I
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS. I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
TABELLENVERZEICHNIS. VI
1 EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT 1
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG 1
2 AUFGABEN, ZIELE UND AUFBAU DER MATERIALWIRTSCHAFT 2
2.1 DEFINITION UND ABGRENZUNG DES BEGRIFFES MATERIALWIRTSCHAFT. 2
2.1.1 Definition des Begriffes Material. 2
2.1.2 Definition des Begriffes Wirtschaft 2
2.1.3 Klassische Definition der Materialwirtschaft 3
2.1.4 Neuere Definitionsansätze 3
2.1.4.1 Eine enge Begriffsfassung der Materialwirtschaft. 3
2.1.4.2 Eine erweiterte Begriffsfassung der Materialwirtschaft 4
2.1.4.3 Die integrierte Materialwirtschaft. 4
2.2 DIE ZIELE DER MATERIALWIRTSCHAFT 5
2.2.1 Sicherungs- und Gestaltungsziele 5
2.3 DER STRUKTURELLE AUFBAU DER MATERIALWIRTSCHAFT 6
2.3.1 Materialbeschaffung 6
2.3.1.1 Ziele der Materialbeschaffung. 7
2.3.1.2 Materialanalyse 8
2.3.1.2.1 ABC-Analyse 8
2.3.1.2.2 XYZ-Analyse 9
2.3.1.3 Beschaffungsmarktforschung 10
2.3.1.4 Beschaffungsplanung 10
2.3.1.4.1 Beschaffungsprinzipien 10
2.3.1.4.1.1 Vorratsbeschaffung 11
2.3.1.4.1.2 Einzelbeschaffung im Bedarfsfall 11
2.3.1.4.1.3 Fertigungssynchrone bzw. Just-in-Time-Beschaffung 11
2.3.1.4.2 Beschaffungswege. 12
2.3.1.4.2.1 Direkte Beschaffung. 12
2.3.1.4.2.2 Indirekte Beschaffung 12
2.3.1.4.3 Beschaffungsmengen und -termine 12
2.3.1.4.3.1 Verbrauchsgesteuerte Disposition 13
2.3.1.4.3.2 Bedarfsgesteuerte Disposition. 13
2.3.1.5 Beschaffungsdurchführung. 14
2.3.1.6 Beschaffungskontrolle. 14
2.3.2 Materialverwaltung. 14
2.3.3 Materialverteilung 15
2.3.4 Materialentsorgung 15
II
3 INSTITUTIONELLE BESCHAFFUNGSPRINZIPIEN UND -FORMEN. 16
3.1 ABGRENZUNG ZU DEN KLASSISCHEN BESCHAFFUNGSPRINZIPIEN 16
3.2 GLIEDERUNG DER BESCHAFFUNGSFORMEN UNTER BERÜCKSICHTIGUNG IHRER VERTRAGLICHEN
GRUNDLAGE 16
3.2.1 Beschaffungsformen auf Grundlage von Rahmenverträgen. 16
3.2.1.1 Langfristige Kontraktpolitik 16
3.2.1.2 Just-in-Time-Beschaffung 17
3.2.1.2.1 Anwendbarkeit 17
3.2.1.2.2 Stärken und Schwächen. 18
3.2.1.2.3 Anforderungen an Algorithmen. 18
3.2.1.3 (Virtuelle) Einkaufsgemeinschaften 19
3.2.1.3.1 Definition und Anwendbarkeit 19
3.2.1.3.2 Stärken und Schwächen. 19
3.2.1.3.3 Praxisbeispiele. 20
3.2.1.3.4 Anforderungen an Algorithmen. 21
3.2.1.4 Vendor Managed Inventory (VMI) 21
3.2.1.4.1 Definition und Anwendbarkeit 21
3.2.1.4.2 Stärken und Schwächen. 22
3.2.1.4.3 Praxisbeispiel. 23
3.2.1.4.4 Anforderungen an Algorithmen. 24
3.2.2 Beschaffungsformen auf Grundlage der Einzelbeschaffung 24
3.2.2.1 Katalogsysteme 24
3.2.2.1.1 Definition und Anwendbarkeit 24
3.2.2.1.2 Klassifikationssysteme und Katalogformate. 25
3.2.2.1.3 Stärken und Schwächen. 26
3.2.2.1.4 Praxisbeispiel. 26
3.2.2.1.5 Anforderungen an Algorithmen. 26
