der Landwirtschaft und im Bildungswesen durchgeführt wurden, die rückblickend eine Basis für die wirtschaftliche Entwicklung geschaffen haben.
Im Jahre 1996 zählte Südkorea mit einem durchschnittlichen BSP/Kopf von 11.380 $ zu den wohlhabenden Ländern auf der Welt, die Armut war beseitigt, die Arbeitslosigkeit und Analphabetenquote wurde auf geringe Prozentsätze gedrückt und das Land verzeichnete ein Wachstum des Einkommens seit 1962 von im Durchschnitt 8 % jährlich. (Lee 2001,S.21) Die Asienkrise 1997/98 war verantwortlich für einen Einbruch der Wirtschaft, doch schon in den Jahren danach überwand Südkorea die Krise und die Wirtschaft wuchs erneut auf ein BSP im Jahre 2003 von ca. 9460 US-$ bei einer Arbeitslosigkeitsrate von 3,4%.(Fischer Weltalmanach 2004).
Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Das Wirtschaftswachstum gründete sich vor allem auf zwei Prinzipien, der effizienten staatlichen Lenkung der Wirtschaft sowie einer konsequenten Exportorientierung. Die staatliche Lenkung wurde 1962 mit dem ersten 5-Jahres-Plan der neuen Regierung nach einem Militärputsch eingeführt. In ihm wurden die Pl anung aber auch direkte Eingriffe in unternehmerisches Handeln der Wirtschaft festgeschrieben, um die in Korea knappen vorhandenen Mittel optimal zu allokieren und Wachstum zu induzieren. Aufgrund dieser Knappheit der Ressourcen wie Devisen oder Bankkrediten bevorzugte der Staat seit Beginn der Industrialisierung in den 60ern die dynamischen Großunternehmen, da diese wenigen leistungsfähigen Firmen die Träger des Exports werden sollten. Die Großunternehmen sollten höhere Skalenerträge erwirtschaften, schnellere Innovationszyklen durch hohe FuE-Investitionen erzielen und durch eine Quasimonopol- oder Oligopolstellung im heimischen Markt eine bessere Kapazitätsauslastung sowie die Überwindung von Marktgrößenproblemen erreichen. Dies alles sollte dann zu einem Wachstum der Industrieproduktion führen. (Lee 2001, S.19) Kleinere und Mittlere Unternehmen blieben oft von den Plänen und Ausschreibungen benachteiligt und konnten sich so nur schlecht entwickeln. Die verschiedenen Etappen der Industrialisierung und die Schwerpunktsetzung der Entwicklungspläne veranschaulicht Tabelle 1.
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Dem Zweck der Exportorientierung dienten alle nationalen Vorteile, was bei ma ngelnden Rohstoffvorkommen vor allem das große gut ausgebildete, billige und relativ willfährige Reservoir der Arbeitskräfte war. „Die Exportförderung überlagerte alle anderen wirtschaftlichen Ziele“ (Lee 2001, S.23), da der Binnenmarkt klein war und nur durch eine exportinduzierte Entwicklung Wirtschaftswachstum erwartet werden konnte. Eine Übersicht über die Erfolgsfaktoren gibt Lee, S.25-31: 1. Die fortgesetzten Strukturreformen im Agrarsektor und im Bildungswesen nach 1948 führten u.a. zu einem Verstädterungsprozess und der Unterstützung der Exportindustrie mittels Subventionen und Ressourcentransfer einerseits, andererseits auch zu einer Senkung der Analphabetenquote von ca. 80% auf fast 0%. 2. Der starke Wille der Führungskräfte, die Wirtschaftsentwicklung auch gegen Widerstände durchzusetzen, trug zum Aufschwung bei, z.B. Installation des „Economic Planning Board“ oder die Exportförderungskonferenz. 3. Das Ausmaß des effektiven staatlichen Entwicklungskonzeptes und die effiziente Durchsetzung in sinnvollen 5-Jahres-Plänen
4. Die Exportorientierung und zeitliche Abfolge der Importsubstitution 5. Die Einkommensdynamik durch steigende Investitionen und andauernden Exportüberschuss, was eine ungewöhnliche aber Wachstum generierende Markkonstellation bedeutet
6. Orientierung auf Großunternehmen, da sie Träger des Industrialisierungsprozesses und der Exportorientierung waren. Mittel waren v.a. Bankkredite und Devisen, die bevorzugt an die dynamischen Unternehmensgruppen vergeben wurden. 7. Die positiven soziokulturellen Faktoren wie die homogene Gesellschaftsstruktur oder das konfuzianische Wertesystem (z.B. die hohe Fähigkeit zur Bildung von Humankapital)
