Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
„Die deutschen Discounter, ein Modell für das Ausland?“ 0
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis. III
Einleitung 4
1 Die Vertriebsform Discount. 6
1.1 Abgrenzung der Discountformen im Einzelhandel 6
1.1.1 Die Vertriebsformen des Lebensmitteleinzelhandels 6
1.1.2 Abgrenzung der Discountformen. 8
1.2 Das deutsche Discounter-Modell 12
1.2.1 Darstellung der deutschen Lebensmitteldiscounter 12
1.2.2 Die Marktvolumenentwicklung bis heute. 20
1.2.3 Einflüsse auf die Entwicklung von Discountern. 21
1.2.4 Handelsmarkenpolitik 24
1.3 Die Internationalisierung der deutschen Discounter 29
1.3.1 Die Expansionstätigkeit der wichtigsten Discounter 29
1.3.2 Heutiger Verbreitungsgrad. 35
2 Ausgewählte Theorien der Internationalisierung und deren
Übertragung auf Discounter. 44
2.1 Internationalisierung von Unternehmen. 44
2.1.1 Begriffliche Grundlagen 44
2.1.2 Theoretische Grundlagen der Internationalisierung. 46
2.1.3 Strategische Konzepte für die Internationalisierung. 47
2.1.4 Der Kulturbegriff in internationalen Unternehmen 48
2.2 Markteintritt mittels Direktinvestitionen. 50
2.2.1 Die eklektische Theorie der Direktinvestitionen 50
2.2.2 Untersuchung der OLI-Faktoren bei den Discountern. 53
2.3 Führung und Organisation in internationalen Unternehmen. 58
2.3.1 Begriffliche Grundlagen 59
2.3.2 Organisation in internationalen Unternehmen 60
2.3.3 Organisatorische Alternativen internationaler
Unternehmen. 62
2.3.4 Spannungsfeld Kultur und Organisation. 63
2.3.5 Darstellung der Organisationsstrukturen bei Discountern. 64
2.4 Personalmanagement in internationalen Unternehmen 75
2.4.1 Besonderheiten einer internationalen Personalpolitik 75
2.4.2 Gestaltung eines internationalen
Personalmanagements. 79
I
Inhaltsverzeichnis
2.4.3 Kulturelle Aspekte im Internationalen
Personalmanagement 86
2.4.4 Darstellung des Personalmanagements bei Discountern 90
3 Entwicklungstendenzen der Discounter 99
3.1 Entwicklungstendenzen in Deutschland. 99
3.1.1 Entwicklung des Lebensmitteleinzelhandels 99
3.1.2 Werden die Discounter marktbeherrschend? 104
3.2 Entwicklungstendenzen der internationalen Märkte 109
3.2.1 Internationale Wachstumspotentiale der Discounter 109
3.2.2 Entwicklungstendenzen ausgewählter Märkte. 112
Fazit 123
Abk ürzungsverzeichnis. 128
Anhang 129
Literaturverzeichnis. 133
II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1-1: Entwicklung der Discounter vom Jahr 1972 bis 2002. 20
Abbildung 1-2: Anzahl deutscher Discount-Filialen in Europa. 30
Abbildung 2-1: Struktur der Aldi Nord-Gruppe 67
Abbildung 2-2: Organisation Regionalgesellschaft Aldi Nord 69
Abbildung 3-1: Entwicklung des Lebensmitteleinzelhandel vom Jahr
1992 bis 2002 100
Abbildung 3-2: Umsatz der Discounter in Deutschland im Jahr 2002 105
Abbildung 3-3: Filialumsatz der Discounter im Jahr 2001. 106
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1-1: Fakten zu Aldi Nord und Süd (2002) 13
Tabelle 1-2: Der Aldi Marketing-Mix. 15
Tabelle 1-3: Fakten zu Lidl (2002) 16
Tabelle 1-4: Fakten zu Plus (2002) 17
Tabelle 1-5: Fakten zu Penny (2002) 18
Tabelle 2-1: Formen der ausländischen Marktbearbeitung. 52
Tabelle 3-1: Die größten Lebensmittelhändler in Deutschland 101
Tabelle 3-2: Zahl und Verkaufsfläche der Lebensmittelgeschäfte
nach Betriebsformen 102
Tabelle 3-3: SWOT-Analyse. 122
III
Einleitung
Die ersten Discounter im Lebensmittelsektor, wie sie heute bekannt sind, entstanden überwiegend in den 70er Jahren und waren vorerst als Einkaufsstätten bekannt, in denen Konsumenten einkauften, die über weniger finanzielle Mittel verfügten. In den alten Bundesländern konnten die Discounter in den 70er Jahren ein starkes Wachstum erreichen. Dieses wurde später geringer. Mit der Wiedervereinigung und der stärkeren Preisorientierung der Verbraucher zu Beginn der 90er Jahre wurde die Nachfrage wieder stärker. Einen regelrechten Boom erlebten die Discounter mit Beginn der im Zusammenhang mit der Euro-Bargeldeinführung entbrannten Diskussion um den „Teuro“ im Jahre 2002. Discount gilt in Zeiten schwachem oder rückläufigem Handelswachstum in Deutschland als die erfolgreichste Handelsstrategie. Die Discounterbranche ist in der anhaltenden Rezession deutlich gewachsen. Es stellt sich die Frage, ob die Discounter auch von einer wachsenden Wirtschaft profitieren könnten. Werden die übrigen Formen des Lebens-mitteleinzelhandels weiter Marktanteile verlieren oder können die Konkurrenten erfolgreich reagieren? Die Discounter haben Erfolg, und dies nicht nur im Lebensmitteleinzelhandel. Dies zeigen zahlreiche Werbekampagnen anderer Einzelhandelsvertriebsformen, die ausdrücklich auf die Discountvertriebsform verweisen.
Der Erfolg in Deutschland hat zu einer Expansion der deutschen Discounter ins Ausland geführt. Diese Untersuchung wird von der Frage geleitet, wie diese in Deutschland bewährte Vertriebsform erfolgreich auf ausländische Märkte übertragen werden kann. Ist eine internationale Übertragung undifferenziert möglich, und welche Vorteile ergeben sich daraus?
Im ersten Kapitel wird die Vertriebsform des Discounts erläutert und von den übrigen Vertriebsformen des Lebensmitteleinzelhandels abgegrenzt. Weiter werden hier das deutsche Discounter-Modell und der bisherige Internationalisierungsprozess dargestellt. Im zweiten Kapitel wird auf wirtschaftswissenschaftliche Theorien zum Personal- und Organisationsmanagement eingegangen. Es wird gezeigt, dass die besondere Art
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der Organisationsstruktur und die hohe Produktivität in allen Arbeitsabläufen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren der Discounter gehören. Daneben wird die Markteintrittsform mittels Direktinvestitionen behandelt, da sich diese als die bevorzugte Markteintrittsform der Discounter für ausländische Märkte herausgestellt hat. Im dritten Kapitel werden die zu erwartenden Entwicklungstendenzen der Discounter in Deutschland sowie in den internationalen Märkten dargestellt. Schließlich werden in einem Fazit die Ergebnisse dieser Untersuchung zusammengefasst.