3.2.2.2 Elektronische Marktplätze. 27
3.2.2.2.1 Definition und Anwendbarkeit 27
3.2.2.2.2 Stärken und Schwächen. 27
3.2.2.2.3 Praxisbeispiele. 28
3.2.2.2.4 Anforderungen an Algorithmen. 29
3.2.2.3 Reverse Auctions. 29
3.2.2.3.1 Definition und Anwendbarkeit 29
3.2.2.3.2 Stärken und Schwächen. 30
3.2.2.3.3 Praxisbeispiel. 31
3.2.2.3.4 Anforderungen an Algorithmen. 31
3.2.2.4 Ausschreibungen 32
3.2.2.4.1 Definition und Anwendbarkeit 32
3.2.2.4.2 Stärken und Schwächen. 32
3.2.2.4.3 Praxisbeispiel. 33
3.2.2.4.4 Anforderungen an Algorithmen. 33
4 METHODEN UND ALGORITHMEN DER BESTELLMENGENPLANUNG 34
4.1 DIE ALLGEMEINE ENTSCHEIDUNGSSITUATION. 34
4.2 ÜBERBLICK ÜBER DIE PRAKTISCHEN BESTELLMENGENPROBLEME 34
III
4.3 DETERMINISTISCHE LAGERHALTUNGS- UND BESTELLMENGENPOLITIKEN 35
4.3.1 Deterministisch-statische Modelle 35
4.3.1.1 Einstufige Einproduktmodelle 35
4.3.1.1.1 Das klassische Economic Order Quantity-Modell (EOQ) 35
4.3.1.1.2 Stärken und Schwächen des EOQ-Modells 36
4.3.1.1.3 Erweiterungen des EOQ-Modells. 36
4.3.1.2 Einstufige Mehrproduktmodelle. 37
4.3.1.2.1 Unkapazitiertes Bestellmengenmodell mit Sammelbestellungen 37
4.3.1.2.2 Bestellmengenmodell mit Lagerkapazitätsrestriktionen 38
4.3.1.2.3 Economic Lot Scheduling Problem (ELSP) 39
4.3.1.3 Mehrstufige Mehrproduktmodelle. 39
4.3.2 Deterministisch-dynamische Modelle 39
4.3.2.1 Einstufige Einproduktmodelle 39
4.3.2.1.1 Das Modell von Wagner-Whitin. 39
4.3.2.1.2 Kritik am Wagner-Whitin-Ansatz 40
4.3.2.1.3 Heuristische Verfahren 41
4.3.2.1.3.1 Least-Unit-Cost-Verfahren (LU)C 41
4.3.2.1.3.2 Silver-Meal-Verfahren (SMV) 42
4.3.2.1.3.3 Part-Period-Verfahren (PPV) 42
4.3.2.1.3.4 Algorithmen auf Basis der Heuristiken 42
4.3.2.1.4 Überblick über Erweiterungen des Wagner-Whitin-Ansatzes 43
4.3.2.2 Einstufige Mehrproduktmodelle. 44
4.3.2.2.1 Capacitated Lot-Sizing Problem (CLSP) 44
4.3.2.2.2 Weitere dynamisch-einstufige Mehrproduktmodelle. 45
4.3.2.3 Mehrstufige Mehrproduktmodelle. 46
4.4 STOCHASTISCHE LAGERHALTUNGS- UND BESTELLMENGENPOLITIKEN 46
4.4.1 Ursachen der Unsicherheit im Beschaffungswesen 46
4.4.2 Allgemeine stochastische Lagerhaltungspolitiken 46
4.4.2.1 Nachfragemenge und Wiederbeschaffungszeit. 47
4.4.2.2 Lagerbezogene Leistungskriterien. 47
4.4.2.2.1 Bedeutung des α -Servicegrades. 48
4.4.2.2.2 Bedeutung des β -Servicegrades. 48
4.4.2.2.3 Bedeutung des γ -Servicegrades. 48
4.4.2.3 (s,q)-Politik. 49
4.4.2.3.1 Erwartungswert und Sicherheitsbestand bei diskreter Wahrscheinlichkeitsverteilung 49
4.4.2.3.2 Servicegrad und kostenminimaler Bestellpunkt 49
4.4.2.3.3 Kritik an der (s,q)-Politik. 50
4.4.2.4 (r,S)-Politik. 50
4.4.2.4.1 Ermittlung der Zykluslänge und des Sicherheitsbestandes 50
4.4.2.4.2 Servicegrad-Restriktion 51
4.4.2.4.3 Kritik an der (r,S)-Politik. 51
4.4.2.5 (s,S)-Politik. 51
4.4.2.5.1 Ermittlung der erwarteten Bestellmenge 51
