I
Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
Einleitung 1
1. Übersicht über die Finanzierungsmöglichkeiten von
Wachstumsunternehmen 3
1.1. Finanzierung von Wachstumsunternehmen 3
1.2. Die Entwicklung von Wachstumsmärkten in Europa und den
USA 7
1.3. Die Gründe für das Scheitern von Wachstumssegmenten. Die
Rolle der Wachstumsmärkte für die Innovationsförderung 10
1.4. Maßnahmen zur Wiederbelebung von Kapitalmärkten 12
1.5. Die Änderung der Börsengesetzgebung und deren Umsetzung an
der Frankfurter Wertpapierbörse 15
1.6. Fazit 17
2. Aktienmärkte in Deutschland und in der Schweiz. Ihre Stellung
innerhalb der internationalen Aktienmärkte 18
2.1. Allgemeine Merkmale von Aktienmärkten in Deutschland und in
der Schweiz 18
2.2. Die volkswirtschaftliche Rolle des Kapitalmarktes 21
2.3. Aktienkultur in Deutschland und der Schweiz 23
2.4. Fazit 25
3. Börsenhandel in Deutschland. Börsen- und Marktsegmente an der
Frankfurter Wertpapierbörse 26
3.1. Übersicht über die Handelssegmente an der Frankfurter
Wertpapierb örse 26
3.2. Amtlicher Markt (Amtlicher Handel) 28
3.3. Geregelter Markt 31
3.4. Prime und General Standard im Amtlichen Handel und
Geregelten Markt 32
3.5. Zulassungsfolgepflichten im Prime und General Standard. 34
3.6. Freiverkehr 36
II
3.7. Fazit (1)…………………………………………………………... 37
3.8. Die neue Indexlandschaft an der Frankfurter Wertpapierbörse…. 38 3.9. Übersicht über die Indizes an der Frankfurter Wertpapierbörse…. 40 3.10 Fazit (2)…………………………………………………………... 42 4. Börsen- und Marktsegmente in der Schweiz……………………….. 43
4.1. Börsenhandel in der Schweiz…………………………………….. 43 4.2. Handelssegmente der SWX Swiss Exchange……………………. 44 4.2.1. Hauptsegment…………………………………………………... 44 4.2.2. Der SWX New Market…………………………………………. 45 4.2.3. Andere Handelssegmente………………………………………. 48 4.3. Indizes der SWX Swiss Exchange……………………………….. 49 4.4. Fazit………………………………………………………………. 51 5. Analyse der Börsenfinanzierung im Hinblick auf die Wachstumsunternehmen……………………………………………… 51 5.1. Kritische Würdigung des Börsenganges…………………………. 51 5.2. Die Besonderheiten in der Schweiz……………………………… 53 5.3. Vor- und Nachteile des Börsenganges…………………………… 55 5.4. Fazit………………………………………………………………. 59 6. Schlusswort……………………………………………………………... 60
Literaturverzeichnis………………………………………………………..... 61
III
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Die Zulassungsvoraussetzungen und Zulassungsfolgepflichten an den Hauptsegmenten der Frankfurter Wertpapierbörse……………. 38
Tab. 2: Vergleich des Hauptsegmentes SWX Swiss Exchange und des SWX New Market…………………………………………………. 47
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Die neuen IPO-Plattformen an der FWB
Abb. 2: Marktkapitalisierung inländischer börsennotierter
Aktiengesellschaften in Mrd. Euro
Abb. 3: Marktkapitalisierung im internationalen Vergleich
Abb. 4: Vergleich der Aktionärszahlen weltweit
Abb. 5: Übersicht über die Handelssegmente der Frankfurter
Wertpapierb örse (Alte Struktur)
Abb. 6: Neue Systematik der Frankfurter Wertpapierbörse
Abb. 7: Prime und General Standard
Abb 8: Übersicht über die neue Indexsystematik
V
Abkürzungsverzeichnis
