Gliederungsverzeichnis
A. Einleitung und Fragestellung 1
B. Das Recht der Kriegsgefangenen vor neuen Herausforderungen 1
I. Bestandsaufnahme 1
1. Rechtsquellen und anwendbares Recht 1
a) Humanitäres Völkerrecht 2
b) Verhältnis zum internationalen Menschenrechtsschutz 2
2. Anwendungsbereich 3
3. Grundsätzliche Regelungen 4
II. Herausforderungen 5
C. Die Gefangenen von Guantánamo Bay: Rechtsstatus und Konsequenzen 5
I. Zusammensetzung der Gefangenen 6
II. Position der US-Regierung zum Status der Gefangenen 7
III. Der Status des Marinestützpunkts Guantánamo Bay 8
IV. Status und Rechte der Gefangenen 10
1. Humanitäres Völkerrecht 10
a) III. Genfer Abkommen von 1949 10
aa) Anwendbarkeit 10
(1) Vertragsbindung der Konfliktparteien 10
(2) Vorliegen eines erklärten Krieges 11
(3) Vorliegen eines internationalen bewaffneten Konflikts 12
(a) Der 11. September 2001 und der sog. „Krieg gegen den Terror“ 12
(b) Rechtliche Bewertung 13
(4) Zwischenergebnis 14
bb) Kriegsgefangene 15
(1) Status 15
(a) Mitglieder von Streitkräften 15
(b) Mitglieder von anderen Gruppen 17
(aa) Zu einer am Konflikt beteiligten Partei gehörend 17
(bb) Verantwortliche Person an der Spitze 18
(cc) Unterscheidungszeichen 18
(dd) Offentragen der Waffen 19
(ee) Einhaltung der Gesetze und Gebräuche des Krieges 19
(2) Rechte 19
(a) Allgemeiner Schutz, Internierung und Transport 19
(b) Auskunftspflicht und Befragungen 20
(c) Freilassung 20
cc) Personen mit zweifelhaftem Status 21
dd) Zwischenergebnis 21
b) IV. Genfer Abkommen von 1949 22
aa) Anwendbarkeit 22
bb) Zivilperson 22
(1) Status 22
(2) Rechte 23
cc) Zwischenergebnis 24
c) Völkerrechtlicher Mindestschutz des gemeinsamen Art. 3 GA I-IV 24
2. Internationale Menschenrechte 24
a) Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte 24
aa) Vertragsbindung und Anwendbarkeit 24
bb) Rechte 25
b) Zwischenergebnis 26
D. Schlussfolgerungen und Ausblick 26
III
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VII
A. Einleitung und Fragestellung
Die Behandlung des in die Hand des Gegners gefallenen Kämpfers hat eine lange und wechselvolle Geschichte, von der man optimistisch annahm, dass sie aller Skepsis zum Trotz einen Fortschritt von der Barbarei zu Recht und Humanität aufweise. 1 Nachdem sich die Völkerrechtsordnung in den letzten Jahren, zuletzt im Zuge der Afghanistan und Irak-Kriege und des Kampfes gegen den weltweit agierenden Terrorismus, neuen Herausforderungen stellen muss, steht auch das Recht der Kriegsgefangenen vor einer Bewährungsprobe. 2 Angesichts der die Medien überflutenden Berichte und Anschuldigungen über Misshandlungen und Folterungen gefangen geha ltener Personen im Irak und in Guantánamo Bay stellt sich die Frage, ob der eingangs erwähnte Optimismus tatsächlich noch berechtigt is t und wie es um das Recht der Kriegsgefangenen bestellt ist.
In dieser Arbeit soll zunächst einführend das Recht der Kriegsgefangenen in seinen Grundzügen dargestellt und einige der Herausforderungen vor denen es steht angerissen werden (Teil B). Der Schwerpunkt liegt dann in der eingehenden Untersuchung des Falles „Guantánamo Bay“ mit dem Ziel, den Versuch einer Klärung des rechtlichen Status der dort festgehaltenen Personen zu unternehmen und die daraus folgenden Konsequenzen aufzuzeigen (Teil C).
