Inhalt/Contents
1. Einleitung. 1
2. Glück. 1
2.1. Der Begriff des Glücks in der Philosophie 1
2.2. Der Glücksbegriff Senecas 3
2.3. Der Glücksbegriff Epikurs. 6
3. Seneca Epikur: Über Glück, den Kosmos und das Leben. 10
4. Schlussbemerkungen 14
1. Einleitung
Viele Wege führen zum Glück! Doch wer oder was ist denn Glück? Ist es die Abwesenheit von körperlichen und seelischen Leiden? Ein „gutes Leben“? Zufriedenheit? Ist Glück ein Zustand oder ein Gefühl? Oder Stillstand? Und wäre es dann ein Gut? Oder ist es vielleicht Fortuna selbst? In der Philosophie herrscht bezüglich des Begriffs „Glück“ ein Pluralismus der Ansichten. Die verschiedenen philosophischen Standpunkte weisen Gemeinsamkeiten in bezug auf bestimmte dem Glücksbegriff anhaftende äußere Umstände und Erscheinungen auf. Es besteht also nur eine formale Einheit des Glücksbegriffs. Herauszufinden, was aber das Wesen des Glücks ist, scheint Aufgabe jedes Einzelnen Selbst zu sein. Im Folgenden sollen zwei Ansichten erläutert werden, die die Philosophie, insbesondere die Ethik, aufgrund der Betonung der praktischen Aspekte beider Ansichten, stark beeinflußt haben; die des Seneca und die des Epikur. Ihre vermeintliche Gegensätzlichkeit läßt auf den zweiten Blick jedoch einige Parallelen erkennen, die sich freundschaftlicher zueinander verhalten, als es auf den ersten Blick scheint.
2. Glück
Zunächst muß das Zufallsglück Fortuna, also das Eintreten günstiger Umstände in bestimmten Situationen, unterschieden werden vom Glücksbegriff in der Philosophie, welchem folgende Betrachtung gilt.
2.1. Der Begriff des Glücks in der Philosophie
Glück ist ein Letztes, nach dem jeder Einzelne strebt. Es gibt aber keine einheitliche Glücksvorstellung. 1 Was für den einzelnen Menschen Glück ist, läßt sich folglich nur vom Standpunkt des Einzelnen aus beurteilen. Der Mensch ist aber nicht nur ein Individuum, ein Ganzes, sondern auch seinem Wesen nach Teil eines ganzen, nämlich der Menschheit. Und genauso sucht der Mensch (der Einzelne und die/in der Menschheit) die Dinge zu strukturieren, und begibt sich damit auf die Suche nach dem Glück und versucht, es begrifflich zu bestimmen. Sei das Glück definiert als „Art von Zufriedenheit, die aus der menschlichen Tätigkeit selbst erwächst und über
1 Höffe („Glück“)
1
längere Zeit anhält“ 2 , oder als „Idealzustand vollkommener Befriedigung und Wunschlosigkeit, dessen Verwirklichung erstrebbar ist (Eudaimonia)“ 3 , oder anders, immer bleibt die Suche nach dem Wesen des Glücks eine Suche nach dem heiligen Gral. Im Lexikon der Ethik sind die Merkmale des Glücks wie folgt beschrieben: Glück ist ein inklusives Ziel und nicht die Spitze einer Hierarchie von Zielen, denn es ist kein direkter Gegenstand des Strebens, sondern eine Begleiterscheinung im Falle des Gelingens. 1 Das Glück ist also kein Ding und läßt sich auch nicht „verdinglichen“, wie manche andere Erscheinungen. Wahrscheinlich tut sich der Mensch deshalb so schwer, sich einem einheitlichen Glücksbegriff zu nähern, weil Dinge für uns am besten (be)greifbar sind und wir uns das Glück in diesem dinglichen Sinne nicht wirklich vor-stellen können. Das Glück fügt sich nicht leicht in das menschliche Denken, das insofern schöpferisch ist, als es Ordnungssysteme für die Dinge schafft. Wenn also das Glück durch beispielsweise Verdinglichung dem Menschen nicht als ein gemeinsam denkbares, greifbares Wesensmerkmal des Seins dargestellt werden kann, so kann Glück vorläufig nur als „Inbegriff der Erfüllung der dem jeweiligen Menschen wesentlichen