Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Die Sendschreiben 2
3 Das Tier aus dem Abgrund 4
4 Die himmlische Frau und der Drache 5
4.1 DIE FRA.U 6
4.2 DER DRACHE 8
4.3 DIE HANDLUNG IM ZWÖLFTEN KAPITEL 9
4.3.1 Die beiden Zeichen am Himmel und die Geburt des Kindes 9
4.3.2 Der Sieg über den Drachen 10
4.3.3 Die Verfolgung der Frau 11
5 Die beiden Tiere 12
5.1 DAS TIER AUS DEM MEER 12
5.2 DAS TIER VOM LANDE. 13
6 Die Hure Babylon und das Tier 14
6.1 DAS TIER 14
6.2 DIE HURE BABYLON 14
7 Die Vernichtung der widergöttlichen Mächte 15
8 Zusammenfassung 16
9 Literaturverzeichnis 17
1 Einleitung
In dieser Arbeit sollen die widergö ttlichen Mächte, die in der Johannesapokalypse vorkommen, untersucht werden. Die widergöttlichen Mächte sind dabei im Sinne eines Gottesfeindes zu verstehen, dessen Definition ich im Sinne von Kalms als „Schadensmacht [...], die der Gottheit und den ihr ve rbundenen Menschen feindlich gesonnen ist“ 1 beschreiben will.
Das Neue Testament hat eine differenzierte Vorstellung eines Gegenspielers Gottes. Er ist der Versucher Jesu, um so gegen Gott zu arbeiten und seinen Heilsplan zu verhindern (vgl. Mt 4,1-11 und Lk 4,1-13) 2 , zugleich aber auch Beelzebul, der „,Herrscher der Dämonen’“ 3 (etwa in den Vorwürfen der Schriftgelehrten zu den exorzistischen Taten Jesu). Im antiken Judentum ist der Gottesfeind „Inbegriff des Bösen“ 4 , der die Sünde verursacht 5 . Die johanne ischen Schriften, zu denen eben auch die Johannesapokalypse gehört, auch wenn der Verfasser nicht zwangsläufig mit dem des Johannesevangeliums oder der Johannesbriefe gleichzusetzen ist 6 , zeichnen ein dualistisches Weltbild in dem die widergöttlichen Mächte ihre stärkste Entfaltung haben. 7
In der Johannesapokalypse sind widergöttliche Mächte ein herausragendes Motiv, die das ganze Buch 8 hindurch immer wieder erwähnt werden. Die Stellen, an denen sie auftauchen, möchte ich im Folgenden untersuchen.
1 Kalms, Jürgen H., Der Sturz des Gottesfeindes. Traditionsgeschichtliche Studien zu Apokalypse 12, Neunkirchen-Vluyn 2001, 1.
2 Vgl. Haag, Herbert, Vor dem Bösen ratlos?, München 1978, 77, 100-102.
3 A.a.O., 103.
4 A.a.O., 77.
5 Vgl. a.a.O., 119.
6 Vgl. zur Verfasserfrage z.B. Bachmann, Michael, Die Johannesoffenbarung, in: Niebuhr, Karl-Wilhelm, Grundinformation Neues Testament, Göttingen, 2000, 357f.
7 Vgl. Nigg, Walter, Der Teufel und seine Knechte, Olten 1983, 60-62.
8 Auch wenn die Johannesapokalypse in Einleitung und Schluss durch typische Briefformen einbzw. ausgeleitet wird, so ist doch, hauptsächlich wegen der Länge, von einem Buch zu sprechen. Die Briefform dürfte hauptsächlich deshalb gewählt worden sein, damit das Buch in Gottesdiensten vorgelesen werden konnte, denn nur der Brief war als Ersatz einer mündlichen Predigt anerkannt. Vgl Müller, Ulrich B., Die Offenbarung des Johannes, Gütersloh / Würzburg 1995, 66-71, ferner 25 und 372 sowie Apk 1,3.