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1 Die Vertriebsform Discount
1.1 Abgrenzung der Discountformen im Einzelhandel
1.1.1 Die Vertriebsformen des Lebensmitteleinzelhandels
Der Lebensmitteleinzelhandel ist in Deutschland durch ein Anbieteroligopol gekennzeichnet. Die Situation eines Anbieteroligopols zeichnet sich dadurch aus, dass ein Markt mit vielen Nachfragern von wenigen Anbietern beherrscht wird. Im Jahr 2003 hatten die zehn führenden Unternehmen einen Marktanteil nach Gesamt-Umsätzen von 84,6 % (M+M EUROdATA, 2004, S. V,40).
Die hohe Konzentration auf wenige Anbieter hat zu mehreren Systemtypen der Anbieter geführt: (TIETZ, 1992, S. 193) 1. Monosysteme mit nur einem Vertriebstyp (bspw. Aldi mit der Discountvertriebsform)
2. Branchensysteme mit mehreren Vertriebstypen der gleichen Branche (bspw. die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland) 3. Multibranchensysteme mit Vertriebstypen unterschiedlicher Branchen (bspw. Rewe mit verschieden Vertriebsformen im Lebensmitteleinzelhandel, Baumärkten und Tourismus)
Für die Vertriebsformen sind, wie bei der Unterscheidung der Systemtypen, unterschiedliche Definitionen in der Literatur zu finden. Allgemein können diese nach den Eigenschaften Sortimentsumfang, Verkaufsflächengröße, Andienungsart und Preisgestaltung unterschieden werden. Neben den oben genannten drei Systemtypen gibt es noch weitere kleinere Geschäftstypen des Lebensmitteleinzelhandel, welche in einer hohen Vielfalt vorkommen und hier nicht weiter erläutert werden. Als Beispiel seien hier „Tante-Emma-Läden“, Kioske und Tankstellen genannt. Diese übrigen Lebensmittelhändler erzielen einen Marktanteil am Umsatz des Lebensmitteleinzelhandels von 18,9 % (M+M EUROdATA, 2004, S. IV,8).
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SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte haben neben einem breiten und tiefen Food-Sortiment einen hohen Non-Food-Anteil. Selbstbedienungswarenhäuser (SB-Warenhäuser) werden auch als die zweite Generation der Verbrauchermärkte bezeichnet, da diese ein ähnliches Konzept, allerdings ein noch breiteres und tieferes Sortiment aufweisen. Die Verkaufsflächen beginnen bei 1000 m 2 für einen Verbrauchermarkt und mindestens 4000 m 2 für ein SB-Warenhaus. Beide Typen sind meistens preispolitisch aggressiv, werden in verkehrsgünstigen Lagen mit ausreichend Parkraum angesiedelt und bieten nur begrenzten Kundenservice. Eine Sonderform von Verbrauchermärkten sind die Hypermärkte in Frankreich beziehungsweise die Mulitstores in Großbritannien wie von Carrefour oder Wal-Mart. Diese weisen eine Verkaufsfläche von bis zu 22.000 m 2 und 65.000 Artikeln auf (TIETZ, 1992, S. 300 f.). Oftmals wird für diese Formen auch der Begriff Vollsortimenter verwendet. Der Marktanteil der SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte am Gesamtumsatz der deutschen Lebensmittelbranche beträgt 28,5 % (M+M EUROdATA, 2004, S. IV,8).
Der Supermarkt zeichnet sich durch eine mittlere Preislage aus. Die durchschnittliche Verkaufsfläche eines Supermarktes liegt bei ca. 750 m 2 (EHI, 2003, S. 121). Im Gegensatz zu den Discountern werden vielfach mehrere Produkte des gleichen Segments unterschiedlicher Hersteller angeboten. Dies ist oftmals eine Handelsmarke und mindestens ein Markenartikel des Segments. Die Artikel werden repräsentativ in den Regalen aufgebaut und der Kundenservice in den Vordergrund gestellt. Auf einer leicht größeren Verkaufsfläche im Vergleich zu den Discountern wird eine erheblich größere Sortimentsbreite und -tiefe angeboten. Supermärkte wollen sich anders repräsentieren als Discounter. So wird dies bei der Rewe Handelsgruppe als das Geheimnis eines Erfolges angesehen. Die Rewe-Führung ist der Meinung, dass Kunden, die ausschließlich billig einkaufen wollten, angeblich direkt zum Discounter gehen würden. (F.A.Z, 24.07.2003, S. 169)
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Discounter haben eine durchschnittliche Verkaufsfläche von ca. 650 m 2 und im Schnitt 1382 Artikel (EHI, 2003, S. 154). Sie fallen durch ihr minimalistisches Prinzip auf. Das Sortiment wird oftmals in verkaufsfertigen Kartons auf Paletten zum Verkauf angeboten, auf Kundenservice wird weitgehend verzichtet. Die Waren werden zu Preisen angeboten, die zum Teil erheblich unter den üblichen Einzelhandelspreisen der anderen Vertriebsformen liegen. Das Vertrauen der Deutschen in Discounter und gute Qualität zum günstigen Preis ist in der europäischen Handelslandschaft einzigartig. Der deutsche Konsument nimmt viele Hürden in Kauf, um günstig einkaufen zu können. Es scheint, als ob dies nur deutsche Firmen verstehen und umsetzen könnten. Bisher ist es keinem ausländischen Engagement internationaler Lebensmittelkonzerne gelungen, einen bedeutsamen Marktanteil im deutschen Lebensmittelsektor, schon gar nicht im Discountsektor, zu erreichen (M+M EUROdATA, 2003, S. IV,3).