AFG Bundesgesetz über die Anlagefonds AIM Alternative Investment Market AVL available=verfügbar BGBl Bundesgesetzblatt BA Business Angel BAFIN Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BEGH Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel BörsG Börsengesetz BörsO Börsenordnung BörsZulG Börsenzulassungsgesetz BörsZulV Börsenzulassungsverordnung BSP Bruttosozialprodukt DAX Deutscher Aktienindex der Deutschen Börse AG DBAG Deutsche Börse AG DTB Deutsche Terminbörse EBK Eidgenössische Bankenkommission EK Eigenkapital ETF Exchange Traded Funds FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung FK Fremdkapital FWB Frankfurter Wertpapierbörse GPO Going-Public-Optionsanleihe IAS International Accounting Standards (jetzt: IFRS) IFRS International Financial Reporting Standards (vormals: IAS) IPO Initial Public Offering KR Kotierungsreglement MA Mitarbeiter MDAX Midcap-Index der Deutschen Börse AG MEZ mitteleuropäische Zeit NASDAQ National Association of Securities Dealers Automated Quotation NEMAX 50 Subindex an der Frankfurter Wertpapierbörse NM Neuer Markt NZZ Neue Zürcher Zeitung o. J. ohne Jahr
o. S. o.A. ohne Angabe o.V. ohne Verfasser PS Partizipationsschein SBI Swiss Bond Index SMAX Subindex des Deutschen Aktienindexes SMI Swiss Market Index SNMI SWX New Market Index SPI Swiss Performance Index SWX Swiss Exchange Börse in Zürich nach dem Zusammenschluss von drei Börsen TecDAX Index der Technologiewerte an der Frankfurter Wertpapierbörse US-GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles VA Verhältnismäßigkeitsgrundsatz VC Venture-Capital WpHG Wertpapierhandelsgesetz XETRA Exchange Electronic Trading ZBK Zürcher Kantonalbank
1
1.Einleitung
Wachstumsunternehmen spielen in der heutigen Gesellschaft eine sehr wichtige Rolle und nehmen in der Volkswirtschaft eines Landes eine bedeutende Position ein. Eine exakte Definition eines Wachstumsunternehmens gibt es nicht. Man spricht im Allgemeinen von seiner Innovation in Verbindung mit Kreativität und Flexibilität, seinem jungen Alter und der Zugehörigkeit zu den Wachstumsbranchen wie Telekommunikation, Biotechnologie und Medizinaltechnik. Dabei ist die Größe eines Unternehmens grundsätzlich sekundär, das Wachstum zeigt sich daran, dass die Umsatz-, und Mitarbeiterzahlen sowie die Gewinne innerhalb einer kurzen Zeit ansteigen. Wichtig ist auch Technologie-und Forschungsorientierung des betreffenden Unternehmens. Um ihre innovativen Ideen umzusetzen und somit zum weiteren Fortschritt beizutragen, benötigen Wachstumsunternehmen Zugang zu nationalen und internationalen Kapitalmärkten, deren Mittel für die Etablierung und Weiterentwicklung einer Unternehmung unabdingbar sind. Der Kapitalbedarf liegt bei den Wachstumsunternehmen weitaus höher als in klassischen Branchen. Fortlaufende technologische Entwicklung, die Globalisierung sowie veränderte Rahmenbedingungen auf den Produktmärkten haben allgemein zur Verschärfung des Wettbewerbs geführt. Die Intensivierung erfolgte unter anderem durch den immer schneller werdenden Fortschritt auf den Gebieten der Informationstechnologie und der Biotechnologie sowie die Deregulierung hen. vieler Branc
Die vorliegende Diplomarbeit setzt sich zum Ziel, die Problematik der Wachstumsfinanzierung von jungen innovativen Unternehmen unter globaler Konkurrenz aufzuzeigen. Nur durch ausreichende Finanzierung können Forschung und Entwicklung, Innovation und Investition gewährleistet werden. Die Wege zur Lösung des Finanzierungsproblems sind verschieden. Eine der Möglichkeiten ist der Markt für Fremd- und Risikokapital. Eine weitere Option zur Finanzierung des Wachstums ist der Gang an die Börse. Bis die Wachstumssegmente an den Börsen eingeführt wurden, war sie allerdings nur den größeren Firmen vorbehalten.
