INHALTSVERZEICHNIS
1EINLEITUNG.............................................................................................................. 2
3BARMHERZIGKEIT UND GERECHTIGKEIT ALS AD ABSURDUM GEFÜHRTE
TUGENDEN. 3
3.1Astorre oder Der Entwurf der Barmherzigkeit 3
2.1.1 Astorre, der Fundamen tlose 4
2.1.2 Zusam m enfa s s un g 8
3.2Ezzelin oder Der Entwurf der Gerechtigkeit 8
2.2.1 Ezzelin, der Schicksalsgläubige 9
2.2.3 Zusam m enf a s s u n g 11
43. EINE VERNÜNFTIGE VERBINDUNG. 12
4.13.1 Impulsgetriebenheit 12
4.23.2 Die Stimme der Vernunft 13
3.2.1 Ascanio und Astorre 14
3.2.2 Ascanio und Ezzelin 16
4.33.3 Fazit 16
54. SCHLUSS. 18
65. LITERATURVERZEICHNIS. 20
6.15.1 Primärliteratur 20
6.25.2 Sekundärliteratur. 20
1
2
1 Einleitung
Conrad Ferdinan d Meyers Novelle „Die Hochzeit des Mönchs“ ist eine geschickt aus Rahme n - und Binnenha n dl u ng kom po nier te Erzählu ng. In der Rahmen h a n dl u ng tritt der historische Dichter Dante als Erzähler der Binnen h a n dl u n g auf. Schon hier zeigt sich Meyers durch dac h t e s Schreiben: Dante, der im Exil lebt, durfte am Hofe des Fürsten von Verona, dem Scaliger Cangra n d e, wohnen. Um seinem ungehei zt e n Zimmer eine Weile zu entfliehen, schließt sich Dante der Abendgesellschaf t an, von welcher er alsbald aufgefor de r t wird, eine Geschichte zu erzählen. Dante kom m t der Auffor der u n g nach und erfindet seine Erzählu ng von einem Mönch der heirate n muß, währen d er sie vorträgt. Den Persone n der Handlung gibt er die Namen der ihn umgebe nd e n Zuhörer. Nur bei dem Protagonis ten Astorre sowie dem Fürsten Ezzelin macht er eine Ausna h m e. Diese beiden Namen finden sich nicht unter denen der Abendgesellschaf t, anderer seit s ist nur Cangra n d e scheinbar keiner der Figuren in der Binnenha n dl u ng klar zugeor d n e t.
Weshalb tut Meyer dies? Weshalb weicht er gerade bei diesen Personen von dem Schema ab? Die These dieser Arbeit ist folgende: Astorre und Ezzelin sind typisierte Gestalten zur übers pit ze n Darstellung zweier Tugende n: Barmher zigkeit uns Gerechtigkeit. Dante als Erzähler -und damit Meyer als Autor -, der alle Personen der Binnenha n dl u n g der Rahmen h a n dl u ng entni m m t, tut dies letztlich auch mit Cangra nde, nur dass er diesen in zwei Protagonis te n aufspaltet: in Astorre und in Ezzelin. Astorre wird hierbei die Eigenschaft großer Barmher zigkeit zugeschrieben, währe n d Ezzelins Aufgabe die Wahrung bzw. die Wiederher s tellung der Gerechtigkeit ist. Beide scheiter n mit fatalen Folgen an ihren Aufgaben. Wie und warum dies geschieht, wird auf den nächste n Seiten dargestellt werden.
3
3 Barmherzigkeit und Gerechtigkeit als ad absurdum geführte Tugenden
3.1 Astorre oder Der Entwurf der Barmherzigkeit
Die Tugen d der Barmher zigkeit sowie die des Mitleides wird im Text nahe z u ausschließlich dem jungen Mönch Astor re zugeschrieben. Dies beginnt bereits ganz zu Anfang der Geschichte, als der Fürst Ezzelin nach dem Unglück auf der Brenta den Mönch anweist: „Dort, Mönch, verrichte, was deines Amtes ist: Werke der Barm her zigkeit! [...]“ 1 , und zieht sich von dort aus durch die gesam te Erzählung. Astorres Handlu nge n basieren immer auf seine m Mitgefühl und der Mönchspflicht, Barmher zigkeit walten zu lassen. Er han delt dem nac h nicht aus Überzeugu ng oder weil er sich von der Vernu nf t leiten ließe; er folgt lediglich seine m Gelübde bzw. seinem Gefühl. Er schafft es nicht, dieses Haupt m e r k m a l seines Tuns mit der Mönchs kut t e abzulegen. In Situatione n, in denen es ratsa m wäre, den Verstan d zu nut zen und rationale Entscheidu nge n zu treffen sowie dem entspr eche n d zu han deln, verfällt Astorre immer wieder in ein rein emotionales Entscheid u ngs m o d ell. Er kennt sich nicht ander s und hat nichts anderes gelernt, daher grenzt er „Teile von sich als nicht zu seiner Person gehörig aus: [er] will nur genau das sein, was [er] bewußt ist.“ 2 Das, was für Astorre identitäts s tifte n d ist, ist letztlich jedoch auch sein Untergang. Es muss sogar sein Untergang sein, weil das, was Astorre als Barmher zigkeit lebt, nicht allgemein gültig ist. Denn seiner Barmher zigkeit fehlt der Verstan d. Die rein emotion ale Basis, die der ehemalige Mönch seinem Handeln zugr u n d e legt, ist nicht tragfähig und derar t nicht auf die Allgemeinheit übertr agba r 3 . Es
1 Meyer 1964: S. 58 2 vgl. Wünsch 1990: S. 175 3 vgl. Lexikon der Ethik, 1986: S. 27 ff
4
fehlt ihm an Entschlus s k r af t und Durchset z u ng s ver m öge n. So wirkt er eigenar tig schwach, fast kindlich oder als sei er in seiner Entwicklung zu m vernu n f tf ä higen Menschen im Stadiu m des emotionalen Jünglings stehen geblieben.
