Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 2
2. Reims als Krönungsstadt 2-3
3. Baugeschichte 4-6
4. Grundriss 6-8
5. Innenbereich 8-13
6. Außenbereich 13-16
7. Schlussbemerkung 16-17
8. Literaturverzeichnis 18-19
7. Abbildungsverzeichnis 19-21
8. Abbildungen 21-45
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1. Einleitung
Das Thema meiner Hausarbeit ist die Kathedrale Notre Dame in Reims. Die Provinzstadt Reims liegt nordwestlich von Paris, wobei die Kathedrale die Silhouette der Stadt bestimmt. (siehe Abb. 1 u. 2) Erstmals wurde Reims in den Jahren 57-53 v. Chr., bei der Eroberung Galliens durch Cäsar, erwähnt. Zu diesem Zeitpunkt trug sie noch den keltischen Namen
Durocortorum.
Im 2.Jh. v. Chr. ließen sich dort die Remer nieder, ein Stamm aus Germanien, so das zwischen 237 und 275 die Stadt den Namen
Civitas Remorum,
auf französisch Reims, bekam.
1
Der Bau der Kathedrale fällt in die Zeit der Hochgotik. Sie wird oft mit Chartres und Amiens verglichen, da die Baubeginne sehr eng aneinander liegen. Chartres wurde 1194, Reims 1211 und Amiens 1220 begonnen.
Reims bildet also die Mitte und soll sich beim Bau im Grundlegenden an die Ideen der Baumeisters von Chartres geha lten haben. 2 Die Kathedrale „trägt den Titel einer Königin“ und ist „als Krönungskathedrale eng mit der Geschichte des französischen Königtums verwachsen“. 3 Ziel meiner Ausarbeitung ist es, die Kathedrale Zusammenhang mit dem Krönungsprivileg der Stadt zu betrachten und bei der Erklärung des Aufbaus die gestalterischen Gemeinsamkeiten und auch Neuerungen mit Chartres zu vergleichen.
2. Reims als Krönungsstadt
Die Kathedrale von Reims war Krönungsort von sechsundzwanzig Königen Frankreichs. Die erste Krönung in der Kathedrale war von Heinrich I. im Jahre 1027. Das Krönungsprivileg geht zurück auf die Legende des Heiligen Remigius und der Taufe Chlodwigs im 5.Jh.
Zur Amtszeit des Bischofs Remigius stand in Reims bereits eine Kathedrale an dem Ort der Heutigen. Im Jahre 481 setzte sich der Bischof Remigius mit dem angehenden, jungen König Chlodwig in Kontakt, um ihm Ratschläge für seine Regierungsweise zu geben. Dabei legte er ihm ans Herz, sich mit Christen zu umgeben. Remigius spielte dabei mit dem Gedanken, dass Chlodwig sich dem
1
Jaques Le Goff,
Reims, Krönungsstadt. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs,
Kleine kulturwissenschaftliche Bibliothek, Band 58, Berlin: Wagenbach 1997, Seite 7.
2
Jantzen, Hans,
Kunst der Gotik, Klassische Kathedralen Frankreichs. Chartres, Reims, Amiens,
Hamburg: Rowolth 1957 (Rowohlts deutsche Enzyklopädie; 48: Sachgebiet Kunstgeschichte), Neuausgabe, Berlin: H.-J. Kunst 1987, Seite 11.
3 zitiert nach Jantzen 1987, Seite 11.