In der Diplomarbeit werden die Erfolgsaussichten von jungen Unternehmen an den Wachstumssegmenten der Frankfurter Wertpapierbörse und der schweizerischen SWX Swiss Exchange analysiert. Es wird zum einen aufge- zeigt, inwieweit sich der deutsche Kapitalmarkt an die Bedürfnisse von jungen
2
Wachstumsunternehmen ausrichten sollte, zum anderen werden die neulich verabschiedeten gesetzlichen Regelungen und ergriffenen Maßnahmen der Deutschen Börse AG und SWX Swiss Exchange genau untersucht. Zum Schluss wird ein Ausblick für die zukünftige Entwicklung gegeben. Die ganze Arbeit ist in fünf Kapitel gegliedert. Das erste Kapitel beschreibt die Problematik der Finanzierung von Wachstumsunternehmen und bietet einen Überblick über diverse Finanzierungsmöglichkeiten. Dabei werden insbesondere die neuesten Maßnahmen der Deutschen Börse AG zum Anlegerschutz und zum Wiederbeleben der Aktienmärkte erläutert. Kapitel Zwei stellt den deutschen und den schweizerischen Kapitalmarkt gegenüber und analysiert ihre Stellung im internationalen Vergleich. Es wird die volkswirtschaftliche Rolle von Kapitalmärkten hinsichtlich der Wachstumsfinanzierung geschildert und die Entwicklung der Wachstumsmärkte in Europa und den USA beschrieben. Die Aktienkultur in Deutschland und in der Schweiz wird ebenfalls verglichen.
Das dritte Kapital beschäftigt sich mit dem Börsenhandel an der Frankfurter Wertpapierbörse. Es werden die neu strukturierten Handelssegmente und die neue Indexsystematik dargestellt. Kapitel Vier behandelt die Börsen- und Handelssegmente der SWX Swiss Exchange und liefert einen Vergleich der Zugangsmöglichkeiten zum Hauptsegment und zum SWX New Market.
Die Analyse der Börsenfinanzierung aus der Sicht von Wachstumsunternehmen wird im letzen Kapitel durchgeführt. Hier werden die spezifischen Besonderheiten in der Schweiz behandelt und die Vor- und Nachteile der Bör- senfinanzierung beleuchtet.
3
KAPITEL 1. Übersicht über die Finanzierungsmöglichkeiten von Wachstumsunternehmen
Im nachfolgenden Kapitel werden die häufigsten Formen der Finanzierung von Wachstumsunternehmen dargestellt und die Möglichkeiten des Börsengangs analysiert. Es wird zudem auf die Entwicklung von speziellen Handelssegmenten an den Börsen eingegangen. Die Maßnahmen zur Wiederbelebung von Kapitalmärkten werden am Ende dieses Kapitels untersucht.
1.1. Finanzierung von Wachstumsunternehmen
Der überwiegende Teil aller innovativen jungen Wachstumsunternehmen ist in Deutschland und in der Schweiz mit Eigenkapital nicht ausreichend ausgestattet. Die Unternehmen haben in der Regel ein attraktives Nutzenpotential, jedoch fehlen die finanziellen Vorraussetzungen für die weitere Expansion. In der ersten Phase der Unternehmensfinanzierung, dem sog. Start-Up engagieren sich üblicherweise zunächst die Gründer, dann deren Freunde und Familienangehörige. Man spricht von den vier „Fs“: Founders, Family, Friends
und Fools. 1 Üblicherweise reicht jedoch das von ihnen zur Verfügung gestellte Kapital nicht aus, um ein Unternehmen zu gründen oder wachsen zu lassen, es wird ein weiteres Kapital benötigt. Wenn die bisherigen Eigentümer nicht mehr wollen oder nicht in der Lage sind, die Finanzierung zu gewährleisten, muss Kapital an anderer Stelle aufgenommen werden.