β -Servicegrades im (s,S)-Modell 52
4.4.2.5.2
4.4.2.5.3 Die Optimalität der (s,S)-Politik, ein Vergleich 52
IV
5 SCHLUSSBETRACHTUNG 53
ANHANG. VII
EINKAUFGEMEINSCHAFTEN , BEISPIEL SHOP2GETHER.COM VII
KATALOGE , BEISPIEL SPLS. VII
ELEKTRONISCHE MARKTPLÄTZE, BEISPIEL SURPLEX. VIII
ELEKTRONISCHE MARKTPLÄTZE, BEISPIEL OMNEXUS VIII
REVERSE AUCTIONS, BEISPIEL GOODEX. IX
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS X
SYMBOLVERZEICHNIS XIII
ECONOMIC ORDER QUANTITY-MODELL. XIII
UNKAPAZITIERTES BESTELLMENGENMODELL MIT SAMMELBESTELLUNGEN XIII
BESTELLMENGENMODELL MIT LAGERKAPAZITÄTSRESTRIKTIONEN XIII
MODELL VON WAGNER-WHITIN, LUC, SMV UND PPV. XIII
CAPACITATED LOT-SIZING PROBLEM (CLSP) XIV
STOCHASTISCHE LAGERHALTUNGSPOLITIKEN. XIV
LITERATURVERZEICHNIS. XVI
E
V
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: ZIELE DER MATERIALWIRTSCHAFT.
ABBILDUNG 2: DIE AUFGABEN DER MATERIALWIRTSCHAFT.
ABBILDUNG 3: DIE PHASEN DER MATERIALBESCHAFFUNG
ABBILDUNG 4: ERGEBNISSE DER ABC-ANALYSE.
ABBILDUNG 5: ENTSCHEIDUNGSBEREICHE DER BESCHAFFUNGSPLANUNG.
ABBILDUNG 6: PROZESS DER ORGANISATORISCHEN UMSETZUNG EINER ONLINE-AUKTION IN DER
BESCHAFFUNG.
ABBILDUNG 7: ÜBERBLICK ÜBER DIE BESTELLENMENGENPROBLEME.
ABBILDUNG 8: BESTANDSVERLAUF IM KLASSISCHEN LOSGRÖßENMODELL.
ABBILDUNG 9: PORTAL DES ANBIETERS SHOP2GETHER.COM.
ABBILDUNG 10: INTERNETKATALOG DER SPLS.
ABBILDUNG 11: STARTPORTAL DES SURPLEX-ANGEBOTS.
ABBILDUNG 12: PORTAL DES ELEKTRONISCHEN KUNSTSTOFFMARKTPLATZES OMNEXUS.
ABBILDUNG 13: REVERSE AUCTIONS BEI GOODEX
VI
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1: KOMBINATION VON ABC- UND XYZ-ANALYSE 9
TABELLE 2: ALGORITHMEN AUF BASIS HEURISTISCHER VERFAHREN. 43
TABELLE 3: ÜBERBLICK ÜBER ERWEITERUNGEN DES WAGNER-WHITI-NGRUNDMODELLS 43
1
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, dem Leser einen Überblick über die Methoden und Algorithmen der Bestellpolitikplanung unter besonderer
Berücksichtigung ihrer praktischen Anwendbarkeit zu vermitteln. Die Aufgabe ist somit nicht beschränkt auf die Darstellung der unterschiedlichen, von der betriebswirtschaftlichen Theorie entwickelten, Klassen von
Bestellalgorithmen, sondern darüber hinaus darauf ausgerichtet, eine Verbindung herzustellen zwischen Bestellalgorithmen auf der einen und praktischem Anwendungsgebiet auf der anderen Seite. Die hier deutlich werdende „Lücke“ zwischen der Theorie und ihrer konkreten praktischen Verknüpfung soll, soweit dies im Rahmen dieser Diplomarbeit überhaupt erreichbar sein kann, möglichst weit geschlossen werden.
Um diesem Ziel gerecht werden zu können, ist neben einer Klassifizierung, Einteilung und Erläuterung der Bestellalgorithmen und -modelle auch eine Einteilung der unterschiedlichen Beschaffungsprinzipien und -formen der unternehmerischen Praxis notwendig.
