I. Theorie und Forschungsfragen. 5
1. Der Effekt der sozialen Erwünschtheit 5
1.1 Definitionen. 6
1.2.Messverfahren 7
1.3. Erklärungen sozial erwünschten Antwortverhaltens 8
1.4. Kontrollmethoden. 10
Kontrolle bei der Itemkonstruktion und- selektion 10
Kontrolle durch den Antwortmodus 11
Kontrolle durch Kontrollskalen. 11
Kontrolle durch Faktor- Elimination. 11
Kontrolle durch garantierte Anonymität 12
3. Einflussgrößen. 12
3.1. Instruktion. 12
3.2. Methode 13
3.2.1. Schriftliche Befragung oder Fragebogen. 14
3.2.2. Mündliche Befragung oder Interview 14
4. Forschungsfragen 15
Methodenteil 17
Ergebnisteil 20
Diskussion 26
Literaturverzeichnis : 29
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Abstract
Aufgrund des Problems der Fehlerquelle „soziale Erwünschtheit“ in wissenschaftlichen Befragungen hat man im Lauf der Zeit Instrumente zur Messung entwickelt, um die entstandene Verzerrung des Untersuchungsergebnisses im Nachhinein zu kontrollieren. Versuche einer Erklärung für diesen Effekt beschreiben alle im Grunde das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung und Konformität, also das Ausrichten des Handelns nach sozialen Normen.
Im Laufe der Zeit wurden einige Kontrollmethoden entwickelt, die eine möglichst große Verringerung des Ausmaßes der Fehlerquelle erreichen können, aber bislang konnte noch keine absolute Kontrolle erzielt werden.
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Problemstellungen und Ziele der Arbeit
In der Hinführung zu unserem Themenschwerpunkt, dem Effekt der sozialen Erwünschtheit möchten wir zunächst einige wichtige Fehlerquellen bei der wissenschaftlichen Befragung, gemeint sind Interview wie auch Fragebogen, ausgehend vom Befragten, darlegen. In diesem Fall spielt also der Einfluss des Befragten auf die Antwortgabe die größte Rolle, also die Merkmale der befragten Person.
Eine bei den Forschern durchaus bekannte und erforschte Fehlerquelle ist der response set. Hierbei wird eine Antworttendenz gewählt, die nicht in der Mitte der vorgegebenen Urteilsskala liegt. Bei einer Nein- Tendenz liegt ein unkritisches Ablehnungsverhalten des Befragten vor, eine Neigung zu negativer Bewertung. Ja- Tendenzen des Befragten hingegen zeigen eine Tendenz zu unkritischer Zustimmung, also eine Neigung zu positiver Bewertung. Anstatt Ja- Tendenz sagt man des Öfteren auch Akquieszenz. Der Proband kreuzt demnach in einem Fragebogen auch die für ihn unzutreffenden Antworten als zutreffend an (Klapprott, 1975, S. 137).
Ein weiterer Effekt der Verfälschungstendenzen sind die Positionseffekte. Hier spielt es eine Rolle in welcher Reihenfolge die Fragen gestellt werden. Die ersten Fragen beeinflussen alles Nachkommende. Wenn man zum Beispiel gleich zu Beginn etwas Positives üb er sich liest, wird man dem eher zustimmen, als wenn zunächst negative Aspekte angesprochen werden (ebd. 1975, S.137).
Der Fehler der zentralen Tendenz beschreibt eine Neigung undifferenzierte Urteile abzugeben, also fast stets die gleiche Bewertung in der Ratingskala zu wählen. Etwa genauso häufig tritt die Tendenz zu extremen Urteilen auf, also das Ankreuzen von 1 und 5 bei einer 5- stufigen Ratingskala.
