Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1. Allgemeine Einleitung 2
1.1. Hinführung 2
1.2. Die Fragestellung des Buches, Gattungsbestimmung und “Sitz im Leben 2
1.3. Verfasser 5
1.4. Entstehungszeit und Entstehungsort 6
1.5. Aufbau des Buches 6
2. Exegetische Überlegungen 8
2.1. Schrifttext: Kohelet 3 ,1 8 8
2.2. Analyse 8
3. Resümee 11
Literaturverzeichnis 13
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1. Allgemeine Einleitung
1.1. Hinführung
Um sich dem Text in Kohelet 3, 1-8 exegetisch nähern zu können, ist es wichtig, auf die Rahmenbedingungen des Buches Kohelet, insbesondere auf die Aussagen der ausgewählten Verse zu blicken. Es ist daher unerlässlich, einige allgemeine und einleitende Gedanken dieser exegetischen Proseminararbeit voranzustellen, die allerdings schon einen wesentlichen Bestandteil der Exegese darstellen werden. Die Verfasserfrage, die Frage nach der Gattung, der Entstehungsort und -zeit, der “Sitz im Leben” und die Fragestellung des Buches stehen nun in der allgemeinen Einleitung zur Analyse an. Bilden sie doch die unverzichtbare Grundlage jeder exegetischen Arbeit, die durch die Bestimmung des Kontextes und Methoden der “historisch-kritischen” Methode den Aussagekern des Textes treffen möchte.
1.2. Die Fragestellung des Buches, Gattungsbestimmung und “Sitz im Leben” In Kapitel 1 in den Versen 2-3 finden wir die Ouvertüre des gesamten Buches. Die Worte des Schreibers: “Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne?” 1 , deuten an, dass der Mensch seine tiefste Erfüllung nicht im Reichtum finden kann. Das Buch scheint “existentialistisch” 2 geprägt zu sein. Der Biblische Kommentar des Aarre Lauha, schlägt als mögliche Übersetzungsmöglichkeit des Wortes Windhauch “Eitelkeiten” oder “vollständig eitel” 3 vor. “Das Gewicht des Wortes wird durch eine fünfmalige Tautologie und eine superlativische Genitivkonstruktion betont. [...] In den alten Übersetzungen ist die hebräische Konstruktion beibehalten im Sinne von “vollständig eitel”, “im größten Ausmaß nichtig”, vielleicht mit einer iterativen Nuance: “immer nur eitel”. Als vorangestelltes Leitwort zur ganzen Verkündigung Kohelets bereitet der gesteigerte Ausdruck den Grundaspekt des Buches über die Nichtigkeit aller Werte vor.” 4
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1 Soweitnicht anders angegeben, sind die zitierten der Schriftstellen, der Einheitsübersetzung entnommen.
2 Deissler, Alfons: Das Alte Testament und die neuere katholische Exegese: 5. Auflage: Freiburg - Basel - Wien, Verlag Herder KG, 1963, S. 52
3 Vgl. Lauha, Aarre: Biblischer Kommentar Altes Testament: Kohelet: Band XIX: Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 1978, S. 30
4 ebd.
So verstanden wird unser Blick automatisch auf die psychische Verfassung des Autors gelenkt. Es scheint an verschiedenen Stellen immer wieder sein innerer Seelenzustand auf. Probleme, Zweifel und innere Diskussionen prägen das gesamte Buch. 5 Im Mittelpunkt steht die Erfahrung eines Menschen - eines jeden Menschen! Als Beispiel wählt der Autor die Gestalt des Salomo, der in allen Gütern, im Vermögen, Reichtum schlecht ist, weil es ihn nicht völlig befriedigt, da alles materielle Grenzen hat. Er stellt sich viele Fragen, die er aber nicht vollständig beantworten kann. 6
Ist sich der Verfasser vielleicht selbst zur großen Frage geworden? Vielleicht! Denn der Autor entwirft zunächst eine Lehre vom Kosmos (Vgl. 1,4-11). Der Kosmos wird gleichsam die Bühne, auf der die Menschen kommen und gehen. Anschließend folgt der grundlegende anthropologische Teil indem er sich in die höchste menschliche Möglichkeit versetzt und sich als gebildeten und das Leben voll auskostenden Herrscher sieht, der nach dem Sinn des Lebens fragt. (1,12-3,15). Als Ergebnis seines Nachdenkens kommt er zum Schluss, dass angesichts des kommenden Todes, alles Windhauch ist. Gott ist es, der jeden Augenblick bestimmt. Der Mensch kann ihn weder berechnen noch in den Griff bekommen. Anschließend folgt in (3,16-6,10) eine Gesellschaftskritik und im nächsten Teil werden der Zusammenhang von Tun und Ergehen kritisch überprüft. (6,11-9,6). Am Ende steht der Tod. An diese Betrachtung schließt sich die Ethik an, die Weisung für die rechte Lebensführung (9,7-12,7). Aus dieser Betrachtung sind die Weisungen über das religiöse Verhalten herausgenommen und als eine Art Zwischenstück in die Gesellschaftskritik (4,17-5,6) eingesetzt worden. 7
