2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Ausgangspunkte 4
2.1 Emile Durkheims Anomietheorie 4
2.2 Mertons Erweiterungen 5
2.3 Die Subkulturtheorie 7
2.4 Die Theorie der differentiellen Kontakte 7
3. Die Chancenstrukturtheorie 9
4. Schlussbemerkung 14
5. Literaturverzeichnis S 15
3
1. Einleitung
Der Begriff der Anomietheorie geht auf Emile Durkheim zurück, der ihn bereits 1893 prägte. Er nutzte ihn „zur Erklärung sozialer Desintegrationserscheinungen im Gefolge der Arbeitsteilung“ 1 in modernen Gesellschaften.
Robert K. Merton griff 1938 Durkheims Theorie wieder auf und erweiterte sie um wesentliche Punkte.
Eine weitere soziologische Theorie ist die der differentiellen Kontakte sowie die Subkulturtheorie. Hauptvertreter dieser Denkmodelle waren Clifford R. Shaw, Henry D. McKay und Edwin H. Sutherland. Die wesentliche Intention, die Richard A. Cloward beim Verfassen seiner Abhandlung „Illegitime Mittel, Anomie und abweichendes Verhalten“ 2 hatte, war, eine Verknüpfung der Anomietheorie eine rseits und der Subkulturtheorie sowie der Theorie differentieller Kontakte andererseits zu schaffen.
In seiner Einleitung begründet er diesen Versuch mit der Tatsache, dass beide Theorienansätze sich zwar gegenseitig befruchtet haben, sich letztlich jedoch unabhängig voneinander entwickelten. 3 Diese Arbeit versucht nun, die entstandene Verknüpfung näher zu untersuchen. Dazu ist zunächst nötig, die Theorien, die verknüpft wurden, kurz zu betrachten, um dann auf die entstandene Synthese näher einzugehen und sie kritisch zu betrachten.
1 Lamnek, Siegfried: Theorien abweichenden Verhaltens, 6. Aufl., München 1996,
S. 108 (nachfolgend zitiert als Lamnek)
2 im Original: Cloward, A. Richard: Illegitimate Means, Anomie and Deviant Be
havior, in: Sociological Review 24, 1959, S. 164-176
3 Cloward, A. Richard: Illegitime Mittel, Anomie und abweichendes Verhalten. In:
Sack, Fritz und König,
René (Hrsg.): Kriminalsoziologie, Wiesbaden 1979 (nachfolgend zitiert als
Cloward)
4
2. Die Ausgangspunkte
2.1 Emile Durkheims Anomietheorie
Bereits 1893 wurde der Begriff der Anomie durch den französischen Soziologen Emile Durkheim eingeführt.
Die Entwicklung moderner Industriegesellschaften hatte eine A rbeitsteilung in der Bevölkerung zur Folge. Dadurch kam es zu anderen Abhängigkeitsverhältnissen und schwierigeren sozialen Bindungen der Menschen untereinander als Folge der Schwächung des Kollektivbewußtseins. 4 Definiert ist der Zustand der Anomie somit als Fehlen der organischen Solidarität durch Individualisierung in einer Gesellschaft, d.h., dass es „keine gemeinsamen Verbindlichkeiten, Erwartungen und Regeln mehr gibt, die die Interaktionen der Gesellschaftsmitglieder leiten und steuern“ 5 . Durkheim modifiziert diese Definition der Anomie in seinem weiteren Werk. Er beschreibt den Menschen als ein Wesen, dessen Wünsche und Bedürfnisse die Möglichkeiten der Erfüllung ständig übersteigen. Um Abhilfe zu schaffen bedarf es, so Durkheim, einer autoritären Instanz. Diese kann nur die Gesellschaft darstellen, da sie „die einzige dem Individuum überlegene Macht [darstellt], deren Überlegenheit es anerkennt“ 6 . Die v on dieser Macht aufgestellten Belohnungen verschiedener Leistungen und Regelungen werden von der Gesellschaft anerkannt und als Werte und Normen internalisiert, so dass dadurch Grenzen des Strebens nach mehr gegeben sind, die das Individuum zu einem zufriedenen Leben braucht. Plötzliche Veränderungen der wirtschaftlichen Situation, seien sie nun positiv oder negativ, können diese Grenzen wieder in Frage stellen. Bei einer plötzlichen Depression fällt es dem Individuum in der Regel schwer, seine Bedürfnisse nach unten zu korrigieren. Ebenso schwierig kann es bei einer plötzlich auftretenden Verbesserung der wirtschaftlichen Lage werden. Die bisher geltenden Ziele und Gren-
4 vgl.Lamnek, S. 110
5 Lamnek, S. 110
6 Lamnek, S. 111
5
zen werden nicht mehr eingesehen. Es kommt zu einer mangelnden Orie ntierung, man weiß „nicht mehr, was möglich ist und was nicht, was gerecht ist und was ungerecht, welche Ansprüche und Hoffnungen legitim sind und welche maßlos. Folglich gibt es nichts, das man nicht erstreben könnte.“ 7 Gerade in dem Moment, in dem es einer verstärkten Disziplin bedarf, gerät die Gesellschaft durch das Außerkraftsetzen der bisher geltenden Regeln in große Schwierigkeiten, die verstärkt anomisches Verhalten zur Folge haben.
2.2 Mertons Erweiterungen
Als einen zentralen Punkt seiner Überlegungen nennt Robert K. Merton die Tatsache, dass „manche Abweichungen auch als neue Verha ltensmuster betrachtet werden können“ 8 . Seine Betrachtungen sind dabei etwas allgemeiner als die Durkheims, da er sich auf soziale und kulturelle Strukturen bezieht, die er im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf das Individuum untersucht. 9 Merton beschreibt, dass kulturelle Ziele einer Gesellschaft und die institutionalisierten Mittel, diese Ziele zu erreichen, sich sehr unterschiedlich entwickeln können. So kann es in Gesellschaften dazu kommen, dass bestimmte Ziele über alles gestellt werden, ohne dass auf institutionalisierte Mittel zur Zielerreichung geachtet wird. Ebenso kann natürlich das Hauptaugenmerk auf die Mittel gelegt werden, ohne dass wirklich ein konkretes Ziel angestrebt wird. In diesem Fall handelt es sich um bloßen Konformismus. 10 In diesem Zusammenhang entwirft Merton ein Konzept mit fünf Anpassungsarten des Individuums: 1. Konformität 2. Innovation (Neuerung)
7 Lamnek, S.112
8 Merton, Robert K: Sozialstruktur und Anomie. In: Sack, Fritz und König René
(Hrsg.): Kriminalsozio
logie, Wiesbaden, 1979, S.284 (nachfolgend zitiert als Sack/Merton)
9 vgl. Lamnek, S. 114
10 vgl. Sack/Merton, S. 288
Arbeit zitieren:
Michael Müllers, 2003, Die Chancenstrukturtheorie von Cloward und ihre Bedeutung für die Theorien abweichenden Verhaltens, München, GRIN Verlag GmbH
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