Eine weitere Fehlerquelle ist die bewusste falsche Stellungnahme, also das Simulieren oder Lügen bei einer Bewerbung für eine Arbeitsstelle zum Beispiel. Andererseits stellen sich Menschen in bestimmten Situationen bewusst schlechter dar, als sie es sind. Bei der Musterung zum Wehrdienst stellen sich einige Männer als neurotisch dar und zeigen bewusst entsprechende Verhaltensweisen auf, um die Verrichtung des Bundeswehrdienstes zu verhindern ( Edwards, 1957, S.54).
Unter dem Begriff non-attitudes wird die Meinungslosigkeit des Befragten beschrieben, welcher aber dennoch eine Antwort gibt, um sein Unwissen oder seine Interesselosigkeit zu verbergen.
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Das Untersuchungsergebnis ist in allen Fällen verzerrt und kann nicht mehr als hinreichend valide, also als gesichert angesehen werden. Nicht selten ist eine Messung reaktiv, die gerade das verändert was sie eigentlich zu messen versucht. Diese Reaktivität wird zurückgeführt auf das Wissen der Teilnahme an einer Untersuchung und die unbewusste Verhaltensänderung.
Im Folgenden möchten wir uns etwas ausführlicher mit dem Problem der sozialen Erwünschtheit beschäftigen. Die eben erwähnten Fehlerquellen liegen dieser Fehlerquelle oft sehr nah und teilweise spielen die soziale Erwünschtheit und einige Fehlerquellen oft zusammen, wenn eine Untersuchung ein verzerrtes Ergebnis aufweist. Das grundsätzliche Ziel unserer A rbeit ist es herauszufinden, ob der Effekt der sozialen Erwünschtheit ein Problem für die empirische Sozialforschung darstellt und worauf man bei der Konstruktion von Testskalen und bei der Datenerhebung achten muss um diesen Effekt zu kontrollieren bzw. auszuschalten.
Das konkrete Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob die Instruktion bei der Datenerhebung einen Einfluss auf die Antwortgabe im Sinne der sozialen Erwünschtheit hat. Des Weiteren wollen wir herausfinden, ob die Methode der Datenerhebung einen Einfluss auf das Antwortverhalten im Sinne der sozialen Erwünschtheit hat.
Der einführende Teil der Arbeit ist der Theorieteil, der sich zunächst der Definition und Beschreibung der Fehlerquelle widmet. Es werden Messverfahren aufgezeigt, welche den Grad der sozialen Erwünschtheit messen können. Des Weiteren werden Ansätze einer Erklärung dieses Verhaltens , die hauptsächlich aus der Sozialforschung stammen, aufgeführt. Gängige Kontrollmethoden werden wir anhand von Beispielen beschreiben und deren Effektivität untersuchen.
I. Theorie und Forschungsfragen
1. Der Effekt der sozialen Erwünschtheit
Die soziale Erwünschtheit gilt als ein besonderes Problem bei der Messung und es handelt sich hierbei um einen systematischen Fehler bei der Datenerhebung (Hartmann, 1991, S.51). Es gilt, dass dieser Effekt das wichtigste stabile Merkmal des Befragten ist, welches zu Antwortverzerrungen führen kann. Es herrscht viel Uneinigkeit unter den Forschern wie soziale Erwünschtheit definiert werden sollte, wie man sie messen kann und wie man ihr mit Hilfe von Kontrolltechniken beikommen kann. Dieses Problem wollen wir in unserer Arbeit
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etwas näher beleuchten und einige wichtige Mechanismen, welche die Forschung für dieses Problem gefunden hat, darlegen.
1.1 Definitionen
Eine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs „ soziale Erwünschtheit“ gibt es nicht ( Hartmann, 1991, S.37).
