Gliederung
1) Einleitung 3
2.1) Neorealismus. 4
2.2) Konstruktivismus: 5
3) Der Sechstagekrieg 7
3.1) Eskalation: 7
3.2) Krieg 8
3.3) Folgen. 9
4.1) Neorealistische Analyse: 11
4.1.1)Israel:.............................................................................................................. 11
4.1.2) Arabische Kriegsparteien 12
4.2) Konstruktivistische Analyse 13
4.2.1) Israel: 14
4.2.2) Arabische Kriegsparteien 16
4.3) Bewertung der Analysen 18
5) Abschließendes 20
6) Quellen 22
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1) Einleitung
Die wissenschaftliche Disziplin der Internationalen Beziehungen entstand nach dem ersten Weltkrieg aus dem gesellschaftlichen Interesse an einem friedlichen Leben. Die Vertreter der westlichen Siegermächte verpflichteten sich auf der Versailler Friedenskonferenz Lehrstühle & Forschungsinstitute einzurichten, die sich zum Zwecke der Friedensforschung auf die internationale Politik spezialisieren sollten 1 . Anfangs war die vergleichsweise junge Wissenschaft, stark idealistisch geprägt. Viele, von der Hoffnung getrieben Kriege „abzuschaffen“, glaubten an die Ideale der Aufklärung, die denen des klassischen Realismus konträr gegenüberstanden. Mit erstarken des Totalitarismus in Europa & dem zweiten Weltkrieg kam es zu einem „Rollback“ realistischer, bzw. neorealistischer Weltsicht in den Internationalen Beziehungen 2 . Seit 1966 3 , ist eine weitere gedankliche Strömung innerhalb der Disziplin zu verorten, die des Konstruktivismus.
Im Folgenden werden die Theorietraditionen Neorealismus & Konstruktivismus eingehender beleuchtet. Interessant dabei ist, dass der Konstruktivismus in gewisser Weise ein Neoidealismus ist, da er Ideen einen deutlich höheren Stellenwert beimisst, als andere Strömungen 4 . Somit geht es auch um die traditionelle metatheoretische Konfliktachse 5 zwischen Idealismus & Realismus.
Der anschließende historische Teil geht auf die Geschehnisse um den Sechstagekrieg im Nahen Osten & die darauffolgenden scheiternden Friedensverhandlungen ein. Im Analyseteil wird versucht die Situation anhand des Neorealismus & des Konstruktivismus zu erklären. Die Fragestellung lautet demnach: „Warum scheiterten die Frie-densverhandlungen zwischen Israel & den arabischen Kriegsparteien, nach dem Sechstagekrieg?“ Ein Fazit, sowie abschließende Worte runden die Arbeit ab.
1 Vgl. Mayer, Peter/ Rittberger, Volker: Wissenschaft und Weltpolitik. Erscheint In: Volker Rittberger (Hrsg.): Weltpolitik heute. Baden-Baden: Nomos. S.1, Z.4 - 15
2 Vgl. ebd. S.3, Z.25 - S.4, Z.11
3 1966 wurde von Peter L. Berger & Thomas Luckmann das Buch „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“, im Original auf englisch herausgebracht. Krell bezeichnet es als grundlegendes soziologisches Werk für die Internationalen Beziehungen
4 Vgl. Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen. Baden-Baden 2000, S.241, Z.19f
5 Peter Mayer & Volker Rittberger vertreten in “Wissenschaft und Weltpolitik” (s. Fußnote 1) die Position, dass es innerhalb der Internationalen Beziehungen aufgrund verschiedener, koexistierender Leitbilder angemessener ist statt von Debatten, von metatheoretischen Konfliktachsen zu sprechen. S.4, Z.40f
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2.1) Neorealismus
Die Theorie des Neorealismus wurde erstmals von Kenneth Waltz 1959, im Kontext der zwei Weltkriege & des Ost-West-Konflikts, formuliert. Das internationale System kann man seiner Meinung nach in zwei separate Elemente trennen: Akteure und Struktur. Die zentralen Akteure sind bei Waltz die Staaten. Über ihr Verhalten formulierte er drei Grundannahmen:
a) Das zentrale Bedürfnis ist das Überleben, bzw. der Erhalt der staatlichen und geographischen Einheit 6 . Sicherheit ist das Hauptanliegen der Staaten, wobei sie sich bemühen ihren Status zu halten oder sich expansionistisch verhalten, um dieses Ziel zu erreichen 7 .
b) Entscheidungen werden von einer Zweck-Mittel-Rationalität geleitet. Dass man die Intentionen der anderen Staaten nicht kennt, wird in diese Entscheidungen mit einbezogen.
c) Das Macht- & Stärkepotential, als Vergleichseinheit von Staaten, ergibt sich aus den militärischen, ökonomischen und sozialen Vorraussetzungen.
Die Struktur des internationalen Systems übt nach der Auffassung der Neorealisten einen kausalen Einfluss auf die Akteure aus. Während die einzelnen staatlichen Systeme einer hierarchisch-zentralistischen Ordnung folgen, wird hier von einem dezentral-anarchischem 8 Ordnungsprinzip ausgegangen 9 , was ein Selbsthilfesystem zur Folge hat 10 .
Die Machtverhältnisse zwischen den Staaten beeinflussen ihr jeweiliges Handeln zueinander. Eine bipolare Machtverteilung bietet nach Meinung der Neorealisten den stabilsten Rahmen für friedliche Phasen im internationalen System, da das Gleichgewicht zweier übermächtiger Staaten übersichtliche Verhältnisse schafft 11 .
