Gliederung
1. Einleitung S.3
1.1. Vorgehensweise der Autorin S.3
2. Formanalyse S.4-6
2.1. Lyrische Klangformen: der Reim, das Versmaß, die Kadenzen und die Silbenanzahl
S.4
2.2. Die Verteilung, Kombination und Wirkung der Wortarten S.5/6
2.3. Der Rezipient und das Lyrische Ich - die Rollen des Gedichts S.6
3. Der Titel - Spiel mit der Erwartungshaltung S.7/8
4. Der Inhalt 8-10
4.1. Die erste Strophe - mystische Gefangenschaft 8/9
4.2. Die zweite Strophe - Chiasmus von Transzendenz und Immanenz 9
4.3. Die dritte Strophe - Entzifferung von Unbekanntem 9
4.4. Die vierte Strophe - Sprachlosigkeit der Sprache 9/10
4.5. Die fünfte Strophe - schwebende Worte S.10
5. Die zentralen Worte: Worte (erste Zeile), Vokabeln (zweite Zeile), Laute (dritte
Zeile ), Namen (vierte Ze ile) und Vokale (fünfte Zeile) 10/11
6. Zusammenfassung sowie Interpretation 11-15
6.1. Sonderstellung der zweiten Strophe 12/13
6.2. „Im Anfang war das Wort“ - Realität und Sprache, Sprache und Realität S.13/14
6.2.1. Der Kreislauf und die Schwebe 14
6.2.2. Die Luft 15
7. Äußere Bezugspunkte- Friedrich Nietzsche und Theodor W. Adorno 15-17
8. Das Gedicht 18
9. Literaturverzeichnis S.19/20
9.1. Primä rliteratur 19
9.2. Sekundärliteratur 19/20
9.3. Internetquellen 20
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1. Einleitung
In der hier folgenden Seminararbeit werde ich eine Analyse des 1952 verfassten und in "Gesammelte Gedichte" 1962 erschienenen Gedichts "Worte" von Karl Krolow vorlegen (Krolow 1962, S. 75). Ein Problem stellt allerdings die Quellenlage dar, denn es gibt bisher keine umfassende Gedichtanalyse dieses Textes, so dass ich mich nur bei wenigen Einzelelementen einer Sekundärliteratur bedienen konnte. 1.1. Vo rgehensweise der Autorin
Zur der Art der Analyse ist zu sagen, dass ich keinem in der Literatur vorgegebenem System folge, stattdessen versuche mich mit konkreten Fragen dem Text zu nähern. Um meinen Ansatz jedoch wissenschaftlich einzuordnen sowie einzugrenzen fußt dieser auf zwei fundamentalen Annahmen der Literaturwissenschaft, einerseits, dass nicht mehr der Autor sondern der Leser als der eigentliche Produzent des Textes gilt, der seine individuelle Sinn-Realisation leistet und sich somit die Unmöglichkeit eines eindeutigen bzw. intersubjektiven Textsinn zeigt (Arnold 2002, S. 218), sowie andererseits, dass die Form und der Inhalt zwei untrennbare Seiten ein und derselben Medaille sind, die Form folglich nicht nur Oberfläche, sondern der Kern ist, de r beim Deuten und Erschließen eines Gedichts hilft (Peter Wapnewski in: DIE ZEIT vom 28.01.1977). Des Weiteren ist es von Nöten kurz und knapp auf die wissenschaftliche Diskussion der Bildlichkeit in lyrischen Texten einzugehen. Gab es und gibt es noch viele unterschiedliche Theorien über die verschiedenen Bilder des Gedichts (vergleiche Arnold 1996, S. 257-272) so werden viele dieser in Anbetracht des modernen Bildes obsolet, denn dieses ist unanpassungsfähig an irgendeinen realen Gegenstand. Anders gesagt, repräsentiert es keine Bedeutung im klassischen Sinne mehr, sondern entwirft nur den in ihm aufgehobenen Bedeutungszusammenhang; das Bild wird zu einer Art literarischer Bildlichkeit, die sich jedes Vergleichansatzes entledigt und so die Metaphorizität der Sprache ad absurdum führt. Dieser modernen Art von Bilder bedient sich auch Karl Krolow, was sich im Folgenden noch zeigen wird. Hier ergibt sich der Schluss, dass es nicht möglich ist, die Bilder dieses Gedichts zu übersetzen, vielmehr soll über einen assoziativen Ansatz dem in ihnen verborgenen Bedeutungszusammenhang nachgespürt werden.
