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Kurz gesagt entsteht der Sinn oder die Bedeutung, die Menschen Situationen oder Gegenständen beimessen, auch wenn sie allein sind, aus sozialen Interaktionen. So lernen Kinder die Bedeutungen von Gesten oder Worten durch ihre Eltern.
Wenn ein Baby seinen Arm ausstreckt, um etwas zu erreichen, schreibt es dieser Geste keine andere Bedeutung
zu, als das Erreichen des Gegenstandes. Wenn aber die Mutter darauf reagiert, indem sie dem Kind den
Gegenstand gibt, lernt das Baby, dass der ausgestreckte Arm auch eine inhaltliche Bedeutung haben kann. 2. Die Zone der nächstmöglichen Entwicklung
Wygotsky kritisierte an standardisierten IQ-Test- Scores, dass sie keine Aussage darüber machen, was ein Mensch wirklich imstande ist zu leisten, wenn er oder sie von anderen angeleitet wird, oder mit ihnen zusammenarbeitet. Die Zone der nächstmöglichen Entwicklung beschreibt den Bereich zwischen dem, was ein Mensch imstande ist, allein zu leisten und der Leistung, die er/sie erbringen kann in Zusammenarbeit mit jemandem, der mehr weis auf diesem Gebiet.
Diese Zone der nächstmöglichen Entwicklung bewertet Gardner(1996, S. 200) als potentes Konzept in der Bewertung intellektueller Fähigkeiten, aber ebenso in der Beurteilung der Art und Weise, wie Menschen in der Schule und im Beruf lernen. Er beschreibt eine essentiell gute Lernsituation, als eine Situation, die den/die Lernende(n) genau in Ihrer/seiner Zone der nächstmöglichen Entwicklung abholt - genau den Bereich, den sie erreichen können, wenn sie von einer bereits fortgeschritteneren Person angeleitet werden. Wenn die Schüler die gestellte Aufgabe meistern kann, ist es möglich, die Anleitung zu reduzieren, oder die Anforderung zu steigern, so dass die Zone der nächstmöglichen Entwicklung höher anzusetzen ist. Wygotsky widerspricht Piagets Theorie, die besagt, dass die kognitive Entwicklung dem Lernen vorausgeht. Er geht davon aus, Piaget habe den Einfluss der Schule unberücksichtigt gelassen in seiner Phasentheorie. (Mietzel, 01, S. 104). Der gleiche Fehler unterlief, Wygotsky zufolge, den Testpsychologen, die nur die ohne Anleitung erbrachte, in Punkten messbare Leistung beurteilten und nicht die mögliche Leistung. Er gibt zu bedenken, dass das Erreichen der gleichen Punktzahl in einem IQ-Test durchaus nicht bedeutet, dass der weitere Verlauf der Entwicklung zweier Kinder in der Schule übereinstimmen wird. Er stellt die Frage, was wäre, wenn der Entwicklungsprozess jetzt erst beginnt und nicht bereits abgeschlossen wäre. D.h. wenn er die Intelligenz zweier Kinder misst und jeweils ein Intelligenzalter von 8 Jahren ermittelt, könnte man annehmen, das Intelligenzniveau der beiden wäre gleich. Wenn man die beiden jedoch eine Zeit lang unterweisen würde in der Lösung der Aufgaben und bei einem weiteren Testdurchgang erreichte das eine Kind ein Intelligenzalter von 12 das andere von 9 Jahren... das Ergebnis wäre nicht mehr übereinstimmend. Sowjetische Intelligenzdiagnostik
Wygotskys Interesse galt demzufolge nicht der Selektion sondern der Förderung. In der Sowjetunion waren aufgrund von Wygotskys Studien IQ-Tests nach westlichen Standards verboten. Die dortige Intelligenzdiagnostik erfolgen in drei Teilschritten: Erst werdem dem Kind Aufgaben vorgelegt. Wenn es sie nicht lösen kann, wird es
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von einem Erwachsenen unterwiesen, wobei genau erfasst wird, welche Hilfestellungen nötig sind. Dann erfolgt erneut ein Testdurchgang. Gemessen wird also:
• die Zone potentieller Entwicklung (das Kompetenzniveau, das mit gebotener Hilfe erreicht werden kann)
• die Fähigkeiten des Kindes, von der Hilfe zu profitieren
• die Lerngeschwindigkeit des Kindes
• die Fähigkeiten des Kindes zu Transfer des Prinzips der geübten Aufgaben auf neue Aufgaben
Das Anliegen dieser Tests ist es also, Lernmöglichkeiten der Schüler zu ermitteln, statt Leistungsprodukte zu messen. Dies sieht Mietzel (01, S. 105) als zukünftiges Anliegen einer pädagogisch psychologischen Diagnostik. Mietzel vergleicht Wygotskys Zone der nächstmöglichen Entwicklung mit einem Baugerüst oder einer Einrüstung (scaffolding). Ein Gerüst bietet ihm zufolge folgende Vorteile beim Hausbau:
• es bietet Unterstützung
• es hat die Funktion eines Werkzeugs
• es erweitert die Reichweite der Arbeiter
• es ermöglicht das Ausführen einer sonst nicht verrichtbaren Arbeit
• es bietet dem Arbeiter nur Hilfe, wenn dieser sie braucht. (Mietzel, 01, S. 107; in Anlehnung an Bruner, 76). Mietzel (2001) über Wygotsky:
„Jede Funktion tritt in der kulturellen Entwicklung eines Menschen zweimal auf: zuerst auf der sozialen Ebene (interpsychisch) und später innerhalb des Kindes selbst (intrapsychisch)“ (Wygotsky, 1978).