Der Kapitalbedarf erhöhte sich insbesondere in den letzen Jahren infolge des steigenden Wettbewerbsdrucks, der immer komplexeren Produkte und der sich stetig verkürzenden Produktentwicklungszeiten. Die heutzutage sehr hohen Produktentwicklungs-, Markterschließungs- und Unternehmensaufbaukosten begründen den erhöhten Kapitalbedarf zusätzlich. Die Finanzierung kann mit Eigen- oder Fremdkapital gedeckt werden. Die Fremdkapitalfinanzierung gestaltet sich gerade für die neuen innovativen Unternehmungen eher schwierig. Es wird in der Regel ein dauerhaft zur Verfügung gestelltes Kapital benötigt. Die Gründer eines Wachstumsunternehmens haben ihrerseits immer den Informationsvorteil bezüglich der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. Die Kapitalgeber dagegen können nicht auf die Vergangenheitswerte zurückblicken und empirische Schlüsse auf die zukünftige
1 Vgl. Rudolf, M. /Witt, P. (2002), S. 26.
4
Ertragsentwicklung ziehen. Diese asymmetrische Informationsverteilung führt oftmals zum Versagen der Kapitalmärkte. Darüber hinaus ist Fremdkapital teures Kapital - es muss verzinst und getilgt werden und ist nicht jeder Unternehmung zugänglich - die Kreditwürdigkeit vieler Unternehmen ist des Öfteren nicht ausreichend. Eine Kreditfinanzierung kommt folglich nur selten für Wachstumsunternehmen in Frage, sie ist vielmehr für bereits lange bestehende Unternehmen möglich: Die Banken bedienen sich bei der Kreditvergabe in der Regel der Analyse bereits vorhandener Geschäftsabschlüsse. Es tritt allgemein
das Problem der Bewertung des begünstigten Unternehmens auf. 2 Bei den jungen Unternehmen lassen sich die Unternehmensplanungen oft wegen fehlender
Vergleichswerte schwer evaluieren. 3 Es gibt in der Regel keine bilanzierungsfähigen Aktiva zur Absicherung von Krediten. Die innovativen Wachstumsunternehmen haben ein hohes unternehmerisches Risiko und können so einen hohen Eigenkapitalwert nicht generieren, dafür verfügen die Wachstumsunternehmen über Know-How und Humankapital. Das Problem aus der Sicht der Banken ist auch, dass die Unternehmungen nach der Zusage eines Kredites immer den Anreiz haben, den Risikogehalt einer Investition zu erhöhen. Von der Seite des Unternehmens besteht andererseits die Gefahr, dass bei großen Risiken, die oft mit der Fremdkapitalaufnahme verbunden sind, es zu einer Unterinvestition kommen kann: Es wird unter Umständen auf eine Investition mit dem positiven Kapitalwert verzichtet. Es besteht also ein typischer Zielkonflikt zwischen dem Streben nach Wachstum und Unabhängigkeit bzw. Unternehmenskontrolle. Die Übergewichtung des Unabhängigkeitsfaktors verhindert die Inanspruchnahme von Außenfinanzierung und reduziert damit das
Entwicklungspotential des Unternehmens. 4 Eine hohe Fremdfinanzierung kann zwar steuerlich attraktiv sein, führt jedoch des Öfteren zur Insolvenzgefahr. Die Kreditkosten sind häufig zu hoch und belasten damit die allgemeine Liquiditätslage der Unternehmung.
Die schlechten Möglichkeiten des Zugangs zu den Fremdkapitalmärkten machen für Wachstumsunternehmen die Eigenkapitalfinanzierung attraktiv. Das Eigenkapital ist zeitlich unbefristet, begründet die mit ihm verbundenen Mitspracherechte und unbeschränkte Haftung der eingesetzten Beträge. Der Vorteil für die Unternehmung ist, dass das Eigenkapitel keiner Verwendungs-
2 Vgl.Rudolf, M./Witt, P. (2002), S. 30.
3 Vgl. Arlinghaus, O./Balz, U. (2001), S. 3.
4 Vgl. Kramer, K.-H. (1999), S. 76.
5
beschränkung unterliegt und damit die Unabhängigkeit und Flexibilität der Unternehmung gewährleistet.