2.1.1 Astorre, der Fundamentlose
„Astorre, wenn er nicht für einen Heiligen galt, hatte doch den Ruf des musterh afte n Mönchs. Er konnte der Stadt mö nch von Padua heißen, den das Volk verehrte und auf den es stolz war. Und mit Grund: denn er hatte auf die Vorrechte seines hohen Adels und den uner me ßlichen Besitz seines Hauses tapfer, ja freudig verzichtet und gab sein Leben in Zeiten der Seuche oder bei anderen öffentlichen Fährlichkeiten ohne zu markten, für den geringsten und die Är mste preis. Dabei war er mit seinem kastanienbrau ne n Kraushaar, seinen war m en Augen und seiner edlen Gebärde ein anm uten der Mann, wie das Volk seine Heiligen liebt.“ 4
Astorre ist der Jüngste von vier Söhnen des alten Vicedomini. Die Vicedo mi ni werden als alteingese s se n e s, sehr reiches Adelsgeschlech t beschrieben, die es dank ihres Patriarche n geschafft haben, alle Regierungswir re n unbesc ha d e t zu übers te he n. 5 Der älteste Bruder von Astor re verunglückt nebs t seinen drei Söhnen zu Beginn der Geschichte tödlich in dem Fluss Brenta. Die zwei anderen Brüder sind bereits vor Beginn der Handlung tot. So bleibt nur der junge Astorre als Stam m h al ter des Geschlech tes übrig. Einer alten Familientr a dition folgend hat er jedoch die Mönchs k u t t e genom m e n und die Gelübde abgelegt. Als Mönch lebt er ein dem ü tiges Leben. Ein Leben, das ihm klar vorgegeben wird und weil es ihm nicht einfällt, über sein Wollen nachz u d e n ke n, akze ptier t er die Regeln und Gebote als gottgegeben und begehrt nicht dagegen auf. Er ist als Mönch beliebt und geachtet, eben weil er sich so brav an die Regeln hält und niemals seinen einstigen hohen Stand heraus kehr t. Er lässt sich vom Mitleid leiten. Aus Mitleid erhör t er dann auch das erpres se rische Flehen seines 4 Meyer 1964: S. 58, 59 5 vgl. ebd., S. 59 ff
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alten, sterben de n Vaters und erklärt sich nach der Familientr agö die bereit, seine Gelübde zu brechen, um im weltlichen Leben den Platz seiner Brüder einzu n e h m e n und die soeben verwitwete Braut zu ehelichen. Selbst an dieser Stelle wehrt Astorre sich nur halbher zig. Es wird an seine m Zauder n zwar deutlich, dass er nur unger n seine Kutte abgeben möchte, doch letztlich hält er dem Drängen nicht stand. Astorre kann die Vorstellung, sein Vater würde ohne die christlichen Sterbes akr a m e n t e ins Jenseits gehen so wenig ertragen, dass er dafür sein Mönchsein verrät: „Nicht weiter!“ schrie der Mönch und war aufgespru nge n. „Ich bin Euch zu Willen, Herr! Machet mit mir, was ihr wollt! Nur daß ihr Euch nicht in die Flam m e n stürzet!“ 6 So gehorcht Astorre ein um das andere Mal dem Vater, der ihn erst in die Mönchs zelle hinein bringt und ihn dann wieder heraus r uf t, ohne dabei nach dem Wollen des Sohnes zu fragen. Astorre hader t nicht mit seinem Schicksal, er fügt sich. Auf die Frage Ezzelins, wieviel es ihn gekostet hat, ins Kloster zu gehen, antwor tet der junge Mann : „Arm ut und Gehorsam nichts. Ich habe keinen Sinn für Besitz und gehorche leicht.“ 7 Nur der Verzicht auf allzu nahe liegende männliche Bedürf nis se, scheint ihn in Gewissens n öt e gebrach t zu haben, wie er an gleicher Stelle zugibt. Aber auch diesem Problem geht er aus dem Weg, indem er in blinde m Gehorsa m den Rat älterer Mönche, sexuell stimuliere nd e Situatione n zu vermeiden und karg zu leben, befolgt.
Dass eine Rückkehr ins weltliche Leben kaum gut gehen kann, erkenne n zwei Mensche n gleich zu Beginn der Geschichte und warnen Astorre mehr oder weniger direkt. Der eine ist der Fürst Ezzelin, der in kluger Voraus sich t Astor re davon abzuh alte n versucht, sein Mönchs a m t aufz ugebe n:
[...] Dein Heute ents te ht leicht aus deine m Gester n und wird unverse he n s zu deinem Morgen! Du bist etwas und nichts Geringes; denn du übst das Amt der Barmher zigkeit, das ich gelten lasse, wiewohl ich ein anderes bekleide. Würdes t du in die Welt treten, die ihre eigenen Gesetze befolgt, welche zu lernen es für dich zu spät ist, so würde dein klarer Stern zum lächerlichen Irrwisch und zer plat z e
6 ebd., S. 68
7 ebd., S. 65
Arbeit zitieren:
Katharina Stolte, 2003, Lehrreiches Scheitern - Barmherzigkeit und Gerechtigkeit als ad absurdum geführte Tugenden, München, GRIN Verlag GmbH
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