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katholischen Glauben zuwenden würde. 4 Nachdem Chlodwig, 493, eine katholische Prinzessin aus Burgund heiratete, entschied er sich, 498 an Weihnachten, in der Taufkapelle vo n Reims, durch Bischof Remigius taufen zu lassen. Diese Taufe sollte nun zu der Legende werden, die Reims zu einem Gedächtnisort machte. 5 Bereits der Beginn dieser Zeremonie in der Taufkapelle des königlichen Palastes ließ die Taufe zu etwas Besonderem werden. Denn die Kapelle wurde plötzlich von einem himmlischen Licht erfüllt und eine Stimme sprach zu ihnen: „Friede sei mit euch; ich bin es; fürchtet euch nicht, verbleibt in meiner Liebe.“ 6 Nachdem das Licht verschwand, begab man sich zur Taufkapelle der Kathedrale. Kurz vor dem Vollzug der Taufe flog eine weiße Taube mit einem Fläschchen Salböl im Schnabel in die Bischofskirche, das sie Remigius übergab. 7 Nach dieser fast „göttlichen Zeremonie“ wurde der Bischof heilig gesprochen. Das Geschlecht Chlodwigs musste von nun an die christliche Religion akzeptieren. 8 Das Wunder jedoch verbreitete sich sehr langsam und war anfangs nur regional bekannt, bis es dann später zu einem nationalen Kult wurde. Der Heilige Remigius starb ca. 533 und wurde, nach seinem Wunsch hin, in der Saint – Christophe – Kapelle begraben. Nach der Vergrößerung der Kapelle wurden die Gebeine des Heiligen in das neue Gebäude überführt, das den Namen Saint-Remi bekam. Im 9.Jh. hatte Bischof Hincmar es geschafft, dass die Legende von Re migius nicht nur in Berichten erhalten blieb, sondern auch in liturgischen Texten und einem jährlichen Fest, so dass die Legende zu einem „liturgischen Gedächtnis“ 9 wurde. Hincmar nannte den Heiligen Remigius erstmals „Apostel der Franken“ 10 und anschließend wurde die Taufe zu einer offiziellen Krönungszeremonie erkoren, obwohl es eine königliche Salbung noch gar nicht gab. 11 Da Reims erst durch die Remigiuslegende zur Krönungsstadt wurde, ist sie auch an der Fassade der Kathedrale oftmals wieder aufgegriffen worden. Schon an der Westfassade bildet die Taufe Chlodwigs den Mittelpunkt der Königsgalerie. (siehe Abb. 7) Auch im Tympanon des Heiligenportals an der Nordfassade wird der Heilige Remigius zusammen mit dem Heiligen Nicasius geehrt. (siehe Abb. 3 - 5)
5 Le Goff 1997, Seite 15.
6 zitiert nach Flodoard, Geschichte der Kirche von Reims, 948 in: Le Goff 1997, Seite 16. 7 Flodoard in Le Goff 1997, Seite 15-17.
8 Le Goff 1997, Seite 17.
9 zitiert nach 10 zitiert nach 11 Le Goff 1997, Seite 18-20.
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3. Baugeschichte
Vermutlich um 400 wurde in Reims die erste Kathedrale gebaut. Der Bischofssitz von Nicasius wurde in das Zentrum der Stadt verlegt. Dort ließ er aus den Überresten eines gallorömischen Gebäudes eine, der Jungfrau Maria geweihte, Kirche errichten. Vor dem Eingang dieses Gotteshauses wurde er, der Legende nach, von Vandalen enthauptet.
12
Er starb einen Märtyrertod und wurde heilig gesprochen.
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Ca. 50 Jahre später stand dort bereits eine Basilika, welche bis zum 9. Jh. auch erhalten blieb. Wegen Baufälligkeit begann 820 ein Neubau, der von Erzbischo f Hincmar weitergeführt wurde. Im folgenden Jahrhundert ließ der Erzbischof Adalberon an der Basilika Vergrößerungsarbeiten durchführen. Eine weitere Umgestaltung, sowie ein partiellen Neubau erfuhr sie unter Erzbischof Samson. Durch ihn erreichte sie fast die Ausmaße der heutigen Kathedrale. Jedoch fiel sie, und auch ein Teil der Stadt, am 6. Mai 1210 einem Brand zum Opfer.
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Ein Neubau war unausweichlich. Bereits 1211 wurde der Grundstein für die neue Kathedrale von dem Erzbischof Aubry de Humbert (1207-1218) gelegt. Dieser Bau entstand insbesondere durch die Initiative des Bischofs und des Kapitels, denn die Bauern hatten daran eine sehr geringe Beteiligung.
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Das Kapitel von Reims hatte Angst ohne Kathedrale das Krönungsprivileg zu verlieren. Die Krönung müsste in einer anderen Stadt vorgenommen werden und man stellte sich die Frage, ob Reims dann überhaupt wieder Krönungsstadt geworden wäre. Ihr Ziel war es einmal, eine Kathedrale zu bauen, die so groß sein sollte, dass sie der Zeremonie einer Krönung auch gerecht wird, und zum Zweiten, diesen Bau in so kurzer Zeit als möglich zu vollenden, so dass der nächst kommende König dort gekrönt werden könne.
