Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Vermeidung von Kreditrisiken durch Corporate Bonds 3
3. Vergleich von Bankkredit und Anleihenfinanzierung 5
3.1 Beurteilung mit Hilfe des Diamond-Modells 5
3.2 Voraussetzungen für die Anleihenfinanzierung 6
4. Perspektiven für Corporate Bonds 8
4.1 Globale Entwicklungen 8
4.2 Europäische Situation 10
4.3 Deutsche Entwicklungen 11
5. Anleihenfinanzierung aus Sicht der Banken 12
5.1 Segmentierung des deutschen Bankensystems 12
5.2 Vorteile durch Corporate Bonds 14
5.3 Nachteile der Anleihenfinanzierung 15
6. Schluss 16
Literaturverzeic hnis 17
- 2 -
1. Einleitung
Der Markt für Corporate Bonds n ahm in Deutschland in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung. Während im Jahr 1999 Corporate Bonds im Wert von 6,3 Milliarden Euro im Umlauf waren, stieg diese Zahl auf 13,6 Milliarden Euro im Jahr 2000 und erhöhte sich bis zum Januar 2002 auf 25,6 Milliarden Euro. 1 In der Haup t- seminararbeit wird die Vermeidung von Kreditrisiken durch Corporate Bonds disku- tiert, wobei die Perspektive der Banken im Vordergrund steht.
Für den Begriff Corporate Bonds existieren im deutschen Sprachgebrauch mehrere Bezeichnungen. Im folgenden wird neben dem englischen Begriff das wohl gängiste deutsche Äquivalent Unternehmensanleihen verwendet. „Als Unternehmensanleihen bezeichnet man Anleihen, die von der gewerblichen Wirtschaft emittiert werden. Sie sind eine mögliche Form der langfristigen Außenfinanzierung von Unternehmen.“ 2 In der Gattung der Unternehmensanleihen sind definitonsgemäß ausschließlich von Nicht-Banken emittierte Wertpapiere enthalten. Von Banken emittierte Schuldver- schreibungen werden in Statistiken und der Literatur separat behandelt und finden deshalb keine Berücksicht igung. 3
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Im zweiten Kapitel wird die Vermeidung von Kreditrisiken durch Corporate Bonds erläutert. Im Anschluss erfolgt ein Vergleich zwischen Anleihe nfinanzierung und klassischem Bankkredit. Kapitel vier befasst sich mit Entwicklungen und Perspektiven im Bereich der Corporate Bonds. Auf Ba- sis des Vergleichs der Finanzierungsformen und der Entwicklungsperspektiven wer- den die Vor- und Nachteile einer stärkeren Nutzung der Anleihenfinanzierung aus Sicht der Banken erläutert, wobei zuerst eine Differenzierung nach verschiedenen Bankenfo rmen stattfindet.
2. Nutzung von Corporate Bonds zur Vermeidung von Kreditrisiken
Banken gehen in jüngster Zeit den Weg vom Risikonehmer zum Risikomanager.
1 Vgl. Deutsche Bundesbank (2002), S. 50.
2 Fischer (2001), S. 253.
3 Vgl. Statistisches Bundesamt, http://www-zr.destatis.de/def/def1586.htm, 26.4.2002.
Sie geraten zunehmend von ihren Anteilseignern unter Druck, das Kreditrisiko in ihrer Bilanz zu kontrollieren oder zu reduzieren. 4 Das ist unter anderem darauf zu- rückzuführen, dass die Kosten für Kreditrisiken (Verluste, Abschreibungen und Rückstellungen) in den 90er Jahren für viele Banken zur wichtigsten Kostenkompo- nente neben den Betriebskosten wurden. 5 Caouette/Altman/Narayanan 6 bezeichnen das Kreditrisiko sogar als die „next great challenge for the financial ma rkets“.
Definitionsgemäß ist das Kreditrisiko „the risk of loss because a borrower/ counter- part fails to meet its obligations“. 7 Zu den Kreditrisiken gehören das Ausfallrisiko, das Terminrisiko und das Besicherungsrisiko. 8 Des weiteren spielen Länder- und Transferrisiko eine Rolle. 9 Das Kreditrisiko stellt insgesamt die größte Risikopositi- on für Banken dar, wenngleich die Bedeutung anderer Positionen zunimmt. 10
Klassischerweise lässt sich das Ausfallrisiko für Kredite kalkulierbar machen, indem eine laufende Überprüfung der Zahlungsfähigkeit und –willigkeit der Gläubiger er- folgt. Außerdem können Verluste durch Kreditabsicherungen reduziert oder vermie- den werden. 11 Zusätzlich gibt es zahlreiche kompliziertere Modelle, um Kreditrisiken zu messen und zu steuern.
Corporate Bonds können ebenfalls zur Vermeidung von Kreditrisiken eingesetzt werden. Bei der Nutzung von Unternehmensanleihen führt die Bank kein bilanzwirk- sames Geschäft wie bei der Kreditvergabe durch, sondern tritt als Vermittler auf. Das Kreditrisiko wird auf andere Kapitalmarktteilnehmer verlagert, sofern die emittieren- de Bank nicht Teile der Emission als Vermögensgegenstand kauft. 12 Für das betreu- ende Institut können jedoch andere Risiken entstehen, auf die in Kapitel fünf näher eingegangen wird.
