Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung………………………………………………………….. 3
2.Geistige Behinderung 4
2.1 Begriffsdefinition „ geistige Behinderung“ 4
2.2 Die Behindertenpädagogik im Wandel 5
2.3 Wachsende Kritik am Begriff der geistigen Behinderung 6
2.4 Verhaltensauffälligkeiten 8
2.4.1 Veränderte Sichtweisen im Umgang mit
Verhaltensauffälligkeiten………………………………... 8
2.4.2 Verstehende Diagnostik 9
3.Gestalttherapie……………………………………………………. 11
3.1 Verhältnis zwischen Pädagogik und Therapie 12
3.2 Geschichte der Gestalttherapie 12
3.3 Ziele der Gestalttherapie 13
3.3.1 Positiver Umgang mit Aggressionen 14
3.3.2 Kontakt 15
3.4 Diagnostische Möglichkeiten der Gestalttherapie 15
4.Gestalttherapie mit geistig behinderten Menschen 17
4.1 Gestalttherapeutische Prinzipien 18
4.1.1 Leib- Seele- Geist- Einheit 18
4.1.2 Hier und Jetzt 19
4.1.3 Figur- Grund- Prozess 21
4.1.4 Selbstheilungskräfte 22
4.1.5 Selbstverantwortung 22
4.1.6 Erfahrung und Bewusstsein 22
4.1.7 Kontakt 23
4.2 Gestalttherapie in der Praxis 24
4.3 Ziele der Gestalttherapie 32
4.4 Kritische Auseinandersetzung 33
5. Ausblick 35
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1. Einleitung
Mit dem Thema „Gestalttherapie als Weg in der Arbeit mit geistig behinderten Menschen“, habe ich mich in meiner Arbeit damit beschäftigt, eine therapeutische Möglichkeit aufzuzeigen, die die alltägliche pädagogische Arbeit sinnvoll unterstützten kann. Zu Beginn habe ich die in den vergangenen Jahren veränderte Sichtweise, die sich innerhalb der Behindertenpädagogik entwickelt hat, erläutert. Welche Sichtweisen, Ansätze und Perspektiven sind in den letzten Jahren entstanden? Hierzu habe ich zunächst „geistige Behinderung“ definiert, um dann auf die derzeitige kritische Auseinandersetzung des Begriffs einzugehen. Die E ntwicklungen und Veränderungen in der
Behindertenpädagogik haben dazu beigetragen, dass auch der Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten kritisch hinterfragt wird. Nicht die geistige Behinderung wird als Ursache von Auffälligkeiten gesehen, sondern die lebensweltlichen Bedingungen unter denen behinderte Menschen leben. Wie lassen sich jedoch, die in der Theorie erzielten Fortschritte, auch in der Praxis umsetzen? Welche Möglichkeiten gibt es, einen positiven Einfluss für den notwendigen Prozess der Veränderung zu nehmen? Bisher ist dies nur in wenigen Bereichen gelungen. Das Handlungsfeld in der Praxis ist für pädagogische Mitarbeiter im Bezug auf Verhaltensauffälligkeiten in einigen Bereichen noch immer von Hilflosigkeit und Erfolglosigkeit gekennzeichnet. Die pädagogische Alltagsbegleitung stößt an Grenzen und dies aufgrund von häufig unveränderbaren bestehenden Gegebenheiten. Einen kurzen Einblick gebe ich in die verstehende Diagnostik, um den Bezug zwischen Therapie und Pädagogik zu verdeutlichen.
Da ich selbst in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung tätig bin, erschien es mir als besonders wichtig eine Therapie vorzustellen, deren Umsetzung als gute Ergänzung gegenüber pädagogischen Maßnahmen gesehen w erden kann. In meiner Arbeit setze ich mich mit den Möglichkeiten auseinander, die die Gestalttherapie im Umgang mit behinderten Menschen aufweist. Ist die Gestalttherapie eine sinnvolle Unterstützung gegenüber der alltäglichen Pädagogik? Kann auch ich als
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Sozialpädagoge einen positiven Einfluss auf die Prozesse der Gestalttherapie nehmen?
Nach einer kritischen Auseinandersetzung, stelle ich am Ende einen Ausblick der Arbeit mit geistig behinderten Menschen vor.
2. Geistige Behinderung
Um mich dem Thema meiner Arbeit zu nähern, möchte ich zunächst eine Definition über den Begriff der geistigen Behinderung geben, um dann auf den begrifflichen Wandel, der sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, eingehen zu können. Wie haben sich im Laufe der Zeit die Sichtweisen über geistige Behinderung verändert?
Für den Personenkreis, der Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung, gibt es gesellschaftspolitisch wenig Lobby. Wie kann und muss sich also die Lebenssituation und Perspektive von Menschen mit Behinderung verändern, um den in der Theorie bereits geleisteten Paradigmenwechsel, für die Praxis lebbar zu gestalten?
