Nach jahrelangen Diskussionen zum Thema "Grundschule und Computer" hat der PC inzwischen in vielen deutschen Grundschulen Einzug gehalten und die Anzahl der nunmehr auch auf Praxisebene erfolgenden Forschungsprojekte sowie immer komplexer werdender Lernsoftware steigt stetig.
Diese Arbeit widmet sich insbesondere einem dieser Projekte ("ComputerLernWerkstatt" nach KOCHAN und SCHRÖTER), die solch einen Wandel überhaupt erst möglich gemacht haben, indem sie Unterrichtsforschung u. a. vorbereiteten. Dadurch soll geklärt werden, ob bzw. inwiefern der Computer und eine speziell für die Phase des Schriftspracherwerbs konzipierte Lernsoftware ("LolliPop Multimedia" Deutsch, Klasse 1) zum besseren Erlernen des Lesens und Schreibens führen können. Aus diesem Grund wird der Computer nicht als Gegenstand, sondern als Mittel bzw. Werkzeug des Unterrichts in Betracht genommen.
Da sich eine empirische Untersuchung thematisch auf den kompletten Prozess des Schriftspracherwerbs beziehen müsste, um annähernd etwas über diesbezügliche Vor- oder Nachteile des Computers und der Lernsoftware aussagen zu können, basieren die Ausführungen nicht auf einer Erhebung, sondern auf fachwissenschaftlicher Literatur.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schriftspracherwerb
2.1 Theoretische Grundlagen zum Schriftspracherwerb
2.2 Drei Stufenmodelle zum Schriftspracherwerb
2.2.1 VALTINS Entwicklungsmodell der Rechtschreibung
2.2.2 BRÜGELMANN - Stufen des Schriftspracherwerbs und Ansätze zu seiner Förderung
2.2.3 REICHEN - Der Prozess des Schreibenlernens in Phasen
2.3 Vergleich der Modelle
2.4 Der Spracherfahrungsansatz
2.5 Ein didaktisches Konzept: entfaltender Unterricht
2.6 Schriftspracherwerb im Spiegel des Lehrplans
3 Computer und Schriftspracherwerb
3.1 Ein Projekt mit zukunftsweisenden Ergebnissen
3.2 Der Computer als Möglichkeit im Konzept entfaltenden Unterrichts
3.2.1 Zur Tastatur
3.2.2 Zum Drucker
3.2.3 Zur Löschfunktion in Verbindung mit dem Monitor
3.2.4 Zur Internetanbindung
4 Lernsoftware
4.1 Besondere Qualitäten von Lernsoftware
4.2 LolliPop Multimedia – Lernsoftware mit hohem didaktischen Anspruch
4.3 LolliPop Multimedia Deutsch Klasse 1
4.3.1 Lesen und Schreiben lernen mit LolliPop Multimedia Deutsch Klasse 1
4.3.1.1 Lesen von Anfang an
4.3.1.2 Schreiben von Anfang an
4.3.2 Die LolliPop-Lernzettel
4.3.2.1 Lernbegleitung durch zwei Konzepte der Lernzettel
4.3.2.2 Die Aufgaben der Lernzettel
4.3.3 Lesen und Schreiben zusammen mit anderen: Das Internet-Haus
4.3.4 Die Schulversion von LolliPop Multimedia
4.4 SCHRÖTERS Qualitätsmerkmale multimedialer Software für den Schriftspracherwerb
4.5 KOCHANS und SCHRÖTERS Studie zu LolliPop Multimedia
4.6 Eigene Kritik an LolliPop Multimedia
5 Fazit
6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Thematik
Die Arbeit untersucht den Einsatz von Computern und spezieller Lernsoftware als didaktisches Werkzeug im Schriftspracherwerb von Grundschulkindern. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwiefern multimediale Lernumgebungen, insbesondere unter Berücksichtigung des Konzepts des entfaltenden Anfangsunterrichts, die Entwicklung schriftsprachlicher Kompetenzen fördern und Kindern einen selbstgesteuerten Zugang zum Lesen und Schreiben ermöglichen können.
- Fachdidaktische Analyse des Schriftspracherwerbs und relevanter Entwicklungsmodelle.
- Untersuchung des Computers als funktionales Werkzeug im Schreibprozess.
- Evaluation von Qualitätsmerkmalen multimedialer Lernsoftware.
- Detaillierte Vorstellung und kritische Würdigung der Lernsoftware "LolliPop Multimedia".