“Nach solcher Mühe, die erfolglos erscheint, nimmt der Autor zur Selbstdisziplin Zuflucht, in der dennoch diese Fragen ohne Antwort quälen, den Leser beunruhigen und zwingen, über das Buch hinaus eine Lösung im umfangreichen Kontext zu suchen.” 8 Natürlich wird dem Betrachter schnell klar, dass der Verfasser an die Grenzen philosophischer Anthropologie stößt und letztlich “transzendieren”, das heißt eine Schwelle zu einer höheren Ebene überschreiten möchte. Die Unruhe die in Kohelet spürbar ist, führt zur Annahme, “dass dem denkenden Geist eine ursprüngliche Offenheit für das Sein im ganzen zukommt. Er voll- -4 -
5 Vgl.z.B. Koh. 2,20
6 Vgl. Fenz, Augustinus: unveröffentlichtes Hörerskriptum „Fundamentalexegese III.“ für die Hörer der Philosopisch- Theologischen Hochschule Heiligenkreuz, S. 45
7 Vgl. Kommentar der Einheitsübersetzung zum Buch Kohelet, S. 719f
8 Fenz, Augustinus: „Fundamentalexegese III“ S. 45
zieht sich im Horizont des Seins. Ihm ist eine gewisse - nicht aktuelle, aber virtuelle Unendlichkeit eigen. Seine Dynamik ist wesenhaft hingeordnet auf die Unendlichkeit des Seins und kann in keinem endlichen Seienden erfüllt zur Ruhe kommen.” 9 Konsequenterweise heißt es in der Einleitung, zum Buch Kohelet, in der “Echter Bibel”: “Von Anfang an fragt er nach “dem” Menschen.” 10 Dem Schreiber ging es wohl weniger um das “National-Israelitische” 11 sondern vielmehr um die Fragen der Kosmologie und schließlich der Anthropologie, die dann theologisch endet. 12
Obwohl Kohelet “ein kritisches Verhältnis zur traditionellen Weisheit einnimmt” 13 deutet der Schreibstil und die aufgeworfenen Fragen an, dass es sich bei dieser Schrift um “Weisheitsliteratur” 14 handeln muss, zu der neben dem Buch Kohelet die Sprichwörter, Weisheit, Hoheslied, Jesus Sirach und Ijob zählen. 15 So findet sich bei Aarre Lauha der Gedanke, “dass das Buch Kohelet vor allem als ein schmerzlicher Protest gegen die rational-optimistische Lebensdeutung zu verstehen ist, die sowohl in der alttestamentlichen Schulweisheit als oft auch anderswo in der israelitisch-jüdischen Religionsauffassung hervortritt.” 16 Im Kontext der hebräischen Weisheitsliteratur eingebettet, kann die These formuliert werden: “Das Buch der Sprüche legt seine These vor über das menschliche Leben, über gut und schlecht, und diese These ist gewissermaßen wahr, aber weil sie unvollständig ist, ruft sie eine Antithese von größter Wahrheit hervor: Ijob und Kohelet. Nach diesen beiden Büchern, beabsichtigen Sirach und Weisheit gleichsam eine Synthese zu bringen, die allerdings noch nicht vollständig, sondern offen ist für eine gänzlich vollständige Synthese, die in einem anderen Kontext gefunden werden kann, nämlich im christlichen Kontext. [...] In Christus der “vollkommenste Wahrheit” ist, sind alle Teilwahrheiten enthalten. [...] Daher erhalten
9 Coreth,Emerich: Was ist der Mensch: Grundzüge einer philosophischen Anthropologie: 4. neu bearbeitete Auflage: Innsbruck-Wien: Tyrolia-Verlag, 1986, S. 85
10 Lohfink, Norbert: Die Neue Echter Bibel: Kommentar zum Alten Testament mit der Einheitsübersetzung: Kohelet: herausgegeben von Weihbischof Dr. Josef G. Plöger u.a.: Stuttgart, Katholische Bibelanstalt GmbH,
1980, S. 5
11 ebd. S. 5
12 Vgl. ebd.
13 Zenger, Erich u.a.: Einleitung in das Alte Testament: Dritte neubearbeitete und erweiterte Auflage: Suttgart-Berlin-Köln, W. Kohlhammer GmbH, 1998, S. 340
14 Deissler, Alfons: a.a.O., S. 52
15 Vgl. ebd. S. 52
16 Lauha, Aarre: Biblischer Kommentar Altes Testament: Kohelet: Vorwort des Verfassers: a.a.O.
Arbeit zitieren:
Markus Priwratzky, 2003, Exegese zu Kohelet 3, 1-8, München, GRIN Verlag GmbH
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