Ferner ist es im weiten Feld der Materialwirtschaft und der verschiedenen Perspektiven, aus denen auf sie geblickt werden kann, unerlässlich, die Betrachtungsobjekte vorliegender Arbeit möglichst klar abzugrenzen und einzuordnen.
1.2 Gang der Untersuchung
Es soll versucht werden, diese Zielsetzung in drei Schritten zu erreichen. Zunächst erfolgt im zweiten, auf diese Einleitung folgenden, Kapitel die oben bereits angekündigte Einordnung der Betrachtungsobjekte in den Bereich der Materialwirtschaft. Hierzu wird der Begriff der Materialwirtschaft definiert und möglichst kurz anhand seiner Aufgaben und Struktur dargestellt. Im sich anschließenden dritten Kapitel sollen die verschiedenen
Beschaffungsprinzipien und -formen der unternehmerischen Praxis beschrieben werden, um so die Grundlage für eine praxisnahe Zuordnung der unterschiedlichen Klassen von Bestellalgorithmen in Abhängigkeit der Beschaffungsform zu schaffen. Die Klassifizierung und Darstellung der Bestellalgorithmen sowie ihre praxisorientierte Zuordnung zu den verschiedenen Beschaffungsformen erfolgt in einem dritten Schritt ab Kapitel vier der vorliegenden Arbeit. Abschließend sollen die dargestellten Zusammenhänge und gewonnenen Erkenntnisse im Rahmen einer kritischen Würdigung im letzten Abschnitt nochmals kurz zusammengefasst werden.
2
2 Aufgaben, Ziele und Aufbau der Materialwirtschaft
2.1 Definition und Abgrenzung des Begriffes Materialwirtschaft
Eine einheitliche Definition der Materialwirtschaft, wie auch ihre klare Abgrenzung von Begriffen wie Beschaffung(swirtschaft), (Material)Logistik oder Einkauf, ist in der wissenschaftlichen Literatur strittig und keineswegs abschließend geklärt. 1 Um den Begriff Materialwirtschaft näher eingrenzen zu können, ist es zunächst erforderlich, die Begriffe Material und Wirtschaft zu definieren.
2.1.1 Definition des Begriffes Material
Grochla versteht unter dem Begriff Material alle realen Sachgüter, die im Betriebsprozess eingesetzt werden und mit diesem Einsatz die Eignung zur weiteren Verwendung verlieren. Material umfasst die Gesamtheit aller Stoffe, die in die Fertigung gelangen, um dort im Zuge der Leistungserstellung zu den Betriebsprodukten geformt oder zur Ermöglichung des Betriebsprozesses verbraucht zu werden. Der Materialbegriff umfasst neben den ungeformten Rohstoffen auch geformte Vorleistungen anderer Betriebe. 2 Eine neuere Definition, wie sie sich bei Eschenbach findet, versteht unter Material sämtliche Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Zulieferteile, sonstige Materialien und Handelswaren sowie Entsorgungsmaterialien wie Abfälle und Lagerhüter. 3 Im vergleich zur Definition Grochlas von 1958/1978 fällt bei der Definition Eschenbachs von 1990 insbesondere auch die Miteinbeziehung sog. Entsorgungsmaterialien in den Materialbegriff auf. Letzterer Aspekt weist auf eine Tendenz jüngerer Zeit zur Zentralisation aller Versorgungs- und Entsorgungsaktivitäten auf eine Stelle im Unternehmen - die (integrierte) Materialwirtschaft - hin. 4
2.1.2 Definition des Begriffes Wirtschaft
Wöhe definiert den Begriff Wirtschaft allgemein als dasjenige Gebiet menschlicher Tätigkeiten, das der Bedürfnisbefriedigung dient. Wirtschaft im Allgemeinen entsteht aus einer quantitativen Beziehung zwischen der Knappheit der Güter auf der einen und der Unbegrenztheit menschlicher Bedürfnisse auf der anderen Seite. 5 Unter Berücksichtigung dieser Definition ließe sich der Begriff Materialwirtschaft somit ganz allgemein charakterisieren als diejenige Unternehmensfunktion, deren Aufgabe generell die Bedürfnisbefriedigung der Unternehmung hinsichtlich ihres Materialbedarfs ist, wobei sich ihr Funktionsumfang ergibt aus der zugrunde gelegten Materialdefinition.
