Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Handlungsbegriff Sartres 2
2.1. auf der Grundlage des Menschenbildes des Existentialismus 2
2.2. als Schlüsselbegriff der Philosophie Sartres Handeln im Kontext von
Freiheit und Verantwortung 5
3. Schlussbemerkungen 15
1. Einleitung
In einer Zeit, die von Kriegen und Umwälzungen geprägt ist, wird immer auch die Frage nach der Verantwortung gestellt. Da man die gescheiterten Ideologien nicht mehr zu Rate ziehen konnte, bildete sich v. a. in der Zeit um den ersten und zweiten Weltkrieg hauptsächlich in Deutschland und Frankreich die existenzphilosophische Richtung in der Philosophie, gestützt vor allem auf Hegel und Husserl, die sich nach den Ereignissen nicht mehr mit einem einfachen „so ist der Mensch“ zufrieden geben wollten. Man erkannte, dass sich die Ideologien und die Philosophie, v. a. deterministische Denkweisen, es sich zu leicht machten, durch bisherige Versuche das Wesen des Menschen zu erklären, die Verantwortung vom Menschen weg auf die Natur oder einen Gott oder eine andere uns wesensfremde Macht (Außerirdische?) zu schieben, statt sie bei uns selbst zu suchen, den Menschen also frei zu machen von Etwas. Die Irrungen der Zeit waren vermutlich ausschlaggebend für die Erkenntnis, dass der Essentialismus/der Determinismus vieles nicht erklären kann. Er kann dem Menschen keine Orientierung geben, kein Wesen, er kann ihm nicht die Verantwortung nehmen. All dies kann und will die Existenzphilosophie auch nicht. Was sie will ist, den Menschen wieder auf seine Verantwortung zu weisen, ihn daran zu erinnern, dass er der ist, der durch sein Handeln die Geschichte macht. Sie weist den Menschen in seine Freiheit zurück.
2. Der Handlungsbegriff Sartres
2.1. – auf der Grundlage des Menschenbildes des Existentialismus
Der Existentialismus ist keine einheitliche Philosophie. Er beinhaltet viele verschiedene philosophische Ansichten, die nur einige gemeinsame Grundsätze teilen und spaltet sich grundlegend in zwei verschiedene Richtungen auf: zum einen die, die von der Existenz Gottes ausgeht (Kierkegaard), zum anderen die, die dies nicht tut, woraus sich auch Unterschiede im Menschenbild ergeben. Sartre gehört zur letztgenannten der beiden Richtungen. Des weiteren ist er zum französischen Existentialismus zu rechnen, der eine eigene Schule innerhalb der
2
Existenzphilosophie darstellt. Allen existentialistischen Strömungen gemeinsam ist die Grundannahme, dass der Mensch nicht einem übergeordneten Ganzen untersteht, sondern als einzelner im Sinne einer Einheit in der Welt steht/existiert. Hier zeigt sich die ideologiefeindliche und eine ein Wesen des Menschen verneinende Einstellung, die sich aus den konkreten historischen Rahmenbedingungen der Entstehung des Existentialismus ergibt (1. und
2. Weltkrieg …), und die starke Betonung der Eigenverantwortlichkeit des
Menschen im Gegensatz zu einem „historisch gewachsenen Mitläufertum“. Erkenntnis der Wahrheit ist dem Menschen durch alleinige Verstandestätigkeit nicht möglich, sondern nur, wenn sie der Gesamtpersönlichkeit, d. h. der „Alltagsperson“ mit ihren Gedanken, Gefühlen usw., als natürliche Verhaltensweise entspringt, also der Einheit von Körper, Seele und Geist. Das Verstandesdenken alleine ist eine isolierte Fähigkeit, die Defizite aufweist. Der Verstand ist „wertblind“, denn er ist isoliert von den Empfindungen, die doch an der Entstehung von Werten maßgeblich beteiligt sind. 1 Diese ganzheitliche Betrachtung des Menschen bezieht sich auf sein Wirklichsein/Dasein in der Welt und nicht auf sein Wesen. Existenzphilosophie ist anti-essentialistisch. Der Mensch darf und kann sich deshalb nur aus seinem konkreten Lebensvollzug verstehen. „Die Existenz geht der Essenz voraus“ (Sartre). 2 Beeinflusst von Hegel, Husserl und Heidegger beschrieb Sartre sein philosophisches Hauptwerk Das Sein und das Nichts mit dem Untertitel Versuch einer phänomenologischen Ontologie. (In wie fern man hier von einem Missverständnis Sartres der genannten Philosophen sprechen kann ist in der Literatur umstritten.) Versteht man den Begriff der Phänomenologie als Versuch der Überwindung von Idealismus und Rationalismus und zugleich als die philosophische Methode, die der Welt und dem Bewusstsein volle Autonomie garantiert, so liegt es nahe, die phänomenologische Methode auch auf die menschliche Existenz als „Bewusstsein Habender“ anzuwenden und somit von der völligen Autonomie des Menschen zu sprechen, dies jedoch nicht im Sinne eines „Geist-Essentialismus“, gegen den sich ja der Existentialismus wendet,