Das Vertrauen der Kunden gegenüber Aldi wird maßgeblich dadurch geprägt, dass die Kunden überzeugt sind, bei keinem anderen Händler billiger einkaufen zu können. Aldi hat bisher immer gute Qualität zum bestmöglichen Preis geliefert. Günstigere Einkaufskonditionen werden konsequent an den Kunden weitergegeben. (Brandes, 2003, S. 13)
1.1.2 Abgrenzung der Discountformen
a) Die Vertriebsstrategie der Lebensmitteldiscounter Der Discounter ist ein Betriebstyp, in dem ein auf raschen Umschlag ausgerichtetes Sortiment von Waren zu niedrig kalkulierten Preisen angeboten wird. Vorrangiges, betriebstypenspezifisches Merkmal ist die Niedrigpreispolitik. Der Profilierungsschwerpunkt liegt eindeutig auf dem Preis, ergänzt durch striktes Kostenmanagement. Discounter sind Einzelhandelsbetriebe, die die meisten Waren ihres Sortiments ständig zu Preisen verkaufen, die erheblich unter denen anderer Vertriebsformen liegen. Die Preisdifferenzen variieren je nach Produktart und Discounter zwischen 10 und 40 %. Dieses Prinzip haben sich zu Beginn der 70er
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Jahre verstärkt eine Reihe von Unternehmen im Lebensmittelmarkt zu nutze gemacht, heute ist es auch in anderen Branchen zu finden. Dabei sind neben den reinen Discountgeschäften verschiedene Arten von Ver-triebsformen eines preisaggressiven Anbietens entstanden. Aufgrund der anhaltenden starken Preisorientierung im deutschen Lebensmittelmarkt ist der Discounter in der Strategie als „Hard-Discounter“ sehr trennscharf gegenüber den anderen Betriebsformen des Lebensmit-telhandels abgegrenzt, bei denen Service und Sortimentskompetenz im Vordergrund stehen. Durch die rasante Entwicklung der Discounter im Lebensmittelmarkt konnten sich in der einschlägigen Literatur bisher keine einheitlichen Kriterien für die Abgrenzung der Hard-Discounter von Supermärkten oder gar Discountsupermärkten etablieren. Die Abgrenzung von Hard-Discounter und Discountsupermarkt ist vielmehr fließend, kann aber anhand der Artikelanzahl und des Sortiments eingegrenzt werden. Dabei konzentrieren sich Hard-Discounter mit einem Sortimentsumfang von 600 bis 1.200 Artikeln in erster Linie auf das Tro-ckensortiment, Getränke und Frischwaren. Der Discountersupermarkt vertreibt 1.200 bis 2.000 Artikel und bietet ein komplettes, aber gestrafftes Sortiment an (TIETZ, 1992, S. 265). Der weitere Verlauf dieser Untersuchung orientiert sich mehr an den Hard-Discountern als an den Discountsupermärkten. Diese Form ist im In- und Ausland am weitesten verbreitet. Im Folgenden wird die Vertriebsform der Lebensmitteldiscounter nur Discounter genannt, es sei denn, eine definitorische Trennung ist geboten. Mit dem Begriff Discounter sind die Hard-Discounter sowie die Discountsupermärkte angesprochen. In Deutschland haben die Discounter derzeit einen Marktanteil ca. 35 % am Lebensmitteleinzel-handel. (M+M EUROdATA, 2004, S. IV,8).
Sie werden in erster Linie genutzt, um den Bedarf an Grundnahrungsmitteln zu decken. Um die Zielgruppe der Konsumenten zu erweitern, wird bei den Discountern ein- bis zweimal wöchentlich ein wechselndes, häufig branchenfremdes Partiesortiment (siehe S. 11) angeboten. Die Konsumenten scheinen inzwischen nicht mehr abgeneigt zu sein, branchenfremde Produkte wie PCs, Werkzeuge oder Gartenzubehör über die Vertriebsschiene Discounter einzukaufen.
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Die Discounter verfolgen eine Multisegment- und Standardisierungsstrategie. Bei einer Multisegmentstrategie wird absichtlich auf eine segment-orientierte Marktbearbeitung und auf die Definierung einer Zielgruppe verzichtet. Hierdurch sollen möglichst viele Konsumenten aus unterschiedlichen Marktsegmenten mit einem durchschnittlichen Leistungsangebot angesprochen werden. (Barth, 1993, S. 142) Aus Sicht des Kunden können Discounter durch folgende Kriterien von anderen Formen des Lebensmitteleinzelhandels abgegrenzt werden: N Einfache Ladengestaltung N Warenpräsentation in Kartons und auf Paletten N Starke Sortimentsbeschränkung N Weitgehender Verzicht auf Dienstleistungen wie N Beratung und Service N Geringer Werbeaufwand N Höchstmaß an Standardisierung im Filialverbund N Preisführerschaft N Hohe artikelspezifische Einkaufsvolumina N Beschränkung auf schnell drehende Produkte N Ermöglichung effizienter Arbeitsabläufe durch N eine durchdachte Logistik in der Filiale
Die Maßnahmen, welche bei den deutschen Discountern ergriffen werden, um einen Preisvorteil gegenüber den anderen Vertriebsformen zu erlangen, sind bei allen ähnlich. Dagegen setzen nicht alle Discountunternehmen diese Maßnahmen so konsequent durch, wie es beispielsweise Aldi zu beobachten ist. Die erworbenen Preisvorteile werden an den Kunden weitergegeben. (Brandes, 2003, S. 13)
b) Weitere Discountvertriebsformen
Fachdiscounter
Die Vertriebsform der Fachdiscounter hat sich in den letzten Jahren überdurchschnittlich positiv entwickelt. Immer neue Branchen wurden
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von der Discountwelle erfasst (Eggert, 1998, S. 138 f.). Ein aktuellste und derzeit boomenste Beispiel sind die Discountbäckereien, beispielsweise Bäcky von der Firma Kamps. Abgesehen von diesem Beispiel sind die Fachdiscounter überwiegend im Non-Food-Segment zu finden. Wie bei den Lebensmitteldiscountern ziehen viele Fachdiscounter zweitklassige Standorte oder die grüne Wiese den Top-City-Lagen vor. Zum Konzept der Fachdiscounter gehört die Konzentration auf Produkte, die wenig Erklärungsbedarf aufweisen und schnell verkauft werden (schnell drehende Produkte). Vielfach ist eine Nachläuferposition bei innovativen Produkten (Me-too-Produkte, siehe S. 24) zu beobachten. Durchgängig wird eine dauerhafte Preisführerschaft gegenüber dem Fachhandel angestrebt. Etablieren konnten sich die Fachdiscounter bereits in den folgenden Branchen: Bekleidung (H&M, C&A), Baumarkt (Praktiker) und Möbel (Poco, IKEA). Daneben existieren branchenübergreifende Discounter wie Kodi, die Produkte aus mehreren, aber klar abgegrenzten Branchen preisgünstig anbieten. Die Fachdiscounter konzentrieren sich im Unterschied zu den Fachmärkten ausschließlich auf Produkte im niedrigen Preissegment. Wie bei den Lebensmitteldiscountern entstehen zunehmend Mischformen zwischen Fachdiscountern und Fachmärkten. Diese Mischformen orientieren sich nicht ausschließlich an der Dis-countvertriebsform, sondern bieten Service mit einer günstigen Preisstruktur und einem hohen Anteil an Handelsmarken. Beispiele dieser Mischformen sind in den unterschiedlichsten Branchen zu finden: Bekleidung (Zara), Elektronik (Media Markt, Pro Markt), Baumarkt (Bauhaus) oder Drogeriemärkte (dm).
