Einleitung 4
1. Die ökonomischen Auswirkungen der Globalisierung auf die Least Developed
Countries 6
1.1 Ausgewählte soziologische Aspekte der Globalisierung 6
1.2 Der Begriff der Globalisierung in der wirtschaftswissenschaftlichen Debatte 8
1.3 Innovationen und Infrastrukturverbesserungen als Motor der Globalisierung 10
1.3.1 Telekommunikation und Datenverarbeitung als Voraussetzungen für die
Teilhabe an der globalen Wissensgesellschaft der Zukunft 10
1.3.2 Infrastruktur und die Senkung der Transportkosten 13
1.4 Die Liberalisierung von Hande l und Finanzmärkten 14
1.4.1 Arbeitsteilung und Handel zwischen den Staaten als Grundlage der
Globalisierung 14
1.4.2 Der Abbau von Zollschranken und Handelshemmnissen 16
1.4.3 Die Liberalisierung der Finanzmärkte 19
1.4.4 Die Bedeutung von Direktinvestitionen für die Entwicklungsländer 20
1.5 Die Chancen und Risiken der Globalisierung für die Least Developed Countries
22
2. Migrationsbewegungen in Entwicklungsländern im Zeitalter der Globalisierung 25
2.1 Ökonomische Aspekte von Migrationstheorien im Überblick und ihre
Bedeutung für die Least Developed Countries 25
2.2. Arbeitsmigration in Asien im Zeitalter der Globalisierung 27
2.2.1 Migration zu Beginn des 21 Jahrhunderts in NIC s und LDC s 27
2.2.2 Die Asienkrise von 1997 und ihre Auswirkungen auf inter- und
intraregionale Migrationsströme im asiatisch-pazifischen Raum 30
2.2.3 Arbeitsmigration auf den Philippinen als Beispiel für die LDC s 33
Zusammenfassung 36
Literaturverzeichnis 40
Internetquelle 40
3
Einleitung „Globalisierung“ bezeichnet eine Entwicklung, die zwischen Befürwortern, für die es sich dabei in erster Linie um einen Weg zu weltweitem Wohlstand durch den Abbau von Han- delshemmnissen und Wettbewerbsbeschränkungen handelt, und Kritikern, die u.a. zune h- mende soziale Ungleichheit zwischen den reichen Industrienationen und den „Entwick- lungsländern“ sowie fehlende staatliche Kontrolle über multinationale Unternehmen be- mängeln 1 , sehr umstritten ist.
Während „Globalisierung“ also bei den einen Aufbruchsstimmung, bei den anderen Ängste auslöst, hat ein anderer weltpolitischer Trend, nämlich die Zunahme der internationalen Migration, ebenfalls für einige Aufmerksamkeit gesorgt und gerade in der Frage der Regu- lierung Besorgnis ausgelöst.
Im Zeitalter der Globalisierung stellt sich die Frage, ob der Nationalstaat als „Wächter über Grenzen“ überhaupt noch in der Lage ist, Wanderungsbewegungen steuern zu können, oder ob dieses Ziel nur durch internationale Zusammenarbeit im Sinne des Konzeptes der „Global Governance“ und damit der Aufgabe einstmals selbstverständlicher nationaler Souveränitätsrechte zu erreichen ist. 2 Grundsätzlich ist es in der wissenschaftlichen Debat- te aber unstrittig, dass die Globalisierung die traditionellen Vorstellungen des Regierens im Nationalstaat in Frage stellt 3 .
Obwohl auch die Frage nach den Handlungsspielräumen bei der Steuerung der perspekti- visch eher zunehmenden globalen und regionalen Migrationsströme 4 einen hohen Stellen- wert sowohl in nationaler als auch internationaler Politik einnimmt, ist es keineswegs so,
1 Von Plate, Bernhard: Grundzüge der Globalisierung, in: Bundeszentrale f. polit. Bildung (Hrsg.): Globali-
sierung, Informationen zur politischen Bildung Heft 280, Bonn 2003, (zitiert als: Von Plate 2003), S.3.
2 Angenendt, Steffen: Wanderungsbewegungen und Globalisierung, in: Butterwege, Christoph/ Hentges,
Gudrun (Hrsg.): Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung, Opladen 2003, 2.Auflage (zitiert als: Ange-
nendt 2003), S.37
3 Angenendt 2003), S. 39 ; vgl. Schäfer, Wolf: Auswirkungen der Globalisierung auf die Handlungsspielräu-
me nationaler Wirtschafts- und Sozialpolitik, In: Meier-Walser, Reinhard/ Stein, Peter (Hrsg.): Globalisie-
rung und Perspektiven internationaler Verantwortung, München 2004, (zitiert als: Schäfer 2004), S.146f.;
vgl. Von Plate 2003) S.5f. u.a.