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2 Die Sendschreiben
Schon zu Beginn des Buches, in den Sendschreiben 9 , werden widergöttliche Mächte erwähnt. Im Schreiben an Smyrna und Philadelphia werden Teile der jüdischen Gemeinde als „Synagoge des Satans“ 10 bezeichnet, in Apk 2,10 wird der Teufel als Versucher und Bedränger genannt, der einige Christen ins Gefängnis bringen wird. Im Schreiben an Pergamon wird gesagt, die Gemeinde befinde sich dort, wo der „Thron des Satans ist“ 11 . Im Schreiben an Thyatira schließlich werden Leute genannt, die „die Tiefen des Satans“ 12 erkannt haben. Oft wird die Johannesapokalypse zweigeteilt in „Was ist“ und „Was geschehen wird“. Dabei werden die Sendschreiben in die erste Kategorie eingeordnet und damit vom Hauptteil abgerückt. Kalms wendet hingegen ein, dass zum einen auch in den Sendschreiben schon Verheißungen und Ausblicke enthalten sind und zum anderen auch der Hauptteil teilweise Vergangenheit oder Gegenwart beschreibt, etwa der Bezug zum Christusgeschehen in Apk 12. 13 Und tatsächlich lassen sich schon hier wichtige Entdeckungen zum Verständnis der widergöttlichen Mächte in der Apokalypse des Johannes machen.
An den genannten Stellen werden Juden ziemlich schroff als „Synagoge des Satans“ bezeichnet. Ihr Anspruch „Synagoge des Herrn“ 14 bzw. „Synagoge der Heiligen“ 15 zu sein wird hier aufgegriffen und umgedreht. Kritisiert wird hier, dass die oft relativ großen Gruppen von Juden, sich nicht weit genug von der hellenistisch-römischen Gesellschaft distanzieren, sondern sich mit den Römern arrangierten und Kompromisse schlossen, die ihnen wiederum bestimmte Zugeständnisse, etwa Befreiungen von der Teilnahme am Kaiserkult, einbrachten. Die Integration in das römische Leben ging sogar soweit, dass Juden Theater oder Gymnasien besuchten. Gerade der römische Staat ist für den Verfasser der Johannesapokalypse aber Inbegriff einer weltlichen widergöttlichen Macht, der somit auch Einzug in das Judentum, die Synagogen erhält, wodurch sich diese harte Verurtei- 9 Hierfinden sich keine typischen Briefelemente. Dennoch wird hier Bezug auf die Besonderheit der Briefform in den Gottesdiensten genommen (vgl. hierzu die Anmerkung 7). Die Geistesrede der Sendschreiben steht auch hier im Vordergrund. Vgl. Müller, Offenbarung, 91f.
10 Apk 2,9;3,9.
11 Apk 2,12.
12 Apk 2,24.
13 Vgl. Kalms, Gottesfeind, 22f.
14 Num 16,3; 20,4; 31,16
15 PsSal 17,16
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lung erklärt. 16 Besonders Smyrna war für seine Nähe zu Rom und eine besondere Ausprägung des Kaiserkults bekannt, was den Hinweis im Schreiben an die Gemeinde erklärt. Über die Gemeinde in Philadelphia ist allgemein weniger bekannt. 17
Auch der „Thron des Satans“ im Schreiben an die Gemeinde in Pergamon gibt einen Hinweis auf die weltlichen widergöttlichen Mächte, auch wenn die Deutungen des Throns auseinander gehen. Teilweise wird er als der Altar des Zeus Soter verstanden, der sich auf einer Hochebene oberhalb der Stadt befand 18 , teilweise wird er als der Tempel des Kaiser Augustus oder der Dea Roma gesehen 19 . Ebenso wird an die Verehrung der Athena Nikephoros oder des Dionysos gedacht. Besonders naheliegend ist auch die Verehrung des Asklepius bzw. seines Heiligtums, da der Asklepiuskult in Pergamon eine besonders wichtige Rolle spielte und er einen Stab mit einer Schlange besitzt, und deshalb ein Verweis auf den von Johannes häufig als Schlange bezeichneten Satan darstellt. 20 Jedenfalls ist hier an den Kaiserkult gedacht, der für die Christen eine besondere Bedrohung darstellte, „weil die Teilnahme an ihm gleichbedeutend war mit der Loyalität dem Staat gegenüber, die Verweigerung jedoch als staatsnegierende Gotteslosigkeit galt“ 21 . Auch die dritte Stelle, die „Tiefen des Satans“ im Schreiben an Thyatira kritisieren eine zu enge Verbindung mit dem heidnischen römischen Reich. Offenbar wird hier Bezug genommen, auf eine Prophetin namens Isebel (V. 20), die in den Augen des Verfassers unchristliches Verhalten der Gemeinde wohl ethisch rechtfertigt und die Gemeinde darin bestätigt, was von dieser wohlwollend aufgeno mmen wird. Zu denken ist hier besonders an die religiösen Feste von Handwerksvereinen zu denen auch der Verzehr von Götzenfleisch gehörte. Ein Ablehnen der Teilnahme an solchen Festen bedeutete den Ausschluss aus der Gesellschaft. 22