Partiediscounter
Partiediscounter sind Handelsunternehmen, die kein dauerhaftes Sortiment anbieten, sondern je nach Verfügbarkeit Waren einer oder mehrerer Branchen auf der Grundlage eines günstigen Einkaufs anbieten. Vornehmlich sind hier zwei Betriebstypen bekannt, die sich nach der Art der Beschaffung unterscheiden lassen. Zum einen sind dies Unternehmen wie Havaria oder Thomas Phillips, wo Beschaffungszufälle, Versicherungsschäden oder Konkursmasse, über das aktuelle Sortiment entscheiden.
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Auf der anderen Seite konnten sich Partiediscounter wie Tchibo oder Strauss Innovations behaupten, die größere Mengen von Sonderposten verkaufen, diese aber ausschließlich für diesen Zweck produzieren lassen.
Discountstrategien der Hersteller
Discountstrategien der Hersteller sind der Fabrikverkauf oder die Factory Outlet Center. Der Fabrikverkauf findet in unmittelbarer Nähe zu den Produktionsstätten statt, abseits typischer Einkaufsumgebungen. In vielen Unternehmen fallen aufgrund absatzpolitischer Erfordernisse, Lagerüberhängen, Rückflüssen aus dem Einzelhandel oder Fehlproduktionen zwangsweise Warenüberschüsse an. Um dieses gebundene Kapital freisetzen zu können, unterhalten viele Unternehmen Fabrikverkaufsläden, in denen diese Waren zu reduzierten Preisen angeboten werden. Auch wenn einzelne Firmen wie Boss den Fabrikverkauf in einem größeren Rahmen betreiben, hat dieser Handelszweig nur einen marginalen Umsatzanteil an der jeweiligen Branche (Lausberg, 1999, S. 23). Ein Factory Outlet Center ist eine Zusammenfassung von Fabrikverkaufsläden verschiedener Hersteller. Diese weichen in ihrer Standortplanung von den klassischen Fabrikverkaufsläden ab, da sie stärker am Kunden orientiert sind und in verkehrsgünstigen Randgebieten der Städte oder in Gewerbegebieten angesiedelt werden.
1.2 Das deutsche Discounter-Modell
1.2.1 Darstellung der deutschen Lebensmitteldiscounter
Ausländische Discountvertriebsformen des Lebensmitteleinzelhandels sind, mit Ausnahme von Netto aus Dänemark, welcher ausschließlich im Nordosten Deutschlands operiert, in Deutschland nicht vorhanden. Daher liegt das Hauptaugenmerk der folgenden Darstellung auf den wichtigsten deutschen Discountern. Ein Schwerpunkt wird in die Beschreibung auf Aldi gesetzt, da der Marktführer immer wieder Marktstandards setzt und
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als Muster für viele Nachahmer dient. Wird in der Folge ausschließlich der Name Aldi angeführt, so ist Aldi Nord und Aldi Süd gemeint.
Aldi Nord und Aldi Süd
Tabelle 1-1: Fakten zu Aldi Nord und Süd (2002)
Datenquelle: M+M EUROdATA, 2004. S. V,58 ff.; IGD, 2002, S. 105 ff.
Der Aufstieg der Gebrüder Karl und Theo Albrecht zu den Inhabern eines des größten Einzelhandelsunternehmens der Welt hat kurz nach dem zweiten Weltkrieg begonnen. Die Brüder haben das kleine Lebensmittelgeschäft der Mutter in Essen übernommen und damit angefangen, Grundnahrungsmittel zu sehr günstigen Preisen anzubieten. Von Beginn an wurden die Geschäfte nur mit dem absolut nötigsten ausgestattet und in „1b-Lagen“ angesiedelt. Bereits im Jahr 1951 betrieben die Brüder 31 Geschäfte, und Jahr 1960 wurde mit 300 Filialen ein Umsatz von 90 Mio. DM erwirtschaftet. Im Jahr 1961 wurde der erste Albrecht-Discountladen in Dortmund eröffnet, welcher den Namen Aldi trug. In der Folge wurden die bestehenden Geschäfte an die nun einheitliche Ladengestaltung angepasst. Ebenfalls im Jahr 1961 haben sich die Gebrüder Albrecht aus persönlichen Gründen entschieden, das Unternehmen in eine Nord- und eine Südgruppe zu teilen und getrennt, aber kooperativ weiterzuführen. Die Gesellschaften tauschen seither Leistungs- und Kostenzahlen aus, vergleichen Lieferantenkonditionen und führen vereinzelt gemeinsame Einkaufsverhandlungen mit ihren Lieferanten. (Hintermeier, 1998. S. 36 ff.)
Aldi hat sich bis Ende der 70er Jahre auf die Anmietung von Innenstadtlagen mit Verkaufsflächen von 250-300 m 2 konzentriert. Das heutige Konzept sieht verkehrsgünstige Standorte in der Peripherie mit einer Flä-
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che von 600 bis 750 m 2 vor, welche über ca. 80 Parkplätze verfügen und überwiegend im Eigentum von Aldi stehen (M+M EUROdATA, 2003, S. VIII,5 f.). Nach dem alten Konzept hatte sich Aldi in den Innenstadtlagen in der Nähe von Händlern mit Frischeprodukten (Metzgerei, Bäckerei, Fischhandel) angesiedelt. Heute erzeugt Aldi die Kundenfrequenz selbst und zieht Frischehändler in den Peripherielagen an. Generell ist in der letzten Zeit eine erhebliche strategische Standortausweitung bei allen Discount-Unternehmen, allen voran bei Aldi, festzustellen. Aldi ist der Prototyp aller deutschen und europäischen Discounter und in Deutschland sehr erfolgreich. Mit einem Umsatz von 25 Mrd. € in Deutschland und 32 Mrd. € weltweit ist Aldi der führende Hard-Discounter. In der Rangfolge der umsatzstärksten Lebensmittelhändler in Deutschland liegt Aldi hinter der Metro-Gruppe und der Rewe-Gruppe auf dem dritten Platz. Wird ausschließlich der Food-Absatz betrachtet, ist Aldi hinter der Edeka/AVA-Gruppe der zweitgrößte Lebensmittelhändler Deutschlands. In Bezug auf die Flächenproduktivität gilt Aldi als der produktivste Anbieter. (M+M EUROdATA, 2004, S. V,39 f.) Die beiden Gesellschaften, Aldi Nord und Aldi Süd, weisen ein teilweise unterschiedliches Sortiment auf. Dabei beruht das Sortiment im Wesentlichen auf Handelsmarken, die ausschließlich bei Aldi vertrieben werden. Aldi setzt ohne Ausnahme auf eine absolute Niedrigpreispolitik und setzt kraft seiner Marktposition Marktstandards. Aldi bestimmt demnach das Preisniveau in der Einstiegsschiene auf dem deutschen Lebensmittelmarkt.
