Ursachen des Koreakrieges
Ähnlich wie die deutsche Teilung war die Teilung der Halbinsel Korea eine Folge des Zweiten Weltkrieges. Die Spaltung des Landes in einen südlichen und nördlichen Teil 1945 bildete eine der grundlegenden Voraussetzungen für den in Korea 1950 ausgebrochenen Krieg. 3
Nach dem russisch-japanischen Krieg 1905 war Korea japanisches Protektorat geworden und wurde 1910 nach dem Sturz des letzten koreanischen Königs, Yi Hyeng, vollständig annektiert. Rund 35 Jahre lang stand das Land unter uneingeschränkter Herrschaft der Japaner. 4 Nach der Kapitulation des japanischen Kaiserreiches 1945 Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Schicksal Koreas durch den sich allmählich abzeichnenden Antagonismus zwischen den beiden Siegermächten, der Sowjetunion und der USA, bestimmt.
Nun ist die Frage zu stellen, wie sich das Land in dem kurzen Zeitraum bis 1950 derart entwickelte, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Koreanern kommen konnte. Hätten die Menschen nicht geeint sein sollen nach dem Kampf gegen die japanische Besatzungsmacht?
Noch während des Krieges auf der Konferenz in Kairo 1943 hatte Stalin das Ziel der USA eines baldigen unabhängigen Koreas gutgeheißen, doch verfolgte er nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges andere Pläne als die USA. Stalin wusste, dass Korea als Sprungbrett gegen seine traditionellen Rivalen in Ostasien, China und Japan, dienen konnte 5 und wollte daher wahrscheinlich das Land ohne eine kommunistische Kontrolle nicht sich selbst überlassen. Amerika dagegen hätte Russland in keinem Fall der Sowjetunion das ganze Land überlassen und musst einen Anspruch auf Einfluss auf das Land erheben, um nicht dem Kommunismus zu weichen.
Gemäß den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz vom Juli 1945 wurde Korea in zwei Interessenssphären aufgeteilt. Beide Seiten, Amerikaner und Russen, einigten sich schließlich darauf, die Kapitulation der japanischen Truppen in Korea jeweils
3 Vgl. Loth, Die Teilung der Welt, S. 266
4 Vgl., Sandler, The Korean War, S.20
5 Vgl. Marshall, Der Koreakrieg S. 20
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nördlich und südlich des 38.Breitengrades, der Korea in der Mitte quer durchläuft, durch den Einmarsch eigener Truppen entgegenzunehmen. So vollzog sich die Teilung Koreas in einen durch die Sowjetunion kontrollierten Norden und einen von den Amerikanern besetzten Süden mit dem 38.Breitengrad als “Demarkationslinie”. Noch wäre ein geeinigtes Korea möglich gewesen, hätte für beide Siegermächte das Wohl der Koreaner an erster Stelle gestanden.
Den Vorschlag der USA, das Land unter die Verwaltung der Vereinten Nationen zu stellen wurde von der Sowjetunion abgelehnt, da sie einen Machtverlust befürchtete. Den Vorschlag der Sowjetunion, alle Truppen sofort abzuziehen und freie Wahlen durchzuführen, lehnten wiederum die USA ab, da ein Sieg der Kommunisten drohte und sie dadurch an Einfluss verlieren würden.
Aufgrund der sich immer weiter verhärtenden Fronten zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion in der Weltpolitik und den verschiedenen Vorstellungen bezüglich der Zukunft Koreas schwanden die Hoffnungen auf ein einheitlich regiertes und geeinigtes Korea.
Die UN-Vollversammlung beschloss, Wahlen schon vor einem Abzug der ausländischen Streitkräfte abhalten zu lassen, unter der Aufsicht einer Un-Kommission, aber getrennt in beiden Landesteilen. Die Sowjetunion boykottierte diesen Vorschlag, da die zu wählende Nationalversammlung zur Mehrheit aus Südkoreanern bestanden hätte, was ein Aus für den Kommunismus und eine Annäherung an die USA bedeutet hätte. 6
Im Mai 1948 wurden daraufhin im Süden freie Wahlen veranstaltet , in denen sich der streng antikommunistisch ausgerichtete Syngman Rhee durchsetzte, der im August die Unabhängigkeit der koreanischen Republik (Südkorea) verkündete. 7 Syngman Rhee war ein autokratischer Machtmensch, der durch das gezielte Ermorden politischer Gegner schon vor der Wahl deutlich erkennen ließ in welcher Weise er das Land zu führen gedachte. Auch war die Wahl kein gültiger Ausdruck des Volkswillens, da das Wahlgesetz alle Analphabeten und damit die Hälfte der Bevölkerung von der Stimmenabgabe ausschloss. Zwei Gründe, weshalb Unruhen in Südkorea vorherzusehen waren und die zeigen, dass der USA nicht genügend daran
6 Vgl. Sandler, The Korean War, S 22-28
7 Vgl. Ploetz, S.1744
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gelegen war, ein stabiles gemäßigtes politisches System zu errichten. Im September proklamierten die Kommunisten im Gegenzug im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea, an deren Spitze nach inneren Auseinandersetzungen Kim Il Sung trat. 8 Kim Il Sung war seit 1932 Mitglied der kommunistischen Partei KP und Führer der kommunistischen Partisanen im Kampf gegen die japanische Besatzungsmacht. Dies gab ihm großen militärischen Rückhalt und machte ihn beliebt im Volk. Überhaupt war er mehr Kriegsherr als Diplomat. In letzter Konsequenz der Teilung Koreas von 1945 hatten sich 1948 zwei Staaten gebildet, an deren Spitzen sich zwei radikale Führer feindlich gegenüberstanden und eine friedlich herbeigerufene Einheit Koreas in weite Ferne rückten. Beide Führungspersönlichkeiten gaben sich mit dem erreichten Status quo nicht zufrieden und waren der Überzeugung, ein geeinigtes Korea nach den eigenen politischen Ideologien gewaltsam schaffen zu müssen und anzuführen. 9
Die Eskalation des Konfliktes und Kriegsverlauf
Nach der Errichtung beider Staaten begannen die Amerikaner bis Mitte 1949 ihre Besetzungstruppen bis auf einige Militärberater zurückzuziehen. Diese 500 Fachkräfte stellten für Präsident Syngman Rhee ein großes militärisches Potential dar. Er verstärkte seine Armee immens (von 60.000 Mann Anfang 1949 auf 181.000 Mann Mitte 1950), um eine gewaltsame Wiedervereinigung Koreas herbeizuführen und versuchte, die USA für materielle Hilfe zu gewinnen. Die Opposition Rhees sowie die Truman-Regierung, die seit der Truman-Doktrin von 1947 außenpolitisch das am Erhalt des Status quo ausgerichtete Konzept der Eindämmung sowjetischer Expansionsabsichten verfolgte, standen den Angriffsplänen allerdings ablehnend gegenüber und unterstützten ihn nicht, da sie den Süden als stark genug sahen, einen möglichen nordkoreanischen Angriff abzuwehren. Auch wenn die Amerikaner keine Truppen zur Verfügung stellten, können die verbliebenen amerikanischen Militärberater allerdings als amerikanische Unterstützung der südkoreanischen Armee angesehen werden.
Seit Januar 1950 begann auch die nordkoreanische Führung mit ihrer Aufrüstung bis
8 Vgl., Sandler, The Korean War, S.27
9 Vgl. Ebda, S.22f
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Arbeit zitieren:
Maike Siedentopf, 2004, Der Koreakrieg als Produkt des Kalten Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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