Ein Wachstumsunternehmen kann sich entweder am nicht organisierten (privaten) Kapitalmarkt finanzieren, der auch als „Private Equity“ bezeichnet wird, oder eine Finanzierung am öffentlichen organisierten Teil des Kapitalmarktes durch ein IPO anstreben.
Zum Private Equity zählt man: a) Direktinvestitionen privater Anleger;
b) Business Angels; c) Venture-Capital. 5 Andere, weniger verbreitete Finanzierungsmöglichkeiten sind öffentliche Förderprogramme, Trade Sales, 6 strategische Partnerschaften, Intermediation durch Kapitalanlagegesellschaften, Versi-cherungsgesellschaften sowie durch Kapitalbeteiligungsgesellschaften. 7 Für die nicht vermögenden Privatanleger 8 sind die direkten Investitionen, d. h. ohne Intermediation, wenig sinnvoll. Die Privatpersonen sind rein rendi-teorientiert und leisten keine zusätzlichen Beiträge im operativen Geschäft. Der wichtigste Grund des Marktversagens hier ist, dass die Transaktionskosten, die bei der Suche nach dem geeigneten Unternehmen anfallen, sehr hoch sind im Verhältnis zu der möglichen Rendite. Auch die Verwaltung und Kontrolle der getätigten Investitionen ist sehr aufwendig. Der zweite Grund zur Ablehnung ist die fehlende Möglichkeit zur Diversifizierung für die Privatanleger und somit ein erhöhtes Risiko.
Ein Business Angel ist ebenfalls eine Privatperson, die ihr persönliches Vermögen ohne Zwischenschaltung von Intermediären in ein nicht börsennotiertes Unternehmen investiert. Der Unterschied zu einem Privatanleger besteht im Wesentlichen darin, dass ein BA sich nicht nur finanziell am Unternehmen beteiligt, sondern sich auch anderweitig engagiert. Typischerweise bestehen diese Engagements in der Vermittlung von Geschäftskontakten, Beratung der Geschäftsführung oder operativer Unterstützung im Tagesgeschäft.
Die Finanzierung durch Venture-Capital (Wagnisfinanzierung) spielt heute in Deutschland und in der Schweiz eine immer größere Rolle. Man unterscheidet auf dem deutschen Markt drei Gruppen von Venture-Capital-Gebern, das sind die sog. Universalbeteiligungsgesellschaften, öffentlich geförderte Kapitalbeteiligungsgesellschaften und die Unternehmungsbeteiligungsgesellschaf-
5 ZuVenture-Capital werden folgende Begriffe synonymisch gebraucht: Risikokapital, Wagniskapital.
6 Bei einem Trade Sale erfolgt der Verkauf der Unternehmensanteile an ein oder mehrere Industrieunternehmen. Über Trade Sale können sich die Venture-Capital-Anbieter oder BA´s von ihren ehemaligen Beteiligungen lösen.
7 Zu diesen Finanzierungsformen siehe ausführlich Knips, S. (2000), S. 48 ff. 8 Bis zu 500.000 Euro privates Geldvermögen.
6
ten. 9 In den USA und der Schweiz sind darüber hinaus spezielle Venture-Capital-Fonds gebildet worden. Ein Venture-Capitalist finanziert junge, riskante Wachstumsunternehmen in Branchen mit einem hohen zukünftigen Wachstums- und Wertsteigerungspotential. Es werden Unternehmen in deren Initiierungs- und Gründungsstadium, bei Entwicklung, Erweiterung und als Überbrückung vor einem IPO finanziert. Das Kapital wird dem Wachstumsunternehmen jedoch zeitlich befristet überlassen. Die VC-Geber haben ein Kontroll-und Mitspracherecht und bieten im Regelfall umfassende Unterstützungsleistungen an. Sie können ebenfalls in die operativen Tagesgeschäfte eingreifen. Nachteile der Venture-Capital-Finanzierung in Deutschland sind steuer-
licher Natur. 10 Da ein Venture-Capital-Anbieter bei der Durchführung der Finanzierung nicht vollständig diversifiziert ist, muss in der Regel eine höhere
Risikoprämie gezahlt werden. 11 Er hat auch eine größere Verhandlungsmacht gegenüber dem Unternehmen als die Privatinvestoren.
