Aggressives und unaufmerksames Verhalten kommt je nach Untersuchung bei bis zu 10 bzw. 30 Prozent der Kinder vor, wenngleich auch oft nur symptomartig und nicht klassifizierbar. Trotzdem haben diese Kinder gerade auch in der Schule große Probleme und werden oft auch als Problem von ihrer Umwelt wahrgenommen.
Seriöse Studien widersprechen zwar den oft angeführten Anstieg von Gewaltakten an Schulen, es zeigt sich jedoch, dass die Delinquenzrate steigt seit Jahren steigt.
Als viel versprechende Wege zur Förderung von angemessenem Schülerverhalten werden oft Präventionsprogramme genannt, die jedoch hauptsächlich für ältere Kinder entwickelt wurden, obwohl neueste Erkenntnisse der Entwicklungspsycho-logie für einen früheren Einsatz sprechen.
Diese Arbeit führt Grundlagen des aggressiven und unaufmerksamen Verhaltens ebenso vor, wie des positiv formulierten Ziele des Programm "Verhaltenstraining für Schulanfänger" nach Petermann. Dabei werden die grundlegende Konzeption und wichtige Verhaltensweisen (etwa das proaktive Lehrerhandeln) erläutert sowie das Trainingsprogramm im Einzelnen dargestellt.
Schließlich wird die Evalutation des Programm kritisch vorgestellt und hinterfragt.
Inhaltsverzeichnis
1 AGGRESSIVES UND UNAUFMERKSAMES VERHALTEN
1.1 AGGRESSIVES VERHALTEN
1.2 UNAUFMERKSAMES VERHALTEN
2 VORBEMERKUNGEN ZUM PROGRAMMS
2.1 KONZEPTION UND ZIELE DES PROGRAMMS
2.2 PROAKTIVES LEHRERHANDELN
3 AUFBAU UND BESCHREIBUNG DES PROGRAMMS
3.1 TRAININGSGRUNDLAGEN
3.2 STEIGERUNG DER VISUELLEN UND AUDITIVEN AUFMERKSAMKEIT
3.3 SELBST- UND FREMDWAHRNEHMUNG EMOTIONALER GRUNDKATEGORIEN
3.4 VERMITTLUNG VON SOZIAL ANGEMESSENEM PROBLEMLÖSEVERHALTEN
4 EVALUATION
4.1 METHODE UND INSTRUMENTE
4.2 ERGEBNISSE
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit stellt ein strukturiertes Verhaltenstraining für Schulanfänger vor, das als primärpräventive Maßnahme zur Bewältigung von aggressivem und unaufmerksamem Verhalten in der Grundschule konzipiert ist. Das primäre Ziel ist die Förderung von sozial erwünschtem Verhalten und der Aufbau sozial-emotionaler Kompetenzen bei Kindern, um den Übergang in den Schulalltag erfolgreich zu unterstützen.
- Analyse von Ursachen und Erscheinungsformen aggressiven sowie unaufmerksamen Verhaltens.
- Konzeption und praktische Umsetzung eines Trainingsprogramms auf Basis operanter Lernprinzipien.
- Implementierung von proaktivem Lehrerhandeln zur Förderung eines positiven Klassenklimas.
- Stufenweiser Aufbau sozialer Fertigkeiten durch spielerische Methoden wie Schatzsuchen und Rollenspiele.
- Evaluation der Programmeffektivität mittels standardisierter Fragebögen im Rahmen einer experimentellen Studie.
Auszug aus dem Buch
1.1 Aggressives Verhalten
Aggressives Verhalten kann viele verschiedene Ausdrucksformen haben, die unterschiedlich große Beeinträchtigungen bei den Betroffenen und deren Umwelt hervorrufen können. Die unterschiedlichen Ausdrucksformen reichen von direkter körperlicher Gewalt über Sachbeschädigungen und Vandalismus bis hin zu differenziertem, „sozial-manipulativem Verhalten“ (Petermann 2002, 13) und Mobbing in jeweils unterschiedlicher Stärke. Das Verhalten hängt eng mit dem Alter zusammen, es wird immer differenzierter (vgl. ebd.).