2.1 Begriffsdefinition „geistigen Behinderung“
Geistige Behinderung ist eine angeborene oder in früher Kindheit erworbene unterdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit. Sie äußert sich durch eine abnorme Entwicklung des Kindes und ist mit Schwierigkeiten des Lernens und der sozialen Anpassung verbunden. Etwa drei Prozent der Gesamtbevölkerung sind geistig behindert. In den me isten Fällen sind keine offensichtlichen körperlichen Symptome vorhanden. Schwer g eistig behinderte Menschen entwickeln im Allgemeinen nur geringe Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten.
Vordringliches Behandlungsziel ist die bestmögliche Entwicklung der Stärken des geistig behinderten Menschen. Dabei werden die Interessen des Einzelnen, persönliche Erfahrungen und die verfügbaren Mittel berücksichtigt. Ein weiteres Hauptziel ist die Entwicklung sozialer
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Anpassungsfähigkeit, um dem Patienten zu einer möglichst normalen Funktionsfähigkeit zu verhelfen. Besonders wichtig ist, dass geistig unterentwickelte Kinder eine Sondererziehung und - förderung erfahren, die im Idealfall schon im Säuglings- oder Kleinkindalter beginnt. Eine solche Erziehung erweist sich als äußerst hilfreich. Die Prognose für die Entwicklung geistig Behinderter hängt eher von Beginn und Intensität der Behandlung, der persönlichen Motivation, den Übungsmöglichkeiten und den dafür vorhandenen medizinischen und äußeren Bedingungen ab, als von der eigentlichen Behinderung selbst. 1 Eine Definition wie diese, unterstützt den Wandel in der Behindertenpädagogik. N och vor wenigen Jahren wurden andere Sichtweisen, gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung, vertreten.
2.2 Die Behindertenpädagogik im Wandel
Zu Beginn des 1800 Jahrhundert, dem Zeitalter der Moderne, begann eine bis heute andauernde Problemlösung für Menschen mit Behinderung. Ihre Unverwertbarkeit und Andersartigkeit ergab den Anlass, sie in eigens für sie geschaffene Einrichtungen unterzubringen, um die Produktivität der damaligen Zeit nicht zu stören. Erst Ende der 40er bzw. zu Beginn der 50er Jahre, stellte man diese Lösung erstmals weltweit in Frage. Man dachte über Formen der Integration, statt der systemischen Ausgrenzung nach. Verantwortlich für diesen Stimmungswandel waren sicherlich die Jahre des dritten Reiches aber auch der rasante Wandel in der Medizin. In einem Zeitalter von Perfektionismus und Technologisierung wurde der Einzelne schnell selbst zum Betroffenen. Während 150 Jahre zuvor, die Trennung zwischen Behinderung und Nichtbehinderung noch sehr klar und eindeutig verlief, entwickelte sich nun ein verändertes Bewusstsein. Noch im Jahre 1975 lebten ca. 20% Erwachsene mit einer geistigen Behinderung in psychiatrischen Krankenhäusern. Die Menschen lebten hier
1 Vgl. Enzyklopädie: Stichwort „geistige Behinderung“ ,in: Computerlexikon, Microsoft
Encarta
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unter menschenunwürdigen Bedingungen, meist ohne jegliche pädagogische Betreuung in völliger Isolation zur Außenwelt. 2 Erst E nde der 70er Jahre kam es zu einer völligen fachlichen Neuorientierung im Umgang mit geistig behinderten Menschen. Neues Ziel ist die Integration der Menschen mit geistiger Behinderung. Unabhängig von der Schwere der Behinderung, hat jeder Mensch das Recht auf Anerkennung, Bildung und Arbeit. Sicher ist auch das angehende Zeitalter der Moderne und der Beginn der Postmoderne, ein wesentlicher Hinweis, auf die bis heute andauernde Entwicklung und Veränderung innerhalb der Behindertenpädagogik.
2.3 Wachsende Kritik am Begriff der geistigen Behinderung
Die Weiterentwicklung und die daraus entstandenen veränderten Sichtweisen ergeben den Anlass, dass darüber nachgedacht wird, ob der Begriff der geistigen Behinderung als angemessen betrachtet werden kann. Damit steht der Begriff der geistigen Behinderung immer wieder im Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen. Hierbei spielt die Frage, was mit dem Begriff „geistig behindert sein“, eigentlich ausgedrückt wird und was im alltäglichen Sprachgebrauch mit dieser Beschreibung assoziiert wird, eine wichtige Rolle. Eine adäquate Ablösung des Begriffs gibt es bis heute allerdings nicht. Die Auffassungen verschiedener Disziplinen und deren jeweilige eigenen Theorien sind nur schwer zu vereinbaren. Bisher wurden verschiedene Definitionen, Theorien und Ansätze als komplexes Thema unter dem Begriff geistige Behinderung behandelt. Die aktuelle Geistigbehindertenpädagogik strebt jedoch eine Weiterentwicklung des Begriffs an.