Die Erfolgsfaktoren von Aldi liegen in einem individuellen, leistungsstarken Marketing-Mix. Dieser gilt mit Einschränkungen auch für anderen Hard-Discounter.
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Tabelle 1-2: Der Aldi Marketing-Mix Quelle: Eigene Darstellung
Die gesamte Konzeption ist auf höchste Effizienz ausgerichtet. Deutliches Indiz dieser Effizienzbemühungen ist das im Vergleich zu Supermärkten geringe Sortiment. Aldi Nord führt ca. 750 und Aldi Süd ca. 600 Artikel. Es werden nur jene Artikel in das Sortiment aufgenommen, die nach Tests in drei Filialen bewiesen haben, dass sie hohe Umschlagszahlen ebenso wie einen zuvor festgelegten Mindestumsatz erreichen können (Brandes, 1998, S. 123). Dieser Mindestumsatz richtet sich nach dem
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Artikel, der durch das neue Produkt ersetzt werden soll, und dem Artikelsegment. Die Artikel werden weitgehend in verkaufsgerechten Kartons angeboten, um dadurch die Kosten für den Warenaufbau so gering wie möglich zu halten.
Aldis außergewöhnliche Marktstellung zeigt sich nicht nur im Bereich der Lebensmittel. Vielmehr liegt Aldi auf der Liste der größten Textilhändler Deutschlands bereits auf Platz 7 mit einem Textilumsatz von rund 1 Mrd. €. Noch erfolgreicher ist Aldi beim Absatz von Personalcomputern, wo Aldi der Marktführer in Deutschland ist (IGD, 2002, S. 105 ff.). Der Non-Food Absatz hat in den letzten Jahren bei allen Discountern an Bedeutung gewonnen.
Lidl
Tabelle 1-3: Fakten zu Lidl (2002)
Datenquelle: M+M EUROdATA, 2004. S. V,58 f.; IGD, 2002, S. 161 f.
Der von Dieter Schwarz im Jahr 1973 gegründete Hard-Discounter Lidl ist mit rund 2.300 Filialen der zweitgrößte Lebensmitteldiscounter in Deutschland. Das zur Schwarz-Gruppe gehörende Unternehmen ist in den letzten zehn Jahren rasant gewachsen. Lag der Umsatz in Deutsch-land 1996 bei rund 4,35 Mrd. €, ist dieser bis zum Jahr 2002 auf 9,5 Mrd. € gewachsen. Darüber hinaus dürfte der Gesamtjahresumsatz im Jahr 2003 nochmals deutlich höher ausgefallen sein. Der Umsatz ist in der ersten Jahreshälfte bereits um 16 % gestiegen (GfK, Consumer Index, 06/2003).
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Die bestmögliche Nachahmung des Aldi-Konzeptes war lange Zeit die Strategie von Lidl (Handelsblatt, 19.05.2003, S. 12). Dessen ungeachtet ist es Lidl den letzten Jahren zunehmend gelungen an eigenem Profil zu gewinnen. So ist das Sortiment mit rund 1.200 Artikel wesentlich umfangreicher als bei Aldi. Lidl hat einen höheren Anteil an Markenartikel und versucht damit Kunden anzusprechen, die auf bestimmte Markenartikel nicht verzichten wollen. Lidl benutzt diese Markenartikel bewusst als Frequenzgenerator, auch wenn die Gewinnmargen geringer sind als bei den Handelsmarken. (Handelsblatt, 19.05.2003, S. 12) Im Gegensatz zu Aldi sind die Füllmengen der Lidl-Produkte geringer, wodurch auch kleinere Haushalte angesprochen werden, welche bei Aldi eine unterge-ordnete Rolle spielen. Weiter betreibt Lidl neben der Standortausweitung in der Peripherie bewusst die Innenstadtfilialen weiter bzw. eröffnet dort neue Geschäfte. Die Filialen sollen nicht ausschließlich zur Grundnah-rungsmittelversorgung in längeren Zeitabständen, sondern auch für kleinere Einkäufe mehrmals pro Woche frequentiert werden.
Plus
Tabelle 1-4: Fakten zu Plus (2002)
Datenquelle: M+M EUROdATA, 2004. S. V,58 f.; IGD, 2002, S. 161 f.
Plus ist das Discount-Geschäftsfeld der Unternehmensgruppe Tengelmann. Tengelmann ist in den Geschäftsbereichen Lebensmitteleinzelhandel, Textilien, Heimwerkerbedarf und Drogerie aktiv. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen Plus zu einem zunehmend stärkeren Konkurrenten in der Discounterbranche entwickelt. 286 konzerneigene Ledi-
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Discounter-Filialen und 178 Tip-Discounter-Filialen wurden im Jahr 1999 durch Akquisitionen in die Plus-Organisation integriert. Im Geschäftsjahr 2000/2001 wurden mit 2.674 Filialen rund 5,3 Mrd. € umgesetzt. Plus beschäftigt insgesamt 23.748 Mitarbeiter. Der Umsatz konnte im Geschäftsjahr 2003 um 6,7 % gesteigert werden (M+M EUROdATA, 2003, S. V,34). Das Unternehmen Plus hat erkannt, dass es, im Vergleich zu Aldi und Lidl, über ein zu großes Filialnetz mit vielen, oftmals zu kleinen Ladenlokalen verfügt (IGD, 2002, S. 96 f.). Bedeutend für das Image der Tengelmann-Gruppe sind der Umwelt- und Verbraucherschutz sowie die Förderung des ökologischen Landbaus, die in der Organisation mit eigenen Ressorts vertreten sind. Die Imagebildung über den Verbraucherschutz wird auch an der Einführung von Bio-Produkten bei Plus deutlich, welche ein großes Medienecho hervorgerufen hat (Lebensmittelzeitung, 15.03.2002, S. 61).
Penny-Markt
Tabelle 1-5: Fakten zu Penny (2002)
Datenquelle: M+M EUROdATA, 2004. S. V,58 f.; IGD, 2002, S. 178 ff.
Penny-Markt ist Deutschlands drittgrößter Discounter und gehört zur Rewe-Gruppe. Das Tätigkeitsfeld der Rewe-Gruppe umschließt im Handel die SB-Warenhäuser, Baumärkte, Discounter und daneben das Tourismusgeschäft.