- Reflexion der Rolle der Lehrkraft und notwendiger Lernumgebungen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Zur Tastatur
Allein die Standardtastatur entlastet das Kind sowohl motorisch als auch kognitiv: Da beim Schreiben mit einem Textverarbeitungs-programm der mühevolle Akt des Malens von Buchstaben mittels Stift o. ä. entfällt, ist die motorische Entlastung eindeutig. Die kognitive Erleichterung besteht darin, dass das Kind die Form des jeweiligen Buchstabens nicht auswendig können und diese somit nicht erst aus dem Gedächtnis hervorholen muss. Die Tastatur liefert nämlich eine Übersicht über alle Buchstaben, und das Kind braucht zunächst nur die Merkmale zu kennen, in denen sie sich unterscheiden. Die geringere physische Beanspruchung erlaubt dem Kind auch quantitativ mehr zu schreiben. Die Länge des Textes hängt nun stärker vom Umfang dessen ab, was das Kind mitteilen will, und nicht mehr so sehr von seinem schreibmotorischen Durchhaltevermögen.
KOCHAN u. a. stellen den Kindern anfangs eine Anlauttastatur zur Verfügung, die ihnen erlaubt, eigene Texte zu schreiben, sobald sie Anlaute isolieren können, aber noch bevor sie die entsprechenden Buchstaben kennen. Damit knüpfen sie, wie die Vertreter des Spracherfahrungsansatzes auch, an REICHENS Idee an, dessen Anlauttabelle in Printform inzwischen weite Verbreitung in den Grundschulen gefunden hat. Dennoch distanzieren sie sich in gewisser Hinsicht von REICHENS didaktischem Gesamtkonzept. Beim Zulassen zunächst noch nicht orthographischen Schreibens, verlangen sie von den Kindern - im Gegensatz zu REICHEN – nämlich nicht einmal phonetisch vollständige Verschriftungen, sondern sie akzeptieren auch noch weniger entfaltete Schreibweisen, u. a. auch solche, die noch gar keine Buchstaben enthalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Diskussion über den Computereinsatz in der Grundschule und den Wandel von der anfänglichen Ablehnung hin zu einer didaktisch begründeten positiven Bewertung.
2 Schriftspracherwerb: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des Erwerbsprozesses von Lesen und Schreiben, stellt verschiedene Stufenmodelle vor und diskutiert den Spracherfahrungsansatz sowie das Konzept des entfaltenden Unterrichts.
3 Computer und Schriftspracherwerb: Hier wird der Computer als Werkzeug im Unterricht analysiert, wobei technische Merkmale wie Tastatur, Drucker, Monitor und Internetanbindung in Bezug auf ihre didaktische Eignung im Anfangsunterricht untersucht werden.
4 Lernsoftware: Dieser Abschnitt widmet sich den Qualitäten moderner Lernsoftware und präsentiert detailliert das Programm "LolliPop Multimedia" sowie dessen Einsatzmöglichkeiten und eine kritische Auseinandersetzung mit dessen didaktischem Nutzen.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der der positive, ergänzende Nutzen des Computers im Rahmen einer offenen Lernkultur bestätigt wird.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Anfangsunterricht, Grundschule, Computer, Lernsoftware, LolliPop Multimedia, Schreibwerkzeug, Lesenlernen, Schreibenlernen, Spracherfahrungsansatz, Entfaltender Unterricht, Medienkompetenz, Selbstgesteuertes Lernen, Schriftsprachhandeln, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fachdidaktische Bestandsaufnahme zum Einsatz von Computern und Lernsoftware beim Schriftspracherwerb in der Primarstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Schriftspracherwerbs, das Konzept des entfaltenden Unterrichts, die Rolle des Computers als Schreibwerkzeug und die Evaluation spezifischer Lernsoftware.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern Computer und speziell konzipierte Lernsoftware die Entwicklung von Schreib- und Lesekompetenzen bei Schulanfängern unterstützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Analyse fachwissenschaftlicher Literatur und didaktischer Konzepte, statt auf einer eigenen empirischen Erhebung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die didaktischen Potenziale des Computers im Unterricht sowie die spezifische Anwendung und Wirksamkeit der Lernsoftware "LolliPop Multimedia".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schriftspracherwerb, Anfangsunterricht, Lernsoftware, Selbststeuerung und Medienkompetenz charakterisiert.
Warum wird "LolliPop Multimedia" als Lernsoftware hervorgehoben?
Die Software wird hervorgehoben, weil sie als "Partner und Lernwerkzeug des Kindes" konzipiert ist und gezielt eine 3D-Lernumgebung für selbstgesteuerte Schreib- und Leseerfahrungen bietet.
Wie geht die Software mit Fehlern der Kinder um?
Die Software nutzt eine adaptive Fehlerbegleitung, bei der Lernfiguren wie Lolli dem Kind Denkanstöße geben, um den individuellen Lernprozess zu unterstützen, ohne dabei die Lösung vorzugeben.
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- Beate Womelsdorf (Author), 2003, Der Einsatz des Computers beim Schriftspracherwerb - Eine fachdidaktische Bestandsaufnahme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26047