1 NA
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
Vadim und Fellini 3
Malle: William Wilson 6
Schluss 15
Literaturangaben 17
2
Einleitung
Seine Geschichten sind phantastisch wie Träume - Träume voller bizarrer Gestalten und mysteriöser Situationen. Der amerikanische Autor Edgar Allan Poe (1809- 1840) gilt auch noch heute als der Meister der unheimlichen Kurzgeschichten, die das Abgründige der menschlichen Seele darstellen. Die Erzählungen vermitteln eine düstere Atmosphäre, die Protagonisten sind psychologisch komplexe Charaktere, die dem Bösen verfallen sind und oftmals daran zu Grunde gehen. Seine berühmtesten Erzählungen sind unter anderem Die Maske des Roten Todes, Das ovale Portrait und Die Morde in der Rue Morgue.
Fast alle seiner Werke haben ihren Ausdruck in zahlreichen Musikbearbeitungen oder Filmen gefunden. Eins davon, mit dem ich mich in meinen Ausführungen hauptsächlich beschäftigen möchte, ist William Wilson. Obwohl das dieser Geschichte zu Grunde liegende Motiv des Doppelgängers oft in Filmen verwendet wurde, i st die einzige Version, die sich vollständig auf Poes Vorlage bezieht, erst 1967 von dem französischen Regisseur Louis Malle (1935 - 1992 ) auf Zelluloid gebannt worden. Sie ist Teil des Episodenfilms Histoires Extraordinaires (Außergewöhnliche Geschichten), der aus weiteren zwei Poe - Bearbeitungen besteht: Metzengerstein von Roger Vadim und Toby Dammit von Federico Fellini. In meiner Arbeit möchte ich mich hauptsächlich damit befassen, wie Louis Malle die Motive des Originals umsetzt und auf welche Art er das Werk Poes interpretiert und abschließend eine Einordnung seines Beitrages in sein Gesamtwerk vornehmen. Zuerst möchte ich aber die wichtigsten Aspekte der anderen beiden Verfilmungen herausstellen, um deren Herangehensweisen an den komplexen Stoff zu beleuchten. Da sich zu den Außergewöhnlichen Geschichten kaum Sekundärliteratur finden lässt, stützen sich meine Ausführungen fast ausschließlich auf meine eigenen Überlegungen und Gedanken.
3
Vadim und Fellini
Poes Metzengerstein reflektiert das Thema Seelenwanderung. Der Erzähler berichtet von den lange zurückreichenden Streitigkeiten zwischen den ungarischen Adelsgeschlechtern Metzengerstein und Berlifitzingen. Nachdem das alte Oberhaupt der letztgenannten Familie nach einem rätselhaften Brand im Pferdestall umgekommen ist, wird der junge Herr Friedrich Metzengerstein von einem rätselhaften schwarzen Hengst, der Wiedergeburt seines Feindes, in Bann gezogen und ins Verderben geritten.
Vadim orientiert sich recht deutlich an Poe und übernimmt auch dessen Erzählperspektive, indem er einen Sprecher aus dem Off einsetzt. Allerdings nimmt er eine bedeutende Umbesetzung vor und lässt seine damalige Ehefrau Jane Fonda die Hauptfigur spielen und aus Friedrich wird Gräfin Friedrique. Der Beginn des Filmes entwirft ein üppiges Sittengemälde einer mittelalterlichen Gesellschaft um die Burgherrin, die grausam, sadistisch und selbstgerecht über ihre Mitmenschen befiehlt und die sich gerne erotischen Ausschweifungen hingibt. Vom Erzähler aus dem Off wird sie als „weiblicher Caligula“ tituliert und der Regisseur zieht alle Register, um dem Zuschauer die Facetten ihres abgründigen Charakters darzustellen: Sie macht sich ihre Bediensteten sexuell gefügig (Männer und Frauen), beim Anblick zweier Gehängter zuckt sie nicht mal mit der Wimper, sie macht sich über ihre Verwandtschaft lustig etc... Da sie reiche Erbin und mächtige Herrin über viele Schlösser im Land ist, wagt keiner ihrer Diktatur zu wiedersprechen.