B. Das Recht der Kriegsgefangenen vor neuen Herausforderungen
Zunächst in einer Bestandsaufnahme des geltenden Rechts erfolgen, um sodann die Herausforderungen denen sich dieses Recht derzeit stellen muss zu untersuchen.
I. Bestandsaufnahme
Zu erörtern welches Recht überhaupt auf „Kriegsgefangene“ anwendbar ist und unter welchen Voraussetzungen es zur Anwendung kommt. Anschließend wird auf einige grundsätzliche Regelungen eingegangen.
1. Rechtsquellen und anwendbares Recht
Das im internationalen bewaffneten Konflikt anwendbare Recht besteht aus Vertragsrecht, Gewohnheitsrecht und allgemeinen Grundsätzen des Völkerrechts. Ein Teilbereich dieses Rechts bilden die Schutznormen für von bewaffneten Konflikten betroffene Personen, das sog. humanitäre Völkerrecht, zu dem auch das Recht der Kriegsgefangenen gehört. 3 Daneben ist umstritten, ob auch die allgemeinen Regelungen der internationalen Menschenrechtsschutzsysteme Anwendung auf Kriegsgefangene finden (dazu in Teil B I 1 b).
1 So Berber, Bd. II, S. 148; Vgl. auch Forsythe, S. 65.
2 Vgl. Prall, S. 1347.
3 Ipsen, § 66 Rdnr. 1.
1
a) Humanitäres Völkerrecht
Das humanitäre Völkerrecht umfasst die Gesamtheit der Rechtsnormen des Völkerrechts, die die Behandlung des einzelnen Menschen - Zivil- oder Militärperson, ver-wundet oder im Einsatz - in internationalen bewaffneten Konflikten regeln und seinem Schutz zu dienen bestimmt sind. 4 Seinen Kern bilden die vier Genfer Abkommen von 1949: Das I. Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Streitkräfte im Felde (GA I) 5 , das II. Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen der Streitkräfte zur See (GA II) 6 , das III. Genfer Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen (GA III) 7 und das IV. Genfer Abkommen zum Schutze der Zivilbevölk erung in Kriegszeiten (GA IV) 8 . Ergänzt werden die Genfer Abkommen durch zwei Zusatzprotokolle: Das I. Zusatzprotokoll über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte (GZP I) 9 und das II. Zusatzprotokoll über den Schutz der Opfer nicht- internationaler bewaffneter Konflikte (GZP II) 10 . Von Bedeutung sind daneben nach wie vor auch die Haager Konventionen von 1907, insbesondere die IV. Haager Konvention über die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs (HK IV) mit der Haager Landkriegsordnung (HLKO). 11
Das humanitäre Völkerrecht verfolgt zwei Zwecke: (1) Den Schutz derjenigen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr an den Kampfhandlungen teilnehmen und (2) die Einschränkung der Mittel des Krieges, wie z. B. bestimmter Waffen oder Kriegsmethoden. 12 Der Schutz einzelner Personen richtet sich dabei nach dem Grundsatz, dass g egen den wehrlosen oder die Waffen streckenden Gegner keine bewaffneten Schädigungshandlungen mehr vorgenommen werden dürfen. 13
b) Verhältnis zum internationalen Menschenrecht sschutz
Ob neben dem humanitären Völkerrecht auch Regelungen der internationalen Menschenrechtsschutzsysteme anwendbar sind, ist umstritten. 14 Die US-Regierung vertritt die Auffassung, dass in den Fällen in denen das humanitäre Völkerrecht zur Anwendung kommt, allein dieses als lex specialis gilt: „international human rights law is not applicable to the conduct of hostilities or the capture and detention of enemy
