) und ihresgleichen? (5.) schließlich stellt die vorher gewonnenen Erkenntnisse zur Diskussion. Ziel soll es sein, aufzuzeigen, dass der Idealstaat kein idealer Staat sein kann und somit Platons Idee der Gerechtigkeit in einem anderen Licht gesehen werden muss als ein erster Eindruck es vielleicht ersche inen lässt. Diese Arbeit wird schließen mit einer Rückbesinnung auf Platon als Mensch. Eine Zusammenfassung soll dem Vorschlag dienen, auch bei Philosophie den Blick für materielle Gerechtigkeit, für den Menschen hinter dem Staatsbürger nicht zu vergessen.
Hauptteil
2. Die ideale Polis
Hauptthema der Politeia ist die Gerechtigkeit. Um sie zu bestimmen, „an Größerem sichtbar“ zu machen, entwirft Platon das Modell eines gerechten
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Staates, weil, wie er sagt, ein Staat doch wie ein Mensch funktioniere, und die Gerechtigkeit in großen Dingen leichter zu bestimmen sei als in kleinen. So zeichnet Platon einen Staat, der sich durch eine grobe Einteilung seiner Gesellschaft in drei Klassen hervortut. Dabei ist diese Selektion fürwahr keine statische, sondern bildet sich im Laufe der Genese des Staates. In der Urpolis finden wir zunächst nur die arbeitende Bevölkerung. „Ein Gemeinwesen ist eine Vereinigung von vielen Individuen zum allseitigen Vorteil, der sich aus den Chancen der Arbeitsteilung ergibt, bei der jeder sich auf das konzentrieren kann, worauf er sich am besten versteht.“ (Kutschera 2002, 75) Bauern und Handwerker bilden die Grundlage des Staates, sichern dessen Entstehung und Überleben im Wege der Arbeitsteilung, die Platon immer wieder in den Vordergrund rückt. „Die rechte Stadt nun scheint mir die zu sein, die wir eben beschrieben haben (…).“(Politeia 372e) Doch diese erste Polis kann nicht von Dauer sein, Sättigung und Überfluss schleichen sich in die Stadt und führen zur Entwicklung der 2. Polis. „Denn jene gesunde ist nicht mehr hinreichend, sondern sie muss sich nun anfüllen mit einem Haufen Volks, das nicht mehr des Notwendigen wegen in der Stadt ist, (…).“ (Politeia 373b) Doch finden wir in dieser zweiten Polis auch den Ursprung des Krieges, weshalb Platon an dieser Stelle auch den Stand der Wächter einführt. Doch zu einem vollkommenen Staat fehlt noch der „letzte Schliff“: Die Herrschaft der Philosophen. Durch ihre Einbindung in den Staat entsteht schließlich die ideale Polis.
Zur Einteilung und Auswahl der Bevölkerung greift Platon auf den Metallmythos zurück, der jedem Einzelnen ein bestimmtes Metall zuordnet. „(…) der bildende Gott aber hat denen von euch, welche geschickt sind zu herrschen, Gold bei ihrer Geburt beigemischt, weshalb sie denn die köstlichsten sind, den Gehilfen aber Silber, Eisen hingegen und Erz den Ackerbauern und übrigen Arbeitern.“ (Politeia 415a) Als zentrale Idee der Politeia steht die Erkenntnis des Guten, die die Grundlage der Herrschaftslegitimation der Philosophen bildet. Durch ihre Verwirklichung entsteht die ideale Polis und somit ein gerechter Staat.
3. Die einzelnen Stände
Platon zufolge setzt sich der ideale Staat aus drei Ständen zusammen. Für die wirtschaftliche Struktur des Staates ist der Stand der Gewerbetreibenden
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Arbeit zitieren:
Ricarda Langer, 2004, Platons Menschenbild in der Politeia - Eine Untersuchung des platonischen Verständnisses der individuellen Gerechtigkeit im Verhältnis zum idealen Staat der Politeia, München, GRIN Verlag GmbH
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