1 Kröner: Existenzphilosophie.
2 Burkard, Franz-Peter: Existenz. In: Metzler Philosophie-Lexikon.
3
sondern im Sinne einer Einheit des ganz konkreten „Ich“, des Individuums. 3 Der Leib tritt hier sowohl als trennendes als auch notwendig verbindendes Mittelglied zwischen fremdem und eigenem Be wusstsein auf. 4 Und dieses Bewusstsein ist nun insofern allen gemeinsam als jeder ein solches hat (nicht Essenz). Es ist also kein unmittelbares Bewusstsein, sondern indem es sich in den „Abschattungen des Leibes“ ausdrückt, bietet es sich als ein Verweis auf die Einheit des Ichs/des Subjektes dem anderen Subjekt zur Interpretation. Sartre bezeichnet dies als „intersubjektives, immanent wirksames ‚Urverhältnis‘ “. 4 Dem zugrunde liegt die Grundverfassung des menschlichen Daseins, das In-der-Welt-Sein, bzw. die Existenz. 5 Nur dadurch kann der Andere (und ich selbst) für mich Subjekt und Objekt zugleich sein, ein Objekt dadurch, dass er ein Anderes ist, das ich wahrnehmen kann, ein Subjekt dadurch, dass ich an ihm ein Be wusstsein „wahrnehme“, welches ich interpretiere und als etwas erkenne, das ich nicht bin. Man spricht hier von einem Erschauen als Erschaut-werden. 4 Darüber hinaus ist der Mensch im Sinne Sartres insofern „ein Sein, das nicht ist, und das nicht ist, was es ist“ (Sartre), als der Mensch durch seinen Entwurf, in welchem er sich konstituiert, ein Zukünftiges ist (also etwas, das noch nicht ist) und gleichzeitig eben durch diese Möglichkeiten, anhand derer er sich entwerfen kann, nicht (nur) das, was er ist, nämlich das, was er war. 6 Diese Seinsverfassung des Menschen ist für Sartre Freiheit: Der Mensch ist nicht determiniert durch ein „Wesen des Menschen“, das ein Gott ihm vorgibt. Deshalb kann er Verantwortung für sein Handeln auch nicht von sich weisen, weder auf andere Menschen, noch auf ein ihm übergeordnetes Wesen. Ganz im Gegenteil ist jeder einzelne verantwortlich sowohl für sich selbst als auch für die gesamte Menschheit. Sartres Anti- Essentialismus konstituiert sich also in diesem Zusammenhang in der Ablehnung der wesenslogischen und subjektunabhängigen Konstitution des Subjekts. 7 Das Subjekt ist der Ausgangspunkt intersubjektiver Prozesse! Das erschaute Subjekt erkennt sich dadurch, dass es sein eigenes Erschaut-werden wahrnimmt, als Subjekt und Objekt zugleich. Erschauen als Erschaut-werden (Kommunikation)
3
Matzker, S. 230
4
Matzker, S. 143
5
Kröner:
Existenzphilosophie.
6 Burkard, Franz-Peter: Existenzphilosophie. In: Metzler Philosophie-Lexikon 7 Matzker, S. 142
4
Arbeit zitieren:
Bettina Klohs, 2004, Der Handlungsbegriff Sartres, München, GRIN Verlag GmbH
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