6 Vgl. Waltz, Kenneth N.: The Origins of War in Neorealist Theory. In: Journal of Interdisciplinary History (Spring 1988), S.619, Z.18 - 25
7 Vgl. Krell: Weltbilder und Weltordnung, S.248, Z.23 - 27
8 Mit anarchischem Zustand ist hier das Fehlen einer übergeordneten Regelungs- & Sanktionsinstanz gemeint.
9 Vgl. Waltz: The Origins of War in Neorealist Theory, S.618, Z.17f
10 Vgl. ebd. S.624, Z.29 - 32
11 Vgl. ebd. S.620, Z.24 - S.624, Z.16
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Der schon vom Realliberalisten John Herz erkannten Problematik des Sicherheitsdilemmas wird auch von Waltz Relevanz zugeschrieben 12 . Hierbei geht es darum, dass sich ein Staat nie sicher sein kann, dass beispielsweise fremde Aufrüstung ausschließlich defensive Gründe hat & jeder Staat prinzipiell feindlich sein könnte. Dies kann einen „Teufelskreis“ des Wettrüstens & der Machtakkumulation verursachen 13 . Der Atombombe wird in diesem Zusammenhang, zumindest in bipolaren Machtkonstellationen, eine stabilisierende Wirkung zugeschrieben, da ihre entgültige Zerstörungskraft gepaart mit dem Risiko des Zweitschlags für alle schlimme Folgen hat 14 .
2.2) Konstruktivismus:
So wie der Realismus seinen pessimistischen Ansatz der damaligen internationalen politischen Situation schuldet, entstand auch der Konstruktivismus aus bestimmten historischen Rahmenbedingungen. Speziell das Ende des Ost-West-Konflikts sei hier genannt, wurde es doch durch eine Form „Neuen Denkens“ beendet, das die machtpolitische Logik des ‚Realismus durchbrach.
1992 veröffentlichte Alexander Wendt den fundamentalen Aufsatz „Anarchy is what states make of it: the social construction of power politics“ 15 , der eine Kritik am Neorealismus formuliert. Z.B. gibt es nach Waltz zwei Möglichen für Staaten, um Sicherheit zu erreichen: Stagnation oder Expansion. Wendt erweitert dies um eine weitere Möglichkeit 16 :
Staaten, die ziemlich sicher sind, dass andere Staaten ähnliche Sicherheitsinteressen haben, werden diese nicht als potentielle militärische Bedrohung erfahren, selbst wenn sie militärisch hoffungslos unterlegen sind (...). Diese Länder werden ihre Sicherheitsbedürfnisse dadurch befriedigen, dass sie ihre Konflikte gewaltfrei auf dem Wege des Rechts oder des politischen Kompromisses lösen.“ 17
Dies, so folgert Wendt, ist nicht vereinbar mit dem Waltzschen Selbsthilfemodell, bzw.:
“Self help is an institution, not a constitutive feature of anarchy.“ 18
12 Vgl. ebd. S.619, Z.26f
13 Vgl. Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung, S.110, Z.24 - S.111, Z.9
14 Vgl. Waltz: The Origins of War in Neorealist Theory, S.625, Z.12f
15 Wendt, Alexander: Anarchy is what states make of it: the social construction of power politics. In: International Organisation 46, 2 (Spring 1992)
16 Vgl. ebd. S.400, Z.17 - 26
17 Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung, S.110, Z.29f
18 Wendt: Anarchy is what states make of it, S.402, Z.7
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Der Neorealismus ist eine in sich geschlossene Theorie. Dies behauptet der Konstruktivismus von sich nicht. Er ist vielmehr eine, durch Soziologie & Kulturwissenschaften stark interdisziplinäre, Forschungsperspektive, die versucht „neue“ Erklärungsmuster in den Internationalen Beziehungen zu erarbeiten. Das zentrale Interesse liegt hierbei auf Kulturen & Normen, die bestimmte Ideen, Weltbilder & Interessen begünstigen, bzw. sozial konstruieren 19 .
Ein Bsp. hierfür findet sich in der feministischen Gender-Forschung, die feststellt, dass Geschlechter soziale Konstrukte sind. Wichtig hierbei ist die Feststellung, was natürlich ist oder nur als natürlich empfunden wird, aber sozial konstruiert wurde, wie eben Geschlechter oder auch die Tatsache, dass in kapitalistischen Ländern jedem Gut ein finanzieller Wert zugeordnet werden kann. Denn ist etwas sozial-konstruiert worden, besteht zumindest prinzipiell die Möglichkeit der Dekonstruktion, durch das Lernen neuer Ideen, z.B. mit Hilfe von Kommunikation.
Die Kubakrise ist hier ein hervorragendes Bsp.: Die machpolitische Strukturen der beiden Seiten USA & UDSSR waren im Kontext des sich verschärfenden Ost-West-Gegensatzes auf Ideen festgefahren, die nach realistischer Tradition jedes militärische Handeln der anderen Parteien als potentielle Bedrohung interpretierten 20 . Eine Situation, die stark ans Sicherheitsdilemma erinnert. Erst das herausragende Handeln Kennedys & Chruschtschows hat die sich abzeichnende Katastrophe abwenden können. Sie haben innerhalb der 13 kritischen Tage durch Kommunikation gelernt, neue Ideen zu entwickeln, die es erlauben das gegnerische Verhalten neu zu interpretieren. Eine neue Sicht der Welt wurde konstruiert, die alte dekonstruiert. Es ist wohl besonders solch praktischen Erfolgen zu verdanken dass sich der Konstruktivismus in den Internationalen Beziehungen großer Akzeptanz erfreut.
19 Vgl. ebd. S.398, Z.9f
20 Vgl. Wendt: Anarchy is what states make of it, S.400, Z.5f
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Arbeit zitieren:
Malte Witzig, 2004, Warum die israelisch-arabischen Friedensverhandlungen nach dem Sechstagekrieg scheiterten, München, GRIN Verlag GmbH
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