1 Vgl. Eschenbach, R. (1990), S. 16, Hartmann, H. (1993), S. 13 sowie Kluck, D. (1998), S. 1.
2 Vgl. Grochla, E. (1958), S. 9 sowie Grochla, E. (1978), S. 13.
3 Vgl. Eschenbach, R. (1990), S. 17.
4 Vgl. Eschenbach, R. (1990), S. 16.
5 Vgl. Wöhe, G. (1996), S. 1.
3
2.1.3 Klassische Definition der Materialwirtschaft
Wie oben bereits angedeutet, hat bisher keine der unzähligen Definitionen der Materialwirtschaft Allgemeingültigkeitscharakter erlangen können. Eine detaillierte Differenzierung der verschiedenen Definitionen und Abgrenzungsversuche würde dem Umfang und dem Thema dieser Arbeit nicht gerecht. Daher sollen im Folgenden lediglich zwei Definitionen bzw. Konzepte zur Abgrenzung des Materialbegriffs, ein klassisches sowie eines aus jüngerer Zeit, dargestellt werden. Grochla definiert Materialwirtschaft klassisch als alle Vorgänge der Bewirtschaftung von Erzeugnis- und Betriebsstoffen, unabhängig davon, für welche Teilbereiche der Unternehmung diese durchgeführt werden. 6 Die Materialwirtschaft lässt sich nach ihm unterteilen in eine technische Komponente, deren Aufgabe darin liegt, das für die Gütererzeugung benötigte Material in erforderlicher Menge und Güte zur rechten Zeit am rechten Ort bereitzustellen und eine ökonomische Komponente, deren Aufgabe die Optimierung der mit der Materialbereitstellung verbundenen Kosten ist. 7
2.1.4 Neuere Definitionsansätze
Einige Autoren in jüngerer Zeit sind von der Vorstellung einer einheitlichen Definition des Begriffs Materialwirtschaft abgerückt und plädieren vielmehr für eine differenziertere Bestimmung des Begriffs und seines Inhalts - je nach Art und Umfang der zugrunde liegenden Betrachtungsebene. So unterscheiden beispielsweise sowohl Hartmann als auch Melzer-Ridinger beim Begriff Materialwirtschaft eine enge, eine erweiterte und eine integrierte Begriffsfassung. 8
2.1.4.1 Eine enge Begriffsfassung der Materialwirtschaft
In einer engen Begriffsfassung kann Materialwirtschaft als weitgehend deckungsgleich mit dem Begriff Beschaffung 9 angesehen werden und ist dann definiert als die Summe der Aufgaben, die zur Versorgung der Produktion mit Material zu erfüllen sind. In diesem Fall endet die Zuständigkeit der Materialwirtschaft mit der Übergabe der Güter an die erste Fertigungsstufe. 10 Die Aufgaben sind hier also begrenzt auf das Beschaffen der Materialien, ihre Lagerung sowie ihren innerbetrieblichen Transport. 11
6 Vgl. Grochla, E. (1978), S. 15.
7 Vgl. Grochla, E. (1978), S. 18.
8 Vgl. Hartmann, H. (1993), S. 18 ff. sowie Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 9 f.
9 Die Beschaffung sei definiert als die Summe aller Tätigkeiten, die zur Bereitstellung der für die
Fertigung benötigten Produktionsfaktoren erforderlich sind, vgl. Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 8.