Soziale Erwünschtheit als antwortverfälschendes Merkmal des Befragten wird in der Regel als ein stabiles Bedürfnis nach sozialer Anerkennung gesehen, das bei allen Individuen variiert (Strack, 1994, S.14). Die Personen glauben, sich für eine bestimmte Position präsentieren zu müssen und die Antwort so zu gestalten, dass mit ihr soziale Anerkennung erzielt oder zumindest sozia le Ablehnung vermieden wird (ebd., 1994, S.14). Mit anderen Worten, der Befragte lügt um einen guten Eindruck zu machen im Sinne von gegebenen sozialen Normen. Sozial erwünschtes Antwortverhalten liegt entsprechend dann vor, wenn Befragte ihre Antworten an das (vermeintlich oder tatsächlich) sozial Erwünschte anpassen ( Peiser, 2002, S. 1).
Wer sich beispielsweise bei einer souveränen Firma bewirbt und zuvor einen Persönlichkeitstest auszufüllen hat wird den mit großer Sicherheit so ankreuzen, dass seine Antworten den vermuteten Erwartungen seines Gegenübers in positiver Weise entsprechen. Also es wird das angekreuzt, was günstig zu sein scheint um die Arbeitstelle zu erhalten (Klapprott, 1975, S.158). Die gleiche Tendenz ist oft feststellbar, wenn es darum geht, andere Menschen zu beurteilen.
Man kann das Phänomen der sozialen Erwünschtheit von verschiedenen Seiten betrachten. Soziale Erwünschtheit von Merkmalen definiert Hartmann folgendermaßen: „Sozial erwünscht“ sind solche Merkmale von Personen, die vo n den Mitgliedern einer Gesellschaft positiv bewertet werden (Hartmann, 1991, S.43). Items in Fragebögen gelten als sozial erwünscht, wenn sie sich auf ein sozial erwünschtes Merkmal beziehen ( ebd., 1991, S.46). Ein Social Desirability Bias ( Soziale Erwünschtheitsverzerrung ) liegt vor, wenn Antworten systematisch in sozial erwünschter Richtung verzerrt sind (ebd., 1991, S.52). Die Tendenz sozial erwünscht zu antworten sieht man als eine Sonderform eines response set an.
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1.2.Messverfahren
Instrumente die der Messung sozialer Erwünschtheit dienen wurden in erster Linie entwickelt, um die entstandene Verzerrung des Untersuchungsergebnisses im Nachhinein kontrollieren zu können. Bei der Messung geht es darum, das Ausmaß der Tendenzen zu sozial erwünschten Antwortverhalten bei einzelnen Individuen durch einen geeigneten Kennwert zu erfassen (ebd., 1991, S.72).
Zur Messung dieser Tendenzen gibt es eine Vielzahl verschiedener Skalen. Diese Skalen werden kurz SD- Skalen genannt. Sie bestehen aus Fragen mit fest vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, für eine von denen sich dann der Befragte entscheiden muss. Die einzelnen Items beziehen sich auf unterschiedliche Merkmale, die sozial erwünscht oder unerwünscht sind. Für die einzelnen Antworten werden verschiedene Punkte verteilt. Die erreichte Punktzahl gibt dem Forscher dann einen Hinweis auf das Ausmaß sozial erwünschten Antwortverhaltens.
„Der Skalenkonstruktion liegt die Idee zugrunde, dass [sic!] Personen für den Effekt sozialer Erwünschtheit in unterschiedlichem Maß empfänglich sind.“ (Diekmann,1995, S.385) Das Ziel dieser Skalen ist es, die Probanden mit einem hohen SD- Wert dann bei der Datenauswertung heraus zu filtern (ebd.,1995, S.385).
Die bekanntesten SD- Skalen stammen von Allen L. Edwards und Marlowe und Crowne aus den 50`er und 60`er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vor allem 2 Skalen spielen eine große Rolle. Zum einen die Social- Desirability- Skala von Edwards und die Need for Approval Skala von Marlow und Crowne, auch oft als Marlow- Crowne- Skala bezeichnet. Diese Skalen sind zum Einen die am häufigsten angewendeten Skalen und dienten zum Anderen auch als Muster bei der Entwicklung weiterer Skalen (Hartmann, 1991, S.75).