Der im Jahr 1973 gegründete Discounter Penny-Markt erzielte im Jahr 2002 mit seinen 2.263 deutschen Filialen einen Umsatz von 5,7 Mrd. € (IGD, 2002, 178 ff.). Die Penny-Märkte befinden sich derzeit in einer
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Restrukturierungsphase, in welcher der Altbestand an Filialen an das neue Konzept angeglichen wird. Das neue Konzept sieht, ähnlich wie bei Aldi, überwiegend Filialen in der Peripherie der Städte mit ausreichend Parkmöglichkeiten und vor allem ein dünneres Sortiment vor. Ein kleiner Teil der Altfilialen wird nicht an das neue Konzept anzupassen sein, da die Umsatzhöhe bisher nicht ausreichend oder die Lage bzw. Größe der Filialen nicht adäquat sind. Diese Filialen werden mittel- bis langfristig geschlossen. (Lebensmittelzeitung, 15.03.2002, S. 64). Die Konkurrenten Aldi und Lidl sind mit ihren rein auf Discount ausgerichteten Strukturen erfolgreicher als Penny-Markt mit dem alten Konzept. Penny-Markt ist der einzige Discounter, welcher sich eine gemeinsame Logistik mit der konzerneigenen Supermarktsparte leistet. Alle anderen Discounter sind zu der Erkenntnis gekommen, dass Supermarkt und Discount logistisch nicht zusammenpassen und getrennt von einander versorgt werden sollten. (Lebensmittelzeitung, 15.03.2002, S. 64) Durchaus sinnvoll erscheint eine konzerninterne Bündelung der Einkaufsumsätze bei Einkaufsverhandlungen. Jedoch ist nicht davon auszugehen, dass alle Markenartikelhersteller Supermärkte und Discounter mit dem gleichen Artikel beliefern wollen. Viele Markenartikelhersteller befürchten, dass durch ein Angebot der Markenartikel im Discounter zu günstigeren Preisen eine Kannibalisierung der eigenen Produkte im Supermarkt.
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1.2.2 Die Marktvolumenentwicklung bis heute
Abbildung 1-1: Entwicklung der Discounter vom Jahr 1972 bis 2002 Datenquelle: AC Nielsen, 2003, S. 115 ff.
In den Jahren 1972 bis 1978 realisierten die Discounter durchgängig zweistellige Wachstumsraten. Die Umsatzentwicklung lag immer deutlich über der Zunahme der Verkaufsstellen. Das heißt, die Discounter befanden sich in der Einführungsphase mit guten Wachstumsraten auf niedrigem Niveau. Im Jahr 1979 mussten die Discounter erstmalig Umsatzrückgänge bei gleichzeitigem Filialabbau hinnehmen. Im Jahr 1980 konterten sie mit einer starken Ausweitung (+ 7,7 %) des Filialnetzes bei gleichzeitig geringem und unterdurchschnittlichem Umsatzwachstum um 1,0 % (AC Nielsen, S. 115 f.). In den Jahren 1991 bis 1995 profitierten die Discounter von der Wiedervereinigung und der stärkeren Preisorientierung der Verbraucher im Zusammenhang mit der Rezession der Jahre 1992/93. Diese Expansion der Discounter hielt in der Zeit vom Jahr 1996 bis 2001 an, allerdings flachten die Wachstumsraten ab. Das zahlenmäßige Wachstum der Geschäfte fiel geringer aus und stagniert seit dem Jahr 2000 bei gleichzeitiger Ausweitung der Verkaufsfläche, also größeren Ladenlokalen. Einen erneuten Boom erleben die Discounter seit der Euro-Bargeldeinführung im Jahr 2002. Hier haben die Discounter es beson-
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ders verstanden, ihre Preisstrategie zu kommunizieren und Vertrauen zu generieren. (AC Nielsen, S. 115 f.)
Unter den Discountern des Lebensmittelmarktes herrscht ein aggressiver Wettbewerb, der nicht mehr nur über harte Preiskämpfe, sondern durch scharfe Profilierungsversuche ausgetragen wird. Der Start mit Bio-Produkten bei Plus sowie die Entscheidung von Lidl, in allen Filialen SB-Fleisch anzubieten, entfachen immer neuen Wettbewerb. In diesem Wettbewerb konnten vornehmlich drei Maßnahmen beobachtet werden: N Profilierung durch Qualität N Discounter als Vollsortimenter N Aufstockung des Werbeetats
1.2.3 Einflüsse auf die Entwicklung von Discountern
Der Lebensmitteleinzelhandelsmarkt verändert sich stetig quantitativ und qualitativ, da sich die Handelsstrukturen verändern. Die Einflüsse, die nachfrage- oder angebotsseitig die Handelsstruktur verändern, können in mittelbare und unmittelbare Einflüsse eingeteilt werden.
a) Mittelbare Einflüsse
Mittelbare Einflüsse auf die Handelsstrukturen sind Faktoren, die beispielsweise von Staat und Politik oder von persönlichen Wertvorstellungen ausgehen. Diese Faktoren haben nur indirekt Einfluss auf die Entwicklung der Discounter.