10 Vgl. Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 9.
11 Vgl. Hartmann, H. (1993), S. 18.
4
2.1.4.2 Eine erweiterte Begriffsfassung der Materialwirtschaft
In der erweiterten Begriffs- und Kompetenzabgrenzung wird die enge Fassung um die Materialverteilung, also den Transfer der Fertigprodukte an die Abnehmer, vergrößert. 12 Im Gegensatz zu Hartmann zählt Melzer-Ridinger zu der erweiterten Begriffsfassung auch die Entsorgung von Material, worunter alle Tätigkeiten verstanden werden, die zur Verwertung oder Beseitigung von Ausschuss, Abfall oder sonstigem überflüssigen Material auszuführen sind. 13
2.1.4.3 Die integrierte Materialwirtschaft
Schließlich ist der Begriff Materialwirtschaft in der weitesten Fassung als sog. integrierte Materialwirtschaft definiert als die
„Gesamtheit aller material- und informationsbezogenen Funktionen, ergänzt um die Aufgaben der Planung und Steuerung, die sich, beginnend mit den Einkaufs 14 , über die unterschiedlichen marktorientierten Aufgaben des
Fertigungsstufen bis zur Warenverteilung der Fertigwaren an die Kunden und deren Entsorgung“ 15 erstrecken. Bei dieser Begriffsfassung kommen demnach die ablaufplanerischen Tätigkeiten zur Steuerung des Material- und Erzeugnisflusses zwischen den einzelnen Fertigungsstufen zum Aufgabenbereich hinzu. 16 Melzer-Ridinger sieht den Begriff integrierte Materialwirtschaft als gleichbedeutend mit dem Begriff der betrieblichen Logistik, definiert als unternehmerischer Aufgabenbereich der Lagerung, des Transports sowie der unternehmensinternen wie -externen Umschlagsprozesse, an. 17 Im Gegensatz dazu macht Hartmann deutlich, dass die Begriffe Logistik und integrierte Materialwirtschaft nicht gleichzusetzen sind, da sich die Materialwirtschaft, im Gegensatz zur Logistik, aus dem Beschaffungsbereich heraus entwickelt hat und somit ihren Fokus auf die Zusammenarbeit von Einkauf, Disposition, Lager, Fertigungssteuerung und Güterverteilung setzt. Die integrierte Materialwirtschaft verbindet somit die marktorientierten Einkaufsaufgaben mit den versorgungsorientierten Logistikaufgaben. 18
Dieses Beispiel mag exemplarisch die unterschiedlichen Blickwinkel, Sichtweisen und Definitionsabweichungen in der wissenschaftlichen Literatur sowie die Schwierigkeit aufzeigen, eine einheitliche Definition und Abgrenzung der Begrifflichkeiten in Kürze festzuhalten. Die folgenden Abschnitte widmen sich
12 Vgl. Hartmann, H. (1993), S. 19.
13 Vgl. Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 9.
14 Dieser ist zu definieren als sämtliche Tätigkeiten von der schlichten Bestelltätigkeit eines verwaltenden
Einkaufs (sog. alter Einkauf) bis zu den gestalterischen Aufgaben der Beschaffungsmarktforschung,
dem qualifizierten Angebotsvergleich und dem Führen der Vergabeverhandlungen (sog. moderner
Einkauf), vgl. Arnolds, H./Heege, F./Tussing, W. (1998), S. 22.
15 Kluck, D. (1998), S. 2.
16 Vgl. Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 10.
17 Vgl. Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 10.
18 Vgl. Hartmann, H. (1993), S. 23.
5
zunächst den Zielen der Materialwirtschaft und im Anschluss daran ihrem strukturellen Aufbau. Dabei wird in etwa die Definition der erweiterten Materialwirtschaft zugrunde gelegt und der Verfasser beschränkt sich auf die Darstellung einer möglichen strukturellen Gliederung dieses Begriffes.
2.2 Die Ziele der Materialwirtschaft
Eschenbach leitet aus dem Globalziel der Materialwirtschaft, der Sicherstellung der Versorgung des Unternehmens mit den benötigten Gütern und Leistungen, zwei Unterzielgruppen ab, sog. Sicherungs- sowie Gestaltungsziele (vgl. Abbildung 1).
2.2.1 Sicherungs- und Gestaltungsziele
Die Sicherungsziele, wie die Sicherung der Lieferbereitschaft und Flexibilität bzw. die Sicherung von Beschaffungsmärkten, die Sicherung der Qualität und des Technologiestatus oder die Sicherung einer kostengünstigen Beschaffung, dienen direkt der materialwirtschaftlichen Aufgabenerfüllung. 20
Die Gestaltungsziele der Materialwirtschaft hingegen schaffen die Voraussetzung für die Sicherungsziele. Die sachlichen und sozialen Gestaltungsziele konzentrieren sich auf die Aufbau- und Ablauforganisation der Materialwirtschaft sowie ihre Schnittstellen mit anderen Unternehmensfunktionen und externen Stellen. Zur Planung, Durchsetzung und Kontrolle dieser abgeleiteten Ziele dienen in der Folge funktional bestimmte Unterziele, wie Ziele der Beschaffung (siehe 2.3.1.1), der Beschaffungsmarktforschung, der Entsorgung u.a. 21
19 Vgl. Eschenbach, R. (1990), S. 34.
20 Vgl. Eschenbach, R. (1990), S. 33.
21 Vgl. Eschenbach, R. (1990), S. 33 f.
6
2.3 Der strukturelle Aufbau der Materialwirtschaft
Die folgenden Ausführungen stützen sich vorrangig auf die strukturelle Gliederung der Materialwirtschaft, wie sie von Oeldorf und Olfert vorgenommen wird. 22 Die beiden Autoren gliedern die Materialwirtschaft grundlegend anhand ihrer Aufgaben 23 und identifizieren als solche vier Stück:
Da in vorliegender Arbeit i.e.L. die Materialbeschaffung von Interesse ist, liegt hier der Schwerpunkt der Betrachtung.