Mit Missverständnissen, Ungereimtheiten und stigmatisierenden Effekten soll sich auseinandergesetzt werden, um in Zukunft auf jegliche Etikettierungen verzichten zu können. Ziel ist ein wegweisendes Verständnis, wobei der Schwerpunkt in dem Bemühen liegt,
2 Vgl. Georg Theunissen, Pädagogik bei geistiger Behinderung und
Verhaltensauffälligkeiten, S.45
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Zusammenhänge, Widersprüche, einseitige Begriffsauslegungen und deren Konsequenzen aufzuzeigen, um neue Perspektiven und Betrachtungen zu eröffnen. 3
In der Tradition der Geistigbehindertenpädagogik ist die Verobjektivierung des Menschen mit einer Behinderung allgemein üblich gewesen. In Anlehnung an das medizinische Modell der Psychiatrie entstanden die Sichtweisen von Bildungsunfähigkeit, Unerziehbarkeit und
Unverständlichkeit, bezogen auf Menschen mit Behinderung. Des Weiteren ergab sich aus dem Prozess der Verobjektivierung die Sichtweise, das Behinderung als Ergebnis eines individuellen Schadens zu sehen ist, den es aufzuheben galt. Abweichungen von den gesellschaftlichen Normen wurden ausschließlich am Individuum festgemacht und mit einer entsprechenden Diagnose belegt. Behinderung führte meist zu Besonderung und Aussonderungsprozessen, die durchaus auch heute noch üblich sind. Die von der Pädagogik als besonders behindertenspezifisch erachteten Bedingungen, unter denen entsprechende Maßnahmen zur Anwendung kamen, waren und sind jedoch oft ursächlich für die Schaffung von Behinderung und psychischer Krankheit bzw. sie manifestieren die eingetretenen Beeinträchtigungen und Persönlichkeitsentwicklungen. Eine ausschließlich aus psychiatrischen Diagnosen beruhende Pädagogik, die lediglich Verhaltensweisen untersucht und behandelt, nicht aber die gesellschaftlichen Zusammenhänge beachtet, trägt so dazu bei, die realen Verhältnisse zu verschleiern. Der Mensch mit Behinderung wird dadurch zum Objekt von Behandlungen, es wird nicht mit ihm „gehandelt“, sondern er wird „behandelt“.
Der Wandel hat dazu beigetragen, dass auch Verhaltensauffälligkeiten aus einer anderen Perspektive gesehen werden. Im Folgenden gehe ich auf die veränderten Sichtweisen ein, um die Komplexität und die damit verbundene Problematik zu verdeutlichen.
3 Vgl. Theunissen, Pädagogik bei geistiger Behinderung und Verhaltensauffälligkeiten,
S. 15
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2.4 Verhaltensauffälligkeiten
Gibt es überhaupt nachvollziehbare Begründungen, die Ansatzpunkte für ein pädagogisches und therapeutisches Handeln gegenüber
Verhaltensauffälligkeiten bieten? Es gibt viele verschiedene Ansätze, die sich mit Ursachen und Erscheinungsformen auffälligen Verhaltens auseinandersetzen. In meinen folgenden Ausführungen möchte ich kurz auf veränderte Sichtweisen im Bezug auf Verhaltensauffälligkeiten eingehen und dann die verstehende Diagnostik als Richtlinie vorstellen.
2.4.1 Veränderte Sichtweisen im Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten
Bis vor kurzem war es in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit mit geistig behinderten Menschen üblich, sich ausschließlich an Defiziten, Entwicklungsstörungen, Krankheitsbildern, Mängeln, Schwächen oder Auffälligkeiten zu orientieren. Hierfür bediente sich die
Behindertenpädagogik jahrzehntelang der wissenschaftlich, legimitierten Methode eines rein medizinisch orientierten Systems. Es wird nicht länger von Defizitorientierung gesprochen, sondern im Mittelpunkt von Überlegungen und Handlungen steht der Mensch. Die he utige Pädagogik geht von systemischen Grundlagen aus und weiß, dass kein Mensch nur das Resultat von äußeren Einflüssen ist. Es haben sich ganzheitliche Ansätze und Sichtweisen durchgesetzt, die das Individuum immer im gesamten Spektrum der eigenen Entwicklung sehen.
Problematisch ist die Definition auffälligen Verhaltens. Oftmals sind es die subjektiven Eindrücke und die von der Gesellschaft als normabweichend oder sozial unerwünschten, erlebt und eingestuften Verhaltensweisen, die als Auffälligkeiten wahrgenommen werden.
Auch hier gibt es unterschiedliche Sichtweisen und Bezugstheorien, die es erschweren, eine Übersicht darüber zu schaffen, welche typischen Erscheinungsformen auftreten.
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Arbeit zitieren:
Jasmin Jarkow, 2004, Die Gestalttherapie als Weg in der Arbeit mit geistig behinderten Menschen, München, GRIN Verlag GmbH
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