Staat und Politik
Der Staat regelt mittels Gesetzen und ähnlichen Instrumenten die Rahmenbedingungen des allgemeinen Geschäftsverkehrs. Diese Rahmenbedingungen verändern nicht das Gefüge der Handelsbetriebe untereinander, sondern die Handelsstrukturen im Allgemeinen. Diese staatlichen Maßnahmen betreffen meistens eine gesamte Branche, in Einzelfällen aber auch nur ein bestimmtes Segment. So hat die Einfüh-
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rung des Zwangspfandes für bestimmte Getränkeverpackungen den gesamten Lebensmitteleinzelhandel betroffen. Hingegen hat die Reglementierung der Ansiedlung neuer großflächiger Einzelhandelsflächen in vielen europäischen Staaten einen einseitig positiven Einfluss auf die kleineren Flächen, zu denen die Discounter zählen (siehe Kapitel 2.2.2). Ein weiterer Einfluss geht von der Liberalisierung des Ladenschlussgesetzes aus, dessen Wirkung an dieser Stelle nicht abschließend beurteilt werden kann. Es kann jedoch angenommen werden, dass die weitere Liberalisierung des Ladenschlusses vor allem große und mittlere Geschäfte in „1a-Lagen“ der Innenstädte und Shopping-Center in der Peripherie begünstigt. Dagegen sind Einzelstandorte auf der grünen Wiese wahrscheinlich benachteiligt, und dies ist der bevorzugte Discounter-Standort. Darüber hinaus ist bisher nicht abzusehen, dass die Discounter die verlängerten Öffnungszeiten ausnutzen. Die grundsätzliche Strategie, auf Begrenzung und weniger starke Serviceorientierung, hat bisher ausgesprochen gut funktioniert. Discounter wie Aldi setzen weiter darauf, dass sich die Kunden wie in den vergangenen drei Dekaden anpassen, um günstig einzukaufen. Längerfristig ist aber vorstellbar, dass die Verbraucher zunehmend Versorgungseinkäufe außerhalb der bisher üblichen Kernzeiten erledigen wollen. Verlängern die Discounter ihre Öffnungszeiten nicht, kann dadurch die Nachfrage bei den Discountern langfristig beeinträchtigt werden. Im Ausland haben sich die deutschen Discounter den oftmals liberalen Ladenöffnungszeiten angepasst (IGD, 2002, S. 222 f.). Es ist aber auch vorstellbar, dass die Beibehaltung der kurzen Ladenöffnungszeiten zu einem weiteren Kostenvorteil führt. Zumindest die deutschen Konsumenten haben bisher ausreichend Anpassungsvermögen bewiesen, wenn dadurch Ersparnisse generiert werden konnte. Weitere mittelbare Einflüsse, die Auswirkungen auf die Handelsstrukturen aufweisen, bestehen auf der europäischen Ebene. Um das Funktionieren des gemeinschaftlichen Binnenmarkts sicherzustellen, stehen Struk-turreformen an, die die Abschaffung nationaler Sonderregelungen, beispielsweise zum Schutze einzelner Teilsektoren der Wirtschaft, vorantreiben sollen. Dies hat auf nationaler Ebene Konsequenzen auf Gesetze,
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welche den Wettbewerb beschränken. Hier ist vor allem an Subventionen einzelner Staaten für Teilsegmente der heimischen Wirtschaft zu denken.
Wertvorstellungen
Wertvorstellungen sind im Hinblick auf die Konsumgütermärkte wichtig. Die Wertvorstellungen der Verbraucher allgemein und daraus abgeleitet die Einstellung zu den Produkten begünstigen mittelbar eine Handels-form. Preissensible Konsumenten sind eher handelsmarken-affin und kaufen im Discounter. Hingegen orientieren sich qualitätsorientierte Verbraucher an der Marke und kaufen eher im Fachhandel. Weiter können einzelne Vertriebssysteme mit einem negativen Image belastet sein. In England sind die Discounter mit dem negativen Image belastet, nur eine Einkaufsform für die weniger betuchten Bürger zu sein. (siehe auch Konsumentenverhalten, S. 24)
b) Unmittelbare Einflüsse
Unmittelbare Einflüsse auf die Handelsstrukturen sind Faktoren wie die konjunkturelle Entwicklung, das Konsumentenverhalten oder die angebotenen Produkte. Der Einflussfaktor Konjunktur und das Konsumentenverhalten werden im Weiteren erläutert. Die Produkte, hier im speziellen die Handelsprodukte, werden wegen ihrer herausragenden Bedeutung für die Discounter im Kapitel 1.2.4 gesondert abgehandelt.
Konjunktur
Es besteht ein Zusammenhang zwischen der derzeitigen schlechten wirtschaftlichen Entwicklung und dem wachsenden Marktanteil der Discounter in Deutschland (Handelsblatt, 21.10.2003, S. 17). Die Rezession hat das Preisbewusstsein verschärft. Die Kaufzurückhaltung wurde mit der Euro-Bargeldeinführung und der empfundenen Preisanhebung noch verstärkt. Es drängt sich die Frage der Nachhaltigkeit der Nachfrage bei Discountern auf, wenn die Wirtschaft spürbar wächst. Die Discounter nähern sich mit einem derzeitigen Marktanteil von rund 35 % des deutschen Lebensmitteleinzelhandels zunehmend ihrer Wachstumsgrenze.
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Auch der Absatz von Handelsmarken stößt langsam an seine Grenze. (Handelsblatt, 21.10.2003, S. 17) Es wird davon ausgegangen, dass sich die Nachfrage nach Handelsmarken bei einem konjunkturellen Aufschwung abschwächt und damit auch der Marktanteil der Discounter sinkt (GfK, 2002, S. 9).
Konsumentenverhalten
Das Konsumentenverhalten in Bezug auf die favorisierte Einkaufsstätte scheint sich in Deutschland zu wandeln. Viele Konsumenten können nicht mehr ausschließlich einem Marktsegment (qualitativ hochwertige Spitzenprodukte, mittleres Marktsegment oder unteres Marktsegment) zugeordnet werden. Es wird verstärkt das Phänomen des Smart-Shoppers beobachtet. Smart-Shopper sind Konsumenten, die zwischen den einzelnen Marktsegmenten springen. Viele Konsumenten können aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation nur im unteren Marktsegment einkaufen, andere kaufen absichtlich dort ein. Der smarte Shopper bewegt sich situationsbezogen in allen Segmenten. Er tendiert vielmehr dazu, immer weniger im mittleren Marktsegment einzukaufen, sondern ausschließlich im unteren und oberen Marktsegment. (Eggert, 1998, S. 60 f.)
1.2.4 Handelsmarkenpolitik
Eine allgemeingültige Definition für den Begriff ist in der einschlägigen Literatur nicht zu finden. Im Allgemeinen sind Handelsmarken Produkte, welche ausschließlich für ein Handelsunternehmen produziert und in diesem vertrieben werden. Dies sind i.d.R. bekannten Markenartikeln nachempfundene Produkte, die so genannten Me-too-Produkte. Grundsätzlich werden zwei Handelsmarkenkonzepte unterschieden:
a) Monomarke
Diese Marke wird nur für ein bestimmtes Produkt verwendet. Diese Strategie ist charakteristisch für Aldi, wo es einen hohen Anteil an Monomarken gibt. Beispiel: Waschmittel der Marke Tandil.
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b) Dachmarke
Hier steht eine Handelsmarke für eine Reihe von unterschiedlichen Produkten, die oftmals von unterschiedlichen namhaften Herstellern produziert werden. Beispiel: Tip (Metro), Erlenhof (Rewe), Ja! (Rewe), A&P (Tengelmann) oder BioBio (Tengelmann).