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In der Reimser Kathedrale existierte bis 1779, wie auch in Chartres und Amiens, ein Labyrinth, wodurch es möglich ist die Baumeister der Kathedrale zu benennen. (siehe Abb. 8 u. 9) Es war im Langhaus zwischen dem 3. und 4. Joch des Mittelschiffes in die Bodenplatte eingelegt.
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12
Eschapasse, Maurice,
Die Kathedrale von Reims. Übersetzung von Noémi Ripka,
Mulhouse: Caisse nationale des monuments historiques et des sites 1980, Seite 9.
13 Der Heilige Nicasius wird auch heute noch an der Fassade der Kathedrale geehrt. Seine Enthauptung wird im Tympanon des Heiligenportals an der Nordfassade gezeigt. Auch am linken Portal der Westfassade ist er mit verstümmeltem Schädel zu sehen. (siehe Abb. 3, 4 u. 6) 14 Eschapasse 1980, Seite 9.
15 Kimpel Dieter u. Suckale Robert, Die gotische Architektur in Frankreich 1130-1270, München: Hirmer 1985, Seite 277.
16 Kimpel 1985, Seite 289.
17 Kimpel 1985, Seite 291.
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Das Labyrinth war ein Gedenkstein, der ca. 1285 fertig gestellt wurde. 18 Verschiedene Funktionen lagen ihm zugrunde: Daedalus, der Erfinder des Labyrinthes von Knossos, wurde damit geehrt; es war ein Ersatzwallfahrtsort für reuige Sünder, die auf den Knien in das Zentrum rutschten und damit Begnadigung erhielten. Die Dritte, wahrscheinlich auch die grundlegende, Funktion war die Ehrung der Architekten im 13.Jh., sowie auch die Dokumentation der Baugeschichte. Der Gedenkstein ist somit ein Beweis, dass dieser Berufsstand vom 12.Jh. zum 13.Jh. immer mehr Anerkennung erhalten hatte.
Das Labyrinth hat eine achteckige Form, wobei sic h an jeder Schrägseite nochmals eine Art achteckige Vorlage befindet. Es erinnert so an den Grundriss eines kantonierten Pfeilers. Im Zentrum steht eine Figur mit langem Gewand, die als Erzbischof Aubry de Humbert identifiziert wurde. In den Ecken stehen kleinere Figuren mit Attributen wie Bodenzirkel, Richtscheit und Handzirkel. Hierbei handelt es sich um die Architekten. 19 Die Reihenfolge der Baumeister und ihre Arbeitszeit an dem Bau sind jedoch unklar, da die Literatur viele Ansichten preisgibt. Sicher sind jedoch ihre Namen: Gaucher de Reims, Jean Le Loup, Jean d`Orbais und Bernard de Soissons. 20 Anfangs wurden die Pläne entworfen und die Proportionen der Kathedrale festgelegt. Es wurde geplant einen Vierungsturm zu bauen, der jedoch nicht realisiert wurde. 21 Zu Beginn errichtete man, außer dem Fundament und der Anlage eines Stufensockels, die Außenmauern der westlichen Querhaus- und Langhausseitenschiffe. 22 Weiterhin fertigte man die Figurenportale des Nordquerhauses bis zur Höhe des Triforiums. 23 Im Jahr 1221 konnten der Chorumgang und die Kranzkapellen schon benutzt werden. 24 Die Weihung der Scheitelkapelle war im selben Jahr. In der unfertigen Kathedrale wurden Ludwig VIII. (1223) und Ludwig IX. (1226) geweiht, womit Reims so den Status der Krönungsstadt erhalten konnte. 25 1233 wurde der Bau durch einen Bürgerkrieg unterbrochen.
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Hamann-Mac Lean, Richard u. Schüssler Ise,
Die Kathedrale von Reims,
Teil1 Architektur Bd. 1, Stuttgart: Steiner 1993, Seite 348.