4 Opitz, Peter J.: Internationale Migration, In: Bundeszentrale f. polit. Bildung (Hrsg.): Internationale Bezie-
hungen 2, Bonn 2002 (zitiert als: Opitz 2002), S. 47; vgl. Castles, Stephen: Ethnicity and Globalization, Lon-
don 2000 (zitiert als: Castles 2000), S.10f.; vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Schlussbericht der Enquete-
Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft, Opladen 2002 (zitiert als: Enquete-Kommission 2002),
S.404f.
4
dass bei allen Wanderungsbewegungen der Einfluss der Globalisierung plausibel erscheint, denn oft besteht nur ein mittelbarer oder gar kein Zusammenhang, 5 , was in der öffentli- chen politischen Debatte aber oft nicht zur Kenntnis genommen wird, da die Themen „Zuwanderung“ und „Integrationspolitik“ und die damit zusammenhängenden Fragen in den einzelnen Staaten ein emotional hoch brisantes und ideologisiertes Politikfeld darstel- len. Nicht zuletzt die Bilder von überfüllten Flüchtlingsschiffen vor der Küste Italiens, die „Belagerung“ der Grenze zwischen Mexico und den USA durch potentielle Migranten sowie die erwartete Migrationswelle aus den ehemaligen Ostblockstaaten im Zuge der EU-Erweiterung prägen die Eindrücke vieler Bürger in den westlichen Industriestaaten von den unheilvollen Einflüssen der Globalisierung auf die weltweite Migrationsproblematik. Der „Fremde“ wird zuallererst als Bedrohung gesehen, unabhängig davon, ob er als er- wünschter Arbeitsmigrant mit hoher Qualifikation und „Green Card“, oder illegaler Ar- mutsflüchtling mit geringer Bildung erscheint bzw. irgendwo zwischen diesen Extremen anzusiedeln ist. Man kann also mit einigem Recht behaupten, dass Migrationbewegungen gerade aus den sog. „Entwicklungsländern“ als ein Bestandteil der globalisierten Welt ei- ner der Bereiche ist, der in der breiten Wahrnehmung der Öffentlichkeit gleichzeitig auch als eine r der bedrohlichsten empfunden wird, wie nicht zuletzt die Asyldebatte in Deutsch- land 1992/93, die Diskussionen um die „Festung Europa“ 6 und in jüngster Vergangenheit das als vertraulich eingestufte Dossier des BND mit dem Titel „Illegale Migration nach Europa“ beweisen.
Hauptanliegen dieser Arbeit ist es daher, die Frage nach dem Zusammenhang von Globali- sierung und Migration zu stellen und herauszufinden ob, und wenn ja, aus welchen Grün- den, sich internationale Migrationsbewegungen in den Entwicklungsländern im Zeitalter der Globalisierung verstärkt haben, in welchen Ausprägungen diese potentiellen Zusam- menhänge vorliegen und die gewonnenen Erkenntnisse am ganz konkreten Beispiel der Entwicklung auf den Philippinen zu überprüfen.
Da es sich beim Phä nomen der Globalisierung vornehmlich um ein ökonomisches handelt, soll bei der genannten Fragestellung die Arbeitsmigration im Fokus der Betrachtung ste- hen, während eher politische Fluchtursachen hier nicht behandelt werden können, obwohl sich beide Bereiche oftmals nicht ohne weiteres voneinander trennen la ssen.
5 Angenendt 2003, S. 37
6 Hierzu vor allem: Bade, Klaus J.: Historische Erfahrungen und aktuelle Probleme, in: Niedersächsische
Landeszentrale für polit. Bildung (Hrsg.), Migration in Europa, Hannover 2001, S.8ff.
5
Der erste Teil befasst sich mit den ökonomischen Implikationen der Globalisierung für die Entwicklungsländer. Hier sollen insbesondere die Ausprägungen der Globalisierung bezüglich des internationalen Handels und der Finanzmärkte, die das zentrale Ersche i- nungsbild im ökonomischen Globalisierungsprozess darstellen 7 , vorgestellt werden, die maßgeblich für die wirtschaftliche und soziale Situation gerade in den „Entwicklungslän- dern“ und damit hypothetisch auch für die Migrationsströme sind.