Bis zu diesem Punkt des Filmes ist die Sache noch recht interessant, spätestens als sich die Handlung zu entwickeln beginnt, lässt die Qualität stark nach. Die Herrin fühlt sich zu ihrem Pferde liebenden Cousin (Peter Fonda) hingezogen, als der sie aber abweist, zündet sie aus verletzter Eitelkeit seine Ställe an, in denen er dann leider auch verbrennt. Von nun an ändert sich das Verhalten der sinnlichen Gräfin und sie wird melancholisch und verdrossen.
4
Wie im Original zieht sie nun ein wilder, schwarzer Hengst in den Bann, der nur von ihr gezähmt werden kann.
Bis zum Ende des Films wird danach fast nur noch die reitende Jane Fonda in langen Einstellungen gezeigt, manchmal unterbrochen von dem Erzähler aus dem Off, der wahrscheinlich versuchen soll dem Zuschauer die immer wiederkehrenden, neblig-wabernden Bilder zu erklären und dem ganzen einen roten Faden zu verleihen. Das ist auf die Dauer langweilig, man ist geradezu erleichtert, als die Gräfin auf dem Rücken des Pferdes in einem Flammenmeer den Tod findet, weil das dann gleichzeitig auch das Ende der Geschichte bedeutet.
Insgesamt kann man sagen, dass die Verfilmung des Originals misslungen ist; die düster-mittelalterliche Atmosphäre und die Verdorbenheit der Burggesellschaft bieten zwar interessante Aspekte, aber die Geschichte an sich ist recht fade umgesetzt. Zwar hält sich die Handlung im Hauptteil relativ eng an die Vorlage, aber eine Dramaturgie fehlt völlig; die guten Ansätze des Anfangs werden nicht weiter verfolgt, und das Ende erzeugt keine Spannung, weil viel zu lange darauf vorbereitet worden ist. Die Reitszenen mit Jane Fonda scheinen nur der bildlichen Untermalung des Off-Sprechers zu dienen, ohne den die - zugegeben stimmungsvollen - Bilder überhaupt keinen Sinn ergeben würden, denn es entsteht keinerlei Eigendynamik. Als Rezipient sollte man auf diese Verfilmung verzichten und sich die Sprache Poes in Reinform zu Gemüte führen, indem man die Originalgeschichte liest.
Auch öffentliche Meinungen bewerten den ersten Teil der Außergewöhnlichen Geschichten als sehr schwach und enttäuschend. „Vadim [und
Malle] haben kaum mehr als Sadismus und Erotik zu bieten“, so zum Beispiel das Urteil des KIM-Filmdienstes. 1 Besonders aber der zweite Teil des Beitrages wird von der Kritik verrissen:
“At times, the short film looks like a home-movie; Vadim simply films Jane stroking the horse, walking with it and galloping on it as if it was not a haunted creature but merely Black Beauty” 2
Quote paper:
Tobias Schneider, 2002, Außergewöhnliche Geschichten? Edgar Allan Poe in der Verfilmung von Louis Malle, Roger Vadim und Federico Fellini, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Soloalbum. Alles nur Oberfläche? Popliteratur, ihre Kennzeichen und ih...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 19 Pages
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Stefan Jansky's text Außergewöhnliche Geschichten? Edgar Allan Poe in der Verfilmung von Louis Malle, Roger Vadim und Federico Fellini was commented
Tobias Schneider's text Außergewöhnliche Geschichten? Edgar Allan Poe in der Verfilmung von Louis Malle, Roger Vadim und Federico Fellini is now available as a printed book
Tobias Schneider has published the text Außergewöhnliche Geschichten? Edgar Allan Poe in der Verfilmung von Louis Malle, Roger Vadim und Federico Fellini
Stefan Jansky
Interessant. Wo bekommt man die Filme auf DVD?
Stefan
grin92@web.de
on Friday, April 30, 2010-