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8. Erfolgreiche Bevölkerungspolitik. Am Anfang gab es ein großes Arbeitskräfteangebot, doch die Regierung erkannte, dass eine zu hohe Wachstumsrate Probleme bringen würde ? Bevölkerungswachstum von 3,0 % (1961) auf 0,92 % (1999) gesenkt. Seit etwa Mitte der 1980er Jahre ist die Entwicklung charakterisiert von verstärkten Auslandsinvestitionen der koreanischen Unternehmen, der Erlangung höherwertiger Technologien durch Ankauf von Patenten und Lizenzen sowie der Abschließung von Joint Ventures mit Transnationalen Unternehmen, was vor allem durch die Liberalisierung der Märkte und des Finanzsystems ermöglicht wurde. Lee bilanziert: „Handels- / Arbeitsmarkt-und Wechselkurspolitik in Südkorea wurden als strategisch wichtige Instrumente zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Weltmarkt benutzt.“ (Lee 2001, S.150)
2.2 Vom Protektionismus zur Liberalisierung
Seit dem Beginn der Industrialisierung in Korea in den 60ern verfolgte die koreanische Regierung eine sehr restriktive Haltung gegenüber Ausländischen Direktinvestitionen (ADI) im Inland. Die wenigen Investitionen wurden zudem strikt reguliert. Weiterhin wurden selbst exportstarke Industrien von der Weltmarktkonkurrenz durch hohe Importhürden wie beispielsweise hohen Zollschutz, quantitative Restriktionen und informelle Barrieren abgeschottet, um die sich im Inland entwickelnde Wirtschaft zu schützen. Die Importe wurden beschränkt auf essentielle, noch nicht im Land produzierte Waren sowie auf die Güter, die einheimische Unternehmen als Inputfaktoren für ihre Produktion brauchten. So konnte eine Unterstützung der als strategischen Industrien deklarierten Branchen stattfinden, auf die die koreanische Regierung ihre Schwerpunkte setzte und diese förderte. Die Rahmenbedingungen der Wirtschaft waren also eine protektionistische und national entwickelte Industriepolitik seitens des Staates. Auf dem Automobilsektor wurde die Entwicklung von dominierenden inländischen Autokonzernen gefördert, Kia, Hyundai, Daewoo, Ssangyong und Samsung.
Seit den 80er Jahren kam es zu einem langsamen Politikwandel, der Ende der 90er immer offener auf eine Liberalisierung und Deregulierung des koreanischen Marktes hinausläuft. Korea wurde offener für globale Finanzströme. Auf dem Automarkt wurde Samsung Motors, der Automobilableger der erfolgreichsten Unternehmensgruppe Koreas, von Renault übernommen und Daewoo, Koreas zweitgrößter Automobilproduzent, von General Motors übernommen.
Dieser Paradigmenwechsel wurde durch interne und externe Drücke ausgelöst.
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Im Inland waren die „chaebols“, die koreanischen Großkonzerne, der Meinung, in der immer komplexeren weltweiten Ökonomie strategisch besser und effektiver zu funktionieren, wenn sie autonomer arbeiteten und die Wirtschaft weniger reguliert wäre. Zumal es für die Regierung immer schwieriger wurde, die Wirtschaft zu steuern und organisieren. Im Zuge der politischen Demokratisierung der Gesellschaft in den 80ern erhielten die Großkonzerne mehr Eigenständigkeit vom Staat, die sie in Verbindung mit ihrer ökonomischen Macht nachdrücklich für die Forderung nach Deregulierung des Marktes einsetzten. (Park 2003,S.180) Die externen Gründe waren vielfältiger. Die USA tolerierten immer weniger ihr hohes Außenhandelsdefizit und verstärkten daraufhin den Druck zur verstärkten Öffnung für amerikanische Unternehmen auf diejenigen Staaten mit Überschüssen gegenüber der USA, deren Märkte bisher relativ abgeschottet waren. Ein weiterer wichtiger Faktor war der Beitritt Südkoreas zur OECD, die freie Kapitalströme und Warenaustausch forderte. Zur Bewältigung der Asienkrise Ende 1997 schließlich stellte der IWF Bürgschaften und Kredite zur Verfügung, forderte jedoch im Gegenzug mehr Offenheit und Deregulierung. (Park 2003, S.182) Die Finanzkrise war teilweise hausgemacht. Sie gründete sich partiell auf die Ineffizienz der Regierung bei der Kreditlenkung. Korea besaß lange Jahre nur ein staatliches Bankensystem, mit dessen Hilfe Kredite nicht nur aus betriebswirtschaftlich vernünftigen Gründen, sondern auch gerade als Instrument zur Unterstützung bestimmter Branchen, bzw. Unternehmen, vergeben wurden. Kredite waren oft nur schlecht abgesichert und als nach der Teil- Liberalisierung des Finanzwesens private Institute Kapitalgeschäfte tätigten, waren diese hochriskant. Hinzu kam eine mangelnde Finanzaufsicht und die horrende Verschuldung der Unternehmensgruppen, die aufgrund hoher Investitionen in Kapital- und Technologieintensiven Industrien entstand. Letztendlich führte die teilweise Liberalisierung des Finanzmarktes zu einem erhöhten Kapitalimport und einer daraus resultierenden Überbewertung der koreanischen Währung. (Lee 2001, S.24)