Im zweiten Teil der Arbeit werden die relevanten Theorien zur Arbeitsmigration vorge- stellt und dahingehend überprüft, inwieweit diese Aufschlüsse zu den Ursachen von Mig- ration in den „Entwicklungsländern“ geben, ob sie generell im Zeitalter der Globalisie- rung anwendbar sind (bleiben) und in welcher Form das Phänomen der Globalisierung überhaupt Eingang in die Überlegungen der Autoren gefunden hat.
Außerdem werden die Betrachtungen insgesamt am Beispiel der Philippinen empirisch überprüft, denn gerade für diesen Staat liegen eine Reihe statistischer Befunde vor. Ob der vermutete Zusammenhang aus diesen Daten tatsächlich zu schließen ist, wird sich ze igen. An dieser Stelle ein paar Anmerkungen zur Problematik des Begriffes der „Entwicklungs- länder“, der im deutschen Sprachraum zwar allgemein gebraucht, aber wenig differenziert verwendet wird:
Gerade bei der Betrachtung des asiatischen Raumes scheint die Unterscheidung der sog. Schwellenländer ( “Newly Industrialized Countries“ (NIC’s)) von den “Least Developed Countries (LDC’s), wie sie im angelsächsischen Raum üblich ist, eine sinnvolle zu sein. Daher sollen diese Begriffe in der vorliegenden Arbeit vorwiegend benutzt werden. 8
1. Die ökonomischen Auswirkungen der Globalisierung auf die Least Developed Count-
1.1 Ausgewählte soziologische Aspekte der Globalisierung
Als erste ausgesprochene soziologische Globalisierungstheorie kann die sog. „Weltsystem- theorie“ 9 bezeichnet werden, für die –nomen est omen- die ganze Welt in den Blickpunkt der Betrachtungen rückt und insbesondere in den 70er Jahren einflussreich war.
7 Hemmer, Rimbert: Der Beitrag des internationalen Handels zum wirtschaftlichen Fortschritt von Entwick-
lungsländern, in: Meier-Walser, Reinhard/ Stein, Peter: Globalisierung und Perspektiven internationaler Ve r-
antwortung, München 2004, S. 304-315 (zitiert als Hemmer 2004), S.304
8 Wolf, Jürgen H.: Entwicklungsländer und Entwicklungsprozesse im Rahmen globaler politischer Strukturen
und Prozesse, Paderborn 2003 (zitiert als Wolff 2003), S. 276; vgl.: Hemmer, Hans-Rimbert: Die Entwick-
lungsländer im Globalisierungsprozess- Opfer oder Nutznießer?, Sankt Augustin 2000 (zitiert als Hemmer
2000), S.5
9 Die Weltsystemtheorie beschreibt die Welt aus einem neo-marxistischen Blickwinkel heraus und sieht in
der ökonomischen, d.h., kapitalistischen, Integration der Welt die zentrale Triebfeder von Entwicklung bzw.
6
Seitdem sind zum Thema „Globalisierung“ auch in der Soziologie eine Fülle von Artikeln erschienen, die das Thema unter verschiedenen Aspekten beleuchten. 10 Für die Sichtweise dieser Arbeit sind dabei diejenigen Konzepte von Interesse, die das Thema im Zusammen- hang einer internationalen Ökonomie mit ihren weltweiten Finanzströmen sehen und z.B. die Einflüsse der Globalisierung auf die urbanen Zentren dieser Welt insbesondere in den Industriestaaten untersuchen oder diese mit Migrationsbewegungen zu verknüpfen. Dabei wird eine sich verstärkende Tendenz zur Deindustrialisierung bzw. zur Ausweitung des tertiären Sektors in den westlichen Staaten durch technologische Innovationen und Aus- weitung der weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten und außerdem eine zunehmende Einkommenspolarisierung zwischen globalen Eliten und Randgruppen (z.B. Migranten) konstatiert, die an den von Globalisierungsbefürworten postulierten Wohlfahrtsgewinnen für alle Gesellschaften durch eine sich globalisierende Ökonomie nicht teilhaben können. Den Grund für diese Polarisierung sehen diese Konzepte, wie Bös meint, insbesondere in einem ökonomischen Wachstum, das sich weniger aus einem organischen Wachstum der Mittelschichten als aus dem sich verstärkenden Konsum von globalen Firmen, die, um die- ses Wachstum finanzieren zu können, Kosten einsparen müssen und so zu Rationalisierun- gen und Schaffung von „Billigarbeitsplätzen“ gezwunge n sind. Diese Nachfrage wiederum wird durch zunehmende Urbanisierung und durch eine sich verstärkende Migration be- friedigt, denn gerade die einfachen Arbeiten sind es, die „(...)wie ein Magnet auf potentie l- le Migranten in den weniger industrialisierten Ländern wirken.“. 11 Diese Tendenz lässt sich in ähnlicher Weise auch in aufstrebenden Schwellenländern beobachten.