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?. Teil
2. Formanalyse
In diesem ersten Teil der Arbeit werde ich auf die Form des Gedichtes, also die verwendeten lyrischen Stilmittel eingehen. Die Interpretation dieser erfolgt im zweiten Teil, in dem ich äußere und innere Gliederung zusammenbringen werde; hier jedoch sollen die Mittel der äußeren Formschaffung lediglich genannt und benannt werden.
2.1. Lyrische Klangformen: der Reim, das Versmaß, die Kadenzen und die Silbenanzahl
Der optischen Form nach ist das Gedicht in fünf gleichberechtigt nebeneinander bzw. hintereinander stehende Strophen zu je vier Zeilen unterteilt.
Als lyrische Klangform ist als erstes der Reim zu nennen; dieser weist in diesem Text folgendes Schema auf: xaxa, xbxb, xcxc, xdxd, xexe. Es handelt sich also um einen durch Waise unterbrochenen Kreuzreim. Durch seine durchgängige Verwendung bekommt das Gedicht einen formellen Rahmen und somit einen äußeren Zusammenhalt.
Das Versmaß ist frei alternierend, neben jambischen Elementen weist der Text Trochäen und Daktylen auf. Man kann also sagen, dass die Sprache dieses Textes nicht an ein bestimmtes Metrum gebunden und somit freier als versmaßgebundene Lyrik ist und wirkt. Die Kadenzen scheinen auf den ersten Blick kein Schema aufzuweisen; in folgender Reihenfolge tauchen sie auf: erste Strophe: W, M,W, M, zweite Strohe: M, M, W, M, dritte Strophe: W, M, M, M, vierte Strophe: W, M,W, M, fünfte Strophe: W, M, M, M. Bei genauerer Beschäftigung erkennt man jedoch eine Auffälligkeit: so folgen die erste und die vierte Strophe demselben Schema, ebenso verhält es sich bei der dritten und der fünften. Lediglich die zweite Strophe lässt sich in kein Schema einordnen und steht so separiert da. Somit kann insgesamt betrachtet gesagt werden, dass auch die Kadenzen eine Art von Zusammenhalt aufweisen und den äußeren Rahmen zu mindest unterstützen.
Die Silbenanzahl ist relativ gleichmäßig über die Zeilen verteilt, folgende Anzahlen sind zu nennen: erste Strophe: 8, 7. 9, 8, zweite Strophe: 8, 9, 10,8, dritte Strophe: 9, 7, 9, 8, vierte Strophe: 7, 7, 8, 6, fünfte Strophe: 9, 7, 7, 6. Auch hier fällt die zweite Strophe, da sie als einzige in der dritten Zeile eine zweistellige Silbenanzahl besitzt, auf. Durch die höhere Silbenanzahl kommt es auch zu einer optischen Auffälligkeit. Ansonsten wird durch die gewisse Gleichmäßigkeit der Silben der äußere (durchaus auch optische) Zusammenhalt verstärkt.
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2.2. Die Verteilung, Kombination und Wirkung der Wortarten
Die besondere Wirkung eines Gedichts wird oft durch die Bevorzugung einer oder mehrerer Wortarten und durch die Vermeidung anderer erzielt (Burdorf 1997, S.131). So stellt sich hier die Frage, inwiefern dies bei diesem Gedicht zutrifft. Bereits beim ersten Lesen ist erkennbar, dass eine bestimmte Wortart diesen Text dominiert, nämlich die Substantive. Tatsächlich sind von den neunzig Wörtern, aus denen das Gedicht besteht einunddreißig Stück Substantive, also gut ein Drittel des Textes. Diese sind relativ gleichmäßig über die einzelnen Strophen verteilt, keine Strophe tritt durch besondere Anhäufung von Substantiven hervor. Als zweithäufigste Wortart sind die Adjektive zu nennen, von denen jedoch nur acht vorhanden sind. Diese wiederum beziehen sich stets auf die Substantive und nie auf die Verben. Zu ihrer Verteilung ist zu sagen, dass diese ebenso relativ gleichmäßig ist, wobei die vierte Strophe jedoch kein einziges Adjektiv enthält. Da dies das erste mal ist, dass ich auf eine Besonderheit der vierten Strophe stoße, kann diese vorerst unberücksichtigt bleiben und soll hier lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt werden.