SD- Skalen werden zwar am häufigsten angewandt sind aber nicht die einzigen Ins trumente zur Messung sozial erwünschter Tendenzen.
SD- Skalen unter Bogus- Pipeline- Bedingungen funktionieren über Täuschung des Befragten. Es wird vorgegeben, dass die jeweiligen Instrumente nicht zu täuschen sind und es aussichtslos ist, falsch zu antworten (ebd., 1991, S.94). Eine andere Möglichkeit ist das vorhergehende Beobachten und Testen der Probanden hinsichtlich ihrer Selbstpräsentation. Dies gibt wiederum Aufschluss über das Ausmaß an sozial erwünschten Antworten im darauffolgenden Fragebogen.
Im Schwellenmodell von D.N. Jackson kann der Erwünschtheitsgrad von Items sowie die Neigung sozial erwünscht zu antworten gemessen werden. Unter dem Schwellenwert der sozial erwünschten Reaktion versteht man jenes Ausmaß an Erwünschtheit, das bei einem
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Item 50% Ja- Antworten von 50% Nein- Antworten auf das Item trennt. In diesem Fall bedeutet die Jasage- Tendenz eine Tendenz zur sozial erwünschten Zustimmung (Mummendey, 1987, S.162).
Als Beleg für die antwortverfälschende Wirkung des Bedürfnisses nach sozialer Anerkennung werden in der Regel auch korrelative Zusammenhänge zwischen der Antwort und der Ausprägung des verfälschenden Merkmals herangezogen. So wurde herausgefunden, dass Befragte mit einem hohen Wert auf der Marlow- Crowne- Skala eher die Kategorie „sehr glücklich“ verwendeten als Probanden mit einem niedrigen Wert (Strack, 1994, S.15). Doch sind die gefundenen Zusammenhänge sehr gering und von einigen Forschern als nicht aussagekräftig genug betrachtet.
In der Praxis der psychologischen und sozialwissenschaftlichen Forschung wurden hauptsächlich die Effekte des Ja- Sagens und der sozialen Erwünschtheit untersucht. Diese zwei Fehlerquellen stehen in einem Zusammenhang, denn die Häufigkeit der Bejahung hängt von dem Grad ab, mit dem die Bejahung als sozial erwünscht angesehen wird (Mummendey, 1987, S.162).
In der aktuellen Forschung entstand die Frage ob der Effekt der sozialen Erwünschtheitnicht individuell verschieden sei. Man hat herausgefunden, dass Urteile abhängig vom Alter, Geschlecht und sozialer Schichtzugehörigkeit sind. Man könnte demnach also von einer „persönlichen sozialen Erwünschtheit“ sprechen (ebd., 1987, S.166). Dennoch treten bei der Messung Schwierigkeiten auf, denn man müsste für jede individuelle Beurteilung andere Messinstrumente zur Kontrolle konstruieren. Daher sieht man davon ab, diese Form der Messung durchzuführen.
1.3. Erklärungen sozial erwünschten Antwortverhaltens
Versuche eine Erklärung dieses Effektes zu liefern sind eher selten gemacht worden. Bislang sind vor allem Marlowe und Crowne diejenigen die sich damit beschäftigt haben. Nach dem Erklärungsmodell von Esser wählen Personen die Handlungsalternative die am ehesten Nutzen verspricht. Ausschlaggebend für die Wahl ist der subjektiv erwartete Gesamtnutzen, den sich die Person verspricht. Sozial erwünscht zu antworten bedeutet in dem Fall, dass der Befragte einen Nutzen darin sieht durch seine Antworten einen guten Eindruck seiner Person zu hinterlassen (Hartmann, 1991, S. 127). Es hat sich auch die Sozialforschung mit dem Phänomen beschäftigt und hat einige Erklärungsansätze geliefert.
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Arbeit zitieren:
Katja Ellerkmann, 2003, Soziale Erwünschtheit in der empirischen Sozialforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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