Der Westfälische Frieden
von: Thomas Wittmann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Westfälische Frieden 5
2.1. Vorgeschichte des Kongresses und Kongressbeginn 5
2.1.1. Der Kölner Kongress und der Kongress in Hamburg/Lübeck 5
2.1.2. Der Hamburger Präliminarvetrag 6
2.2. Ansprüche und Forderungen der kriegsführenden Großmächte 8
2.2.1. Die Ziele Schwedens 8
2.2.2. Die Ziele Frankreichs 10
2.2.3. Die Ziele der Kaiserlichen Politik 11
2.3. Vorverträge – der Weg zur Einigung 13
2.3.1. Verhandlungsformen 13
2.3.2. Vorverträge mit Frankreich und Schweden 15
2.3.3. Friedensvertrag zwischen den Niederlanden und Spanien 17
2.4. Vertragsunterzeichnung und Kongressende 19
2.4.1. Friedensunterzeichnung in Münster 19
2.4.2. Die inhaltlichen Re gelungen des Westfälischen Friedens 20
3. Bewertung des Westfälischen Friedens durch Zeitgenossen und die deutsche Geschichtswissenschaft 23
4. Schlussbemerkungen / Ergebnisse 24
5. Quellen und Literaturverzeichnis 27
1. Einleitung
„Nach Leiden, Leid und Ach und letzt ergrimmten Nöten, Nach dem auf uns gezuckt – und eingesteckten Schwert, Indem der süße Fried ins Vaterland eingekehrt Und man ein Dank-Lied hört statt rasender Trompeten: Indem wir eins aus Lust und nicht durch Glut erröten, Schließ ich dies rauhe Jahr und was mein Herz beschwert. Mein Herz, das nicht die Angst, die unser Land verheert, Vermocht, durch rauhen Sturm und linde Gift zu töten. Daß der unerhörten Schmerzen und der überhäuften Last Letztes Ziel ist angebrochen. Bisher sind wir tot gewesen, kann nun Fried ein Leben geben, Ach so laß uns, Friedenskönig, durch dich froh und friedlich leben, Wo du Leben uns versprochen!“ 1
Mit diesen Versen begrüßte Andreas Gryphius das Jahr 1650, dem Jahr des endgültigen Abzugs ausländ ischer, vor allem schwedischer Truppen, aus dem Deutschen Reich. Zwar war schon 1648 in Münster der Frieden besiegelt worden, man konnte sich aber nicht auf den Abzug der fremden Truppen einigen. Dazu bedurfte es eines weiteren Jahres harter Verhandlungen bis schließlich auch hierzu endgültige Regelungen getroffen wurden. Der Frieden zu Münster und Osnabrück, oder kürzer der Westfälische Frieden, stellt den Endpunkt des Dreißigjährigen Krieges dar. Dieser hatte verheerende Verwüstungen und sehr empfindliche Einbußen vor allem an Menschen über das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gebracht, da die Kampfhandlungen fast ausschließlich auf dessen Territorium stattfanden. Es existieren sehr viele unterschiedliche Angaben über die Verluste. Aber man kann davon ausgehen, dass rund 15000 deutsche Dörfer zerstört wurden und rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung in diesem Krieg ihr Leben ließ. Anlass für diese Zerstörungen war ein Aufstand in Böhmen gegen die religiöse Unterdrückung, der sich allerdings sehr schnell zu einem gesamtdeutschen und später sogar zu einem europäischen Krieg ausweitete. Als „religiöser Krieg“ begonnen, kamen im Laufe der Zeit vor allem durch die außerdeutschen Mächte Frankreich und Schweden auch machtpolitische und geostrategische Aspekte mit ins Spiel und religiöse Belange traten immer mehr in den Hintergrund. So konnte es zu der eigenartigen Situation kommen, dass Frankreich, eigentlich eine katholische Macht, auf Seiten der Schweden, als Unterstützer der Protestanten, in den Krieg zog. Auf die unterschiedlichen Motive, Absichten und Kriegsziele dieser beiden Mächte werde ich später näher eingehen. Aber die religiösen Differenzen zwischen den einzelnen Reichsständen spielten im Hintergrund immer noch eine gewichtige Rolle und wurden deshalb auch zum Hauptthema auf den Verhandlungen in Münster und Osnabrück sowie in den Verträgen selbst.
