Dienstleistungsgesellschaften
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorien zur Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft
2.1. Colin Clark The Conditions of Economic Progress
2.2. Jean Fourastiés Le Grand Espoir du XXe Siècle
2.3. D Bell The Coming of Post-Industrial Society
2.4. Gartner Riessman Die Macht der Konsumenten
2.5. W J Baumol Kostenkrankheit von Dienstleistungen
2.6. J Gershuny After Industrial Society
2.7. Zwischenresümee
3. Die Soziologie und die Dienstleistungsexpansion
3.1. H D Rönschs endogene Erklärung der DL-Gesellschaft
3.2. Bürokratische Systeme in der Koordinierungsfalle
3.2.1. Tertiarisierung durch bürokratische Externalisierung
3.2.2. Intra-Tertiarisierung
3.3. Das Individuum und die Erosion der Rolle
3 3 1 Streßfaktoren
3.3.2.Stil statt Rolle
3.4. Dienstleistungs-Rationalität
4. Zusammenfassung
5. Literaturangaben
Dienstleistungsgesellschaften
1. Einleitung
Sie sind allgegenwärtig und bestimmen unser tägliches Leben wie kaum etwas anderes – die Dienstleistungen.
Sie wurden schon früh als Jobmotor und damit als Freund im Kampf gegen die durch Veränderungen, zum Beispiel in der Indus trieproduktion, anwachsende Arbeitslosigkeit angesehen, und ihr anteilig dadurch bedingter Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung erkannt.
Viele Theoretiker haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten Gründe und Ursachen für die Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft herausgestellt und in ihre Theorien eingebunden. Auffällig war dabei aber die Überlast wirtschaftlicher Herleitungen für das Anwachsen des Phänomens Dienstleistungen. Aber gibt es aber noch einen anderen Weg – einen soziologischen Weg, den Siegeszug der Dienstleistungen aus der gesellschaftlichen Veränderung heraus zu verdeutlichen? Horst-Dieter Rönsch versucht mit seinem Ansatz die Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft auf eine bisher noch nicht angewandte Art und Weise, nämlich die der endogenen Erklärung aus der Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft anzuwenden.
Diese Hausarbeit soll einen kleinen Überblick über wichtige ökonomische Theorien zur Entstehung der Dienstleistungsgesellschaft geben und danach Rönschs These von der Entstehung der Dienstleistungsgesellschaft aus der Krise der Bürokratie beantworten.
2. Theorien zur Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft
Im Laufe der Zeit wurden einige Theorien zur Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Dabei schlugen die Theoretiker unterschiedliche Wege für die Beschreibung der Entstehung des Phänomens Dienstleistungsgesellschaft ein.
Sie behaupteten, dass sich durch den ökonomischen und technischen Wandel ein neuer Typus der Gesellschaft herausbildet. Dieser unterscheidet sich zur bisher dominierenden Industriegesellschaft durch neue politische Machtstrukturen,
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veränderte zentrale Konfliklinien und besonders durch veränderte Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen.
Immer mehr Menschen sind in Dienstleistungen verschiedenster Art tätig, welche immer stärker vom Publikum konsumiert werden. Gleichzeitig sinkt aber der Anteil der in der unmittelbaren Produktion beschäftigten Menschen, welches das hervorstechenste Merkmal der Industriegesellschaft, im Vergleich zur noch länger zurückliegenden Agrargesellschaft, darstellte.
Die Theorien zur Herausbildung der Dienstleistungsgesellschaft werden im folgenden kurz vorgestellt.
2.1. Colin Clark „The Conditions of Economic Progress“ (1940)
Colin Clark nahm als Grundlage seiner Theorie die sektorale Einteilung der Beschäftigung, welche 1939 von Fisher erfunden worden war. Fisher teilte dabei die Beschäftigung in drei Sektoren, den agrarischen (erster), den industriellen (zweiter) und den tertiären (dritter) Sektor ein. Im primären Sektor wurden die unmittelbar lebensnotwendigen Güter, zum Beispiel Nahrungsmittel, produziert. Im sekundären Sektor wurden dann die nachrangig notwendigen Güter, zum Beispiel Autos, produziert, bevor dann im tertiären Sektor Luxusbedürfnisse und Bequemlichkeiten befriedigt wurden. Clark entwickelte daraus jetzt seine Hypothese, dass sich in Perioden ökonomischen Wachstums die Beschäftigung vom ersten zum zweiten und vom zweiten zum dritten Sektor verschiebe, also die Nachfrage nach weniger notwendigen Gütern zunimmt.
Clark und Fisher gehen in ihrer „3-Stufen-Theorie“ also von Konsumpräferenzen oder der essentiellen „Notwendigkeit“ von Produkten aus.
2.2. Jean Fourastiés „Le Grand Espoir du XXe Siècle“ (1949)
Nachdem Fisher und Clark mit Konsumpräferenzen ihre drei Sektoren definierten, ging Fourastié, wegen seiner Ausführungen auch „Vater der Debatte“ genannt, bei seiner Sektoreneinteilung von den Produktivitätsunterschieden bei der Herstellung
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von Produkten aus. Er unterschied sie also nicht nach Art der Produkte, sondern nach Art der Produktion.