Diese quasi zwangsläufigen Entwicklungen, die zu einer sich selbst verstärkenden öko- nomischen und sozialen Polarisierung innerhalb der „globalen Städte“ als urbanen Zent- ren dieser Welt führen, lassen so auf „regional- partikularer“ Ebene ähnliche Entwicklun- gen erkennen, wie sie auf „universal- globaler“ Ebene durch die sich ausweitenden Ein- kommensunterschiede zwischen LDC’s mit hohem Bevölkerungswachstum einerseits und Industrieländern sowie Schwellenländern mit niedrigem Bevölkerungswachstum zu beo- bachten sind. 12
Unterentwicklung von Nationalstaaten, die im übrigen die Folge der sich durchkapitalisierenden Weltöko- nomie sind. Vgl. Bös, Mathias: Migration als Problem offner Gesellschaften, Opladen 1997 (zitiert als: Bös 1997), S.34f.
10 Zum Folgenden (das ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt) vgl. Bös 1997, S.36ff. 11 Pries, Ludger: Internationale Migration, Bielefeld 2001 (zitiert als Pries 2001), S.47 12 Enquete-Kommission 2002, S.408, wo gezeigt wird, das zwischen 1980 und 1990 das Realeinkommen in Entwicklungsländern mit langsamem Bevölkerungswachstum durchschnittlich um über 2% jährlich gestiegen ist, während es in Ländern mit raschem Bevölkerungswachstum um über 1% gefallen ist.
7
Globalisierung wird in der Soziologie auch unter kulturellen Aspekten untersucht, die hier aber nicht diskutiert werden können und sollen. Allgemein kann man jedoch sagen, dass alle soziologischen Theorien Globalisierung als „(..)kategorialen Ursachenhinweis für so- zialen und kulturellen Wandel(...)“ 13 verarbeiten und diese als „(...)Wechselwirkung von sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Prozessen(..)“ 14 beschreiben, die in ihren Qualitäten zwar neu sind, aber, ähnlich wie in der Ökonomie, als Endergebnis langer Entwicklungen anzusehen sind.
1.2 Der Begriff der Globalisierung in der wirtschaftswissenschaftlichen Debatte
Insgesamt wird gerade in den Sozialwissenschaften eine Vielzahl von Erklärungsansätzen zum Gesamtphänomen der Globalisierung diskutiert. Das Phänomen „Globalisierung“ erstreckt sich unbestritten über verschiedenste Gesellschaftsbereiche und ist nicht nur für die Wirtschaft prägend. 15 Für die Frage nach den Zusammenhängen zwischen Migration und Globalisierung sind aber in dieser Arbeit insbesondere die ökonomischen Ansätze (und primär handelt es sich bei der Globalisierung nun mal um ein ökonomisches Phäno- men) von Interesse, ohne dass damit die Bedeutung anderer Erklärungsansätze bestritten oder einer monokausalen Erklärung der Vorzug gegeben werden soll.