Das Vordringen der Handelsmarke ist in Deutschland eng mit der Ver-triebsform Discount verbunden. Nach dem Wegfall der Preisbindung zwischen Produzenten und Herstellern zum 01.01.1974 hatten Handelsmarken die Möglichkeit sich zu etablieren (Seiwert, 2003, S. 14). Dies ist mittelbar mit dem Anfang des Aufstiegs der Discounter verbunden. Die ersten Handelsmarken waren auf wenige im unteren Preissegment platzierte Basis-Artikel beschränkt. Erst später, im schärfer werdenden Wettbewerb der 80er Jahre, haben Handelsunternehmen begonnen, Dachmarkenkonzepte aufzulegen. Seit wenigen Jahren versuchen einige Unternehmen, sich mit ihren Handelsmarken von der strikten Orientierung im unteren Preissegment abzuwenden. Im oberen Preissegment der so genannten Premium-Handelsmarken sollen dem Endverbraucher eine hohe Qualität und Sortimentskompetenz kommuniziert werden. Beispiele sind BioBio vom Discounter Plus oder Füllhorn von Rewe. Der Hauptnutzen der Handelsmarken für die Unternehmen kann in der Margenverbesserungen, der Profilierung gegenüber Mitbewerbern und in der Kundenbindung gesehen werden (Seiwert, 2003, S. 14). Der Discounter ist zu einer erfolgreichen Vertriebsform im Lebensmittel-einzelhandel geworden, da diese aus Konsumentensicht nicht nur den Aspekt des günstigen Einkaufs erfüllen, sondern auch das Vertrauen in gewisse Discountunternehmen und Produkte hoch ist. Viele Verbraucher sind überzeugt, eine gute Qualität zu niedrigen Preisen zu erhalten (Hintermeier, 1998, S. 208 f.). Die hohen Ansprüche an die Qualität, hier ist Aldi hervorzuheben, sind mittlerweile vielen Konsumenten bekannt. Die Verbraucher haben gelernt, dass Discounter keine schlechtere Qualität anbieten, sondern einen Qualitätsstandard zum niedrigen Preis. Aldi erwartet von seinen Lieferanten, dass durch Stiftung-Warentest getestete
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Produkte mindestens eine gute Beurteilung erhalten (Seiwert, 2003, S. 14).
Wie bereits erläutert besteht ein Zusammenhang zwischen der derzeitig schwachen Konjunktur und dem verstärkten Konsum von Handelsmarken (GfK, 2002, S. 9). Einen weiteren Wachstumsschub bewirkte die „gefühlte Teuerung“ vieler Produkte nach der Euro-Bargeldeinführung im Jahr 2002 (Markenverband, 2002, S. 9 ff.). Jedoch wird von einem einsetzenden Sättigungseffekt bei den Handelsmarken ausgegangen. Die Discounter werden innerhalb der konkurrierenden Händler weiter von den Handelsmarken profitieren, aber mit abnehmenden Wachstumsraten. Bestätigt wird diese Einschätzung von aktuellen Ergebnissen der GfK, die eine Rückkehr zum Markenprodukt beim Discounter Lidl registriert (GfK, 2002, S. 9).
Sollten bei einem wirtschaftlichen Aufschwung die Konsumenten wieder vermehrt zu Markenartikeln greifen wollen, so kann dies für Discounter mit einem hohen Markenanteil wie Lidl und Plus, im Gegensatz zu Aldi, einen Wettbewerbsvorteil darstellen.
Handelsmarken im internationalen Kontext
Die Marktdurchdringung von Handelsmarken ist international unterschiedlich. Mit einem Zuwachs um rund 12,0 % auf insgesamt 31,3 % im Jahr 2002 konnten Handelsmarken ihr Wachstum im deutschen Lebens-mitteleinzelhandel fortsetzen (GfK, 2002, S. 3). Ursächlich für das gute Handelsmarkenergebnis war auch im Jahr 2002 die Hinwendung der Verbraucher zum Discounter. In Frankreich ist das Wachstum abgeschwächt. Dies ist jedoch angesichts des Wachstums in den Vorjahren nicht überraschend. Hier liegt der Handelsmarkenanteil derzeit bei rund 25 %. In Spanien war das Handelsmarkenwachstum mit einer Steigerung von 20,9 % im Jahr 2001 auf 24,2 % im Jahr 2002 sehr hoch. Diese Zunahme ist eng mit der Expansion von Lidl und Aldi in Spanien verbunden. In Italien ist der Handelsmarkenanteil mit 7,6 % weiterhin gering. (GfK, 2002, S. 3) In Osteuropa liegt das Wachstum der Handelsmarken deutlich über den Herstellermarken. Europa hat mit 22 % Umsatzanteil
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den weltweit höchsten Handelsmarkenanteil. (F.A.Z., 13.10.2003, S. 21) Hier schlägt sich der hohe Hard-Discounteranteil in Deutschland, allen voran Aldi, und der hohe Handelsmarkenanteil in England nieder. Grundsätzlich ist festzustellen, dass es einen Zusammenhang zwischen den Handelsstrukturen und der Durchdringung von Handelsmarken gibt. Ursächlich für die Bedeutung von Handelsmarken ist der Konzentrationsgrad des jeweiligen nationalen Marktes. Je höher die Gesamtmarktanteile größerer Handelsunternehmen sind, desto wahrscheinlicher werden sich Handelsmarken etablieren (Wolters, o. J., S. 3). Im Folgenden wird die Unterschiedlichkeit der Handelsmarkenstruktur in ausgewählten Ländern dargestellt (Wolters, o. J., S. 3 ff.):
USA: In den USA operieren viele regionale Handelsunternehmen, die N
sich meist auf einen Bundesstaat beschränken. Mit Ausnahme von Wal-Mart oder K-Mart wird der amerikanische Markt von solchen Unternehmen geprägt. Weiter haben in den USA Markenartikel eine große Bedeutung. Besonders über das Medium Fernsehen wird eine starke Verbraucherbindung zur Marke aufgebaut. Handelsmarken wurden lediglich als Ergänzung zum bestehenden Markenartikelsortiment und zur Ausweitung der Händlerspanne eingeführt.
Großbritannien: In Großbritannien ist der Einzelhandelsmarkt durch N
eine starke Konzentration gekennzeichnet. Wenige große Unternehmen erzielen den Großteil des gesamten Umsatzes im Lebensmitte-leinzelhandel. Diese Situation hat es den Einzelhandelsunternehmen ermöglicht, sich durch den Aufbau von Handelsmarken gegenüber den Herstellermarken zu profilieren. Handelsmarken sind in Großbritannien weit verbreitet und das umsatzstärkste Einzelhandelsunternehmen Sainsbury hat einen Eigenmarkenanteil von über 55 %.
Deutschland: In Deutschland führen die meisten Handelsunterneh- N
men Eigenmarken, die mit den Markenartikeln unmittelbar konkurrieren. Hier herrscht ein wesentlich härterer Wettbewerb als in Großbritannien. Dieser harte Wettbewerb ist mit ursächlich für das international niedrige Preisniveau im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.
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Arbeit zitieren:
Jörg Marcel Alefelder, 2004, Die deutschen Discounter, ein Modell für das Ausland? Untersuchung der Discounter, deren Internationalisierung sowie deren personal- und organisationstheoretischen Besonderheiten, München, GRIN Verlag GmbH
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