2.3.1 Materialbeschaffung
Die Materialbeschaffung bzw. Materialbeschaffungsrechnung hat die
Materialbedarfs- und Materialbestandsrechnung zur Grundlage. Nachdem innerhalb der Materialbedarfsrechnung die Materialbedarfe nach Art, Menge und Zeit anhand fester Kundenaufträge und sonstiger prognostizierter Absatzmengen ermittelt wurden, wird anschließend im Rahmen der Materialbestandsrechnung festgestellt, ob und wieviel der benötigten Materialien bereits im Unternehmen verfügbar sind. Darauf aufbauend ist es die Aufgabe der Materialbeschaffung, nicht verfügbaren Materialbedarf zu ermitteln und dessen Beschaffung herbeizuführen. 25 Materialbedarfs- , Materialbestands- und Materialbeschaffungsrechnung werden zuweilen auch unter dem Begriff der Materialdisposition als dessen drei Aufgabenbereiche zusammen gefasst, wobei in der Praxis eine klare Abgrenzung der Bereiche untereinander nicht immer möglich ist, da es je nach Art der vom Unternehmen eingesetzten Materialien, Beschaffungsmärkte und
Bereitstellungsarten zu verschiedenen Aufgabenverteilungen kommen kann. 26
22 Vgl. Oeldorf, G./Olfert, K. (2002), S. 21 f. sowie S. 271 ff.
23 Neben dieser aufgabenorientierten Gliederung der Materialwirtschaft finden sich in der Literatur auch
verschiedene andere Gliederungsmöglichkeiten. So stellt beispielsweise Kopsidis zum einen eine
verrichtungsorientierte Gliederung dar, die mit den Vorgängen Bedarfsermittlung, Einkauf, Transport,
Warenannahme und Lagerung der aufgabenorientierten Gliederung von Oeldorf/Olfert - mit Ausnahme
der dort noch angeführten Materialentsorgung - recht nahe kommt, sowie zum anderen eine
objektorientierte Gliederung, die die Materialwirtschaft strukturiert über ihre Objekte Material und
Handelswaren, vgl. Kopsidis, R. M. (1992), S.29 ff. Allerdings ist sich auch hier die Literatur uneinig:
So bezeichnet Eschenbach als Objekte der Materialwirtschaft Personen, Kapital sowie Rechte und
Lizenzen, was einen erhöhten, abstrahierteren objektorientierten Blickwinkel auf die Materialwirtschaft
gegenüber ersterem aufzeigt. Eschenbach stellt jedoch auch klar, dass zur Abgrenzung der
materialwirtschaftlichen Objekte keine einheitliche Meinung vorherrscht. Die funktionsorientierte
Gliederung Eschenbachs entspricht hingegen der aufgabenorientierten von Oeldorf/Olfert, der hier
daher im Folgenden auch gefolgt werden wird, vgl. Eschenbach, R. (1990), S. 16 f.
24 Vgl. Oeldorf, G./Olfert, K. (2002), S. 21.
25 Vgl. Oeldorf, G./Olfert, K. (2002), S. 271.
26 Vgl. Arnolds, H./Heege, F./Tussing, W. (1998), S. 47.
7
Die Materialbeschaffung ist generell als Führungsprozess zu verstehen, der aus den drei Phasen Beschaffungsplanung, Beschaffungsdurchführung und
Beschaffungskontrolle besteht. In einer der Beschaffungsplanung vorgelagerten, grundlegenden Phase ist eine Materialanalyse sowie eine
Beschaffungsmarktforschung vorzunehmen, da nur durch sie die für eine zielgerichtete, kostengünstige Beschaffung benötigten Informationen bereitzustellen sind. 27 Diese Phaseneinteilung kann auch folgender Abbildung 3 entnommen werden:
Nachdem im Folgeabschnitt zunächst auf die Ziele der Materialbeschaffung eingegangen wird, sollen im Anschluss daran diese vier Phasen der Materialbeschaffung und ihre Aufgaben vorgestellt werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei entsprechend dem Schwerpunkt der Arbeit auf der Beschaffungsplanung. Die weiteren Bereiche sollen lediglich der Vollständigkeit halber kurz vorgestellt werden.