Ein Beispiel dafür ist die Sprache. Zuerst lernt das Kind sprechen mit seinen Mitmenschen, dann verwendet es die Sprache während eines Problemlöseprozesses laut für sich allein und später internalisiert es dieses Selbstgespräch immer mehr zu einem leisen internen Monolog. „Jedes Kind erwirbt auf der sozialen Ebene die Symbolsysteme seiner Kultur (Sprache, Mathematik, Noten usw.)“ (Mietzel, 01). Im Gegensatz zu Piagets Interpretation des inneren Monologs als „Egozentrismus“als Unfähigkeit, sich anderen sinnvoll mitzuteilen, war der innere Monolog für Wygotsky ein Zeichen hoher Intelligenz. Da das Kind erst in der Lage ist, einen inneren Monolog zu führen, nachdem es mit anderen gelernt hat zu sprechen, ist der Monolog in Wygotskys Sichtweise eine Fortentwicklung des Dialogs. Dieser Monolog hat seinen Ursprung darin, dass Eltern oder andere Beziehungspersonen dem Kind Anweisungen oder Ratschläge gaben oder es anleiteten in schwierigen Situationen. Nach und nach lernt das Kind, sich dieser Anweisungen selbst zu geben und entwickelt damit seine Fähigkeit zur Selbstkontrolle.
Dieser innere Monolog hört nicht im Verlauf der Entwicklung auf, sondern wird immer mehr verinnerlicht, so dass Außenstehende ihn nicht mehr hören können. Er dient auch beim Erwachsenen dem Zweck der Problemlösungsfindung.
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Dieser innere Monolog dient der Steuerung und Richtungsgebung der eigenen kognitiven Prozesse. Das Kind lenkt seine Aufmerksamkeit auf etwas bestimmtes, ordnet seine Gedanken, plant sein weiteres Vorgehen, verschafft sich Klarheit über die vorliegende Problemsituation.
Mietzel (01, S. 103) zufolge haben Wygotskys Arbeiten entscheidend zur Integration der Selbstinstruktion in die pädagogische Praxis beigetragen. Man sollte sie ihm zufolge im Unterricht mit einsetzen.
• Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen Gardner (1996) kritisiert an den psychometrischen Testverfahren, dass sie von Menschen verlangen, Probleme zu lösen, ohne auf ihren Erfahrungs- und Wissensschatz zurückgreifen zu können.
Als Beispiel nennt Gardner den Raven´s progressive matrices Test, der auf keinerlei Wissen basiert und visuelle
Anforderungen stellt in einer Art, die nur wenige Menschen vorher erlebt haben. Ebenso verhält es sich mit den „inspection
time studies“ - computergestützte Laborstudien, welche angeblich „wissensfrei“ sind, sich aber mit keiner alltäglichen
Erfahrung der Test- Teilnehmer decken.
Gardner gibt zu, dass die Kontrolle von Variablen, so wie Wissen und Erfahrung es ermöglicht, die Leistung unterschiedlicher Menschen bei einer gegebenen Aufgabe zu messen. Es stimmt aber genauso, dass die Vergleiche, die auf dieser Basis erstellt werden, nicht den Reichtum an Erfahrung reflektieren, den Menschen normalerweise in ihrem Denkprozess nutzen.
Kritiker dieser Tests stellen fest, dass Theorien, die auf psychometrischen IQ-Tests und Aufgaben basieren, nicht wirklich die menschliche Intelligenz repräsentieren, sondern nur dasjenige Denken, das sich in dieser Art der Aufgabenstellung widerspiegelt. (Gardner, 1996, S. 201; zit. nach: Ceci, 1990; Cole & Scribbner, 1974; Gardner, 1991).
Gardner (1996) gibt zu bedenken, dass psychometrische IQ-Tests der kognitiven Entwicklung eines Menschen in keiner Weise Rechnung tragen. So könnte man z.B. die Frage stellen, ob die Anzahl der Faktoren (vgl. general intelligence-Faktorenanalyse) sich mit der Zeit ändert, oder ob die Relevanz oder Gewichtung einzelner Faktoren sich verschiebt.
Andersen (1992) (zitiert nach Gardner, 1996, S. 202) stellt die Absurdität dieser Unterlassung heraus:
„obwohl es massive Veränderungen in der intellektuellen Kompetenz eines Individuums im Verlaufe der Kindheit und Jugend gibt und obwohl die gesamte IQ-Test- Bewegung ursprünglich auf diesem Phänomen basierte, gibt es ehrlich
gesagt keinerlei Beachtung der Intelligenzentwicklung in psychometrischen Testverfahren.“
Die psycometrischen IQ-Tests gehen von einem gleichbleibenden, angeborenen IQ-Test-Score aus, welcher nach Abschluss der frühesten Kindheit gleich bleibt, auch wenn die Ansammlung von Wissen und Fähigkeiten im Leben eines Individuums größer wird.
Howard Gardner´s Theorie der multiplen Intelligenzen:
Gardner (1996, S. 202) stellte 1993 seine Theorie der multiplen Intelligenz auf als direkte Herausforderung zur „klassischen Sichtweise der Intelligenz“. Ihmzufolge geht die klassische Sichtweise davon, Intelligenz sei eine Kapazität die einzig und allein dazu dient, logische Gedankengänge zu verfolgen wie z.B. in der
Arbeit zitieren:
Juliane Gerstberger, 2001, Neuere Ansätze in der Intelligenzforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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