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Trotz New Economy Bubble und diverser Bilanzskandale in den USA oder Grossbritannien lässt sich aktuell dennoch eine immer wichtiger werdende Rolle von kapitalmarktorientierten M ärkten im Finanzsystem zu erkennen. Im folgenden analysiert der Autor, dem aktuellen Trend entgegen, die These, dass bankorientierte Finanzsysteme marktorientierten Finanzsystemen zu bevorzugen sind, wenn der Aspekt der „Finanzmarktstabilität“ im Vordergrund der Analyse steht.
Grundlage zur Überprüfung seiner These ist das IMF Article IV Konsultationspapier 2004 für Österreich. Dieses überprüfte das österreichische Finanzsystem hinlänglich seiner Anfälligkeit für Finanzmarktinstabilitäten, gegenüber exogenen Finanzmarktschocks. Stresstests untersuchten, ob in Österreich ausreichende Absicherungen in diesem Zusammenhang zu finden sind.
„Finanzmarktstabilität“ wird, parallel zum einhergehenden Volumenswachstum der Finanzmärkte, für nationale Volkswirtschaften immer wichtiger, denn ein effizient funktionierendes Finanzsystem Wirtschaftswachstum, Produktivität und Beschäftigung. Nicht zuletzt ist ein stabiles Finanzsystem als Voraussetzung für eine verbesserte Kapitalallokation zu sehen, es trägt dazu bei, die Kosten von Finanzdienstleistungen niedrig zu halten, es erleichtert den Ausgleich der unterschiedlichen Präferenzen zwischen Anlegern und Kreditnehmern, und es bietet mehr Möglichkeiten der Risikoabsicherung.
determiniert wird (z. B. durch die Sparquote), ist in diesem konkreten Kontext der empirischen Wachstumsforschung nur sehr schwer zu entkräften: "In the absence of a well-accepted theory of growth, the list of potential omitted variables that financial-sector development might be a proxy for is large, and the explanatory variables to include a matter of conjecture".
Die Lösung des Kausalitätsproblems wird dadurch erschwert, dass die in den meisten bisherigen empirischen Studien zur Erfassung der Finanzmarktentwicklung verwendeten Variablen (z. B. Anteil der Börsenkapitalisierung am Bruttoinlandsprodukt, Anteil der Bankdirektkredite an den privaten Sektor am Bruttoinlandsprodukt) eher das Antizipationspotential von Finanzmärkten abbildeten und damit sogenannten „leading indicators“ näher waren, als einem kausalen Faktor von realwirtschaftlichem Wachstum.
Rajan – Zingales, machten bereits 1998 erste Versuche, das Problem von "reverse causality" zu entschärfen.
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Die Ergebnisse des Financial Sector Assessment Program des IWF zu Österreich
Im Rahmen des Financial Sector Assessment Program hat sich Österreich 2003 bereit erklärt sich einem grundlegenden Review zu unterziehen. 3 Der in der Oesterreichischen Nationalbank am 11. Mai 2004 in Wien vorgestellte Bericht der IMF Experten stellte dabei wesentliche makroökonomische Ergebnisse fest 4 :
Zunächst ergaben diverse Stresstests, dass das österreichische Finanzsystem stabil gegenüber Schocks ist. Das österreichische Bankensystem wurde vom IWF als profitabel und ausreichend kapitalisiert gelobt. In den letzten Jahren verzeichnete dieser Sektor solide Gewinne, überwand größere Restrukturierungen und Fusionen, sowie erfolgreiche Expansionen im Ausland. Über ausreichendes Risikomanagement konnte der Sektor die konjunkturell schlechten Entwicklungen zwischen 2000-2004 relativ schmerzfrei durchtauchen.
Laut IWF zeichnet sich Österreich heute durch besonders hohe Qualitätsstandards in der Finanzmarktaufsicht, starke Finanzinstitute und ein modernes Regelwerke aus. Was die Zusammenarbeit seit 2002 zwischen der Finanzmarktaufsicht, der Oesterreichischen Nationalbank und dem Bundesministerium für Finanzen betrifft, so kommentiert der IWF diese als besonders gut. Die Entstehung und Positionierung der Finanzmarktaufsicht im Jahr 2002 ging laut IWF rasch und effizient über die Bühne. Hinsichtlich diverser internationaler Compliance Standards im Bereich Banken, Versicherungen, Wertpapierabwicklung und Geldwäscherei wird Österreich mit einem außerordentlich hohen Niveau beschrieben.
Doch die IWF-Experten sahen in ihrer Bewertung des österreichischen Finanz- und Kapitalmarktsystems auch Herausforderungen und mögliche Risken: So sei die Ostexpansion der heimischen Banken erfolgreich gewesen und gleiche die chronische Ertragsschwäche im Inlandsgeschäft aus. Das wachsende Kreditgeschäft in Zentral- und Osteuropa bringe jedoch auch neue Risken mit sich, die 3 Der Internationale Währungsfonds stellt im Rahmen der IMF Artikel IV laufend Berichte über die aktuelle Situation einzelner Finanz- und Kapitalmarktsektoren weltweit vor.
4 IMF (2004): Austria 2004: IMF Article IV Consultation, Preliminary Conclusions, Vienna May 11th 2004.
Die folgenden zitierten Orginalpassagen können unter http://www.imf.org/external/np/ms/2004/051104.htm komplett nachgelesen werden.
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entsprechend gemanagt werden müssen: „The successful expansion in the CEECs has helped boost the performance of banks, offsetting chronically low profitability in the home market. But growing exposure to local clients there implies new risks and requires continued monitoring and vigilance.”
Besorgnis äußert der IWF über den weiteren Anstieg von Fremdwährungskrediten an private Haushalte. Die zur besseren Information der privaten Kunden über die mit Yen- oder Frankenfinanzierungen verbundenen Risken seien durch eingeleiteten Maßnahmen durch die OenB daher ebenso zu begrüßen wie eine entsprechende Verbesserung des Risikomanagements in den Banken selbst: „The continued growth in foreign currency lending, particularly to households that do not have a foreign currency hedge, is a source of concern. We welcome the recent measures and urge the authorities to continue educating customers about the risks and helping banksparticularly the smaller ones-improve their risk management.”
Der IWF mahnte schließlich die österreichischen Banken, an ihrer Kostenstruktur zu arbeiten, um ihre internationalen W ettbewerbsfähigkeit weiter zu verbessern: „Despite progress in recent years, bank and branch density in Austria remains high by international standards, creating room for further restructuring and consolidation. Banks should avoid complacency arising from high profitability in the CEECs and persevere in their efforts to improve their cost structure.”
Eine für Bankenmanager und Strategen wesentliche Information beinhaltet die Empfehlung einer strukturellen Erneuerung des Sektors Bankenwirtschaft: „ The sectoral deposit insurance system (Einlagensicherungsystem) has worked well and incorporates multiple lines of defense. But the restructuring underway in the banking industry argues in favor of taking a fresh look at the system in the medium term to reduce the likelihood of recourse to public funds.”
Gefordert wurd schließlich eine weitere Verbesserung der Aufsicht in Österreich: “Financial supervision should be strengthened further. While ongoing reforms and EU directives in the pipeline will address most of the identified gaps, the authorities need to resolve the outstanding legal issues, in particular the public liability of supervisors, so that the latter can carry out their mandate effectively.”
Quote paper:
Dr. Johann Sebastian Kann, Sascha Mundstein, 2004, Bank Based Finanzstabilität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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