In einer allgemeineren Definition sind mit Globalisierung „diejenigen weltweiten Prozes- se zu bezeichnen, die zur Bildung und Entwicklung globaler Systeme beitragen“ 16 , eine Formulierung, die man so nicht nur ökonomisch verstehen kann. In einer im engeren Sinne ökonomischen Definition bezeichnet Robert Kappel die Globalisierung als „(...) Prozess der zunehmenden Integration von Ökonomien, der mit einem Liberalisierungsprozess und- für nicht-angepasste Ökonomien- mit Strukturanpassungsprogrammen verbunden ist.“ 17 Obwohl der Begriff der „Globalisierung“ erst seit Anfang der 70er Jahre verwendet wird, sind die Phänomene wirtschaftlicher, politischer und kultureller Art, die damit bezeichnet werden, erheblich älter und (vorläufiges) Ergebnis einer Entwicklung, die mit Entstehung des arbeitsteiligen Wirtschaftens und des daraus resultierenden Wachstums der Handelsbe- ziehungen zwischen Regionen und Nationen begann. Zumindest die ökonomischen Aus-
13 Bös 1997, S.40
14 ebd., S.41
15 Hemmer 2000, S.2f
16 Krüger, W. , Konsequenzen der Globalisierung für Strategien, Fähigkeiten und Strukturen der Unterneh-
mung, in: Giesel, F. / Glaum, M. (Hrsg.), Globalisierung: Herausforderung an die Unternehmensführung zu
Beginn des 21. Jahrhunderts, München 1999, S. 17-48, S.18
17 Kappel, Robert: Gewinner und Verlierer der Globalisierung, in: Meier-Walser, Reinhard/ Stein, Peter:
Globalisierung und Perspektiven internationaler Verantwortung, München 2004, S.266-303, (zitiert als Kap-
pel 2004), S.267.
8
prägungen der Globalisierung kann man dementsprechend in einer ersten Annäherung auch als Ausweitung der internationalen Arbeitsteilung und deren Folgen insbesondere nach dem 2.Weltkrieg verstehen, deren vorläufiger Höhepunkt nach dem Zerfall des Ostblocks mit dem Siegeszug des kapitalistischen Systems seit den 90er Jahren erreicht wurde. 18 Neu an der Entwicklung des Globalisierungsprozesses in der Nachkriegszeit sind die Dimens i- onen der Internationalisierung des Waren- und Güter-, aber auch des Finanz- und Informa- tionsaustausches bzw. –verkehrs sowie der immense Anpassungsdruck, der auf den einze l- nen Ländern und Nationen lastet, um den Anschluss nicht zu verpassen bzw. im Falle der LDC’s oftmals erst herzustellen. 19 Nach wie vor wird der Welthandel als Indikator für wirtschaftliche Entwicklung zu mehr als zwei Dritteln von den Industrienationen domi- niert, wenn auch nicht verschwiegen werden soll, dass die Gruppe der sog. Schwellenlän- der (insbesondere die asiatischen „Tigerstaaten“) in den 80er und 90er Jahren einen rapi- den Anstieg des Handelsvolumens zu verzeichnen hatte, während die LDC’s von dieser Handelsausweitung kaum profitiert haben (der Anteil der „LDC’s am weltweiten Handel lag nach Angaben der WTO im Jahre 2000 bei unter 1%, derjenige der NICS’s immerhin bei etwas mehr als 10%) 20 .
Ausgangspunkt der Globalisierung ist, wie schon angedeutet, eine immer stärker um sich greifende weltweite Arbeitsteilung, die ihren Niederschlag in der Aufsplitterung von Pro- duktionsprozessen auf unterschiedliche Standorte sowie in einem rapiden Wachstum des internationalen Güterhandels (Anstieg weltweiter Exporte von 2,3 Bill.$ 1980 auf 6,8 Bill.$ 1999) 21 findet. Beides äußert sich auch im Wachstum ausländischer Direktinvestiti- onen(Anstieg von 500 Mrd.$ 1980 auf 4100 Mrd.$ 1998) 22 und damit zusammenhängend in der weltweiten Integration der Kapitalmärkte sowie im Abbau von Handelshemmnissen und Zollschranken(siehe Kap.1.4.2.). Dadurch entstehen zunehmend gegenseitige Abhä n- gigkeiten von Märkten und Produktionsprozessen in verschiedenen Ländern. Diese interna- tionale Vernetzung wirtschaftlicher Prozesse kann daher als das Hauptmerkmal der Globa- lisierung bezeichnet werden. 23 Hinzugefügt werden muss an dieser Stelle, dass der gesamte Prozess der Globalisierung nicht „gottgegeben“ oder naturgesetzlich und unvermeidbar stattgefunden hat bzw. noch stattfindet, sondern dass gerade in der Frage nach außenwirtschaftlicher Liberalisierung
18 Angenendt 2003, S. 38. und Von Plate 2003, S.3
19 Angenendt 2003, S.38; vgl. Hemmer 2000, S.6.
20 Wolff 2003, S.275f.
21 Wolff 2003, S.275 22 ebd., S.275 23 Hemmer 2000, S.6
9
Arbeit zitieren:
Ingo Deffner, 2004, Globalisierung und Migration, München, GRIN Verlag GmbH
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