19 Kimpel 1985, Seite 291.
20 Hamann-Mac Lean 1993, Seite 348.
21 Le Goff 1997, Seite 42.
22 Hamann-Mac Lean 1993, Seite 349.
23 Kimpel 1985, Seite 288.
24 Kimpel 1985, Seite 532.
25 Hamann-Mac Lean 1993, Seite 348.
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Gründe dafür waren die Verfolgung von Geldgeschäften durch das Kapitel 26 und der Kampf um die Senkung der Abgaben, die die Bürger dem Bischof für die Deckung der Krönungen zahlen mussten. 27 Die Bürger von Reims vertrieben den Bischof und das Kapitel aus der Stadt. Die Unruhen waren erst 1236 endgültig beendet. Die Arbeiten an der Kathedrale mussten von 1233 bis1235 unterbrochen werden. 28 1241 konnten das Querhaus, die vier östlichen Langhausjoche und der Chor, der im selben Jahr geweiht wurde, benutzt werden. In den ersten 20 Jahren ging der Bau mit einer großen Geschwindigkeit voran, die in den folgenden Jahren dann abnahm.
Ab 1255 wurden dann die Westfassade und die vier westlichen Joche gebaut. 29 Auch die Krönung von Phillipp III. dem Kühnen (1271) fand in der unvollendeten Kathedrale statt. Jedoch pünktlich zur Krönung von Phillipp IV. dem Schönen, (1286) war der Bau der Kathedrale weitestgehend beendet. 30 1481 brannten der Vierungs turm und der Dachstuhl der Kathedrale ab. Der Wiederaufbau dauerte ungefähr zehn Jahre. Es sollten eigentlich sieben Türme gebaut werden, von denen einer 150 Meter hoch sein sollte. Im Zeitraum von 1494 bis 1512 wurden vier tragende Bögen über dem Kreuzgewölbe des Querschiffes angebracht, die diesen Turm tragen sollten. 1914 fiel die Kathedrale einem Brand und Granaten zum Opfer. Henri Deneux leitete die Arbeiten zum Wiederaufbau von 1915 bis 1938. 31
4. Grundriss
Die Kathedrale ist dreischiffig und besteht aus Langhaus, Querhaus und einem Chor mit Kapellenkranz. (siehe Abb. 10) Das Langhaus hat ein vierteiliges Gewölbe und ist zehnjochig, wodurch es sehr gestreckt wirkt. Das erste und das letzte Joch sind größer, da das Erste sich zwischen den Ansätzen der Türme befindet und das Zehnte den Querschiffsarmen entsprechen muss, da es sowohl zum Lang- als auch zum Querhaus gehört.
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Das Langhausmittelschiff ist doppelt so breit wie die Seitenschiffe. Das Querhaus hat dieselbe Gesamtbreite, aber ein schmaleres Mittelschiff, wodurch die Vierung
27 Le Goff 1997, Seite 52.
28 Hamann-Mac Lean 1993, Seite 348.
29 Kimpel 1985, Seite 533.
30 Hamann-Mac Lean 1993, Seite 348.
31 Lucien, Mary, Die Kathedrale von Reims/ [Übers.: Carola Heisig], Reims: Mary 1984, Seite 2. 32 Eschapasse 1980, Seite 15.
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unquadratisch ist. Auch dieses Gewölbe ist vierteilig. Weiterhin geht das Querhaus fast in den Chor hinein, so dass der Chor ziemlich kurz wirkt.
Die Apsis hat einen 5/10-Schluss. Um den Chor herum führen Seitenschiffe, deren Joche sich zu einer trapezförmigen Gestalt verändern. An diesen Chorumgang schließen sich insgesamt fünf Kranzkapellen auch mit je einem 5/10-Schluss an, wobei die Scheitelkapelle länger ist und aus zwei Jochen besteht. Das Gewölbe wird von kantonierten Pfeilern getragen mit je vier Diensten.
Die Pfeiler der Vierung sind, aufgrund des Vierungsturms, stärker gebaut. Genauso verhält es sich mit den beiden Mittelschiffpfeilern des ersten Joches im Langhaus, die ebenfalls je einen Turm stützen.
Die Westseite zeigt, dass Reims drei Portale hat: ein großes Mittelportal und zwei kleinere Seitenportale, welche trichterförmig zurückgesetzt sind. Die Außenwand der Kathedrale scheint zurückzuspringen und macht somit Platz für einen Laufgang, der um das ganze Bauwerk führt. So entstehen im Wandbereich zwei Schalen, mit dem Laufgang in der Mitte.