Bei einer Börsenfinanzierung wird die Ebene der Private Equity verlassen, die Kapitalgeberstruktur wird verändert. Es erfolgt die Verbesserung der Bilanzrelation zwischen EK und FK, die in der Regel zu einer höheren Reputation des Unternehmens aus der Sicht von Banken, Gläubigern und Geschäfts-
partnern führt. 12 Zwischen den Kapitalgebern und -nehmern steht nun die Börse, über die Unternehmensanteile gehandelt werden können. Bei der Börsenfinanzierung müssen keine bankmäßigen Sicherheiten hinterlegt werden und der Einfluss der Aktionäre kann immer eingegrenzt werden. In der Praxis kann man in den meisten Fällen diesen Einfluss vernachlässigen. Attraktiv macht den Börsengang auch Zugang zu diversen Finanzierungsinstrumenten des Kapitalmarkts. Oft erfolgt der Gang an die Börse erst nach der Finanzierung eines Unternehmens durch VC oder einen BA. Damit eröffnet sich für die VC-Geber die Möglichkeit, ihre Beteiligungen zu sehr attraktiven Konditionen zu verkaufen.
9 Vgl. Schefczyk, M. (2000), S. 16 ff.
10 Das sind vor allem die ungünstige steuerliche Behandlung von Gesellschafterdarlehen und verbundenen Unternehmen, die verdeckten Gewinnausschüttungen, die steuerliche Ungleich-behandlung von In- und Ausländern sowie die Fiktion des kapitalersetzenden Darlehens. Vgl. Perlitz, M./ Reinhardt, M. (1999), S. 109.
11 Vgl. Schenek, A. (2001): Übung Going Public, o. S.
12 Vgl. Arlinghaus, O./Balz, U. (2001), S. 34.
7
1.2. Die Entwicklung von Wachstumsmärkten in Europa und den USA
Die Gründe für die Einrichtung separater Börsensegmente für Wachstumsunternehmen waren vielfältig. Die Zulassungsvoraussetzungen für die Börsenhauptsegmente in Deutschland und der Schweiz konnten bis dahin nur von bereits etablierten und gut positionierten Unternehmen erfüllt werden, die über Jahre hinaus bestanden und entsprechende Reputation, Kundenkreis, Produkt- und Dienstleistungsangebot etc. aufgebaut hatten. Die geringe Nutzung der Börse zur Eigenkapitalaufnahme durch junge innovative Wachstumsunternehmen wurde auf das Fehlen von speziell auf diese Unternehmen zugeschnittenen Handelssegmenten zurückgeführt, die ihre besonderen Bedürfnisse berücksichtigen würden. Die Einführung solcher Instrumente sollte dieses Problem weitgehend beseitigen. Man wollte den Wachstumsunternehmen den Zugang zur Kapitalfinanzierung über die Börse erleichtern und damit attraktive Finanzierungsmöglichkeiten bereitstellen. Dadurch sollte auch eine Alternative zu dem im Vergleich zu den angloamerikanischen Ländern unterentwickelten Risikokapitalmarkt in Deutschland und der Schweiz angeboten werden. Es sollten breite Investorenkreise erschlossen werden und den Kapitalgebern interessante Investitionsmöglichkeiten offeriert werden. Die neuen Wachstumssegmente sicherten die Versorgung von Unternehmen mit Eigenkapital und verhinderten die Abwanderung der Unternehmen ins Ausland. Auf der anderen Seite war man auf den Schutz der Investoren bedacht. Sie sollten dank hoher Transparenz möglichst umfassend mit Informationen über das Chancen/Risikoprofil von Unternehmungen an den Wachstumsmärkten versorgt werden.