In die Autoindustrie flossen, ähnlich wie in andere Schlüs selindustrien, relativ wenige ADI, da die Liberalisierung nur langsam vollzogen wurde. Im Jahre 1987 beispielsweise wurden ganze elf Autos aus dem Ausland importiert, 1997 immerhin 8136, was einen Marktanteil von ca. einem halben Prozent ausmacht. (Borstna r 1999,S.133) Die Einfuhr wurde seit 1974 per Gesetz streng reglementiert. Seit 1994 ist es ausländischen Autoherstellern erst erlaubt, im Fernsehen zu werben, zudem sind die Einfuhrzölle erst langsam von 25% auf 8 % und eine Zusatzsteuer von 15% auf 2%gesenkt worden. Dies spricht zwar für eine Liberalisierung, doch ist es japanischen Autoproduzenten erst seit 2000 erlaubt, überhaupt Autos nach Korea
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zu exportieren und nichttarifäre Handelshemmnisse werden auch erst nach und nach gelockert. (ifo-Institut 1/1998)
Die „chaebol“ wollten zwar eine Öffnung für Investitionen, jedoch gleichzeitig den Protektionismus behalten, die Bürokraten in der Regierung wiederum fürchteten um ihren Einfluss. (Park 2003, S.183)
Die erste ausländische Übernahme in der Autoindus trie fand im September 2000 statt, als Samsung Motors an Renault verkauft wurde. Dieser Zäsur in der Industriegeschichte ging ein langer Konflikt der staatlichen Interventionspolitik voraus. Eigentlich sollte die Automobilsparte des größten südkoreanischen Konzerns 1998 gegen die Elektroniksparte des Daewoo- „chaebols“ getauscht werden im Rahmen des „Big-Deal“ - Programms. Dieses Programm wurde von der Regierung im nationalen Interesse initiiert, um die koreanische Ökonomie nach der Asienkrise und dem Schock nach dem Bankrott von Kia, dem drittgrößten koreanischen Autoproduzenten, zu revitalisieren. Die Unternehmensgruppen sollten untereinander Geschäftsfelder tauschen und reduzieren, um das Problem der hohen Überkapazitäten, vor allem in der chemischen- und Schwerindustrie zu lösen (Die gesamten koreanischen Autowerke waren 1997 beispielsweise nur zu ca.50% ausgelastet). (Park 2003, S.184) Die regionalen und lokalen Politiker sowie Gewerkschaften opponierten jedoch gegen die nationale Lösung der Vereinigung Samsung Motors und Daewoo Motors, da sie befürchteten, das Samsung-Werk in Pusan, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region, werde geschlossen. Nach heftigen Kontroversen mit der Regierung ließ diese dann Samsung Motors versteigern, wobei möglichst eine internationale Lösung angestrebt wurde, um das Werk in Pusan zu erhalten. Renault erwarb dieses dann 2000 recht billig.
3. Die Entwicklung und Relevanz der Unternehmensgruppen („chaebol“)
Als „chaebol“ werden in Korea Unternehmensgruppen bezeichnet, die sich durch folgende Merkmale auszeichnen: Es sind Mischkonzerne oder Konglomerate verschiedener Firmen mit starkem Einfluss auf die gesamte koreanische Wirtschaft. Sie weisen eine breite Diversifizierung der Geschäftsfelder auf (von sämtlichen industriellen Branchen bis hin zu Dienstleistungen, Biochemiefirmen oder auch Baufirmen), die oft in keinem erkennbaren Zusammenhang stehen. Es sind rechtlich unabhängige Firmen, die aber direkte und indirekte wirtschaftliche und finanzielle Beziehungen, vor allem Kapitalanteile und Kreditgarantien, untereinander besitzen. Im Mittelpunkt dieses Geflechts steht oft ein großes Handelshaus. Ein
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Arbeit zitieren:
Lars Schieber, 2004, Die Automobilindustrie Südkoreas, München, GRIN Verlag GmbH
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