Um seine These vom Anstieg der Beschäftigung durch Zunahme konsumorientierter Dienstleistungen darzulegen, ging er davon aus, dass sich der technische Fortschritt, also der Produktivitätsanstieg, auf die Produktion und den Verbrauch insgesamt auswirkt.
Durch Produktivitätssteigerungen im ersten Sektor werden mehr lebensnotwendige Güter produziert und der gesellschaftliche Reichtum wächst. Der Absatz wächst aber nur bis zur Sättigung der Bedarfsdeckung nach lebensnotwendigen Gütern, dadurch werden Arbeitskräfte in diesem Sektor freigesetzt. Diese Menschen werden aber von dem durch die gesteigerte Nachfrage expandierenden zweiten Sektor sofort absorbiert und für die Produktion von Industriegütern eingesetzt. Da aber nach und nach auch die Produktivität im zweiten Sektor ansteigt und viel mehr Produkte durch immer weniger Arbeiter hergestellt werden können, werden wieder Arbeitskräfte freigesetzt. Durch den Produktivitätsanstieg entwickelte sich aber auch ein extremer Vorteil, da der gesellschaftliche Reichtum sprunghaft wächst und die Menschen immer weniger Zeit haben entsteht ein unstillbarer „Hunger nach Tertiärem“, wie Fourastié es später beschreibt. Mit steigendem Einkommen und Sättigung des Bedarfs nach sekundären Gütern steigt die Nachfrage nach konsumorientierten Dienstleistungen, welche den dritten Sektor anwachsen lassen und für Vollbeschäftigung sorgen können. Im dritten Sektor sind dann aber nach seiner Meinung kaum Produktivitätssteigerungen möglich, da die konsumorientierten Dienstleistungen nach dem „uno-actu-Prinzip“ funktionieren und man bei der Dienstleistung am Menschen die Arbeitsleistung nur bis zu einem bestimmten Punkt erhöhen kann.
Das Ergebnis der Entwicklung ist ein neues Gleichgewicht in einer von konsumorientierten Dienstleistungen dominierten Gesellschaft. Die Lebensumstände, zum Beispiel die kulturelle Bildung oder das Gesundheitssystem, verbesserten sich enorm, und auch die ökonomische und politische Stabilität wurden durch die geringere Arbeitslosigkeit und ein expandierendes Dienstleistungsangebot gestärkt.
Die beiden Ansätze, besonders der von Fourastié, sind sehr optimistisch. Sie leiten die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft aus ökonomischen Gesetzmäßigkeiten ab, politische Entwicklungen und gesellschaftliche Normen vernachlässigen sie. Fourastiés Theorie steht und fällt mit der Entwicklung der konsumorientierten
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Dienstleistungen, wobei auch nicht geklärt ist, ob der technischen Fortschritt bei diesen Dienstleistungen nicht doch umgesetzt werden kann.
2.3. Daniel Bell „The Coming of Post-Industrial Society“ (1973)
Ein weiterer Optimist unter den Theoretikern ist Daniel Bell, der sich besonders mit der wachsenden Bedeutung von Wissen und Information für das gesamte Produktionssystem, also mit den produktionsbezogenen Dienstleistungen beschäftigte. Er unterteilte die Entwicklung der Gesellschaft in drei Phasen.
Die erste Phase ist die vorindustrielle Gesellschaft in der die Arbeitskräfte mit ihrer eigene n Muskelkraft vorwiegend in der Urproduktion, also in der Erschaffung von Lebensmitteln, arbeiten.
Das Leben der Arbeiter stellte in erster Linie ein Spiel gegen die Natur dar. Industriegesellschaften bestimmen die zweite Phase. Sie sind güterproduzierende Gesellschaften in denen Arbeiter und Ingeneure die dominierenden Berufe sind, und Energie die Basis der Produktivität darstellt. Das Leben ist hier in erster Linie ein Spiel gegen die technisierte Natur.
Die dritte Phase ist die nachindustrielle Gesellschaft, die auf Dienstleistungen beruht. Sie ist ein Spiel zwischen Personen, die als Grundlage für die Dienstleistungen auf Informationen angewiesen sind. Information bedeutet in dieser Phase alles und wird zur Machtquelle innerhalb der gesellschaftlichen Organisationen.
Theoretisches Wissen und wissenschaftliches Arbeiten werden zu strategischen Hilfsmitteln und zum axialen Prinzip der Gesellschaft .Der Akademiker ist für Bell die wichtigste Figur in diesem Zusammenhang.
Die wichtigste Rolle spielt dabei die starke Zunahme der wissenschaftlichen Tätigkeiten im Bereich der Güterproduktion. Die Dienstleistungsproduktion dominiert gegenüber der Güterproduktion. Technische Problemlösungen, also die Lenkbarkeit des technischen Fortschritts, werden bei ihm zum Paradigma gesellschaftlicher Steuerung.
Damit verschieben sich Konfliktfronten, Herrschaftsmuster und politische Bewußtseinslagen innerhalb der Gesellschaft.
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Thomas Heldberg, 2004, Horst-Dieter Rönsch - Die Geburt der Dienstleistungsgesellschaft aus der Krise des bürokratischen Prinzips, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Zu: Daniel Bell, Wissen in der nachindustriellen Gesellschaft
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