In dieser Hausarbeit möchte ich den Friedenskongress in Münster und Osnabrück sowie den Vertrag, der nach zähen und langen Verhandlungen geschlossen wurde, näher untersuchen. Zuerst werde ich auf die Vorgeschichte des Kongresses und den Beginn der Verhandlungen eingehen. Ich werde die Ziele untersuchen, die die drei großen Vertragsparteien Schweden, Frankreich und der Kaiser des Heiligen Römische Reiches Deutscher Nation auf dem Friedenskongress verfolgten. Auf Grundlage dessen kann ich weiter herausarbeiten, welche dieser Ziele durchgesetzt wurden und was für Auswirkungen dies auf die Mächtekonstellation in Europa hatte. Des weiteren möchte ich die Vorverträge zwischen dem deutschen Kaiser und Frankreich bzw. Schweden sowie den Friedensvertrag zwischen Spanien und den Niederlanden näher untersuchen, inwieweit diese den Findungsprozess der Beschlüsse vereinfacht und beschleunigt haben. Außerdem sollen die Regelungen des Westfälischen Friedens und deren Auswirkungen auf das Reich untersucht und ein Vergleich mit den vor Beginn des Kongresses festgesetzten Zielen der drei großen Vertragsparteien angestrebt werden. In einem letzten Punkt möchte ich auf die Bewertung des Westfälischen Friedens und des Kongresses, zum einen durch Zeitgenossen und zum anderen durch die Geschichtswissenschaft eingehen.
2. Der Westfälische Frieden
2.1. Vorgeschichte des Kongresses und Kongressbeginn
Zwischenstaatliche Kontakte und Verhandlungen wurden nicht erst im Juni 1645, als der Kongress in den Städten Münster und Osnabrück eröffnet wurde, aufgenommen. Erste Verhandlungen und Gespräche wurden schon in vorangegangenen Jahren geführt. So hatten bereits 1628 Spanien und die Niederlande bilateral versucht ihren Konflikt beizulegen. Des weiteren kamen nach dem Prager Frieden 1635, der zwar viele aber nicht alle Reichsstände umfasste, Gespräche zwischen dem Kaiser und Schweden in Gang. Und auch zwischen Paris, Wien und Madrid gab es nach der Kriegserklärung Frankreichs an Habsburg viele Versuche der Verständigung durch Geheimdiplomatie. In der Öffentlichkeit setzte sich aber zunehmend ab 1634 der Gedanke eines allgemeinen, großen Friedenskongresses durch. 3 Der Kölner Kongress und der Kongress in Lübeck, welcher später nach Hamburg verlegt wurde, waren die direkten Vorläufer der Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück. Man erkennt, dass der „Große Kongress“ kein spontaner Einfall war, sondern eine Genese vollzog, die die Arbeit auf dem Kongress in Westfalen sehr vereinfachte, da große Streitfragen, vor allem zeremonieller Natur schon im Vorfeld beigelegt wurden. Diese Entwicklung möchte ich nun kurz näher charakterisieren.
2.1.1. Der Kölner Kongress und der Kongress in Hamburg/Lübeck
[...]
1 Zitiert nach: Hans Jessen (Hrsg.): Der Dreißigjährige Krieg in Augenzeugenberichten, München 1975, S. 412.
2 Eine detaillierte Übersicht über den Dreißigjährigen Krieg geben folgende Bücher: Johannes Burckhardt: Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt a.M. 1992. Geoffrey Parker: Der Dreißigjährige Krieg, übersetzt von Udo Rennert, Frankfurt a.M. 1987. sowie Helmut Lahrkamp: Dreißigjähriger Krieg – Westfälischer Frieden, Münster 1997.
3 Vgl.: Konrad Repgen: Der Westfälische Friede. Ereignis, Fest und Erinnerung, Wiesbaden 1999, S. 10f.
Arbeit zitieren:
Thomas Wittmann, 2004, Der Westfälische Frieden, München, GRIN Verlag GmbH
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