Wie schon in der Einleitung erwähnt, soll sich die Reimser Kathedrale in ihren Grundzügen an den Bau von Chartres gehalten haben. Doch vergleicht man die Grundrisse von Reims, St.-Remi und Chartres miteinander, so erkennt man mehr Ähnlichkeit mit der Abteikirche Saint-Remi, welche in der zweiten Hälfte des 12.Jh. fertig gestellt wurde. (siehe Abb. 11 - 13) Saint-Remi ist ebenfalls dreischiffig und besitzt ein gestrecktes Langhaus. An den Chor grenzen auch, wie in der Kathedrale, fünf Kranzkapellen mit einer längeren Scheitelkapelle. Die Apsis hat ebenfalls einen 5/10-Schluss.
Für eine Erklärung dieser Ähnlichkeit berufe ich mich auf die Ausarbeitungen von Richard Hamann Mac Lean und Ise Schüssler. Sie meinen, dass der erste Baumeister der Kathedrale Gaucher de Reims war. Er soll an dem Bau von 1211 bis 1218 gearbeitet und auch die Pläne entworfen haben. Da er nur acht Jahre daran arbeitete, gehen sie davon aus, dass er schon ein Baumeister mit reichlich Erfahrung war. Außerdem war er Reimser und soll vermutlich der Erbauer des Chores von Saint- Remi gewesen sein. Sein Entwurf der Kathedrale knüpft an die Tradition der Stadt an, wobei er aber auch Elemente von Chartres und Saint-Remi mit einfließen ließ. 33 Ferner sollte nicht vergessen werden, dass Saint-Remi Grablege des heiligen
33
Hamann-Mac Lean 1993, Seite 349.
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Bischofs Remigius und vor allem Aufbewahrungsort der Heiligen Ampulle ist, deren Funktion bei der Krönung im 12. und 13.Jh. immer bedeutsamer wurde. 34 Demzufolge liegt es nicht fern, dass man sich beim Bau der Kathedrale an so einem historischen Ort orientiert hatte, der eine Reliquie beherbergt, die Reims erst zur Krönungsstadt machte.
Der Grundriss von Chartres zeigt zwar auch eine Dreischiffigkeit, doch das Langhaus scheint hier viel gedrückter. Der Chor dehnt sich mit seinen fünf Schiffen mehr aus als in Reims. Die Apsis hat einen 7/12-Schluß, so dass das Chorhaupt in sieben gleiche Teile geteilt wird, wobei jeder Bereich mit einer Kranzkapelle abgeschlossen wird. Der Kranz besteht aus drei größeren Kapellen, die je zwischen zwei Kleineren eingebettet sind.
Was aber in jeden Fall von Chartres übernommen wurde, sind die kantonierten Pfeiler, die Rundpfeiler im Chor und der dreiteilige Aufriss der Kathedrale 35 , worauf ich bei der Betrachtung des Innenraums noch zurückkommen werde.
5. Der Innenraum
Die Kathedrale hat einen dreiteiligen Aufriss bestehend aus: Arkadenzone, Triforium und Obergaden. Das Emporengeschoß ist unter dem Einfluss von Chartres verschwunden. (siehe Abb. 14 u. 15) Das Gewölbe ist, wie in Chartres und Saint- Remi, vierteilig.
Die Arkadenzone ist fast genauso hoch wie Triforium und Obergaden zusammen, womit der Aufriss sehr an Chartres erinnert. Die Arkadenbögen laufen spitzbogig in die Höhe und berühren mit ihrem Scheitel fast die Fußlinie des Triforiums. Damit wirkt der Aufstieg der Arkaden jedoch viel steiler als in Chartres. 36 Ihre Höhe ist so angepasst, dass durch sie die Seitenschifffenster in ihrer vollen Größe zu sehen sind. Das Mittelschiff wird so auch im unteren Bereich mit Licht durchflutet. (siehe Abb. 16) Kantonierte Pfeiler bilden die Arkadenstütze, bei denen Chartres als Vorbild diente. Die Pfeiler in Reims haben einen zylindrischen Kern und sind von zylindrischen Diensten umgeben, wodurch die Arkadenstütze sehr plastisch wirkt. 37 Sie fassen alle auf dem Kapitell aufliegenden Dienste zu einem einzigen
35 Jantzen 1987, Seite 51-57.
36 Jantzen 1987, Seite 44.
37 Jantzen 1987, Seite 44.
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Nanni Harbordt, 2004, Die Kathedrale von Reims, München, GRIN Verlag GmbH
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