Als letzte relevante Wortart sind nun die Verben zu nennen; von ihnen existieren sechs in diesem Text. Diese weisen in ihrer Verteilung jedoch folgende Auffälligkeit auf: die zweite Strophe kommt im Gegensatz zu den anderen ganz ohne Verben aus. Wieder mal kommt dieser Strophe eine gewisse Sonderstellung zu.
Durch die Bevorzugung der Wortart der Substantive wirkt das Gedicht sehr statisch. Diese Wirkung wird durch die Wahl der Verben verstärkt. Außer dem Verb „spricht“ (Zeile zwei) handelt es sich um statische Verben („stehen“, „kehren“, „fallen“ sowie „bleiben“), die entweder keine Bewegung ( "stehen" und "bleiben") oder eine geringe ("kehren" und "fallen") implizieren. Die nur kaum stattfindende Bewegung wird durch die doppelte Verwendung des Verbs „bleiben“ (Zeile dreizehn und Zeile zwanzig) relativiert.
Zu bemerken ist auch, dass das Hilfsverb "sein" in seinen Konjunktionsmöglichkeiten komplett vermieden wird (vgl. Zeile sieben sowie Zeile siebzehn). Dadurch entsteht ein unkonventioneller, der Alltagssprache nicht entsprechender Sprachgebrauch. Der Leser wird so zum aufmerksamen, gar wiederholten Lesen des Textes angehalten.
Wie aber sind die Wortarten miteinander kombiniert; welche Besonderheiten sind hier zu beobachten? Interessant ist hier vor allem die Tatsache, dass der mystische, rätselhafte Charakter des Gedichtes insbesondere durch die Kombination der Wortarten entsteht; so werden auf den ersten Blick nicht zueinander passende Substantive und Adjektive kombiniert und laden so den
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Rezipient durch ihre alogische Verwendung zu näherer Betrachtung ein. Beispielhaft sind hier die Wortpaare geduldiges Licht (Zeile vier), geschnittene „Wirklichkeit“ (Zeile sieben und Zeile fünf) sowie „geringe Insekten“ (Zeile siebzehn) zu nennen.
2.3. Der Rezipient und das Lyrische Ich - die Rollen des Gedichts Welche Rolle spielen der Rezipient und das Lyrische Ich bei diesem Text?
Vermessen wäre es zu sagen, dass dem Leser bei diesem Text keine Rolle zukommt, denn nur durch ihn und den Vorgang seines Lesens und Verstehens erwacht ein jeder Text zum Leben (siehe Punkt 1.1.). Jedoch ist hier zu beobachten, dass dem Leser zu mindest keine inhaltliche Rolle zukommt, wie dies bei anderen Gedichten der Fall ist. Dieser Schluss entsteht durch die Feststellung, dass keine rhetorisch-kommunikative Form in diesem Gedicht vorhanden ist. Auch das Lyrische Ich tritt nicht in Erscheinung. Es fehlen gänzlich Anredeformeln, mit denen die Beziehungen zwischen verschiedenen Personen beziehungsweise redenden und zuhörenden Instanzen ausgedrückt wird. Folglich steht die Beziehung des Textlesenden und des Textschaffenden nicht im Mittelpunkt.
Welche Beziehung wird hier dann zum Thema des Gedichts? Welche Beziehung wird beschrieben? Dies ist nun in dem nächsten Schritt der Arbeit, der Inhaltsanalyse zu klären. In Anbetracht der Ergebnisse der Wortartenanalyse (siehe Punkt 2.2.) ist jedoch zu erwähnen, dass der Rezipient durch andere Mittel zum aufmerksamen Lesen gebracht wird.
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Arbeit zitieren:
Gwendolyn Schrott, 2004, Fragen an ein Gedicht. Sprache und Sprachlosigkeit bei Karl Krolows Gedicht "Worte", München, GRIN Verlag GmbH
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