2.3.1.1 Ziele der Materialbeschaffung
Zu den Zielen der Materialbeschaffung gehören insbesondere die Ziele des logistischen Denkens und Handelns. Danach sind die Beschaffungsobjekte Material und Leistungen
• in der richtigen Menge,
• als richtige Objekte (Güter, Informationen, Energie)
• am richtigen Ort
• zum richtigen Zeitpunkt
• in der richtigen/optimalen Qualität
• und zu den richtigen/minimalen Kosten zur Verfügung zu stellen. 29
Hervorzuheben hierbei ist zum einen das Ziel, die Versorgung der Fertigung mit dem von ihr benötigten Material zu sichern (technisches Sicherungsziel der
27 Vgl. Oeldorf, G./Olfert, K. (2002), S. 273 sowie Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 23 ff.
28 Vgl. Oeldorf, G./Olfert, K. (2002), S. 273.
29 Vgl. Bichler, K. (1997), S. 24, Kluck, D. (1998), S. 7 sowie Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 12.
8
Materialwirtschaft) und zum anderen das ökonomische Beschaffungsziel der kostenminimalen Beschaffung. 30
2.3.1.2 Materialanalyse
Die industrielle Praxis hat oftmals die Beschaffung mehrerer Tausend unterschiedlicher Güter von hunderten oder gar tausenden Lieferanten zu planen. Bei dieser Menge ist eine eingehende Analyse der benötigten Materialien unabdingbar, um die geeignete Beschaffungsstrategie im Hinblick auf Zeit und Kosten der Materialbeschaffung wählen zu können. Am weitesten verbreitet sind hierfür die ABC- und die XYZ-Analyse bzw. die Kombination beider Analysen. 31
2.3.1.2.1 ABC-Analyse
Die Vorgehensweise der ABC-Analyse ist denkbar einfach. Der Materialklasse A werden all die Materialien zugeordnet, die einen hohen prozentualen Anteil am Gesamtverbrauchswert der Unternehmung haben. B-Teile sind durch einen mittleren und C-Teile durch einen geringen Verbrauchswert gekennzeichnet. 32 Dabei sind die prozentualen Grenzen in der Industrie oftmals unterschiedlich und nicht klar festzuschreiben. Denkbar für A-Teile etwa ist ein Wertanteil von 60 bis 80 Prozent bei einem Mengenanteil von lediglich 10 bis 25 Prozent. B-Teile haben häufig Wert- und Mengenanteile jeweils zwischen 20 bis 30 Prozent, C-Teile liegen im Wertanteil i.d.R. unter 10 Prozent, bei einem Mengenanteil von circa 40 bis 50 Prozent oder mehr (vgl. exemplarisch Abbildung 4). 33
Entsprechend ihrem Wertanteil an der Beschaffung bedürfen A-Teile folglich einer weit genaueren und damit auch aufwendigeren sowie kostenintensiveren Bedarfs-und Beschaffungsplanung als C-Teile. Während für A-Teile und meist auch B-Teile eine programmorientierte Materialbedarfsplanung unter Rückgriff auf
Stücklistendaten sinnvoll ist (Bedarfsgesteuerte Disposition, vgl. 2.3.1.4.3.2), bieten sich für die übrigen B- und C-Teile Prognoseverfahren an, wobei für C-Teile auf diese mitunter ganz verzichtet wird (Verbrauchsgesteuerte Disposition, vgl. 2.3.1.4.3.1). 34
30 Vgl. Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 11 f.
31 Vgl. Melzer-Ridinger, R. (1991), S. 23.
32 Vgl. Grochla, E./Schönbohm, P. (1980), S. 136.
33 Vgl. Vry, W. (1993), S. 32 f. sowie Weber, R. (1994), S 43.
34 Vgl. Tempelmeier, H. (1999), S. 14.
Arbeit zitieren:
Karsten Oltrogge, 2003, Modelle und Algorithmen der Bestellpolitikplanung unter besonderer Berücksichtigung ihrer praktischen Anwendbarkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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