4 Greenwood in: Fleck, Nr. 101, 102, S. 1, 8.
5 BGBl. 1954 II, S. 783.
6 BGBl. 1954 II, S. 813.
7 BGBl. 1954 II, S. 838.
8 BGBl. 1954 II, S. 917.
9 BGBl. 1990 II, S. 1550.
10 BGBl. 1990 II, S. 1637.
11 RGBl. 1910, 107.
12 Kalshoven/Zegveld, S. 12 ff.
13 Art. 23 lit. c. HLKO; Art. 41 GZP I; Ipsen, § 69 Rdnr. 14; Bothe in: Vitzthum, 8. Abschn. Rdnr. 77.
14 Ausführlich dazu Heintze, S. 172 ff.
2
combatants, which are governed by the more specific laws of armed conflict“. 15 Begründet wird diese Auffassung mit der Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofs (IGH). Dieser führte in seinem Gutachten zur Rechtmäßigkeit der Drohung mit und des Einsatzes von Atomwaffen 16 aus, dass die Regelungen des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) 17 , zwar während eines internationalen bewaffneten Konflikts anzuwenden seien, aber die dort gewährten Rechte letztlich vom Kriegsrecht als lex specialis bestimmt würden. 18 Schon aus den Derogationsklauseln 19 der einzelnen Menschenrechtsverträge ergibt sich jedoch ein anderes, denn diese Bestimmungen regeln explizit, wann Mensche nrechte im Krieg nicht mehr zur Anwendung gelangen. Jedenfalls nicht außer Kraft gesetzt werden können derogationsfeste Menschenrechte. 20 Das Verhältnis von humanitärem Völkerrecht und allgemeinen Menschenrechten ist demnach ein Verhältnis der gegenseitigen Einflussnahme. Menschenrechtliche Bestimmungen müssen im Lichte des spezielleren Rechts der internationalen bewaffneten Konflikte ausgelegt werden. Dort aber wo das humanitäre Völkerrecht Lücken und unbestimmte Begriffe enthält, können menschenrechtliche Regelungen diese beeinflussen und ergänzen. 21
2. Anwendungsbereich
Das herkömmliche Kriegsrecht war ursprünglich dadurch begrenzt, dass es nur in bewaffneten Auseina ndersetzungen zwischen Staaten galt in denen ein förmlich erklärter „Kriegszustand“ herrschte. 22 Seit dem Zweiten Weltkrieg hat diese Vo rschrift jedoch nur noch verminderte Beachtung gefunden, so dass die Schlüsselnormen zur Eröffnung des Anwendungsbereichs des humanitären Völkerrechts heute die Art. 2 der GA I-IV sind, die den Begriff des „internationalen bewaffneten Konflikts“ geprägt haben. 23 Der Begriff ist im Einzelnen sehr umstritten 24 , worauf noch einzugehen sein wird. Abzugrenzen ist jedenfalls zwischen Kriegen und internationalen bewaffneten Konflikten auf der einen sowie internen bewaffneten Konflikten auf der
15 So die USA in ihrer Antwort vom 15. März 2002 auf ein Ersuchen der Inter-Amerikanischen Menschenrechtskommission, Response of the United States to Request for Precautionary Measures - Detainees in Guantanamo Bay, Cuba, ILM 41 (2002), S. 1020 ff (hiernach: US Response).
16 Legality of the Threat or Use of Nuclear Weapons, vom 8. Juli 1996, ICJ Reports 1996, S. 226 ff.
17 UNTS Bd. 999, S. 171; BGBl. 1973 II, S. 1534.
18 Heintze, S. 174.
19 Art. 4 IPbpR; Art. 27 der Amerikanischen Konvention über Menschenrechte (AMRK), UNTS Bd.1144, S. 123; Art. 15 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK), BGBl. 2002 II, S. 1055.
20 Z. B. gem. Art. 4 Abs. 2 IPbpR die Art. 6, 7, 8 Abs. 1 und 2, 11, 15, 16 und 18 IPbpR.
21 Vgl. auch Heintze, S. 181; Forsythe, S.67 ff.
22 So sah Art. 1 des III. Haager Abkommens vom 18.10.1907 eine förmliche Kriegserklärung vor, be-vor Feindseligkeiten beginnen durften, RGBl. 1910, 82; Sog. subjektiver Kriegsbegriff, vgl. dazu Bothe in: Vitzthum, 8. Abschn. Rdnr. 62.
23 Vgl. dazu Greenwood in: Fleck, Nr. 201, S. 34.
24 Ipsen, § 66 Rdnr. 3; ausführlich Ipsen in: FS Menzel, S. 408 ff.
3
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Jan Erik Spangenberg, 2004, Der Rechtsstatus der Kriegsgefangenen - zugleich zum Guantánamo Fall, München, GRIN Verlag GmbH
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