Dem Bedürfnis zur Schaffung eines Börsensegmentes für Wachstumsunternehmen war zuerst in den USA nachgekommen worden - durch die Schaffung des National Association of Securities Dealers Automated Quotations (NASDAQ) im Jahr 1971, danach folgte im Jahr 1995 Großbritanniens Alternative Investment Market (AIM). In Deutschland hat der Neue Markt (1997) seinen Erfolg und Niedergang erlebt; in der Schweiz wurde erfolgreich der SWX New Market lanciert (1999). Die Schweizer Börse hat ihr Wachstumssegment im europäischen Vergleich sehr spät gestartet. Der Höhepunkt der Börsengänge junger Unternehmen wurde daher verpasst. Im Unterschied zu Deutschland setzte man hier nicht auf Technologie, sondern auf die Biotech-Branche und wollte von vornherein ausländische Investoren anlocken. Es ging aber auch in erster Linie um die Qualität und nicht die Quantität der Börsen-
8
neulinge.
Die neuen Märkte hatten zuerst sehr große Erfolge zu verzeichnen. Ihre Struktur hat überall in Europa eine Belebung des Aktienemissionsgeschäftes herbeigeführt. Der Neue Markt in Deutschland hat die Anleger in Massen angezogen. In keinem anderen Aktiensegment ist die Entwicklung ähnlich turbulent verlaufen wie hier. Mit den erfolgsreichsten Wachstumswerten waren seit
ihrer Emission drei-, vier-, und sogar fünfstellige Renditen erreichbar. 13 Aus diesen Tatsachen wurden zahlreiche Anlegerträume gemacht, man konnte mit Aktienkauf an den Wachstumssegmenten der Börsen über Nacht reich werden. Aktien wurden auch für kleine Privatanleger zur vermeintlichen „sicherer“ Geldanlage.
Nach diesen exorbitanten Erfolgen in Europa und in den USA bis Mitte 2000 begann die Talfahrt an den Börsen. Im März 2000 wurden historische Höchststände gemessen, danach entwickelten sich die Kurse tendenziell negativ. Bald verflog die Euphorie an den Aktienmärkten und das Vertrauen in die Aktie als klassisches Anlageinstrument wurde stark geschädigt. Die drastischen Kursrückgänge sowie zahlreiche Bilanzskandale und Insidergeschäfte machten das Segment für die innovativen Wachstumsunternehmen für Anleger unattraktiv. Nach Betrugsskandalen und Pleiten wie EM. TV, Letsbuyit.com oder Comroad haben die Investoren das Vertrauen endgültig verloren. Die Kurse fielen
im Durchschnitt um rund 90 Prozent. 14 Im 2000 erreichte der NEMAX 50 auf Schlusskurs-Basis sein Allzeit-Hoch bei 9665,81 Zählern, die Marktkapitalisierung von mittlerweile 229 Unternehmen im Nemax All Share lag bei 234, 25 Milliarden Euro. Zwei Jahre später, am 10. März 2003, notierte der Index le-
diglich bei 373,91 Punkten, das Geschäft am Neuen Markt ging gegen Null. 15 Der stärkste Kursrückgang erfolgte vor allem in den Branchen Internet, Kommunikation, Medien und Software. Nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001 brachen die Kurse an der NASDAQ erneut ein; der Neue Markt und der SWX New Market stürzten weiter ab. Mitte 2000 kursierten in Börsen- und Anlegermagazinen die ersten „Todeslisten“ mit Unternehmen, die von Zahlungsunfähigkeit bedroht sein sollten. Um den vollständigen Zusammenbruch der Wachstumsmärkte zu verhindern, musste die Deutsche Börse AG drastische Maßnahmen ergreifen. So
13 Vgl. Beike, R./Köttner, A./Schlütz, J. (2000), S. 2.
14 Vgl. o.V. (2003): Der Neue Markt macht endgültig seine Türen zu, in: FAZ vom 04.06., S. 25.
15 Vgl. o.V. (2003): Neuer Markt: Die Chronik einer Kapitalvernichtung, o. S.
Arbeit zitieren:
Andriy Rozhyk, 2004, Die Neustrukturierung der Frankfurter Wertpapierbörse im Hinblick auf die Börsensegmente für Wachstumsunternehmen in Deutschland im Vergleich zum Schweizer SWX New Market. Die Erfolgsaussichten für die Wachstumsunternehmen an der Börse, München, GRIN Verlag GmbH
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