In den beiden großen Klassifikationssystemen DSM IV bzw. ICD-10 wird aggressives Verhalten vor allem als „Störung mit oppositionellem Trotzverhalten“ bzw. „Störung des Sozialverhaltens“ kategorisiert. Zur Diagnose müssen eine Anzahl bestimmter Verhaltensauffälligkeiten innerhalb eines bestimmten Mindestzeitraums (mehrere Monate) „im Vergleich zu Altersgenossen deutlich häufiger auftreten und zu psychosozialen Beeinträchtigungen“ (ebd., 15) führen. Viele Kinder fallen deshalb nicht unter die klinischen Krankheitskategorien, bereiten Eltern und Lehrern aber trotzdem Probleme. Es tritt das Problem zu Tage, ab wann ein aggressives Verhalten als unnormal oder krankhaft anzusehen ist.
Als Ursache für aggressives Verhalten werden sowohl biologische, als auch psychosoziale Einflüsse genannt, die sich wechselseitig verstärken können. Vor allem werden aber auch „Defizite in der sozial-kognitiven Informationsverarbeitung als prognostisch ungünstig“ (ebd., 17) angesehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 AGGRESSIVES UND UNAUFMERKSAMES VERHALTEN: Dieses Kapitel definiert die Symptomatik und Problematik von Kindern mit aggressivem oder unaufmerksamem Verhalten und beleuchtet deren Ursachen sowie klinische Relevanz.
2 VORBEMERKUNGEN ZUM PROGRAMMS: Es werden die theoretischen Begründungen für die Notwendigkeit von Präventionsprogrammen beim Übergang in die Grundschule dargelegt.
3 AUFBAU UND BESCHREIBUNG DES PROGRAMMS: Der Abschnitt erläutert die methodische Konzeption des Trainings, einschließlich der Rolle der Lehrkraft und der schrittweisen Vermittlung sozialer Fertigkeiten.
4 EVALUATION: Hier werden die wissenschaftlichen Erhebungsmethoden und die Ergebnisse der Wirksamkeitsprüfung des Verhaltenstrainings vorgestellt.
Schlüsselwörter
Verhaltenstraining, Schulanfänger, Primärprävention, Aggressives Verhalten, Unaufmerksames Verhalten, Sozial-emotionale Kompetenzen, Operantes Lernen, Klassenklima, Lehrerhandeln, Rollenspiele, Soziale Fertigkeiten, Evaluation, Förderung, Schulalltag, Verhaltensauffälligkeiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem primärpräventiven Verhaltenstraining, das darauf abzielt, aggressivem und unaufmerksamem Verhalten bei Grundschulkindern entgegenzuwirken und deren Sozialverhalten zu fördern.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Identifikation von Verhaltensauffälligkeiten, die pädagogische Konzeption von Trainingsprogrammen für den Schulanfang und die praktische Anwendung von Präventionsstrategien im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage des Programms?
Das Hauptziel ist die Förderung erwünschten Sozialverhaltens bei Kindern durch das Einüben sozialer Fertigkeiten sowie die Verbesserung der Aufmerksamkeit und Emotionsregulation.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Programmgestaltung verwendet?
Die Gestaltung basiert maßgeblich auf Prinzipien des operanten Lernens, wobei Verstärkersysteme, klare Klassenregeln und proaktives Lehrerhandeln zentral sind.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beschreibt detailliert den vierstufigen Aufbau des Trainingsprogramms, von der Einführung über die Aufmerksamkeitsförderung bis hin zur Vermittlung komplexer Problemlösestrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Typische Schlüsselbegriffe sind Verhaltenstraining, Primärprävention, soziale Kompetenz, Schulalltag, Aggression, Unaufmerksamkeit und Evaluation.
Welche Rolle spielt die Leitfigur „Ferdi“ im Trainingsprogramm?
Ferdi, ein Chamäleon als Handpuppe, fungiert als Identifikationsfigur für die Kinder, führt durch das Programm und dient als Vermittler für Regeln und Belohnungen im Rahmen der Schatzsuche.
Wie wurde die Wirksamkeit des Programms wissenschaftlich überprüft?
Die Evaluation erfolgte durch einen Vergleich von Experimental- und Wartekontrollgruppen mithilfe standardisierter Lehrerfragebögen, wobei signifikante Verbesserungen in verschiedenen Bereichen des Sozialverhaltens festgestellt werden konnten.
- Quote paper
- Benjamin Seidel (Author), 2003, Verhaltenstraining für Schulanfänger nach Petermann - Ein Programm zur Primärprävention von aggressivem und unaufmerksamem Verhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/25742