16 Vgl. Kalms, Gottesfeind, 108-110.
17 Vgl. a.a.O., 105-109, 128f.
18 Vgl. Müller, Offenbarung, 109.
19 Vgl. Kalms, Gottesfeind, 24.
20 Vgl. Müller, Offenbarung, 110 und Apk 12,9; 20,2..
21 Ebd.
22 Vgl. a.a.O., 118f.
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3 Das Tier aus dem Abgrund
Erst in Apk. 11,3-14 taucht das nächste Mal der Widersacher Gottes und der Gemeinde auf, hier in Form des Tieres aus dem Abgrund. Dieses Motiv steht jedoch nicht im Vordergrund des Textes. Wesentlich sind hier die zwei Zeugen (Christi), die 1260 Tage lang die gottlose Welt plagen. Dies geschieht durch Gottes Vollmacht, wie in V. 5 („muss er getötet werden“) angedeutet wird. Die zwei Zeugen stehen unter Gottes Schutz. 23 Die Deutung der zwei Zeugen ist schwierig und umstritten. Die Zeugen sind offenbar Propheten, wie V. 10 explizit sagt und auch V. 3 andeutet 24 . Sie werden als Ölbäume und Leuchter beschrieben (V. 4), was auf Sach 4,2f zurückzuführen sein dürfte. Das Bild der Ölbäume deutet die Zeugen als „Vertreter des König- und Priestertums“ 25 , die Leuchter als christliche Gemeinde 26 . Sie stehen nach Müller deshalb für prophetische Prediger der christlichen Gemeinde. Zwar vollbringen sie Wunder wie Mose und Elia, doch haben beide jeweils die Mächte des Mose und des Elia, so dass die oft vorgebrachte Deutung auf Mose und Elia ausscheiden dürfte. Zudem deutet die Bezeichnung „Krieg“ (V. 7), anstelle z.B. von Kampf, auf eine entindividualisierte Deutung hin. 27 Das Tier aus dem Abgrund erscheint abrupt und nur kurz. Nachdem Ende der Prophetie führt es Krieg mit den Zeugen und besiegt und vernichtet sie. Dass das Tier nicht näher beschrieben und mit bestimmtem Artikel eingeführt wird, weist darauf hin, dass der Verfasser davon ausgehen kann, dass die Leser dieses Motiv kennen. Man kann daher davon ausgehen, dass das Bild des Tieres seinen Ursprung in Dan 7 hat. 28 Gemeint ist eine „endzeitliche Macht, die als satanischer Feind der Gemeinde auftreten wird“. 29 Seinen Ursprung hat die Figur in einer Teufelsgestalt jüd ischer Tradition, mit dem Gott in der Endzeit zu kämpfen hat (vgl. Kapitel 12). Die Funktion als Widersachers, wie sie hier vorkommt, ist jün-
23 Vgl.a.a.O. 211.
24 Die Säcke sind nach Müller nicht unbedingt als Bußgewänder zu verstehen, sondern als übliche Kleidung von Propheten. Vgl. a.a.O. 209 gegen Ernst, Josef, Die eschatologischen Gegenspieler in den Schriften des Neuen Testaments, Regensburg 1967, 129.
25 Müller, Offenbarung 209. Nach Ernst u.a. können die Leuchter auch allerdings auf das Gesetz oder Israel hindeuten. Vgl. a.a.O. 129.
26 Vgl. Apk. 1,10; 2,5; Müller, Offenbarung, 210.
27 Vgl. ebd.
28 Vgl. Ernst, Gegenspieler, 123f.
29 Vgl. Müller, Offenbarung, 212.
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Benjamin Seidel, 2004, Die widergöttlichen Mächte in der Johannesoffenbarung, München, GRIN Verlag GmbH
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