4 Vgl. Peterson (2000), S. 107.
5 Vgl. Blattmann (2000), S. 3. Anmerkung: Blattmann erläutert dies am Beispiel der Schweiz.
6 Caouette/Altman/Narayanan (1998), S. 9.
7 Donaldson (1989), S. 1.
8 Vgl. Cookson (1993), S. 22, Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber (2000), S. 151.
9 Vgl. Schierenbeck (1990), S. 433.
10 Vgl. BIZ (2001), S. 1, McDonough (2000), S. 30.
11 Vgl. Bäldle (1998), S. 20.
12 Vgl. Weber (1994), S. 12, Blattmann (2000), S. 374 f..
Zwar lassen sich durch die Nutzung von Corporate Bonds neue Risiken steuern be- ziehungsweise vermeiden. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass es sich dabei nicht um eine Maßnahme zur Steuerung bereits gesprochener Kredite handelt. Bei Altge- schäften ist eine Risikoabtretung durch Kreditverkauf oder Kreditverbriefung mö g- lich. Da diese beiden Instrumente aber definitionsgemäß nicht zu den Corporate Bonds zählen, genüge an dieser Stelle ein Hinweis auf die Literatur. 13
3. Vergleich von Bankkredit und Anleihenfinanzierung
3.1 Beurteilung mit Hilfe des Diamond-Modells
Der Indermediationstheorie von Diamond zufolge ist die Überwachung und Kontrol- le der Schuldner zentrale Aufgabe des Intermediärs. Würden die Kapitalgeber den Kreditnehmer nicht überwachen, so wäre es für ihn stets optimal, die Investitionspro- jekte als Fehlschlag darzustellen. Er könnte dann die wirklich anfallenden Gewinne für sich verbuchen. Diamond weist der Diversifikation der Finanz- intermediäre we- sentliche Bedeutung zu. Bei der Finanzierung stochastisch unabhä ngiger Projekten gleicher Varianz sinkt das Portfoliorisiko, und es reduzieren sich folglich die Delega- tionskosten. 14
Im Modell von Diamond werden die Informationen, die einem Kapitalgeber zur Ver- fügung gestellt werden, als privates Gut verstanden, das heißt sie sind nur dem jewei- ligen Kontrolleur zugänglich. Mit steigender Zahl der Kapitalgeber multipliziert sich folglich der Kontrollaufwand. Der Kontrollvorteil übersteigt die Kontrollkosten unter Umständen nur dann, wenn die Überwachungsaktivitäten auf einen oder wenige Fi- nanzintermediäre übertragen werden. Daraus resultiert die theoretische Begründung für die Existenz von Finanzintermediären. 15 Standardkreditkontrakte erweisen sich in der Modellstruktur von Diamond als optimale Finanzierungsbeziehung. 16
Die Unternehmensfinanzierung über Corporate Bonds kann als die Ausschaltung von Intermediären gedeutet werden. Diamond 17 geht davon aus, dass Unternehmen mit
13
Vgl. z.B. Blattmann (2000), S. 374 – 392.
14 Vgl. Diamond (1984), S. 393 – 410.
15 Vgl. Diamond (1984), S. 393 – 410.
16 Vgl. Weber (1994), S. 27 – 32.
17 Vgl. Diamond (1991), S. 689 – 716.
erstklassigem Rating und stabilem Cash Flow keiner Überwachung bedürfen, da In- termediation in diesem Fall nicht zu einem Kontrollvorteil führt. Möglich ist aber auch die Interpretation, dass Banken in ihrer Kontroll- und Überwachungsfunktion durch andere Intermediäre wie Ratingagenturen oder Investmentgesellschaften sub- stituiert werden. Des weiteren gibt es die These, dass die Banken durch konzernin- terne Intermediation ersetzt werden. Die Konzernzentrale würde in diesem Fall die Tochtergesellschaften überwachen und kontrollieren. 18 In der Literatur wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um ein erhöhtes Kontrollniveau handelt, da die Mit- telvergabe durch die Konzernzentrale eher einer Eigen- als einer Fremdfinanzie- rungsbeziehung ähnelt und die Konzernleitung in der Regel über bessere Informatio- nen verfügt als externe Intermediäre. 19
3.2 Voraus setzungen für die Anleihenfinanzierung
Die Finanzierungsentscheidung hängt insbesondere von der Variabilität des wirt- schaftlichen Umfeldes eines Unternehmens ab. Bei Unternehmen mit einem hohen Grad an Variabilität ist es schwerer möglich, die Koordinatio n zwischen Kreditne h- mer und –geber durch festgelegte Regeln zu steuern, wie das bei der Ausgabe von Corporate Bonds der Fall sein muss. Folglich sind vor allem Unternehmen mit einem höheren Reifegrad der Produkte für Anleihenfinanzierung geeignet. 20
Thadden 21 baut auf der Modellstruktur von Diamond auf und unterscheidet zwischen kurz- und langfristigen Produktionstechnologien. Er nimmt an, dass die langfristigen Technologien insgesamt profitabler, am Anfang jedoch verlustbringender sind. An- laufverluste werden vom Kapitalmarkt jedoch als schlechte Qualität interpretiert, wodurch Unternehmen gezwungen werden, die weniger profitablen kurzfristigen Projekte durchzuführen. Banken können dagegen auch langfristige Projekte finanzie- ren und die Kreditnehmer überwache n.
Williamson 22 vergleicht Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierung und kommt zum Ergebnis, dass letztere die kostengünstigere regelgebundene Vertragsstruktur
18
Vgl. Weber (1994), S. 34 – 40.
19 Vgl. Löffler (1991), S. 116 – 123.
20 Vgl. Wahrenburg (1992), S. 69 f., Schumacher (1999), S. 108 – 112.
21 Vgl. Thadden (1995), S. 557 – 575.
22 Vgl. Williamson (1988), S. 580 – 591.
Quote paper:
Christian Merkl, 2002, Vermeidung von Kreditrisiken durch Corporate Bonds, Munich, GRIN Publishing GmbH
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