Bedürfnisse und Wünsche“ 1 beschrieben werden. Folglich kann u. a. geschlossen werden, daß Glück nur die Intentio indirecta öffentlichen Handelns sein kann. 1 Eine andere Möglichkeit wäre, den Schluß zu ziehen, daß das Glück sowohl im Sinne eines inneren, zuständlichen Wertes (Eudaimonia), als auch im Sinne eines Sachverhaltswertes (Eutychia) ethisch ohne Belang sind. 3 Denn wenn das Glück kein gemeinsam Denkbares ist, und das Glücksempfinden auch nicht vom erstrebten Glücksgut (sei es ein gemeinsames oder ein Individuelles) abhängt, sondern von der eigenen Glücksfähigkeit, die wiederum einen Persönlichkeitswert darstellt, 3 dann ist das Glück ethisch nicht von Belang, denn die Ethik betrifft vor allem die sozialen Gefüge. Persönliche Gefüge aber verändern sich merklicher und schneller und somit auch der Begriff des Glücks. Glück ist also etwas wandelbares? Wollte man etwas als Maßstab nehmen, was sich ständig ändert, wäre dieser Versuch im vorhinein zum Scheitern verurteilt. So kann auch das Glück kein allgemeiner Maßstab für
2 Prechtl („Glück“)
3 Schmidt („Glück“)
2
eine allgemeine Ethik sein, aber im besten Falle ein Maßstab für die persönliche Lebensführung. Wie eine solche Lebensführung aussehen kann, wenn in einer für das Individuum in sich geordneten Lebensphilosophie ein persönlicher Glücksbegriff gefunden oder vorhanden ist, wird bei Seneca und Epikur deutlich. Dazu muß vorausgesetzt sein, daß Glück Beständigkeit annehmen kann.
2.2. Der Glücksbegriff Senecas
Nach Seneca gehört es zum Wesen des Menschen, nach Glück zu streben. 4 Glück ist gleichzeitig aber das einzige und höchste Gut nach dem zu streben sich lohnt, denn es ist als einziges ein beständiges. Es ist ein inneres Gut. 5
„Das höchste Gut ist eine Gesinnung, die Zufälligkeiten verachtet, aber Freude an seiner Tugend findet, oder: Sie ist die Kraft eines ungebrochenen Geistes, mit Lebenserfahrung, voll ruhiger Tatkraft, die sich im Verkehr mit Mitmenschen sehr umgänglich und fürsorglich zeigt.“ 6
Es ist die Apatheia, die Leidenschaftslosigkeit, die die einzige notwendige Bedingung für Glück darstellt. Erst in der Apatheia ist Glück. 7 Leidenschaftslosigkeit darf jedoch nicht als Gefühllosigkeit oder Indifferenz interpretiert werden. Sie muß als Unabhängigkeit von Gütern und Liebe zum Leben an sich begriffen werden. Sie kann als ein Zustand interpretiert werden, der von sich aus besteht, bzw. kein weiteres Zutun mehr erfordert. Vielmehr muss das Fundament, auf dem sie ruht, stabilisiert werden. Dieses besteht aus dem Vorhandensein eines Bewusstseins, einem gesunden Geist, einem tugendhaften Leben und der Bekämpfung der Leidenschaften. Nur der Mensch kann nach Seneca glücklich sein, denn nur der Mensch besitzt ein Bewußtsein. Glücklich kann sich also nur der nennen, der sich des Glücks auch bewußt ist. 8 Des weiteren ist ein „gesunder Geist“ Voraussetzung für das Glück. Nur ein gesunder Geist kann eine gesunde Urteilskraft entwickeln und vernünftige Urteile fällen, denn die Vernunft ist Instrument des Geistes. Und ein gesunder Geist wird eine vernünftige
4 Seneca (De vita beata), S. 81
5 Seneca (De vita beata), S. 84
6 Seneca (De vita beata), S. 86
7 Störig, S. 214 ff.
8 Seneca (De vita beata), S. 88
3
Arbeit zitieren:
Bettina Klohs, 2002, Seneca und Epikur: Das Glück. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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recht gute ausarbeitung, aber sehr schlechte fundstellenangaben (uneinheitlich und unübersichtlich!)
am Sunday, March 06, 2011-